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Zink, Burkhard

auch Burkhard Zingg oder Burkard Zink; Fernhandelskaufmann, Augsburger Chronist, städtischer Bediensteter, Autor einer der ersten modernen deutschen Autobiographien

Leben und Werk

Kindheit und Ausbildung

Burkhard Zink wurde 1396 als Sohn eines kleinen Kaufmanns in Memmingen geboren. Sein Vater betrieb nachweislich Handel bis in die Steiermark. Im dritten Band seiner Augsburger Chronik schrieb Zink: "Meine liebe Mutter starb an einem Kind, als man zählte nach Christi unseres lieben Herrn Geburt 1401 ... Da war ich vier Jahre alt und hatte drei Geschwister." Etwa drei Jahre später heiratete der Vater zum zweiten Mal, doch Burkhard Zink beklagt sich später in der erwähnten Chronik über sie: "Die war eine junge, stolze Frau, war uns Kindern nicht günstig, hielt uns hart und tat uns übel; aber sie war unserem Vater lieb und gefiehl ihm wohl, wie gar oft alten Männern junge Weiber gefallen." Vier Jahre ging Burkhard Zink in Memmingen zur Schule.

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Denkmal für Burkhard Zingg in Memmingen, 2008. By Martin Egg (Own work) [CC BY 2.0 de], via Wikimedia Commons

Diese freudlosen Jahre endeten für Burkhard Zink mit elf Jahren. In Begleitung eines älteren Schülers schickte ihn der Vater zum Onkel, einem Pfarrer in Rieg bei Laibach (Ljubljana / Slowenien). Der Bruder des Vaters war mit Margarethe von Teck, als sie die Gemahlin Friedrichs III., des Grafen von Ortenburg, wurde, aus seiner schwäbischen Heimat nach Krain gekommen und Pfarrer in Rieg geworden. Sieben Jahre schickte ihn der Onkel auf die Lateinschule in Reifnitz. Anschließend wollte ihn der Onkel auf die Wiener Universität schicken, denn er wollte, dass aus dem jungen Mann ein Pfarrer wurde. Das aber wollte Burkhard Zink auf keine Fall, weshalb er auch den Besuch der Universität ablehnte und sich mit seinem Onkel überwarf und 1414 allein nach Memmingen zurückwanderte.

In Memmingen jedoch hatten sich die Verhältnisse zu seinen Ungunsten verändert: Der Vater lebte von seiner Frau getrennt, seine Brüder waren an der Pest gestorben und die Schwester hatte geheiratet, nicht ohne sich zuvor das gesamte mütterliche Erbteil unter den Nagel zu reißen. Dann starb auch noch der Vater und Burkhard Zink wanderte erneut zu seinem Onkel nach Rieg, doch er war inzwischen ebenfalls verstorben und hatte sein Erbe anderen vermacht. Damit war Burkhard Zink ein mittelloser Jüngling, der auf der Straße stand. So versuchte er es mit dem Kürschnerberuf, doch eine Kürschnerlehre beendete er ebenso schnell, wie er sie begonnen hatte. Er schrieb dazu: "Als ich nun bei dem Meister war bei 14 Tagen, da hatte ich sein genug, es tat mir im Rücken weh, und war ihm nichts recht."

Nun probierte es Burkhard Zink als fahrender Scholar und besuchte die Schulen von Ehingen, Balingen und Ulm, überlegte immer wieder, ob er nicht doch Pfarrer werden sollte, doch selbst Not brachte ihn nicht auf den geistlichen Weg. Oft erbettelte er seinen Lebensunterhalt und nagte am Hungertuch.

Augsburg wurde die Stadt seines Glücks und seines Aufstiegs nach einem bewegten und gebeutelten Leben bis dahin. 1415 landete er zum ersten Mal in Augsburg. Hier ließ er die Wünsche seiner Sippschaft, die ihn gerne als Pfarrer gesehen hätten, hinter sich und trat in die Welt des Handels. Er lernte in Augsburg bei dem Krämer Ulrich Schön? den Kaufmannsberuf. Anschließend versuchte er sich in Nürnberg und Bamberg? als Kaufmann, doch kehrte er 1419 endgültig in die bayerisch-schwäbische Handelsmetropole Augsburg zurück.

Aufstieg im Kaufmannsberuf

Ab 1419 lebte und arbeitete Burkhard Zink in Augsburg. Zunächst als Handlungsgehilfe für den angesehenen Kaufmann Jos Kramer?. Für ihn handelte er mit Wolle, Pelzen und Barchent und mit Kaufleuten in Städten wie Venedig, Frankfurt oder Nürnberg. Die Liebe hätte ihn fast seine Karriere gekostet: Im Alter von 24 Jahren heiratete er 1420 Elisabeth Störklerin aus Mering, die Magd seines Chefs, was nicht erlaubt war. Deshalb wurde er entlassen. Dazu schrieb er: "Also wusst ich nicht, was ich anfangen sollte." Mit dem Kopieren von Büchern hielt er sich über Wasser, dann nahm ihn Jos Kramer? wieder in seinen Dienst auf und ließ ihn sogar auf eigene Rechnung Handelsgeschäfte tätigen, wozu er als Kaufmann "auf eigene Haut" eine Handelsfirma in Augsburg gründete. In Handelsangelegenheiten reiste er nach Italien, Ungarn und Griechenland. Mit seiner ersten Frau hatte Burkhard Zink zehn Kinder.

Auf eigene Rechnung Handelsgeschäfte zu tätigen, war für Burkhard Zink der Durchbruch. 1421 erscheint er erstmals in den Augsburger Steuerbüchern? und muss 25 rheinische Gulden versteuern. 1422 verdiente er über zehn Monate lang als Zahlmeister und Schreiber der städtischen Fußtruppen ordentlich Geld. Jetzt wurde auch der Augsburger Rat auf ihn aufmerksam und stellte ihn in der Folgezeit zu verschiedenen Besorgungen und Aufträgen außerhalb der Stadt an: 1423 wurde er dem Ratmann Jörg Ploß? auf einer Reise zum König Sigmund nach Ungarn mitgegeben, 1427 nach Rom geschickt, um einem für die Stadt in dem schwebenden Bischofsstreit tätigen Prokurator Gelder zu überbringen, 1430 nach Venedig, um Pulver für Augsburg einzukaufen. 1428 hat er schon 293 rheinische Gulden zu versteuern. Und 1430 starb sein Dienstherr und Förderer Jos Kramer?, dessen Söhne Burkhard Zink entließen. Das gerade freigewordene gut bezahlte Amt des Waagemeisters an der Fronwaage übertrug der damalige Bürgermeister? Peter Egen? Burkhard Zink, der dadurch einen Jahressold von 53 rheinischen Gulden erhielt.

Der Aufsteiger betätigt sich als Fernhandelskaufmann besonders im lukrativen Venedighandel. Durch seine Handelskontakte bereiste er viele Länder. Öfter kam er nach Venedig, das damalige europäische Handelszentrum am Mittelmeer. 1440 erhielt Burkhard Zink das Augsburger Bürgerrecht?. Noch im gleichen Jahr oder ein Jahr später beteiligte sich Zink mit einer Einlage von 500 rheinischen Gulden an der Handelsgesellschaft von Hans Meuting? als Faktor?. Und er kaufte sich sein erstes eigenes Haus in Augsburg. 1441 heiratete er nach dem Tod seiner ersten Frau (1440) die adelige Frau von Adelzhausen, die zwei Kinder in die Ehe mitbrachte, jedoch schon 1449 starb. 1444 kaufte Zink ein weiteres Haus und stieg aus der Meuting-Gesellschaft? wieder aus. 1448 stand er mit einem zu versteuernden Einkommen von 1135 rheinischen Gulden auf dem Höhepunkt seiner Karriere und hatte den Aufstieg in die damalige gehobene Mittelschicht Augsburgs geschafft.

Nach dem Tod seiner zweiten Frau lebte Burkhard Zink in wilder Ehe mit Margret Segesserin zusammen und hatte mit ihr zwei Kinder.

Hinwendung zur Schriftstellerei

Nach 1450 reiste Burkhard Zink weniger und versah immer häufiger städtische Ämter wie z. B. das Amt des Kornmeisters? (1454), des Weinungelters? (1456, 1458 Groß-Weinungelter) oder des Stadtzinsmeisters? (1459). Das brachte ihm sicheres Einkommen ohne die Risiken des Handelsgeschäfts. Bei einem Kriegszug mit Augsburger Landsknechten, 1450, betätigte er sich als amtlicher Ausgeber?. Seine Gewinne aus der Meuting-Gesellschaft? legte Zink ganz konservativ in Immobilien an, wieder Risiken scheuend.

Vor oder im Jahr 1454 trennte sich Zink von Margret Segesserin, worauf diese ihn auf die Ehe verklagte, doch gewann Burkhard Zink den Prozess und konnte danach 1454 Dorothea Münsterlin (gest. 1459) heiraten, mit der er vier Kinder hatte.

Burkhard Zink widmete sich mehr und mehr dem Schreiben seiner Augsburger Chronik und darin seinen umfangreichen Memoiren. Er berichtet uns darin von seinen vier Ehen. Außerdem von seiner Liaison. Aus seinen Verbindungen sollen 20 Kinder hervorgegangen sein, die aber nicht alle überlebten. Zuletzt heiratete Zink 1460 Anna N. N., mit der er zwei Kinder hatte und die ihn überlebte. Seine letzte Ehe scheint nicht allzu glücklich gewesen zu sein, man vermutet, das sei Auslöser gewesen, dass er sich der Schriftstellerei widmete. Ganz eingerostet scheinen seine Handelsaktivitäten jedoch nie gewesen zu sein, denn aus dem Jahr 1457 ist uns überliefert, dass er von Augsburg aus in fünf Tagen nach Trient ritt, was damals eine anstrengende und erstaunliche Leistung war.

Burkhard Zink starb 1475 in Augsburg, nach anderen Quellen 1474, nach einem erstaunlichen Aufstieg vom kleinen Mann zum wohlhabenden und gebildeten Geschäftsherren.

Chroniken der schwäbischen Städte

"Ein geschriben buch von allerlay alten sachen insonderheit vom krieg zwischen Baiern und der statt Augsburg, auch dem Kayser", lauter der Untertitel zu einem Buch der Zink-Chronik.

Von Burkhard Zink stammt eine beachtenswerte Augsburger Chronik ("Die Chroniken der schwäbischen Städte"). Er verfasste sie in der Zeit von 1450 bis 1468. In vier Bänden schrieb Zink handschriftlich über Augsburgs Geschichte. Der Berichtszeitraum umfasst die Jahre 1396 - 1462 (Chronik insgesamt: 1368 - 1468).

Der erste Band beleuchtet vornehmlich die Augsburger Geschichte von 1368 - 1406. Dabei benutzte Zink eine ältere Chronikvorlage, die er zu großen Teilen übernahm und mit Aktualisierungen versah.

Im zweiten Band berichtet er über die Jahre 1401 - 1466 in Augsburg. Er mischt eigenes Erleben mit Ereignissen, die er vom Hörensagen weiß. Dabei erwähnt er die Namen seiner Informanten, um die Seriosität seiner Aufzeichnungen zu belegen.

Der dritte Chronik-Band enthält die Autobiografie des Verfassers bis 1459. Sie ist in zwei Teile gegliedert (Teil I Lebensgeschichte, Teil II Familiengeschichte) und wurde 1466 verfasst. Diese Autobiographie ist der wertvollste Beitrag von Burkhard Zink, denn sie gibt Einblicke von seltener Eindringlichkeit in die Lebensrealität des Spätmittelalters. Sie ist originell und aus der Sicht eines Bürgers? geschrieben. Die Überschrift lautet: "In dem namen gots fach ich an zu schreiben diß nachvolgend besunder buech, wie ich Burkhart Zingg von meinen kintlichen tagen gelept und was ich mich genietet han und wie es mir gangen ist."

Im vierten Band kann man von der Augsburger Geschichte 1416 bis 1468 lesen. Der vierte Band überschneidet sich oft mit dem zweiten. Die Erklärung dafür ist die Tasache, dass Zink erst jetzt an neue Quellen herankam, etwa zum Augsburger Bischofsstreit, den Hussitenzüge und wahrscheinlich auch eine uns verlorene Chronik Augsburgs aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts benutzen konnte. Innerhalb der chronologischen Erzählung finden sich im vierten Band zusammenhängende Darstellungen von Ereignissen in ihrem Verlauf, etwa die Geschichte von Peter Egen?.

Der Leser erfährt durch Zink von diversen Unruhen, kriegerischen Auseinandersetzungen, Intrigen in den bayerischen Adelsfamilien, gefährlichen Hussitenzügen, Freiheitskämpfen der Eidgenossen, Reformationsideen und Münzverschlechterungen. Der Chronist Zink erzählt aber auch von alltäglichen Nöten, von Problemen mit Naturereignissen, katastrophalem Wetter, Vorfällen bei Reisen und überteuerten Lebensmitteln. Er macht sich auch Gedanken zu den Konflikten zwischen den freiheitlichen Reichsstädten? und den machthungrigen Fürsten. Für ihn ist der Zusammenschluss der Reichsstädte? nötig. Manchmal benutzt er kräftige und deftige Ausdrücke, etwa wenn er mit Zorn über den Kampf der Bürger? Augsburgs gegen die aggressiven bayerischen Fürsten berichtet.

Würdigung

Burkhard Zink war durch seine Vorbildung gelehrter als die meisten seiner Mitbürger oder die Kaufleute seiner Zeit. So verstand er Latein, besaß Bücher z. B. einen Aesop, das Gedicht des Thomas Prischuch vom Konstanzer Konzil und interessierte sich für Römisches in Augsburg. Dennoch schrieb er schlicht und frei von allem gelehrten Prunk. Er ist in seinen Büchern genauso Realist wie im Leben. Dennoch begnügte er sich nicht wie seine Vorgänger nur Tatsachen zu verzeichnen, sondern machte seine Teilnahme, seine Freude, seine Trauer oder Besorgnis deutlich. Nie geht ihm der Blick auf das Ganze verloren.

Durch seine Autobiografie erhalten wir einen unvergleichlichen Einblick in den Bildungsgang und in das Privatleben eines Bürgers? in einer süddeutschen Reichsstadt? der damaligen Zeit.

Sonstiges

In seiner Geburtsstadt Memmingen stiftete 1862 der Kaufmann Hans Leeb ein Denkmal für Burkhard Zingg. Es wurde zunächst am Hallhof aufgestellt, doch steht es heute beim Westertor am Königsgraben. Außerdem gibt es in Memmingen die Zinggstraße, die nach Burkhard Zink benannt ist.

Die Stadt Augsburg benannte 1963 die Burkhard-Zink-Straße? im Wolfram- und Herrenbachviertel nach einem der ersten Autobiographen.

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