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Bebo Wager

Eigentlich Josef Wager. Augsburger SPD-Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Leben und Werk

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Geboren wurde Bebo Wager am 29. Dezember 1905 in Augsburg als Sohn des Arbeiterpaares Josef und Emma Wager (geb. Gellinger) aus Augsburg. Der Vater kehrte aus dem ersten Weltkrieg als Kriegsinvalide zurück und war nicht mehr erwerbsfähig.

Bebo Wager absolvierte in der Firma Riedinger? in Augsburg eine Lehre als Eisendreher und wurde im Jahr 1923 Mitglied im Metallarbeiterverband. Im gleichen Jahr trat er der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, wo er als Ortsgruppenleiter für den Bezirk der Jakobervorstadt im Jugendausschuss der SPD tätig war. 1927 wechselte er zur MAN, wo er zuerst als Dreher und schließlich ab 1929 als Elektriker arbeitete.

Im Juni 1933 war er einer der Mitbegründer der Kampfgruppe "Revolutionäre Sozialisten" (RSA). Sie setzte sich aus Freunden in Jugend-, Sport- und Bildungsverbänden der SPD in Augsburg, Kempten, Ulm, Günzburg und anderen schwäbischen Orten zusammen. Das Ziel war, den Sturz Hitlers zu beschleunigen, indem die Gruppe politische Verantwortung übernahme. Zu dieser Kampfgruppe gehörte auch seine Frau Lina (geb. Opalka; sie wurde am 20. Januar 1905 in Speyer geboren und starb am 26. April 1979 in Bobingen). Er hatte sie 1928 geheiratet und mit ihr die Söhne Heinz und Helmut sowie die Tochter Hanna gezeugt. Die Kampfgruppe leitete Bebo Wager zusammen mit Hermann Frieb? neun Jahre lang. Sie war vor allem im süddeutschen Raum, aber auch in Österreich tätig.

Anfangs versuchte sich die Gruppe RSA in der "propagandistischen Breitenarbeit" und schmuggelte etwa verbotene Publikationen der verbotenen Exil-SPD nach Augsburg. Noch bis 1935 glaubte man, die Bevölkerung mit Flugblättern und Aufklebern von Hitler entfernen zu können. Doch sowohl Bebo Wager als auch die RSA mussten bald einsehen, dass dieser Weg nicht an ihr Ziel führte. Bebo Wager stand auch im Austausch mit Waldemar von Knoeringen, der sich seit 1933 im Ausland aufhielt und in der Widerstandsgruppe "Neu Beginnen" aktiv war.

Ab 1935 konzentrierten sich Wager und seine Genossinnen und Genossen darauf, Informationen über die Lage im Deutschen Reich an die SPD-Exilanten im Ausland weiterzugeben. Weil die Gruppe im Kriegshaberer Haus von Bebo Wager verbotenerweise englische Sender hörten, wussten sie, dass ihre Meldungen im Ausland ankamen. Sie meldeten Fakten zur deutschen Aufrüstung, zum Schicksal ehemaliger SPD-Funktionäre oder Lageberichte aus Augsburger Betrieben.

1937 kam es zum Zusammenschluss der Augsburger Gruppe RSA mit gleichgesinnten Widerstandsgruppen aus München. Jetzt verfolgte man gemeinsam einen Kurs "aktiver Vorbereitung" zum Umsturz. So plante man, bewaffnete Kampftruppen gegen die Nationalsozialisten? aufzustellen, man bereitete Sabotageakte in Rüstungsbetrieben vor und entwarf detaillierte Vorgehenspläne für den bewaffneten Aufstand. Ab Sommer 1938 beschaffte sich Wager und seine "Revolutionären Sozialisten Augsburgs" Waffen und Munition, die er in seinem Bienenhaus in Stätzling? lagerte. In der Zwischenzeit zeichnete sich der Kriegsbeginn immer deutlicher ab. Aber immer noch lehnte die Gruppe gewaltsame Umsturzversuche strikt ab, obwohl man sich darauf vorbereitet hatte.

Am 12. April 1942 wurde Bebo Wager verhaftet und am 27. Mai 1943 vom Volksgerichtshof in Innsbruck zum Tod verurteilt. Erst in dieser Zeit unternahmen die RSA einige einzelne Sabotageakte. So streuten die Mitglieder etwa Eisenfeilspäne und Gussstaub in die Radlager von Nachschubzügen, um sie heißlaufen zu lassen und so den Nachschub zu blockieren, doch weiß man nichts über den Erfolg dieser Aktionen. Hingerichtet wurde Bebo Wager am 12. August 1943 in München im Gefängnis Stadelheim? zusammen mit Hermann Frieb?. Auf die Spur der Augsburger Revolutionären Sozialisten kam die Gestapo durch die Flugblatt-Aktion einer österreichischen Gruppe. Von dort führten Spuren nach Augsburg und zu Bebo Wager, der von dieser Entwicklung völlig überrascht wurde, denn als er im Augsburger MAN -Werk verhaftet wurde, hatte er sich nicht einmal um die Beseitigung von Beweismaterial gekümmert.

Bebo Wagers Frau wurde zwar von der Nazi-Staatsmacht auch des Hochverrats angeklagt, doch konnten gegen sie keine Beweise gefunden werden, so dass sie freigesprochen wurde. Allerdings wurde sie mit ihren drei Kindern noch bis Kriegsende von der Gestapo traktiert.

Zuerst wurde Bebo Wager zusammen mit Hermann Frieb? auf dem Münchener Friedhof Perlacher Forst? begraben, doch exhumierte man ihn nach dem Krieg bald und begrub ihn auf dem Augsburger Westfriedhof, wo er seit 1946 (nach anderen Quellen seit 1947) ein Ehrengrab mit Grabdenkmal besitzt.

Sonstiges

In seinen Abschiedsbriefen an seine Frau und seine Kinder schreibt Bebo Wager am 12. August 1943:

"Meine Lieben! Nun muß ich doch den Weg bis zum letzten Ende gehen. Ich habe euer Bild vor mir und es ist unendlich schwer, in den Gedanken an Euch zu scheiden.

Liebe Lina! Treu bist Du mir 15 Jahre lang zur Seite gestanden. Manchmal war’s schwer, aber Du hast immer mutig alles mit mir getragen. Hab tausendmal Dank; in dieses eine Wort sei Dir alles gelegt, was ich Dir in den letzten Stunden sagen möchte.

Liebe! sei nun tapfer und trage auch das Letzte mit Mut, halte mich in gutem Gedanken und wenn das Schwere überwunden ist, hoffe ich auch für Dich Glück und Frieden. Sei tapfer um unser Kinder willen, wie auch ich versuchen will, tapfer für meine Ideen zu sterben. Möge Dir und unseren Kindern alles Gute erblühen, was ich erstrebt habe und für das ich auch an mir selbst gearbeitet habe.

Deinen Eltern, Deinem guten Vater und Deiner guten Mutter, dem treuen Willy, Roni und Lydia, ihnen allen Dank für ihre Treue. Auch ihnen meinen letzten Gruß! Du aber mein treuer Lebenskamerad, lebe wohl und sei nochmals herzlich von tiefsten Herzen gegrüßt und geküßt von Deinem Bebo. Letzter Gruß den Verwandten, Rudi und all den andern. Kuß Dir meine Treue ...

Meine geliebten Kinder, Heinz, Hanna, Helmut! Kinder! Den tiefsten Schmerz muß ich Euch zufügen. Unendliche Liebe trage ich auf dem letzten Gang in mir. Daß ich nicht als Verbrecher sterbe, brauche ich nicht zu sagen. Daß ich nur Gutes erstrebte. Haltet immer treu zu Eurer unvergleichlichen Mutter; laßt euch leiten auf dem Weg des Guten, werdet gute, brauchbare, tapfere Menschen. Verehrt Eure Mutter, die Großeltern und folgte ihnen willig. Ich weiß, daß Ihr gut seid und das macht mir den Weg leichter. Mein Tod soll Euere Zukunft nicht trüben.

Eines möchte ich noch mit auf den Weg geben und auch hierin wird Euch Mama den rechten Weg zeigen, sucht Gott. Nun mein letzter Wunsch, viel Glück auf Euerem Lebensweg. Haltet mich in guter Erinnerung und seid gegrüßt und tausendmal geküßt von Eurem Vater, der nun stirbt für seine Idee. Tausend Küsse und unendliches Glück für Euch alle. In vier Stunden ist es aus -.“

Der Text stammt aus Eugen Nerdinger, Flamme unter Asche: Dokumente zu einer Lektion aus den Jahren 1933/45, Augsburg 1977, S. 48/ 49 und wurde leicht verändert. Die Brief-Originale befinden sich im Besitz der Familie Wager.

Bebo Wager wohnte mit seiner Familie in der Reichensteinstraße (Kriegshaber).

Nachträgliche Ehrungen

1946 wurde die Lothringer Straße in Pfersee-Nord? zu seinem Gedenken in Bebo-Wager-Straße? umbenannt.

Außerdem erhielt ein Berufsschulzentrum in Augsburg seinen Namen, die Bebo-Wager-Schule?. Und die AWO Schwaben? benannte ein Altersheim nach Bebo Wager.

Zu Bebo Wagers 100. Geburtstag stifteten die Augsburger SPD, die AWO Augsburg und die AWO Schwaben? den Bebo-Wager-Preis?, der an Schülerprojekte verliehen wird, die sich mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen.

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Während der Gedenkrede 2015 vor dem Grab auf dem Augsburger Westfriedhof. Von links: Bürgermeister Dr. Stefan Kiefer, MdL Harald Güller, MdB Ulrike Bahr, Dr. Heinz Münzenrieder (Vorsitzender der AWO Schwaben), MdL Dr. Linus Förster, MdL Herbert Woerlein - Foto: SPD Augsburg

Aus Anlass der Hinrichtung von Bebo Wager am Nachmittag des 12. August 1943 begehen die Augsburger Sozialdemokraten und die Arbeiterwohlfahrt? jedes Jahr seit 1949 diesen Tag mit einer Gedenkfeier und Kranzniederlegung am Grabmal Bebo Wagers auf dem Augsburger Westfriedhof, stellvertretend für die vielen Widerstandskämpfer aus den Reihen der Christen, Kommunisten und Sozialdemokraten, um die Erinnerung wachzuhalten.

Würdigung

Bebo Wager war ein Augsburger, der sich für eine menschliche und gerechte Gesellschaft eingesetzt hatte, der für die Meinungsfreiheit und die Menschenrechte couragiert eintrat. Die Augsburger SPD schreibt in einer Presseerklärung vom 12. August 2008: "Bebo Wager verdient es, dass das demokratische Augsburg sich seiner erinnert. Denn Bebo Wager besaß als junger Arbeiter mehr Weitblick und Mut, den wahren Charakter des Regimes zu durchschauen und zu bekämpfen, als die meisten Würdenträger in Staat und Gesellschaft."

Weblinks


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