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Wertachstraße

eine Augsburger Straße, die zum sechsten Stadtbezirk Rechts der Wertach und damit zum Planungsraum II Oberhausen gehört; Postleitzahl ist 86153

Allgemeines

Schon immer war die Wertachstraße eine Geschäftsstraße. Dazu gab und gibt es Gaststätten und Kneipen? in der Straße. Hier verbrachten Arbeiter einen Teil ihres Feierabends, denn oft konnten sie sich nur hier zurückziehen, diskutieren oder informieren. Für die Augsburger ist die Straße seit Jahrzehnten durch den Sitz der Agentur für Arbeit Augsburg (Wertachstraße 28), kurz "Arbeitsamt", eine der wichtigsten Straßen der Stadt. Außerdem ist sie eine Ausfallstraße für den Verkehr.

Parallel zur Wertachstraße liegen die Straßen Linden-, Wiesen-, Ottostraße etc. Sie wurden noch vor der Wertachstraße angelegt und mit rechtwinkligen Achsen verbunden. Zunächst gab man ihnen die Bezeichnungen 1. bis 4. Querstraße. Die Häuschen dieser Straßen sind unterschiedlich gebaut. Viele der Häuschen wurden um 1870 herum gebaut. Damals gab es eine Bauvorschrift für die Straßen, die das so genannte "Pavillonsystem" durchsetzen wollte. Danach durften die Häuser hier nicht höher als zweistöckig sein und mussten einen Abstand voneinander haben, der kleine Gärten möglich machte. Als dann aber um 1900 herum immer mehr Arbeitssuchende in das Viertel zogen, stieg der Quadratmeterpreis des Geländes an und man baute hohe Häuserblocks an die damals noch unbefestigten Straßen, um den Baugrund möglichst gut zu nutzen. Man kann sich vorstellen, dass in diesen Mietskasernen die hygienischen Zustände zu wünschen übrig ließen. Aber auch der Ausstoß der Fabrikschlote am Rande des Viertels trug nicht zur Verbesserung der Lebensbedingungen in der Umgebung der Wertachstraße bei.

Wertachstraßen gibt es in vielen Gemeinden und Städten, die an der Wertach liegen, z. B. in Königsbrunn, Bobingen oder Schwabmünchen.

Geschichte

Im Jahr 1900 gab die Bayerische Landesregierung eine Wohnungsuntersuchung für die Wertach- und angrenzende Straßen in Auftrag. Die Ergebnisse: Während damals in jedem Augsburger Haus im Durchschnitt 17 Personen lebten, waren es hier 25, für 20 % der Häuser fehlte ein Wasseranschluss, Toilletten teilten sich mehrere Familien, meist lagen die Toilletten noch im Hof der Gebäude. Säuglinge hatten hier nur eine halb so große Chance zu überleben wie die Neugeborenen in bürgerlichen Augsburger Wohnvierteln.

1902 wurde direkt an der Wertachbrücke das Modehaus Jung gegründet. Damals verkaufte das Haus Arbeitskleidung für Arbeiter der MAN.

Bis zur Reichspogromnacht? 1938 befanden sich in der Wertachstraße die einzigen jüdischen Geschäfte des Viertels Rechts der Wertach. So das Geschäft der Familie Bach, das an der Ecke Wertachstraße / Langenmantelstraße stand, und das Geschäft der Familie Einstoß in der Wertachstraße 19 1/2. In der Reichspogromnacht? warfen Augsburger mit Pflastersteinen die Fenster des Geschäfts der Familie Einstoß ein und ein nationalsozialistisch gesinnter Kaufmann namens Haustein hatte in der Nachbarschaft schon Jahre vorher Bonbons mit Hakenkreuz-Formen verkauft.

Im Juni 2011 kam es zu einem Wasserrohrbruch in der Wertachstraße im Bereich der Haltestelle Senkelbach. Durch den Wasserrohrbruch wurde unter dem Gleiskörper der Straßenbahn sowie unter der Fahrbahn Kies ausgeschwemmt, wodurch Hohlräume entstanden.

Im Mai 2016 stellten die Freien Wähler den Antrag, über den Verlauf der Wertachstraße (Umgriff 455) eine Planerwerkstatt mit fünf Planungsbüros durchzuführen und das Ergebnis in den Bebauungsplan einzuarbeiten. Zuvor war das Sanierungsgebiet Nr. 11 (Rechts der Wertach) förmlich festgelegt worden. Das Stadtteilzentrum Wertachstraße sollte qualifiziert entwickelt werden. Mit der Beschlussvorlage BSV/16/00392 lag damals der Billigungs- und Aufstellungsbeschluss zum BPlan Nr. 455 vor (Rechts der Wertach), der keine Angaben zu städtebaulichen Maßnahmen entlang der Wertachstraße enthielt. Auch beinhaltete er keine Tempobegrenzung auf 30 Km/h, die aber für die Entwicklung eines Stadtteilzentrums als unabdingbar betrachtet wurde. Dabei hieß es im Rahmen der Voruntersuchungen mit Bürgerbeteiligung zur Wertachstraße: „Punktuelle Aufwertungen und verbesserte Querungen Kreuzungsbereiche (an vier Stellen): Vorgezogene Bürgersteigkanten verbessern die Übersichtlichkeit und damit Komfort, Sicherheit und Aufenthaltsqualität für querende Fußgänger. Sie strukturieren mit Baumpflanzungen den Straßenraum und markieren die anknüpfenden Nebenstraßen. Der Straßenbahnbetrieb und Stellplätze in der Wertachstraße sind weiterhin möglich und werden räumlich und funktional beibehalten." Ohne ein solches Verfahren, so bemängelten die Freien Wähler, und die Umsetzung von Quartiersverbesserungen sei ein Trading Down Effekt in der Wertachstraße nicht aufzuhalten.

Details

Sieht man sich die Fassaden der Häuser etwas genauer an, erkennt man immer noch alte Dekorationen. In manchen der Wirtshäuser der Straße trafen sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die "Roten". Einer ihrer beliebten Treffpunkte um 1900 war das "Gasthaus zur Wertach" mit seinem Biergarten.

Wertachstraße 5: Hier befand sich in einem Nebenraum der früheren Gaststätte "Zum Walfisch" das erste Augsburger Kino, die "Olympia Lichtspiele". Später richtete das jüdische Ehepaar Kurt und Selma Pach (geb. Landauer) hier das Schuhfachgeschäft König ein, wurde aber 1939 von den Nazis gezwungen, das Geschäft unter Wert zu veräußern. Während die Tochter in die USA emigrierte, blieben die Eltern in Augsburg, wurden aber 1942 nach Polen deportiert, wo sie wahrscheinlich ermordet wurden, gelten sie doch bis heute als verschollen.

Wertachstraße 13: Früher verkaufte hier der Metzger Schnörzinger, der im ganzen Viertel bekannt war. Für die etwas besser verdienenden Familien gab es Beinschinken, die armen Leute mussten sich mit Schwarzwurst begnügen. In der Nachkriegszeit hieß es im Viertel: "Ein Schinken ist ein feines Essen, ich selber hab´ noch kein gegessn, aber meines Vaters Bruder Sohn hat in seiner Jugend schon einen sehn Schinken essen."

Wertachstraße 28: Hier steht heute die Agentur für Arbeit Augsburg.

Wertachstraße 29: Dieses Gebäuse ist die Ehemalige Städtische Straßenbahnzentrale.

Viele Augsburger bemängeln, dass in den letzten Jahren das Einkaufen in der Wertachstraße weniger attraktiv geworden sei, weil sich hier Handy-Läden, Video-Shops, Kneipen, allerhand Billigläden und Kebabs breitgemacht hätten.

Lage


Weblinks


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