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Wilhelm, Gottlieb Tobias

ein Augsburger evangelischer Pfarrer und Autor eines großen und populären naturgeschichtlichen Werks

Leben und Wirken

Geboren wurde Gottlieb Tobias Wilhelm am 16. Oktober 1758. Seine Eltern waren der Kupferstecher? Christian Wilhelm und dessen Frau Johanna Maria Christiana, geb. Engelbrecht, die Tochter des Kupferstechers? Martin Engelbrecht. Gottlieb Tobias Wilhelm kam als viertes von 14 Kindern des Paares zur Welt und besuchte in den Jahren 1769 bis 1777 das Gymnasium bei Sankt Anna, wobei er ab 1773 auch Zögling des Evangelischen Kollegs bei Sankt Anna war.

Anschließend studierte er bis 1781 Theologie, Philosophie und Philologie in Leipzig und kehrte danach nach Augsburg zurück, wo er 1782/83 als Aushilfslehrer am Gymnasium bei Sankt Anna wirkte.

Gottlieb Tobias Wilhelm, Stich von P. J. Laminit, 1810
Portrait von Gottlieb Tobias Wilhelm 1810. By Paul Jacob Laminit (1773-1831). Meisenstrasse at de.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons

Die Ordination empfing Wilhelm am 11. Juni 1783. Danach arbeitete er als Hilfsgeistlicher bis 1786 im Heilig-Geist-Spital und war von 1786 bis 1796 Diakon der Pfarrei Zu den Barfüßern. In dieser Zeit heiratete er Christina Johanna Regina Preu (1787). Die Ehe mit der Tochter des Harburger Superintendenten Johannes Preu blieb kinderlos.

1796 trat er eine Stelle als Diakon der Pfarrei Sankt Jakob an.

Gottlieb Tobias Wilhelm starb am 12. Dezember 1811 in Augsburg.

Werke

Unterhaltungen aus der Naturgeschichte

Das Werk umfasste 27 Bände und mehr als 1.500 Kupfertafeln Augsburger Künstler. Es wurde von Martin Engelbrecht in seiner Kunsthandlung herausgegeben und fand große Verbreitung in Deutschland. Das Werk wäre in Augsburg kaum möglich gewesen, wenn nicht Augsburg damals Zentrum des Buchdrucks und Verlagswesens sowie der Kupferstichkunst gewesen wäre. Er konnte auf eine Tradition großer und aufwendig illustrierter naturhistorischer Prachtwerke aus Augsburg aufbauen. Dazu gehören z. B. die Scheuchzersche Kupferbibel aus dem Verlag des Kupferstechers Johann Andreas Pfeffel (1674–1768), die Tierdarstellungen des Künstlers und Verlegers Johann Elias Ridinger? (1698–1767) oder die von Ridingers Schüler Johann Jakob Haid? (1704–1767) gestochenen und verlegten Pflanzen- und Tierwerke Plantae selectae und Zoologia britannica.

Die "Unterhaltungen aus der Naturgeschichte" brachten dem naturwissenschaftlich veranlagten Pfarrer und den beteiligten Augsburger Künstlern große Wertschätzung ein. Das Werk zeigt, dass die Naturgeschichte im Augsburg des 18. Jahrhunderts nicht nur angekommen war, sondern von hier auch wichtige Impulse bezog, was die zahlreichen naturgeschichtlichen Veröffentlichungen dieser Zeit in Augsburger Verlagen anzeigen. Zielgruppe war das gebildete Bürgertum? der damaligen Zeit, das auch den Publikationen des Edelstein- und Wappenschneiders Heinrich Gottlob Lang? und denen des Fabrikzeichners und Formschneiders Jacob Hübner Beifall spendete. Beide waren wie Gottlieb Tobias Wilhelm zeittypische Dilettanten, die sich autodidaktisch zum Naturgeschichtler bildeten.

Voraussetzung dazu war naturgeschichtliche Fachliteratur. Sie war in Augsburg u. a. in der Bibliothek des Bankiers Joseph Paul von Cobres, in anderen Bibliotheken der Stadt, bei Patriziern wie den von Halder? und von Stetten?, bei Geistlichen beider Konfessionen und vor allem in der Schulbibliothek des Gymnasiums bei Sankt Anna vorhanden. An der letztgenannten Schule gab es auch eine reichhaltige Naturaliensammlung und seit 1769 lehrte die Schule Naturgeschichte als Schulfach.

Sonstiges

Anlässlich seines zweihundertjährigen Todestages fand in Augsburg 2011 eine Ausstellung statt, die an Wilhelms Person und Werk erinnerte.

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