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Wieselhaus

ein denkmalgeschütztes Augsburger Renaissance-Gebäude, in dem sich heute das Fugger und Welser Erlebnismuseum befindet

Wieselhaus Augsburg © Eva Stuhlmüller (www.augsburg-parrot.de)

Allgemeines

Das Wieselhaus liegt im Norden des Augsburger Domviertels und geht im Kern auf die Zeit der Renaissance zurück. Vom Rathaus sind es 10 Gehminuten bis zum Wieselhaus. Bedeutend sind vor allem die italienisch anmutenden Arkadenstrukturen, die für Augsburg einmalig sind. Sie machen den historischen Wert des Hauses aus. Trotz vieler Eingriffe hat das Haus über Jahrhunderte seinen besonderen Charakter bewahrt.

Der Name Wieselhaus stammt von einem Bewohner des Hauses Mitte des 17. Jahrhunderts: dem Fernrohrbauer Johann Wiesel?. Das Gebäude geht aber schon auf das 16. Jahrhundert zurück.

Der Dachstuhl des Hauses ist einer der ältesten in Augsburg, überhaupt hat das Gebäude noch viel erhaltene Originalbausubstanz. Die Bedeutung des Wieselhauses erkannten vor seiner Sanierung, die 2014 zur Eröffnung des Fugger und Welser Erlebnismuseums in seinen Mauern führte, nur Fachleute. Von der Straße aus machte es bis dahin keinen Eindruck. Erst nach 2014 erschloss sich die historische und kunstgeschichtliche Bedeutung.

Geschichte

Die Geschichte des Hauses liegt zum Teil noch im Dunkeln. Es gab viele Versuche, Genaueres zu ergründen. Sicher ist, dass das Gebäude schon in der Zeit der Renaissance bestand, denn im so genannten Rogelplan? aus dem Jahr 1563 ist es verzeichnet. Es war vermutlich als Garten-Lusthaus gebaut worden. Ein berühmter und direkter Nachbar des Hauses war seit 1583 der bedeutende Humanist und Augsburger Stadtpfleger? Marcus Welser d. J.? (1558–1614), dessen Grundstück heute als Klostergarten von dem Kloster Sankt Stephan? genutzt wird. Dort ist dem Humanisten jetzt eine Tafel in den Beeten mit seltenen Kräutern und Pflanzen gewidmet – ebenso wie der kräuterkundigen Philippine Welser und dem gelehrten Arzt Leonhart Rauwolff?.

Das Haus wurde wohl 1530 mit Arkaden und Loggien im Stil der Renaissance errichtet. Nach 1550 wurde das Seitengebäude verlängert.

Zwischen 1637 und 1642 bewohnte der Augsburger Johann Wiesel? (1583–1662) das Wieselhaus. Auf ihn geht der Name des Gebäudes zurück. Er war Optiker und einer der ersten gewerblichen Erbauer von Fernrohren in Europa.

Irgendwann im 17. Jahrhundert wurden die renaissancetypischen Arkaden mit ihrem italienischen Flair vermauert.

Das Wieselhaus wurde bis 2002 bewohnt, danach stand es zunächst leer und wurde dann erforscht. So hat man z. B. im Sommer 2006 statische Untersuchungen vorgenommen, auf deren Basis Schrammel Architekten? ein Sanierungskonzept unter Würdigung der wertvollen Substanz erarbeiteten. Parallel führte man eine Befunduntersuchung durch, die zusätzliche Erkenntnisse lieferte.

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Der Regio Augsburg Tourismus GmbH wurde die öffentliche Nutzung zugesprochen. Sie erarbeitete ein Konzept, wie im Wieselhaus die Welt der Fugger und Welser und die Zeit der Renaissance, in der Augsburg seine Hochblüte erlebte, dargestellt werden kann. Denn im Wieselhaus bestand damals die einzigartige Möglichkeit, eine Synthese von Inhalt und Raum herzustellen, die Welt der Fugger und Welser in einem Gebäude ihrer Zeit lebendig werden zu lassen.

Planungen von 2009 sahen vor, dass die Sanierung des Hauses für das Fugger und Welser Erlebnismuseum etwa 1,9 Mio. € kosten sollte. Es sollten die Arkaden des Baus freigelegt und verglast werden. Auch einen Aufzug wollte man einbbauen. Das Museum sollte über ein innovatives Konzept die Geschichte der international tätigen Handelshäuser der Fugger und Welser aufzeigen und gleichzeitig Vergleiche zum heutigen Wirtschaftsleben ermöglichen.

Im Oktober 2009 fand der Spatenstich zum Umbau des Gebäudes statt.

Im Juli 2010 stellten die Glücksspirale, der Katholische Studienfond?, dem das Gebäude gehörte, und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Gelder zur Verfügung, die vor allem für die Instandsetzung des Dachstuhls von Haupt- und Nebengebäude eingesetzt wurden. Zum Tag des offenen Denkmals im September 2010 wurde Besucherinnen und Besuchern das "Renaissance-Kleinod" zum ersten Mal von Außen vorgestellt. Bereits im Herbst 2010 wurden die Arkaden wieder geöffnet. Im Zuge der Arbeiten wurden u. a. Architekturmalereien, ein Stuckgesims, ein barocker Einbauschrank sowie Fliesen eines Kachelofens aus dem 17. Jahrhundert gefunden.

Als 2011 ein Aufzug im Wieselhaus eingebaut werden sollte, stießen die Arbeiter auf eine historische Zisterne, die von Archäologen zentimeterweise durcharbeitet werden musste.

Ende September 2014 konnte das Wieselhaus als Fugger und Welser Erlebnismuseum nach Jahre dauernden Sanierungs- und Umbaumaßnahmen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Nur dank verschiedener Fördermittel aus lokalen und überregionalen Stifungen konnten die mehr als drei Millionen Euro aufgebracht werden, die für das Museum nötig waren.

Details

Das Bürgerhaus hat ein traufständiges Satteldach. In den östlichen und nördlichen Obergeschossen befinden sich Pfeilerarkaden, die früher unter Mauerwerk verdeckt waren, heute aber freigelegt sind und ihre italienischen Vorbilder erkennen lassen. In den Schenkeln findet man Patera-Tondi (Rundbilder von Opferschalen). Das Haus liegt innerhalb der so genannten Karmelitermauer (an deren Nordostecke). Es war wohl zuerst ein Gartenhaus mit einer Tenne, das später zum Wohnhaus umgewandelt wurde. Neben dem eingeschossigen Gärtnerhaus steht ein drei Stockwerke hoher Bau. Das ursprüngliche Aussehen des Gebäudes ist aufgrund der Quellenlage und erhaltenen Originalsubstanz gut zu rekonstruieren.

Im Erdgeschoss befindet sich eine große Halle. Durch eine Tür im Erdgeschoß betritt man einen zum Garten hin gelegenen kreuzgewölbten Arkadengang. Eine Treppe führt zu den Obergeschossen. Das zweite Stockwerk wird durch einen großen Saal beherrscht, dem nach Norden, d.h. zur Gartenseite hin, und nach Osten jeweils eine Säulenloggia vorgelagert wurde. Dadurch griff der Architekt das Motiv der Pfeilerarkaden im Erdgeschoss und ersten Stock wieder auf. Einflüsse der florentinischen Renaissance sind hier zu erkennen.

Hinter dem Haus liegt der vom Kloster Sankt Stephan genutzte "Stephansgarten", der etwa 13.000 Quadratmeter umfasst.

Bei den archäologischen Untersuchungen im Zuge der Sanierung des Wieselhauses und des Umbaus zum Museum hat man Überreste römischer Stein- und Holzbauten nachgewiesen. Schon frühere Grabungen wenige Meter nördlich des Wieselhauses haben Überreste eines Steingebäudes mit Fußbodenheizung und Mosaikfußböden zutage gefördert. Möglicherweise gehörten die gefundenen Steinbauten zum Forum der römischen Provinzhauptstadt. Die Holzbauten wurden als Mannschaftsunterkünfte eines frührömischen Militärkastells gedeutet.

Besitzer des Gebäudes ist die Stiftung Katholischer Studienfonds?, vertreten durch die Stadt Augsburg (Wohnungs- und Stiftungsamt).

Adresse und Lage

Fugger und Welser Erlebnismuseum
Äußeres Pfaffengäßchen? 23
86150 Augsburg


Weblinks


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