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Wolfzahnau

ein Augsburger Auenwald im 6. Stadtbezirk (Rechts der Wertach), der zum Planungsraum II (Oberhausen) gehört

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Allgemeines

Die Wolfzahnau liegt im Norden Augsburgs am Zusammenfluss von Lech und Wertach. Es handel sich um ein Stück Auenwald, der im Mündungszwickel der beiden Gewässer an manchen Stellen dschungelähnlich wuchert. Auf alten Stadtplänen wird dieses grüne Gebiet aus Wiesen, Sträuchern und Wald als "Wolfszahn Au" bezeichnet, durch die früher noch einige Bäche mehr als heute, vom Lech her kommend und wieder im Lech einmündend, flossen. Wahrscheinlich geht die Bezeichnung auf einen alten Flurnamen zurück, der die spitzwinklige Gestalt der Landzunge bildlich beschrieb.

Die Bezeichnung der Au ist sehr treffend, wenn man die Gegend zwischen MAN, Papierfabrik, Bleich? und Firnhaberau von oben betrachtet. Wie der Zahn eines Wolfs läuft sie am Zusammenfluss von Lech und Wertach von Süden nach Norden spitz zu. Dieses Gebiet ist noch ein Stück Urlandschaft, wie sie früher wohl hier üblicherweise aussah, als der Lech und die Wertach noch nicht durch Menschen in tiefe Rinnen verbannt waren.

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Das Wolfzahngelände gehört heute der MAN und der Augsburger Localbahn und bietet an einem heißen Sommertag viele Badeplätze zur Abkühlung. Verwunschene Ecken und Wege sind auf der wildromantisch stillen Wolfzahnau überall zu finden.

Geschichte

19. Jahrhundert

Früher gehörte die Wolfzahnau zu Lechhausen. Lange hatte ein Abdecker ("Schinder") hier seine Arbeitsstätte (deshalb noch 1849 auf einer hydrographischen Karte als "Schinderinsel" bezeichnet). Erst 1854 (nach anderen Quellenangaben 1856) gliederte man die Wolfzahnau in das Ausburger Stadtgebiet ein, obwohl Lechhausen erst 1913 ein Stadtviertel von Augsburg wurde. 1879 erhielt das Gebiet seinen heutigen Namen. Er geht auf die Wirtschaft "Zum Wolfszahn" zurück, die sich bis 1875 auf der Landzunge zwischen den beiden Flüssen befand.

1884 gab es von Ludwig Leybold? Pläne, hier einen Zentralfriedhof für Katholiken und Protestanten anzulegen. Schon 1881 kam die Idee zu diesem Waldfriedhof in der Wolfzahnau auf. Auch ein Vergnügungspark auf der Wolfzahnau war im Gespräch. Aber selbst damalige Pläne, die Wolfzahnau für die Industrie zu nutzen, wurden nicht umgesetzt. Allein das Wasserkraftwerk Wolfzahnau? am Nordende der Wolfzahnau errichtete man 1902 über dem Stadtbach? für die Energiewinnung der damaligen Baumwollspinnerei am Stadtbach?, die heute nicht mehr existiert. Der Blankziegelbau des Elektrizitätswerks steht noch heute und erzeugt mit Wasserturbinen Strom. Alle Pläne, die Wolfzahnau zu nutzen, hätten die Auenwälder zerstört und weitere starke Eingriffe gebracht, etwa die Begradigung des Lechs an dieser Stelle. Davor schreckte man schon im 19. Jahrhundert zurück.

Hydrographische Charte von Augsburg und seinen Umgebungen
"Hydrographische Charte von Augsburg und seinen Umgebungen, 1849". Die Pfeile bezeichnen: L -> Lochbach, B -> Brunnenbach, P -> Pulvermühlschleuse, H -> Hochablass. Eingezeichnet ist bereits die Eisenbahnlinie und der "Kgl. Eisenbahnhof" (heute Hauptbahnhof), der damals noch außerhalb der Stadt lag. Der Lech und die Wertach sind noch unbegradigt. Nördlich der Stadt gibt es Verbindungen von Senkelbach, Stadtbach, Lech und Wertach, so dass die Wolfzahnau als "Schinderinsel" bezeichnet wird. By Franz Joseph Kollmann bzw. unbekannter Kartograph [GFDL or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

20. Jahrhundert

Am 29. Mai 1923 tauschte die Stadt Augsburg die Wolfzahnau gegen Ersatzflächen auf der Ostseite des Lechs mit der MAN.

Während des Zweiten Weltkriegs begann man im Juli 1944 mit dem Bau des Großbunkers "Arno", so der Tarnname, in der Wolfzahnau, um eine bombensichere U-Boot-Motoren-Produktion darin aufzuziehen. Bis Mai 1945 waren jedoch nur meterdicke Außenmauern und das Fundament des Bauwerks errichtet.

In den 1970er Jahren wollte die Stadt Augsburg die Berliner Allee? vierspurig durch die Wolfzahnau zur Donauwörtherstraße? verlängern und es gab über Jahrzehnte den Plan, die Wolfzahnau zu einem öffentlichen Park umzugestalten. Auch die MAN und andere Firmen überlegten immer wieder auf der Wolfzahnau zu bauen, doch letztlich wurde keine der Planungen bisher realisiert.

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In der Wolfzahnau - (©) by Rainer Knöferle

Am 9. Dezember 1997 erklärte man die Wolfzahnau zum Landschaftsschutzgebiet. Eigentlich ist sie mit ihrem Auwaldbestand naturschutzwürdig und ein hochwertiges ausgedehntes Biotop. Doch wollte man Interessenkonflikte mit benachbarten Firmen vermeiden, als man die Wolfzahnau "nur" zum Landschaftsschutzgebiet erklärte. Eine Verordnung der Stadt Augsburg vom 30. Juli 1998 definiert das Landschaftsschutzgebiet als "die Landzunge im Zusammenfluss von Lech und Wertach mit dem von Stadtbach und Proviantbach durchflossenen urwaldähnlichen Auwald einschließlich des Flussbettes des Lechs mit seinen Kiesflächen ..."

Als Schutzzweck des Landschaftsschutzgebiets Wolfzahnau gab die städtische Verordnung von 1998 folgende Punkte an:

  • Es sollte die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes gewährleistet und der Naturgenuss und die Eigenart des Landschaftsbildes erhalten werden, insbesondere die naturnahe Aue der Wolfzahnau mit dem Flussbett des Lechs und seinen Ufern als Vernetzungsschwerpunkt und Rückzugsgebiet für die Lebensgemeinschaften am Zusammenfluss von Lech und Wertach.
  • Die Wolfzahnau sei als Verbindungsglied des Lebensraumes Lech? zur Sicherung seiner Funktion als Vegetationsbrücke und Tier-Wanderweg von den Alpen zur Donau? zu schützen, als Klimaschutzwald und Grüne Lunge für die Stadt Augsburg zu bewahren. Deshalb müsse der urwaldähnliche Ulmen-Eschen-Auwald mit eingestreuten Weichholzresten erhalten und seine natürliche Entwicklung durch Sicherung und Verbesserung der Standortbedingungen, insbesondere der Grundwasserversorgung, gefördert werden.
  • Die ökologisch wertvollen Freiflächen der Wolfzahnau seien zu erhalten und als artenreiche Magerwiesen zu entwickeln.
  • Der Lebensraum müsse für die angepasste Lebensgemeinschaft, insbesondere die Vogelwelt, erhalten und natürliche Sukzessionsabläufe müssten gefördert werden.
  • Dynamische Umlagerungsprozesse im Lechbett als Kennzeichen einer typischen voralpinen Flusslandschaft seien zu fördern und die Kiesinseln als Lebensraum vor allem für Limikolen (z. B. Sumpf- und Watvögel) und dealpine Pionierpflanzen zu sichern.
  • Auf den Fluss- und Kiesbänken sollte ein Interessenausgleich zwischen Freizeitnutzung und Artenschutz ermöglicht werden, die besondere Bedeutung für eine naturbetonte Naherholung sollte gewährleitstet werden, insbesondere die Wolfzahnau in ihrer Einzigartigkeit als besonders artenreicher naturnaher Waldbiotop, der sich weitestgehend aus einer natürlichen Sukzession entwickelt hat, für eine bestandsschonende Umwelterziehung bewahr werden.

21. Jahrhundert

2007 beschloss der Stadtrat Augsburgs den Bau eines zweiten Wasserkraftwerks? auf dem Gelände der Wolfzahnau, um das Wasser des vereinigten Stadtbachs? und Proviantbachs zu nutzen. Immerhin sind das bis zu 35.000 Liter Wasser pro Sekunde, etwa die gleiche Wassermenge wie die des nebenan fließenden Lechs. Gebaut wurde das so genannte Wolfzahnauwehr? in den Jahren 2009 und 2010 auf der östlichen Flussseite zusammen mit einer Fischtreppe.

Im Herbst 2014 tauchte der Plan auf, auf den Wiesen der Wolfzahnau Hochlandrinder weiden zu lassen. Ende September 2014 weideten die ersten schottischen Hochlandrinder im Landschaftsschutzgebiet auf einer eingezäunten Weide im Auftrag der Stadt Augsburg als "Rasenmäher". Obwohl das Amt für Grünordnung und Naturschutz damit den ökologisch wertvollen Magerrasen wie vorgeschrieben pflegte, um die Artenvielfalt zu verbessern, regten sich viele Augsburger darüber auf, weil sie befürchteten, es seien die ersten Schritte, die Wolfzahnau für die Öffentlichkeit zu sperren. Die CSM? warf dem damaligen Umweltreferenten? Reiner Erben vor, sich mit dem Beweidungsprojekt in der Wolfzahnau eigenmächtig über einen Beschluss des Stadtrats hinwegzusetzen. Ein Beschluss vom Oktober 2013 sehe vor 2014 in der Wolfzahnau zwei Mal pro Jahr von einem Landwirt mähen zu lassen.

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In der Wolfzahnau - (©) by Rainer Knöferle

Fußgänger und Kleingärtner ärgerten sich damals auch über Hundeschulen?, die das Gebiet unerlaubt gewerblich nutzen und das Gelände zu einem Hundeklo umwidmen würden.

Details

In dem Biotop und ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet wachsen seltene Pflanzen und es leben auch noch Tiere wie Füchse, Hasen und Eisvögel hier auf einer Fläche von 76 Hektar. Durch die Wolfzahnau fließen heute noch der Holz-,der Stadt-? und der Proviantbach und schicken ihr Wasser in die Wertach oder den Lech. Östlich der Wertach liegt ein Bereich, der durch den Auslaufkanal (39 Kubikmeter pro Sekunde) begrenzt wird, der beim Zusammenfluss von Hauptstadtbach? und Proviantbach entsteht und nicht zugänglich ist.

Zusammenfluss von Wertach und Lech
Der Zusammenfluss von Wertach (links) und Lech (rechts) an der Landspitze der Augsburger Wolfzahnau. Dies ist die Mündung der Wertach. In der Ferne sichtbar ist die rote Autobahnbrücke der A8. April 2014 by Neitram (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Auf der Wolfzahnau wachsen vor allem Weiden (Purpur-Weide, Silber-Weide ...), Grau-Erlen und Pappeln, was die Weichholzaue betrifft. In der Hartholzaue wachsen Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior), Silber-Weide (Salix alba) und Trauben-Kirsche (Prunus padus). An Sträuchern sind u. a. zu finden: Gewöhnliche Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), Wolliger und Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum lantana bzw. Viburnum opulus), Roter Hartriegel (Cornus sanguineus), Liguster oder Rainweide (Ligustrum vulgare), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus). An Bäumen findet sich die Waldrebe (Clematis vitalba) und es gibt Kräuter, die nicht typisch sind für Auwälder, etwa der Hohle Lerchensporn (Corydalis cava), die Knoblauchsrauke, das Scharbockskraut, das Bayerische Veilchen (Viola bavarica), der Huflattich ... Pilze sind nur wenige zu finden, Tintlinge, "Echte Zunderschwämme", "Flache Lackporlinge (Ganoderma lipsiense) ...

Heute führt die geteerte Franz-Josef-Strauß-Straße?, die bei der Lechbrücke in einer Kurve von der Berliner Allee? in den Norden abbiegt, in die Wolfzahnau. Hier stößt man zuerst rechter Hand auf Schrebergärten Kleingartenanlage Wolfzahnau? / Kleingartenanlage MAN?), während sich linker Hand die Gebäude der Papierfabrik UPM-Kymene befinden. Durchschnitten wird die Wolfzahnau auch von den Gleisen der Augsburger Localbahn, die zuerst an der Berliner Allee? entlang verlaufen und dann über den Proviantbach zu MT Aerospace AG und MAN führen. Parkplätze für die Mitarbeiter der nahen Fabriken benötigen eine große Fläche auf dem südlichen Teil der Wolfzahnau.

In der Wolfzahnau sind noch Überreste von Bunkern zu sehen, in denen die Arbeiter aus den nahen Fabriken (MAN, Haindl´sche Papierfabriken ...) Schutz suchten, wenn im Zweiten Weltkrieg die Flugzeuge der Alliierten ihre Werke bombardierten. Besonders MAN war in der Herstellung von Kriegsfahrzeugen wie Panzern, aber auch U-Boot-Motoren sehr aktiv und somit ein erklärtes Angriffsziel aus der Luft. Noch vor einigen Jahrzehnten, als der Parkplatz noch nicht angelegt war, soll es eine Treppe mit Schacht in die Tiefe des Bunkers gegeben haben, die jedoch im Zusammenhang mit dem Parkplatzbau wohl zubetoniert wurde. Auch die großen Lüftungsschächte des unterirdischen Bunkers wurden zugemauert. Angeblich gibt es auf dem Gelände der benachbarten MAN noch unterirdische Fabrikationsräume, die eine Verbindung zu dem Großbunker "Arno" hatten. Angeblich dienen diese Räume heute als Lager für Ersatzteile, Rohlinge und Gußformen.

Die Wolfzahnau wird heute besonders gern von Hundebesitzern genutzt. Es sollen dort sogar Windhunde auf die Jagd nach Wild geschickt werden, was Tierfreunde erbost. Auch in der Gayszene hat die Wolfzahnau einen Namen. Am Lech in der Wolfzahnau auf der Kiesinsel unterhalb der MAN-Lechbrücke? treffen sich Schwule angeblich zum "Cruisen". Die Kiesinsel der Wolfzahnau ist ein "schwuler" Geheimtipp, weil es dort viele ruhige und von außen schwer einsehbare Plätzchen gibt und man ab dem Frühjahr durch die Blätter von Büschen und Bäumen geschützt ungestört seinen Neigungen nachgehen kann.

Allerdings kann die Wolfzahnau seit Einführung der Beweidung durch Hochlandrinder 2014 in einer eingezäunten Zone von etwa sechs Hektar von Spaziergängern nicht mehr durchquert werden. Durch die Einzäunung und die Beweidung der Wolfzahnau sollten die nährstoffarmen Böden auf den Wiesen vor Hundekot geschützt werden.

Lage


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