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Youed.org

eine ehemalige Augsburger Bildungsinitiative mit dem Motto "Bildung für alle", die Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bereitstellte

Allgemeines

Stamp Germany 2001 - Lebenslanges Lernen
Lehrer Lämpel (gezeichnet von Wilhelm Busch) mit einem Zitat von Wilhelm Busch aus dem Vierten Streich seines Buches “Max und Moritz”. Von s.u. [Public domain], via Wikimedia Commons

Hintergrund

Bildung wird von verschiedenen Seiten als Deutschlands wichtigster "Rohstoff" gesehen und gerät immer mehr in den Focus der öffentlichen Wahrnehmung. Das zeigt sich nicht nur an der politischen Diskussion in unserem Land, sondern auch an einem rapiden Wachstum der Bildungs- und Fortbildungsindustrie: Private Schulen und Nachhilfeinstitute schießen wie Pilze aus dem Boden und werben mit aggressiven Methoden um Kunden. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung vom Januar 2010 gaben Eltern in Deutschland damals jährlich mehr als 1.5 Mrd. Euro für die Nachhilfe und Früherziehung ihrer Kinder aus. Ein lohnendes Geschäft, das zunehmend auch internationale Konzerne für sich entdecken.

Die Methode der Bildungskonzerne: Es wird ein Geschäft mit der Angst betrieben – unter anderem mit der Angst besorgter Eltern, die ihren Kindern die bestmöglichen Startchancen ins Berufsleben geben möchten. Auf der einen Seite wird das komplette Schul- und Bildungssystem in Frage gestellt, nach dem Motto: "Der Besuch der Schule allein reicht schon lange nicht mehr aus, um später im Leben Karriere zu machen." Belegt wird dieses angebliche Versagen der Institution Schule unter anderem durch die verschiedenen PISA-Studien, in denen Deutschland nicht auf den vordersten Plätzen zu finden ist.

Gleichzeitig wird die Lösung aufgezeigt: Durch Nachhilfe und gezielte Förderung – selbstverständlich ist hier die private Initiative der Eltern gefordert – können die Defizite der Schule kompensiert werden. In den entsprechenden Instituten besitzt man schließlich das entsprechend geschulte Personal, das nach den neuesten wissenschaftlichen Methoden arbeitet und sich die nötige Zeit für die Schüler nimmt. Ganz nebenbei und teilweise sehr unterschwellig wird mitunter noch die gesamte Berufsgruppe der Lehrer diskreditiert, indem man die Nachhilfelehrer nicht mehr Lehrer nennt, sondern Mentoren, Dozenten oder Trainer. Geworben wird schließlich mit den vorzuweisenden Erfolgen, sprich mit besseren Schulnoten (hauptsächlich in Mathematik). Die Crux an der Sache: Diese Nachhilfe kann sich bei weitem nicht jeder leisten. Hier wollte Youed.org eine Alternative sein.

Die Idee

Damit Youed.org dem Anspruch „Bildung für alle“ gerecht werden konnte, gab es für die Bildungsinitiative, die sich als soziales Unternehmen mit ethischen Grundsätzen verstand, klare Ziele.

1. Der Zugang zur Bildung soll jedem offen stehen, unabhängig von seinen finanziellen Möglichkeiten.: In der Realität sieht es so aus, dass immer mehr Schüler Nachhilfe in Anspruch nehmen, aber bei weitem nicht alle Eltern in der Lage sind sich diesen "Luxus" leisten zu können. Um gute und bezahlbare Nachhilfestunden anbieten zu können, verfolgte die Organisation youed.org erstens eine moderate Preispolitik, die nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet war, und zweitens übernahm sie für diejenigen Schüler, die sich Nachhilfe sonst nicht leisten können, die Kosten ganz oder teilweise.

2. Youed.org sah in der Bildung mehr als die Optimierung der schulischen Leistungen zum Zwecke des wirtschaftlichen Erfolgs in der Zukunft. Bildung umfasst unter anderem auch die Achtung vor den Grundwerten der Gesellschaft, den Respekt vor dem Leben, den verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Umwelt, die Wahrung und Pflege der Vielfalt in allen Bereichen des Lebens sowie die Möglichkeit einer freien Persönlichkeitsentfaltung. Die Verbesserung der Schulnoten stand zwar auch bei Youed.org im Vordergrund. Jedoch unterschied man sich in den Methoden, mit denen man dieses Ziel erreichen wollte. Der Schwerpunkt bei der Nachhilfe lag nicht auf der reinen Stoffvermittlung, sondern setzte individuell bei jedem Schüler und dessen Stärken und Schwächen an. Die Nachhilfelehrer verstanden sich als Lehrer im besten Sinne des Wortes, denen das Wohl des Kindes (und nicht nur seine Noten) am Herzen lag.

3. Youed.org sah sich nicht als Konkurrenz zur Schule, sondern als ein ergänzendes Angebot. Deshalb strebte man eine enge Zusammenarbeit mit den Schulen? in Augsburg an. Die öffentlichen Schulen? und in Folge dessen auch die Schüler wirken nach außen hin oft überfordert und durch die PISA-Studien in zunehmendem Maße auch irritiert und unter Druck gesetzt. Diesen Druck wollte Youed.org zumindest abfedern, indem man einen entspannten Raum des Lernens zur Verfügung stellte. Darüber hinaus konnte die Organisation Mediatoren als Vermittler zwischen Schülern und Lehrern stellen.

Geschichte

Gegründet wurde die Organisation am 20. Februar 2010 in Augsburg als Bildungsinitiative. Gründungsmitglieder waren Bernd Brucker, Mario Schwarz und Nguyen Ngoc Lien.

Am 2. Juni 2010 eröffnete Youed.org das Bildungscafé.

2013 gab es die Organisation nicht mehr - genauso wenig wie das Bildungscafé. Woran Youed.org genau gescheitert ist, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Details

Um die eigenen Ziele umzusetzen, stellte youed.org die Arbeit auf drei Säulen. Der Schwerpunkt lag auf dem Bildungscafé. Neben der Schülernachhilfe bot man auch Kurse für Erwachsene sowie Stressbewältigung und autogenes Training für alle an. Im zweiten Schritt wollte man die eigene interaktive Bildungsplattform www.youed.org entwickeln, wo umfangreiche Lernmaterialien zur Verfügung gestellt werden sollten, unter anderem Lernvideos und Onlineübungen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollten Online-Unterrichtsstunden in einer Art moderiertem Bildungsforum hinzu kommen.

Die dritte Säule sah man in der Unternehmenskommunikation und Politikberatung. Man suchte gezielt Kontakte zu Schulen?, Hochschulen? und weiteren Bildungseinrichtungen sowie zu Politik und Entscheidungsträgern der Wirtschaft, um eine breite Basis an Unterstützern zu gewinnen und gleichzeitig Denkanstöße zu bekommen und solche selbst zu liefern. Anspruch der Organisation war es nicht, die Richtung der Bildung zu bestimmen, aber man wollte sich aktiv an der Bildungsdiskussion beteiligen. Indem man sich an der Bildungsdiskussion beteiligte, leistete die Organisation aktive Friedensarbeit in und für Augsburg – und darüber hinaus. In enger Zusammenarbeit mit dem Büro für Angewandte Friedensgeographie? (die wissenschaftliche Beratung übernahm Professor Franz Schaffer? von der Universität Augsburg) waren wissenschaftliche Studien zur Inter- und Transkulturalität, Global Ethics und Friedensgeographie in Arbeit.

Man nahm mit Handwerker und Kleinunternehmern aus dem regionalen Umfeld, die den Lechtaler akzeptieren, Verbindung auf, stellte die Bildungsinitiative vor und bemühte sich, Praktikumsstellen für die Schüler zu bekommen. Viele weitere Projekte waren angedacht, etwa Kooperationen im Pflegebereich, kleine Besorgungen fur gehbehinderte, kranke und alte Mitbürger in der Nachbarschaft. Bei allen Maßnahmen sollten kaufmännische, handwerkliche, technische und künstlerische Begabungen der Kinder gefördert werden, es ging um das Lernen in der Praxis an der Praxis und die Verankerung der Kinder in der Region, was Verantwortung für die Lebensumwelt und den Frieden vor Ort fördern sollte.

Unterstützer von youed.org waren

Youed.org arbeitete nachhaltig, was bedeutete, dass die Schüler den gelernten Stoff nicht nur bis zur nächsten Prüfung behalten sollten, sondern die Bildungsinhalte sofort anwandten - und zwar nicht nur im schulischen Kontext, sondern im alltäglichen Leben. Auch bedeutete es, mit dem erworbenen Wissen zu spielen, um so neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Weblinks


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