Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de


Hauptseite | Bevölkerung und Politik | Z | Zainer, Günther


Zainer, Günther

auch Zeyner, Zeiner oder Günther der Schreiber (bis 1472); ein Augsburger Buchdrucker

Leben und Wirken

Jugend und Ausbildung

Günther Zainer kam aus Reutlingen, wo er wohl auch geboren wurde, ohne dass wir das genaue Datum wissen. Möglicherweise war er der Bruder des Ulmer Druckers Johannes Zainer - sicher aber waren die beiden verwandt.

In Straßburg heiratete Günter Zainer 1463 Agnes Krieg. Das ist so im Straßburger Bürgerbuch festgehalten. In Straßburg war er auch in der Maler- und Goldschmiedezunft Mitglied. Dort muss er auch das Handwerk eines Buchdruckers gelernt haben, wahrscheinlich bei Johann Mentelin. Möglicherweise lernte auch Johannes Zainer bei Johann Mentelin - zur gleichen Zeit wie Günther Zainer. Auch verließen die beiden Straßburg etwa gleichzeitig.

Übersiedlung nach Augsburg

Günther Zainer beherrschte die Kunst des Buchdruckens bereits, als er nach Augsburg kam. Hier in Augsburg war er der erste Buchdrucker, der im Stil von Johannes Gutenberg wohl ab dem Sommer 1467 eine Druckerwerkstatt betrieb. Kardinal Peter von Schaumberg? und Melchior von Stammheim?, Abt von Sankt Ulrich und Afra, riefen ihn wahrscheinlich nach Augsburg. Jedenfalls wurde Zainer mit anderen Meistern zusammen zum Leiter einer damals eingerichteten Druckerei des Klosters Sankt Ulrich und Afra bestellt.

Zainer Meditatione de Vita Christi
Ein Blatt aus "Meditatione de Vita Christi", Günther Zainer in 1468. Kopie aus der Bayerischen Staatsbibliothek. Von Günther Zainer [Public domain], via Wikimedia Commons

Seinen ersten in Augsburg nachweisbaren Druck vollendete Günther Zainer mit dem Buch "(S. Bonaventurae) Meditationes vitae Christi" am 12. März 1468, aber er muss schon zuvor in Augsburg gedruckt haben; einzelne Quellen glauben sogar, er habe schon 1466 in Augsburg Traktate gedruckt. Er leitete wie gesagt auch die Druckerei des Augsburger Klosters St. Ulrich und Afra, so dass er vom Klerus viele seiner Aufträge bekam. Allerdings druckte er nicht nur religiöse Werke, sondern auch weltliche Lektüre, medizinische Schriften, pädagogische Anleitungen und Kalender. Ab 1468 druckte er sogar deutschsprachige Bibeln. Und 1469 kam aus seiner Offizin das "Catholicon", ein Druck, der weit seltener zu finden ist als der "Catholicon"-Druck des Gutenberg.

Etymologiae Guntherus Ziner 1472
T und O-Karte der bekannten Welt aus der ersten gedruckten Version des Isidorus' Etymologiae. Das Buch wurde 623 geschrieben und 1472 in Augsburg von Günther Zainer (Guntherus Ziner) gedruckt. Isidors Skizze gilt als älteste Karte des Abendlandes. By Isidor von Sevilla [Public domain], via Wikimedia Commons

Seine Bücher stattete Günther Zainer ab 1471 mit Illustrationen und Initialen auf der Basis von Holzschnitten aus. Damit war er nach Albrecht Pfister 1461 in Bamberg? der zweite Drucker, der das tat. Mehrere Auflagen konnte Zainer von seinem ersten illustrierten Werk "Das Leben der Heiligen" (Legenda Aurea von Jacobus de Voragnie) drucken und verkaufen. Anfangs versuchten die Augsburger Holzschnitzer zu verhindern, dass er Holzschnitte in seinen Büchern druckte. Doch erhielt er von Melchior von Stammheim? später die Lizenz dazu - unter der Bedingung, dass er nur Augsburger Holzschnitzern Aufträge übertrug, obwohl er selbst Holzschnitte anfertigen konnte.

1471 druckte Günther Zainer den literarischen Erstling des Ulmer Humanisten und Arztes Heinrich Steinhöwel (1412-1479) mit dem Titel "Historia Appollonii regis Tyri". Es war eine deutsche Bearbeitung eines lateinischen Romans über den König Apollonius von Tyrus, die Steinhöwel aus mehreren Quellen kompilierte und übersetzte. Dem Druck von Günther Zainer folgten noch Augsburger Drucke bei Johannes Bämler? (1476), Anton Sorg? (1479) und Johann Schönsperger? (1488).

Zum Augsburger Bürger? wurde Zainer 1472. Ebenfalls 1472 druckte Günther Zainer die "Etymologiae" des Isidor von Sevilla in seiner Augsburger Offizin, aber auch das älteste Werk der populären Rechtswissenschaft, den "Processus Luciferi contra Jesum" von Jacobus de Theramo in deutscher Sprache.

Etablierung in Augsburg

Ab 1472 konnte Günther Zainer Bild und Text gleichzeitig drucken, was einen bedeutenden Schritt im Bilderdruck markierte. Hatte er noch 1471 beim Winterteil des Heiligenlebens noch zwei Arbeitsgänge, je einen für Text und Bild, so hatte Zainer für den Druck des Sommerteils des Buches 1472 rechtwinklige und maßgenaue Holzstöcke entwickelt, die sich passgenau in den Satz des Textes auf gleicher Höhe mit den Lettern einbauen ließen. Diese Legenda aurea, Leben der Heiligen, Sommerteil ("Hie hebt sich an das sumer teil der heyligen leben ...") ist ein zweispaltiger Wiegendruck (Inkunabel), jede Spalte hat 50 Zeilen, das Buch 419 Seiten. 127 Holzschnitte (ca. 7,5 x 6,8 cm) sind im Text untergebracht. Das Kolophon lautet: "Gedruckt vo mir Ginthero zeiner geboren auß Reutlingen wonent zu Augspurg, Am montag nach Sant Jörgen tag, Als man zalt von der geburdt Cristi Tausent vierhunndert und in dem czwey und sibenczigisten Jare". Die Holzschnitte stammen von dem sog. Bämler-Meister, der als Formschneider für den Augsburger Drucker Johann Bämler? arbeitete.

1473 druckte Günther Zainer als erster Drucker das "Speculum humanae salvationis". Dabei handelt es sich um einen "Spiegel des menschlichen Heils", einer in lateinischer Reimprosa von einem deutschen Dominikaner am Anfang des 14. Jahrhunderts geschaffenen illustrierten Heilsgeschichte für Laien. Gedruckt wurde dieser Heilsspiegel von Zainer in der Druckerei des Klosters Sankt Ulrich und Afra. Der lateinische Text ist neben den Holzschnitten gedruckt, gefolg von einer Übersetzung ins Deutsche. Ein Bruder Johannes aus der Abtei hatte dazu eine metrische Zusammenfassung unter dem Titel "Speculo Sanctae Mariae Virginis" verfasst, die anschließend folgte. Die illustrierte Ausgabe Zainers umfasste fünfundvierzig Kapitel, 192 neue Feinholzschnitte, wovon fünfzehn wiederholt wurden. Die Einheit zwischen Zainers Typen und den Druckblöcken hat dazu geführt, das Buch als eine der schönsten Inkunabeln Nordeuropas anzusehen.

Woodcut1473GZainer
Holzschnitt um 1473 von Gunther Zainer (Private Collection of S. Whitehead) [Public domain], via Wikimedia Commons

Zainer fertigte in seiner Werkstatt 1475/76 die erste illustrierte Bibel in deutscher Sprache. Es war die dritte überhaupt gedruckte Bibelausgabe. Eine Nachauflage folgte 1477; es war die erste datierte deutsche Bibel. Damit er nicht mit großen Drucker-Städten wie Venedig konkurrieren musste, entschloss er sich Bücher in deutscher Sprache herauszubringen. Alte Texte, die er mehr oder weniger übernahm, wurden von ihm aktualisiert.

Mit seiner "Deutschen Bibel" schuf Zainer 1475/76 eines der umfangreichsten Bücher dieser Zeit. Es umfasst in 54 Lagen zweispaltig gedruckte 534 Blätter. 73 nach Vorlagen aus der Buchmalerei gedruckte Initialen schmückten seine Bibelausgabe. Zainer wirbt dafür folgendermaßen: "Es steht was grösse des formats und stärke des papiers betrifft, einzig da." Bis zur Lutherbibel orientierten sich nachfolgende deutsche Bibeldrucke an dem Text der Zainerschen Bibel.

Illustrated German Bible - Günther Zainer, 1475, Sotheby's
Illustration aus der deutschen Bibel Zainers von 1475. By Günther Zainer, 1475 von Günther Zainer (Sotheby's) [Public domain], via Wikimedia Commons

1473 kaufte Günter Zainer das Haus von Johann Schüßler?. Zainer machte kurz vor seinem Tod mit seiner Druckerei Konkurs, nachdem er auf dem Höhepunkt seiner Karriere 2.800 Gulden zu versteuern hatte.

Günther Zainer starb am 13. April 1478 in Augsburg.

Zainers Bedeutung

Die Drucke Zainers gelten als die schönsten Drucke der Inkunabelzeit. Zainer verwendete große schöne Typen, ein starkes weißes Papier und wirkte auf dem Gebiet der Illustration bahnbrechend. Auch die breiten Ränder seiner Drucke und der saubere Druck sollen nicht unerwähnt bleiben. Auch ein Druckerzeichen ist bei ihm nachweisbar, z. B. in dem Bibeldruck von 1477. In einer Umrahmung steht ein wilder Mann, der ein Wappen mit einem gekrönten Löwen hält, während am Boden eine Keule liegt. Übrigens verwendete Johannes Zainer in Ulm fast das gleiche Druckerzeichen, was auf eine enge Verwandtschaft schließen lässt.

Da der lokale Markt begrenzt war, bewarb Zainer seine Bücher bei Buchhändlern im gesamten deutschsprachigen Raum. Dazu fertigte Zainer wie Mentelin in Straßburg Einblattdruck-Anzeigen mit einer Übersicht der Bücher aus seiner Druckerei an. Das Buch war in dieser Zeit zur Ware geworden. Zainers Drucke waren durch ihre hohe Qualität bekannt. 1475 schrieb Günther Zainer in einer seiner Einblatt-Anzeigen dies: "Ein nutzlich buch d´epistlen und evangelien mit den figuren all tag durch daz gantz jar mit den sontag glosen / und die vier passion in d´karwochen. Und danach von yedem heiligen insunderheit auch von vil messen, Keiserliche lantrecht die von den keisern gemeinen landen gesetzt seind. Ein epistel getzogen auß francisco petrarcha und tze teutsch gemacht von einer tugentreichen frauwen Grisel geheissen. Item ein traktat doctor Bartholome mettlingers wie man kind, so sie under seben jaren seind, vor siechtagen und in gesundhit behalten sol."

Damit er sich in Augsburg keine Feinde machte, ließ er seine Holzschnittbilder für den Druck zumeist von Augsburger Formschneidern anfertigen. Auch die Setzer, die für das Zusammenstellen der einzelnen Buchstaben aus gegossenem Blei zuständig waren, rekrutierte er möglichst aus Augsburg. Seine Vorbildhaftigkeit zeigte Günther Zainer auch am Rand des Satzspiegels seiner Drucke. Dort positionierte er nach mittelalterlichem Vorbild gedruckte Blumenranken, die als Vorläufer der gedruckten Randleisten betrachtet werden können. Besonders gern scheint Zainer die "Maiblumeninitialen" gehabt zu haben, denn dies setzte er immer wieder ein, so dass sie quasi ein Erkennungszeichen seiner Drucke wurden.

Als Vorlagen für seine Schrifttypen benutzte Zainer die "Gotico-Antiqua", eine Schrift, die oft in Augsburger Handschriften verwendet worden war. Auch führte der frühe Drucker die Antiqua in Augsburg ein.

Zwischen 1468 und 1478 lassen sich etwa 120 Drucke von Günther Zainer festhalten - nach anderen Quellen "mindestens 80". Davon sind 32 illustrierte Drucke aus der Zainer-Offizin in Augsburg. Zum Teil umfasste ein solcher illustrierter Druck mehr als 100 Abbildungen. Welche Drucke Günther Zainer zuzuordnen sind, ist aus zwei Gründen schwierig zu entscheiden. Zum einen "unterschrieb" Günther Zainer seine Werke in den wenigsten Fällen. Zum anderen verwandten Augsburger Drucker wie Ambrosius Keller? seine Schrifttypen nach Zainers Tod weiter. Eine kleine Hilfe bei der Zuordnung sind die Verlagsverzeichnisse, die Günter Zainer ähnlich wie der Straßburger Mentelin herausgab. Einige davon sind erhalten, so dass wir bei manchen Drucken eine sichere Zuordnung annehmen können. Dazu kommt noch ein Verzeichnis von Verlagswerken, die Günter Zainer dem Kloster Buxheim in den Jahren von 1474-1478 schenkte. Verzeichnet sind sie in dem Buxheimer "Liber benefactorum".

Sonstiges

Die Stadt Augsburg benannte im Jahr 1908 die bis dahin "Straße Nr. 1" genannte Straße im Stadtbezirk Links der Wertach-Nord in Zainer-Straße? um.

Weblinks


Hauptseite | Bevölkerung und Politik | Z | Zainer, Günther


Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de




FacebookTwitThis