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Zirbelnuss

Auch Pyr, Stadtpyr. Bei der Zirbelnuss handelt es sich um ein heraldisches Symbol. Sie ist Bestandteil des Augsburger Stadtwappens?. Üblicherweise wird in ihr der aufrecht stehende Zapfen einer Zirbelkiefer gesehen.

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Allgemeines

Das Symbol der Zirbelnuss wurde in früherer Zeit zur Markierung von Gerichtsbezirken verwendet. Man brachte es an öffentlichen Gebäuden an und viele Augsburger schmückten damit ihre Häuser. Noch heute kann man die repräsentativsten Beispiele des Symbols am Rathaus- und am Zeughaus -Giebel sehen.

In den letzten Jahrzehnten hat vor allem der Tourismus dafür gesorgt, dass die Zirbelnuss weite Verbreitung fand. Man kann Schals mit ihrem Symbol erwerben, Bierkrüge, Deckchen, Aufkleber, Schreibgeräte, Fähnchen, Taschen, Gartenschmuck, T-Shirts, Jacken, Handtücher und und und. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und bei einem Stadtspaziergang kann man diese Liste von Verwendungszwecken der Zirbelnuss sicher noch um einige Punkte ergänzen. Mehrere hundert Beispiele für die Omnipräsenz der Zirbelnuss in Augsburg bietet die Bildergalerie "My Wappen?" im Gemeinde-Portal des Hauses der Bayerischen Geschichte

Weil die Zirbelnuss das Symbol für Augsburg ist, benutzen auch einheimische Firmen und Vereine das Wort oder Symbol in ihrem Namen oder für andere Zwecke. Es gibt z. B. eine Augsburger Pinsel- und Bürstenfabrik, die das Wort als Webadresse nutzt, es gibt einen FCA-Fanclub? namens Ritter der Zirbelnuss?, einen Kartellverband OZ Augsburg Zirbelnuss? und einen Gebäudereinigungsservice Zirbelnuss? etc. Die Zirbelnuss ist also in Augsburg allgegenwärtig.

Geschichte und Deutung

Zum ersten Mal taucht die Zirbelnuss in Augsburg auf Siegeln aus dem 13. Jahrhundert auf. Auf einem Siegel des Jahres 1237 sieht man ein baumartiges Gebilde. Der Umriss läuft spitz zu und die Blattstruktur des Baumes ähnelt schon der Zirbelnuss mit ihren Schuppen. Man vermutet, dass die mittelalterlichen Menschen mit dem Baum Fruchtbarkeit und Wachstum Augsburgs symbolisieren wollten und den Namen Augsburgs fälschlicherweise von dem lateinischen Wort "augere" (wachsen, sich vermehren) herleiteten.

Aus dem Jahr 1260 (nach anderen Quellen 1276) ist ein Stadtsiegel? zu Verleihung des Bürgerrechts? erhalten, auf dem der Stadtbaum zu einer Traubendolde oder Beere geworden ist. Das Gebilde wird jetzt als "Per", "Traub" oder auch "Stadtber" bezeichnet. Auch "bir" oder "pir" wird als Name benutzt. Wahrscheinlich meinte man damit eine Birne (lateinisch "pirum"), weil der Umriss des Stadtsymbols wie eine Birne aussah.

Von 1451 sind die Akten eines Streits zwischen der Stadt und dem Bischof erhalten. Aus diesen Akten geht hervor, dass im Mittelalter in Augsburg viele Steine gefunden wurden, die man den Römern oder gar noch früheren Bewohnern von Augsburg ("haiden") zuschrieb und die man als Grenz- oder Gemarkungssteine verwendete. Es handelte sich bei diesen Steinen um eine römische Schmuckform, den Typus des Pinienzapfens. Er war für die Römer das Symbol für Unsterblichkeit und Fruchtbarkeit. Deshalb verwendeten sie ihn als Spitze von Pfeilergrabmälern. Man fand ihn deshalb oft an den Ausfallstraßen Augsburgs, wo die Römer ihre Gräber anlegten. Betrachtet man die Grabstelen an der Römermauer am Dom, sieht man, wie der Pinienzapfen eine Säule zum stilisierten Phallus, einem Fruchtbarkeitssymbol, macht. Möglicherweise ist das aus dem frührömischen Kybele-Mythos entstanden. Kybele war eine Fruchtbarkeitsgöttin und ein junger Mann, der sich unglücklich in sie verliebt hatte, soll sich deshalb sein Glied ausgerissen und es auf den Boden geworfen haben. Daraus erwuchs die erste Pinie, als Lebensbaum.

Im Jahr 1467 fand man einen römischen Pinienzapfen bei einer Grabstätte. Spätestens jetzt ersetzte die Deutung als Zirbelnuss die der Traube.

Dieser Pinienzapfen hatte bei den Römern die verschiedensten Formen, darunter auch solche, die von ihren Silhouetten beerenartig aussahen oder als Beere gedeutet werden konnten. So überrascht es nicht, dass mittelalterliche Menschen, die solche Funde machten, von "Stadtbeere", "Beere" oder "Pyr" sprachen. Manche Forscher sind sogar der Meinung, dass der Wandel des Baumsymbols in ein beerenartiges Symbol mit den römischen Funden im Mittelalter zusammenhängt. 1521 wird auf einem Stadtplan (Seldplan) die Erdbeere als Symbol für Augsburg gezeigt.

Ob die Zirbelnuss im Augsburger Wappen wirklich auf die Römerzeit zurückgeht, kann heute nicht mit Sicherheit gesagt werden, noch nicht einmal, dass es wirklich römischen Ursprungs ist. Aber es spricht viel dafür.

Augsburger Kanaldeckel mit Zirbelnuss © Eva Stuhlmüller (www.augsburg-parrot.de)

Es gibt nämlich noch eine andere Deutungsvariante des Symbols. Diese andere Herleitung wurde zum ersten Mal von Sigmund Meisterlin? im Jahr 1456 vertreten. Er leitet den Begriff "Pyr" nämlich von dem griechischen Wort "pyr" her, das so viel wie Feuer, Flamme bedeutet. Die Zirbelnuss oder Stadtbeere soll demnach das Bild eines Feuers gewesen sein. Eine solche Feuerdarstellung schmückt übrigens den Sarkophag des Stadtgründers Drusus?, der in Mainz steht. Auch der Chronist Hektor Mülich? wusste um die Flamme auf dem Stadtgründer-Grab und meinte, Drusus? habe das Wappensymbol gestiftet, ohne jedoch das Gebilde als Flamme zu bezeichnen.

Welche Deutung die richtige ist, mag dahingestellt sein. Faktum ist, dass erst im 16. Jahrhundert aus der Beere ein Nadelbaumzapfen wurde, oder anders gesagt: Erst ab dieser Zeit wurde in dem Symbol statt einer Beere ein Pinienzapfen gesehen. Das hat mit dem Historiker Mariangelo Accursius? zu tun, der bei einem Augsburg-Aufenthalt in den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts "Stadtbeeren" sah, die man 1467 bei Sankt Ulrich und Afra fand. Eines dieser Fundstücke besaß ein Kapitell mit Frauenkopf. Diesen Frauenkopf deutete Mariangelo Accursius? als Kybele, die man auch mit der vorrömischen Göttin Cisa? identifizierte. Der Kybele aber war die Pinie oder Kiefer (lateinisch "pinus") geweiht, also konnte die "Beere" nur die Frucht dieses der Göttin Kybele geweihten Baumes sein. Dass man diese bisher als "pir" bezeichnet hatte, beruhte seiner Meinung nach auf einer Verwechslung mit "pirus" (lateinisch für Birnbaum).

Mariangelo Accursius? glaubte wohl nicht, dass im Augsburger Wappen der mittelmeerische Pinienzapfen verewigt ist, sondern eher ein Zapfen einer Kiefernart, wie sie wohl noch zu römischen Zeiten die Augsburger Wälder schmückte. Und deshalb spricht er von "cyrbelnuß", ein Begriff, den er fälschlich auf die Göttin Kybele zurückführt.

Gegen die Deutung des Mariangelo Accursius? gab es Widerstand von seiten des Augsburger Juristen Hieronymus Fröschl?. Zwar glaubte auch er, wie er in seiner Hauschronik schrieb, dass das Symbol auf den Kybele-Kult zurückgehe, doch war ihm ein Dorn im Auge, dass man die angeblich christliche Umdeutung in eine Beere oder Weinranke wieder zurückgenommen habe und "die abgöttisch Teufelshuer sambt irer Zirbelnuß wider (habe) aufrichten" müssen. Auch Markus Welser? spricht sich in seiner Stadtchronik gegen eine Deutung des Symbols als Beere aus, lehnt aber eine Herleitung vom Kybele-Kult ab. Stattdessen meint er, es handele sich um die "Nuß von einem Hartzbaum". In römischer Zeit sei die Umgebung von Augsburg besonders reich an Nadelbäumen gewesen und so sei diese Nuss zu einem Symbol von Augusta Vindelicorum? und vielleicht sogar von Rätien geworden. Das Zeichen, so Markus Welser?, sei ein Grenzzeichen gewesen und so kann er das Wort "Pyr" von dem lateinischen Wort "pyramis", also Pyramide, ableiten, das manchmal auch in der Bedeutung "Grenzstein" vorkam. Die geschichtliche Auffassung, dass das Symbol auf die Römerzeit zurückgeht, ist zwar wissenschaftlich nicht beweisbar, hat sich aber bis ins 19. Jahrhundert unter Gelehrten gehalten und wird heute noch von manchem Augsburger vertreten.

Heute versteht man unter Zirbel die Zirbelkiefer (Pinus cembra). Zur Zeit des Mariangelo Accursius? war der Begriff noch nicht auf die Zirbelkiefer beschränkt, sondern weiter. Zirbelkiefern, so nimmt man an, hat es in der Gegend von Augsburg wohl auch in früheren Zeiten nicht gegeben. Möglicherweise war mit dem Begriff Zirbel damals die Wald- oder Rotkiefer gemeint, die in Mitteleuropa weit verbreitet war. Die Zapfen von Pinus sylvestris sehen dem Pyr sehr ähnlich.

Die Unsicherheit, was das Symbol im Augsburger Stadtwappen? bedeutet, hält bis ins 19. Jahrhundert an. Noch der Historiker Johann Nepomuk von Raiser? spricht davon, dass es ein Fohren-, Fichten-, Lerchen- oder Tannzapfen sein könnte. Zwar gibt es schon im 16. Jahrhundert Bilder, auf denen die "Stadtbeere" zum Zapfen geworden ist, doch bis 1806 zeigen die Stadtsiegel? zum Teil noch die Beere. Und auch städtische Beschauzeichen zeigten noch lange die Beere. Doch im 19. Jahrhundert setzte sich der Zapfen als Symbol im Stadtwappen? dann endgültig durch.

Anlässlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt Augsburg stiftete das Augsburger Tiefbauamt? 1985 die Zirbelnüsse auf den Kanaldeckeln.

Im April 2012 veranstaltete die Regio Augsburg Tourismus GmbH eine Familienführung unter dem Motto „Das Geheimnis der Zirbelnuss“, auf der die Zirbelnuss im städtischen Umfeld erkundet wurde.

Sonstiges

Dass die Zirbelnuss als Symbol für Augsburg erst im Mittelalter auftaucht, als die Bürgerschaft Selbstbewusstsein erwirbt, hängt vielleicht damit zusammen, dass das Symbol ab dem 6. Jahrhundert im christlichen und von einem Bischof regierten Augsburg verpönt war.

Dadurch, dass der FCA die Zirbelnuss im Wappen trägt, findet sie deutschlandweite Beachtung.

Medienpreis 2012

Die Zirbelnuss, die Wappenfrucht Augsburgs, soll den Menschen in Form eines modernen und für jeden zugänglichen Symbols nahe gebracht werden, entschied man im Juli 2012 bei der Preisvergabe des Augsburger Medienpreises und zeichnete Agata Norek mit dem 1. Preis in der Kategorie „Idee“ aus. Sie hatte zwei „eindimensionale“ Zirbelnüsse so zusammengesetzt, dass sich eine neue, dreidimensionale Darstellung ergab. Das historische Symbol ging so durch die moderne plastische Darstellung eine Verbindung mit der „Urform“ der Zirbelnuss ein und brachte durch das fluoreszierende Material die Zirbelnuss als Augsburgs Stadtwappen wieder zum Leuchten. Die Künstlerin meinte dazu: „Meine Version der Zirbelnuss ermöglicht die Integration des altes Symbols in die gegenwärtige Indoor- und Outdoor-Architektur. So wird sie dem aktuellen Schönheitsempfinden gerecht und findet, trotz oder gerade wegen ihrer archaischen Gestalt Zugang zu modernen Menschen. Die Zirbelnuss und die Hintergründe zu ihrer Geschichte werden neu angesprochen und bewusster wahrgenommen.“

Die Organisatoren des Augsburger Medienpreises hofften, dass die künstlerisch gestaltete Zirbelnuss in die Hände der Augsburger und der Stadtbesucher gelangten. Sie sollte sich in Restaurants, Hotels, Schaufenstern der Augsburger Geschäfte und Tourist-Information wieder finden. Ebenso sollte sie in Museen, Galerien, im Botanischen Garten und Zoo präsentiert und angeboten werden. Durch diese Art von Publicity sollte Augsburgs Zirbelnuss mit den Touristen in die Welt getragen. Sie sollte sie zum Highlight, Eyecatcher, Geschenk, Schmuck oder einfach eine Erinnerung an einen Besuch in Augsburg werden und dafür sorgen, dass über Augsburg gesprochen wird.

Zirbele & Augustinchen

Die Plüschmaskottchen werden von academica, der studentischen Unternehmensberatung der Hochschule Augsburg verkauft. Die Erlöse aus dem Verkauf kommen der Elterninitiative krebskranker Kinder Augsburg - Lichtblicke? als Spende zu Gute. Die grünen Plüschfiguren in einer weiblichen und einer männlichen Ausgabe sind witzig und sympatisch. Sie eignen sich gut als Geschenk an Freunde, Bekannte oder Geschäftspartner, wenn auf originelle Art Augsburg in Erinnerung gebracht werden soll. Für die Idee bekamen die StudentInnen, die Zirbele & Augustinchen "erfanden" den StuBert Award 2013 in der Kategorie "Preis für Pro-Bono-Projekt" verliehen.

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