Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de


Hauptseite | Umwelt und Umgebung | Augsburger Straßen | W | Wollmarkt


Wollmarkt

eine Augsburger Straße, die im ersten Augsburger Stadtbezirk (Lechviertel östliches Ulrichsviertel) liegt, der zum Planungsraum I gehört (Innenstadt), Postleitzahl 86150

Allgemeines

Das Topographicum hat seinen Namen von einem früher hier jeweils im Juni eines Jahres abgehaltenen Wollmarkt. Der Wollmarkt kann nicht von Fahrzeugen befahren werden, sondern bildet eine Art Innenhof. Der Wollmarkt ist der mittelalterliche Klosterhof bei Sankt Margareth. Besonders die Arkadenbögen bzw. der Laubengang des ehemaligen Klosters am Wollmarkt sind sehenswert. Wunderschön ihre Wirkung, wenn die Arkaden vom Licht durchflutet werden.

Geschichte

Dass auf dem Wollmarkt früher wirklich ein Wollmarkt abgehalten wurde, bezeugen Dokumente aus dem 19. Jahrhundert. Er fand immer im Juni eines Jahres statt, wahrscheinlich in den Jahren zwischen 1855 und 1914.

Auf einem Bild von Karl Gröber? (Planfilm-Negativ, 12 x 9 Zentimeter), das im Bildarchiv des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege aufbewahrt wird, sieht man das Prioratsgebäude des Klosters der Dominikanerinnen? von Sankt Margareth, das im Jahr 1521 errichtet wurde, in seiner ursprünglichen Gestalt. Das Gebäude zeigte ein Satteldach mit einem kreuzgratgewölbten Arkadengang im Erdgeschoß. Gestiftet hat es Brigita Wilprecht?, die im 16. Jahrhundert Priorin des Klosters war. Das dem Prioratsgebäude gegenüberliegende Gebäude war die spätere Sakristei. Möglicherweise stand der Laubengang des Prioratsgebäudes mit der Arkade an der Sakristei in Zusammenhang.

Nach der Aufhebung des Klosters durch den Stadtrat 1538 wurde es zwei Jahre später mit dem benachbarten Heilig-Geist-Spital vereint.

Im Jahr 1720 kam es noch einmal zu einem entscheidenden Umbau, aber die barocke Ausstattung blieb weitgehend erhalten. Der Gebäudezusammenschluss wurde zum Spital und das Spital dient bis heute als katholische Spitalkirche.

Der Gedanke, hier einen Wollmarkt abzuhalten, kam zuerst 1825 auf. In Augsburg gab es Lodweber?, Tuchmacher? und Zeugmacher?, die für ihr Handwerk Wolle brauchten und bis dahin auf Märkte in ganz Bayern fahren mussten, um die Wolle einzukaufen. Man richtete einen Ausschuss ein, der die Möglichkeiten für einen Augsburger Wollmarkt prüfen sollte. Der sah nur positive wirtschaftliche Auswirkungen eines solchen Marktes in Augsburg und so genehmigte im März 1835 das damalige bayerische Staatsministerium des Inneren die Abhaltung eines Augsburger Wollmarktes.

Der erste Augsburger Wollmarkt fand vom 9.-11. Juni 1835 in der Jesuitengasse und dort in der ehemaligen Sankt-Salvator-Kirche? statt. Eine Wollmarktordnung legte fest, dass jedes Jahr ab dem zweiten Montag im Juni ein sechstägiger Augsburger Wollmarkt stattfinden sollte. Und weil 510 verkaufte Zentner Wolle auf dem ersten Augsburger Wollmarkt ein Erfolg waren, hielt man sich an die Wollmarktordnung.

Von Jahr zu Jahr kamen mehr Besucher auf den Augsburger Wollmarkt, so dass man 1841 schon über Raumprobleme in der Sankt-Salvator-Kirche? klagte. Die Organisatoren suchten nach einem besseren Standort für den Wollmarkt und fanden ihn in den Räumlichkeiten der zum Heilig-Geist-Spital gehörenden Wirtschaftsgebäude in der Spitalgasse bei Sankt Margareth. Die Hospitalstiftung sanierte auf ihre Kosten die Gebäude, die Stadt Augsburg stellte alle benötigten Vorrichtungen für den Wollmarkt zur Verfügung und so konnte hier 1855 der erste Wollmarkt auf neuem Gelände abgehalten werden. Die Verkaufsstellen hatten sich mit dem Umzug von 300 auf mehr als 400 erhöht.

Als das nahe gelegene Nördlingen? im 19. Jahrhunderts bei der damaligen Regierung in Augsburg die Einrichtung eines Wollmarktes beantragte, lehnte diese den Wunsch mehrmals ab, weil der Augsburger Wollmarkt zentral liege, gut zu erreichen sei, die Gefahr der Zersplitterung bestehe und die Nördlinger Schafzucht nicht so bedeutend sei, dass sie die Einrichtung eines Wollmarkts begründe. Erst 1865/1866 wurde dem Antrag aus Nördlingen? stattgegeben und der Wollmarkt in Augsburg bekam Konkurrenz.

Das und andere Gründe wie der für jüdische Händler ungünstige Markttermin an einem jüdischen Fest oder zu hohe Gebühren für den Augsburger Wollmarkt führten ab den 1870er Jahren zu deinem Nachlassen der Besucher- und Ausstellerzahlen. Dazu kam, dass immer mehr Hersteller von Schafswolle ihre Ware von zu Hause aus verkauften und ihre Ware mit der Eisenbahn bzw. der Post verschickten, ohne im teuer gewordenen Marktwesen Vorteile zu sehen.

Offiziell erhielt der Bereich des ehemaligen Klosters der Dominikanerinnen bei Sankt Margareth?, wo bis Juni 1914 der Augsburger Wollmarkt stattfand, erst 1937 seinen heutigen Namen.

In den 1960er (1963/64) und 1970er Jahren hat man das ehemalige Prioratsgebäude der Dominikanerinnen bei Sankt Margareth? renoviert und in Stand gesetzt.

Details

Der Wollmarkt ist ein echter Geheimtipp mit seiner geruhsamen Atmospäre. In den ehemaligen Klosterräumen liegt der Wollmarktsaal mit seinen Gewölben und Säulen. Heute wird er oft als Treff für Vereine genutzt.

In der Adventszeit findet hier ein Weihnachtsmarkt statt, der wegen seiner besonderen Atmosphäre von den Augsburgern sehr geschätzt wird ("Advent im Wollmarkt"). Besonders gern wird er abends besucht. Dann werden Fackeln entzündet, die den Innenhof in ein romantisches Licht tauchen, das eine heimelige Stimmung zaubert. Veranstaltet wir er von der Interessengemeinschaft Historisches Augsburg, die jedes Jahr zu Spenden für verschiedene Einrichtungen aufruft.

Gegenüber dem Heilig-Geist-Spital sprudelt ein kleiner Brunnen ("Wollmarktbrunnen").

Durch den Wollmarkt gelangt man zum Milchberg und dann zur Basilika Sankt Ulrich und Afra.

Lage


Weblinks


Hauptseite | Umwelt und Umgebung | Augsburger Straßen | W | Wollmarkt


Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de




FacebookTwitThis