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Welser, Philippine

Bekannt wurde die Augsburgerin Philippine Welser durch ihre heimliche Heirat mit dem österreichischen Erzherzog Ferdinand II. im Jahre 1557. Diese Heirat zwischen einer Bürgerlichen und einem Adeligen galt im 16. Jahrhundert als Tabu. In späterer Zeit verehrte man sie als "Mutter Tirols".

Leben

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Philippine Welser war die Tochter des reichen Franz Welser? und seiner Frau Anna?, geborene Adler und stammte damit aus einer angesehenen Augsburger Patrizierfamilie. Geboren wurde sie im Jahr 1527. Auf dem Augsburger Reichstag von 1548 lernte sie den Erzherzog Ferdinand II. kennen. So jedenfalls die übliche Auffassung, die aber von vielen Historikern bezweifelt wird. Denn Ferdinand II. hatte auf dem erwähnten Augsburger Reichstag keinen einzigen Akt bezeugt und auch sonst wird er in Aufzeichnungen über diesen Reichstag nicht erwähnt, weshalb er wahrscheinlich gar nicht in Augsburg war.

Nachweislich hatte Ferdinand II. erst am 12. Mai 1556 Kontakt mit Welsern, als er der Tante von Philippine, Catharina von Loxan? einen Passbrief für Rinder ausstellte. Diese Tante wurde mit Ferdinand II. vertraut und hat möglicherweise das Kennenlernen des späteren Paares veranlasst. Die meisten Historiker gehen davon aus, dass sich Philippine und Ferdinand II. im Herbst 1556 auf der Burg Brzesnic kennenlernten.

Die beiden verliebten sich und waren ein Paar, das schließlich 1557 in Böhmen heimlich heiratete. Bis 1559 verbargen die beiden ihre Heirat vor der kaiserlichen Familie, bis 1578 sogar vor der Öffentlichkeit. Bis zu diesem Jahr gab sich Philippine Welser mit dem Titel "Ferdinands Beiwohnerin" zufrieden, war aber schon zur Freifrau von Zinnenburg erhoben worden.

Als Kaiser Ferdinand I. von der nicht standesgemäßen Ehe seines Sohnes erfuhr, gab es einige Aufregung. Es wurde ein Vertrag ausgearbeitet, nach dem die Heirat geheim gehalten werden musste, eventuelle Kinder nicht zu Fürsten erhoben wurden. Allerdings kam der Vater seinem Sohn und Philippine insofern entgegen, als er für eine finanzielle Ausstattung der Familie sorgte, dem Paar verzieh und Philippine und eventuelle Kinder unter seinen Schutz stellte. Philippine und Ferdinand II. hielten sich so weit es ging an die Abmachungen und nahmen ihre Kinder als "Findelkinder" in die Familie auf.

Auf Schloss Brzesnic gebar Philippine ihrem Mann am 15. Juni 1558 den ersten Sohn. Er wurde Andreas getauft. Am 22. November 1560 kam schließlich der zweite Sohn auf Burg Bürglitz zur Welt, den das Paar Karl nannte. Ebenfalls auf der Burg Bürglitz erblickten die Zwillinge Philipp und Maria das Licht der Welt (am 7. August 1562), die aber schon im Kleinkindalter starben.

Im Jahre 1567 musste Ferdinand II. die Regierung Tirols übernehmen, Philippine folgte ihm mit den Kindern nach Innsbruck. Während der Sommermonate hielt sich die Familie allerdings auf Schloss Ambras in der Nähe Innsbrucks auf, das Ferdinand II. seiner Frau geschenkt hatte.

Im Jahr 1576 sollte der älteste Sohn des Paares, Karl, zum Kardinal erhoben werden. Dazu brauchte es einen Nachweis der legitimen Herkunft. Um diesen Nachweis zu erbringen, entband der Papst Ferdinand II. von seinem Eid gegenüber dem Vater Kaiser Ferdinand I. und ab 1578 war auch der Öffentlichkeit die Ehe von Philippine und Ferdinand II. nicht mehr unbekannt.

Im Lauf der Jahre erhielt Philippine Welser die Titel Markgräfing zu Burgau?, Landgräfin zu Mellenburg? sowie Gräfin von Oberhohenberg? und Niederhohenberg?. Gesundheitlich ging es ihr ab 1570 nicht besonders gut; sie erkrankte häufig und litt an Fieberanfällen, Unterleibsschmerzen, ihre Füße schwollen manchmal an und mitunter musste sie sich mit Leukorrhöe abgeben. Sie starb am 24. April 1580. Zwei Tage später wurde Ferdinand II. so krank, dass alle schon mit seinem Tod rechneten. Er muss Philippine sehr geliebt haben. Nach einiger Zeit erholte er sich von dem Verlust wieder und ließ Philippine in der Silbernen Kapelle der Innsbrucker Hofkirche ein Grabmal aus weißem Marmor errichten. Auch das Volk Tirols trauerte sehr um die beliebte Philippine.

Das Grabmal von Philippine Welser befindet sich in der zweiten Nische der Silbernen Kapelle der Innsbrucker Hofkirche und wurde von Alexander Colin? geschaffen. Auf dem Hochgrab, das aus Sterzinger Marmor gemeißelt ist, liegt die Tote lebensgroß auf einem Teppich. Man erkennt das portraitgenaue Gesicht der Welserin, deren Hände einen Rosenkranz halten. Die dreigeteilte Vorderseite des Sarkophags zeigt in der Mitte eine Grabinschrift, links die Erschaffung Evas und die Figur der Fides (Glaube), im Hintergrund Symbole des Christentums, rechts die leiblichen Werke der Barmherzigkeit, womit daran erinnert werden sollte, wie die Gemahlin Ferdinand II. ihren Untertanen half.

Besonderheiten

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Philippine kochte leidenschaftlich gern und schrieb sogar ein Kochbuch. Dieses Kochbuch umfasst 651 Rezepte auf 136 Blättern, die sachlich gegliedert sind. Sie beginnen mit den Torten und enden mit den Fastenspeisen.

Außerdem beschäftigte sie sich mit der Pharmakologie. Auf Schloss Ambrass besaß sie eine reich ausgestattete Apotheke. Sie stellte eigenhändig Heilmittel her und studierte Kräuterbücher. Kamen gesundheitlich angeschlagene Untertanen zu ihr, versuchte sie ihnen mit ihrem Wissen zu helfen. Auch ihre medizinischen und pharmakologischen Einsichten hielt sie in einem Rezeptbuch fest, das 127 Seiten umfasste und heute in der Wiener Hofbibliothek eingesehen werden kann.

Auf Schloss Ambrass ist sogar noch ein Gebetbuch mit vielen Zeichnungen von Philippine erhalten.

Das ungewöhnliche Leben der Philippine Welser rief natürlich viele Dichter auf den Plan. Schon im Jahre 1792 veröffentlichte Johann Baptist Durach "Philippe Welserinn. Eine Geschichte aus dem sechszehnten Jahrhunderte". Der Strom der Romane und historischen Erzählungen über ihr Leben ist bis heute nicht versiegt.

Werke

  • De re coquinaria (Kochbuch), Handschrift ca. 1545, Schloss Ambras bei Innsbruck.
  • Koch- und Arzneibuch. Handschrift ca. 1545, Schloss Ambras bei Innsbruck.

Philippine Welser und Augsburg

Philippine Welser – eine Liebesgeschichte zwischen Augsburg und Innsbruck? So lautete eine Gedenkveranstaltung an die Augsburgerin zum Welser-Gedenkjahr 2011. Den Vortrag hielt die Historikerin Dr. Sigrid - M. Größing. Das musikalische Programm „Philippine, die schöne Welserin“ gestalteten Karin Kurzendörfer (Gesang) und Siegfried Bartos (Gitarre). Es ging um den ungewöhnlichen Lebensweg der Philippine Welser, die von der reichen Patriziertochter zur Schwiegertochter des Kaisers wurde.

Weblinks


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