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Wiederaufbau Augsburgs nach dem Zweiten Weltkrieg

Allgemeines

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Durch den Luftkrieg war Augsburg schwer getroffen - und zwar das ganze Stadtgebiet. Teile der Innenstadt? waren durch Flächenbrände komplett zerstört. Nach dem Krieg türmten sich überall die Schuttmassen, denn die meisten Bürgerhäuser oder Baudenkmäler waren der Vernichtung anheimgefallen. Kirchen und manche repräsentativen Gebäude standen wenigstens noch in den Grundmauern. Allerdings war die Grundstruktur der Stadt durch die Bombenangriffe und Brände zum Glück nicht angegriffen worden.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren in Augsburg durch Luftangriffe

  • ein großer Teil der Wohnungen und Häuser zerstört
  • etwa 1.500 Augsburger durch den Bombenkrieg getötet worden
  • etwa 85.000 Augsburger obdachlos

In Augsburg arbeitete man Wiederaufbau-Konzepte aus, die versuchten, den historischen Stadtcharakter wieder herzustellen. Wichtige Gebäude wurden in Jahrzehnte dauernder Arbeit wieder hergestellt, etwa das Rathaus von Elias Holl.

Kein Aufbaugesetz

Anders als in anderen Bundesländern erließ der Freistaat Bayern? kein eigenes Aufbaugesetz. Solche Gesetze ermöglichten anderswo durch beschleunigte Verfahren und raschere Beschaffung von Baugrund einen zügigen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. In Augsburg und in anderen bayerischen Städten musste man dagegen mit den Bauvorschriften aus Friedenszeiten zurechtkommen. Was aber zumindest in Augsburg ganz leidlich gelang.

Die ersten Jahre

Die Trümmerräumung in Augsburg ging recht schnell vonstatten. Aus den Trümmern formte man die Erdwälle des Rosenaustadions. In den erste drei Jahren nach dem Krieg setzte man vor allem beschädigte Gebäude instand. Der eigentliche Wiederaufbau kam erst nach der Waehrungsreform? ins Laufen. Und das vor allem durch die Initiative und Wirtschaftskraft der Augsburger Firmen, die im Gegensatz zu anderen Städten mit zentralen Behörden oder Wirtschaftseinrichtungen den Aufbau der Schwabenmetropole trugen.

Verkehrstechnische Maßnahmen

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg hatte man erkennen müssen, dass eine Ost-West-Durchbruchstraße für den Verkehr in der Altstadt? gebraucht wurde. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg quälte sich der PKW-Verkehr über schmale und steile Gassen vom Perlachberg und Schmiedberg durch die Jakobervorstadt, ein untragbarer Zustand, da die Gassen auch noch sehr verwinkelt waren.

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Hier kamen die Kriegszerstörungen in der Grottenau, Ludwigstraße und Karlstraße gerade recht. Ohne Grundstücksbesitzer enteignen zu müssen, gelang es der Stadt innerhalb von zwei Jahren etwa 300 Eigentümer von Grundstücken entlang der heutigen Ost-West-Durchbruchstraße dazu zu bewegen freiwillig bodenordnenden Maßnahmen zuzustimmen: in einer Linie vom Jakobertor bis zum Stadttheater. Eine für die damalige Zeit günstige und finanzierbare Lösung. Aus heutiger Sicht muss man natürlich sagen, dass damit die Innenstadt? von Augsburg sehr ungünstig "zersägt" wurde, wichtige Teile der Altstadt? voneinander getrennt wurden und der Autoverkehr zum beherrschenden Element zwischen Domviertel, Karolinenstrasse und Rathausplatz wurde. Schöne Innenstadtgestaltung sieht anders aus. Rückgängig gemacht wird diese Autobahn mitten durch die Stadt in absehbarer Zeit nicht und für eine Untertunnelung dieser vierspurigen Bergraser-Strecke fehlt heute das Geld.

Gesamtdisposition Wiederaufbau

1951 beschloss der Augsburger Stadtrat einen Flächennutzungsplan für den Wiederaufbau der Stadt. So bestand ab diesem Zeitpunkt Klarheit über die Nutzung der Flächen nach verschiedenen Bauarten und auch für die grundsätzliche Verkehrsführung in der wieder aufgebauten Stadt. Der Plan hat viele Jahre die Grundlinien des Aufbaus bestimmt und war auch in den 60er Jahren noch aktuell.

Man war beim Wiederaufbau bestreben, den alten Charakter Augsburgs zu wahren. Neubauten innerhalb der Altstadt? wurden deshalb zwar nicht in Nachahmung der alten Bauten ausgeführt, aber doch mit Rücksicht auf den Maßstab, die Höhe und Gestaltung der noch stehenden alten Bebauung. Noch verwendbare alte Bauten wurden sorgfältig renoviert.

Auf diese Weise dachte man damals sowohl der Vergangenheit als auch der Zukunft Augsburgs am besten zu dienen.

Wiederaufbau von Industrie und Wohnungen

Neben verkehrstechnischen Fragen standen der Wiederaufbau von Industrie und Wohnungen an erster Stelle. Industrielle und handwerkliche Betriebe allein konnten der Augsburger Bevölkerung wieder eine Lebensgrundlage schaffen. Und Wohnungsbau war nötig, um den Menschen wieder ein Dach über dem Kopf anzubieten.

Zunächst begann man alte Industrieanlagen wiederherzustellen. Daneben wurden aber gleich viele neue Betriebe geplant und gebaut.

Im Krieg waren in Augsburg 13.000 Wohnungen verlorengegangen. Sie mussten ersetzt werden, neue Wohnungen wurden errichtet. In den Jahren zwischen der Währungsreform? und den 60er Jahren insgesamt 27.000. 16.000 davon mit staatlicher oder städtischer Förderung (von der Stadt kamen 16 Mio. Mark als Wohnbaudarlehen mit guten Bedingungen). Dabei konzentrierte man sich zunächst darauf, Baulücken in Bombenvierteln zu schließen. Andererseits aber legte man auch neue Baugebiete außerhalb der bisherigen Stadtgrenzen an. So z. B. im Hochfeld, in Hochzoll oder am Herrenbach?. Auch der Nordosten, der Nordwesten und der Südwesten der Stadt bekamen neue Wohnviertel. Alle neuen Wohnviertel wurden mit Schulen?, Kindergaerten, Kirchen?, Einkaufszentren? und Grünanlagen ausgestattet.

Beim Neubau von Wohnungen achtete man in Augsburg auf eine abwechslungsreiche Bauweise. Teils baute man Etagenwohnungen, teils kleinere Hochhäuser, teils Einfamilienhäuser (vor allem Reihenhäuser). Jeder Schematismus in der Gestaltung wurde verhindert.

Zweite Wiederaufbauphase

Nachdem die dringendsten Wohnprobleme in Augsburg gelöst waren, machte man sich daran, soziale Einrichtungen wie Kindergärten, eine Jugendherberge?, neue Hallenschwimmbäder?, neue Krankenhäuser und Altersheime? zu errichten.

Auch kulturelle Einrichtungen mussten wieder aufgebaut oder neu gebaut werden: das Stadttheater, die Stadtbücherei?, das Mozarthaus ...

In der zweiten Wiederaufbauphase wurden weitere verkehrstechnische Aufgaben in Angriff genommen. So baute man die Zufahrtsstraßen zur Stadt von der Autobahn her aus, die Donauwörther Straße und die Ulmer Straße, im Süden kümmerte man sich als Ausfallstraße um die Haunstetter Straße, Richtung Osten um die Friedberger Straße und im Westen schuf man die Bürgermeister-Ackermann-Straße? komplett neu.

Schon in den 50er und 60er Jahren plante man die Schleifenstraße zur Entlastung der Innenstadt? als ringförmige Sammelstraße, eine westliche Stadttangente und eine nördliche Tangente, die eine Verbindung industrieller Anlagen mit Wohngebieten möglich machen sollte.

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Auch der ruhende Verkehr trat in das Blickfeld der Stadtplaner, die erste Parkhäuser? errichteten und weitere planten.

Dass den Menschen in Augsburg neue Erholungsmöglichkeiten geboten werden mussten, war den Stadtplanern damals auch schon klar. Und so wurden Freiflächen der früheren Stadtwälle gestaltet, der Stadtgarten wurde mit dem Wittelsbacher Park zusammengelegt, zwischen Hochzoll und Lechhausen wurden verwahrloste Lechufer begrünt, neben dem Herrenbach? errichtete man einen Park mit einem aus Bauschutt aufgefüllten Rodelberg und viele Kinderspielplätze fanden einen Ort im Stadtgebiet.

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