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Volkssiedlung

auch "Siedlung des Volkes" und "Karl-Wahl-Siedlung" genannt; gehört zum Augsburger Planungsraum Universitätsviertel

Stele "Siedlung des Volkes" - (c) by Arno Loeb

Allgemeines

Die Volkssiedlung sollte eine Mustersiedlung der Nationalsozialisten? sein, in der nationalsozialistische Vorstellungen vom Wohnungsbau verwirklicht wurden. Deshalb plante man eine städtebaulich abgeschlossene Einheit. Darin sollte eine "völkische" Wohngemeinschaft heranreifen, die sich zum Teil selbst versorgte. Schon hier klingt das NS-Konzept von "Blut und Boden" an. Grund und Boden, so hieß es damals, seien die Grundelemente, aus denen sich ein Volk entwickelt. Jeder, dem es vergönnt sei, ein Stück Boden sein eigen zu nennen, sei ein "Hüter und Wahrer eines Heiligtums", das er als Treuhänder seines Volkes nach den Gesetzen der Gemeinschaft zum gemeinsamen Nutzen zu verwalten habe. Mit der dörflichen "Siedlung des Volkes" wollten die Nationalsozialisten? die damalige Augsburger Wohnungsnot lindern, gleichzeitig aber gegenüber dem hochmodernen Messerschmitt-Werk ein rückwärtsgewandtes weltanschauliches Konzept verwirklichen, das sie als Gegenpol zu den in den Jahren der Weimarer Republik entstandenen Augsburger Wohnhöfen verstanden. Versuchte man Jahre zuvor Lebensqualität und Leben in der Stadt auf begrenztem Raum zu verbinden, sollten in der Volkssiedlung Stadtbewohner wie auf dem Dorf leben.

Die Siedlung umfasste zunächst etwas mehr als 40 Häuser (knapp 60 Wohnungen) und liegt an der Einmündung der Bürgermeister-Ulrich-Straße? in die Haunstetterstraße?. Heute gehört sie der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Augsburg?, sofern nicht ihre Bewohner einzelne Häuser oder Wohnungen gekauft haben. Südlich der Volkssiedlung befand sich früher landwirtschaftlich genutzte Fläche, die heute vollkommen bebaut ist.

Geschichte

Errichtet wurde die Siedlung nach Plänen des Stadtbauamtes? in den Jahren 1934 bis 1936. Als "Schöpfers der Pläne" wurde Regierungsbaumeister und Stadtrat Freyberger angegeben. Bis 1945 trug die Siedlung den Namen "Karl-Wahl-Siedlung" und war damit nach dem vor allem in Augsburg tätigen NS-Politiker, Gauleiter und Regierungspräsidenten Karl Wahl benannt. Wohnen konnten damals nur Mitglieder der NSDAP? in der Siedlung.

Den Beginn der Siedlung kann man im Spendenaufruf des damaligen NSDAP? -Gauleiters von Schwaben, Karl Wahl erkennen, der am Geburtstag des Führers (20. April 1934) zu Spenden für den Wohnungsbau aufrief ("Karl-Wahl-Spende"). Die Spenden wurden in die "Karl-Wahl-Stiftung" eingebracht, die am 26. Februar 1935 vom Augsburger Stadtrat als "gemeinnütziges Wohnungsunternehmen im Sinne der Gemeinnützigkeitsverordnung" anerkannt wurde.

Die Volkssiedlung wurde offiziell am am 1. Juli 1935 bezogen. Die Straßenbahn-Haltestelle der damaligen Linie 4 trug den Namen "Karl-Wahl-Siedlung". In die Volkssiedlung einziehen durften nur Mieter, die nach parteilichen und sozialen Gesichtspunkten ausgewählt waren. Die Propaganda versprach Wohnraum und Arbeit, um so unter den Arbeitern Augsburgs mehr Rückhalt für die NSDAP? zu schaffen.

In Richtung Stadt Augsburg befanden sich Gebäude der Firma Epple & Buxbaum?. Heute steht ein Gedenkstein, der an die Firma erinnern soll, bei der Haltestelle der Straßenbahnlinie 2, Haltstelle "Beim dürren Ast", auf der Westseite der Haunstetter Straße. "Dieser Eingangspfosten ist das letzte Zeugnis eines 1922 errichteten Zweigwerkes der Landmaschinenfabrik Epple und Buxbaum?. In der Nachfolge wurde auf diesem Gelände die deutsche Flugtechnik entscheidend weiterentwickelt." Dort entstand nämlich das Messerschmittwerk II.

1951 hat man die "Karl-Wahl-Stiftung" aufgelöst und die Siedlung ging an die „Wohnungsbauhilfe im Regierungsbezirk Schwaben“ über. Diese Gesellschaft wurde 1961 liquidiert.

Details

Zu Beginn wurden 39 einstöckige Einfamilienhäuser und drei zweistöckige Wohnblöcke gebaut, jeweils mit ausgebautem Dachgeschoß. Der Siebentischwald ist in unmittelbarer Nähe gelegen. Änlich wie die Fuggerei ist die Volkssiedlung ein selbständiges, in sich abgeschlossenes Gebilde mit vier eigenen Straßenzügen und zwei Zufahrtstraßen. Für jede Wohnung wurden etwa 300 Quadratmeter Gartenland geplant - als Freizeitbeschäftigung, Nebenverdienst und Spielgelegenheit für die Kinder. Jede Wohnung sollte mindestens 62 Quadratmeter aufweisen.

Um der Siedlung einen besonderen Charakter zu geben, wurde die Front zur Haunstetter Straße in besonderer Weise gestaltet. "Hinter diese allgemeine Baulinie tritt der große, mittlere Wohnblock zurück, so daß zwischen seiner Front und dem Gehsteig genügend Raum für eine Zieranlage mit Rasenflächen oder vielleicht auch Blumenbeeten bleibt, in deren Mitte sich später ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Errichtung der Stiftung durch Gauleiter Karl Wahl und das schwäbische Volk erheben soll", heiß es in einem zeitgenössischen Zeitungsartikel.

Vor dem Haupt-Wohnblock der Volkssiedlung steht der "Denkmalbrunnen" mit einer Säule, auf der ursprünglich ein Adler angebracht war, der in seinen Krallen einen Kranz mit Hakenkreuz hielt. Unten an der Säule, zur Haunstetter Straße hin war eine Erinnerungstafel angebracht. Auf beiden Seiten der Säule befand sich je ein kleines Brunnenbecken und ein Wasserrohr, das aus der Säule kam. Nach dem Krieg hat man den Adler auf der Säule durch ein Storchennest ersetzt, die Erinnerungstafel ersatzlos entfernt, die Brunnenbecken verschlossen und die Wasserrohre demontiert. Die Erinnerungstafel trug den Text: "Siedlung des Volkes - entstanden aus freiwilligen Spenden des schwäbischen Volkes, zu denen der Gauleiter von Schwaben Karl Wahl am 20. 4. 1934 dem Geburtstag des Führers im 2. Jahr des Sieges der nationalsozialistischen Bewegung aufgerufen hat. Dem heroischen Opferwillen und dem dadurch bekundeten freudigen Bekenntnis zur Volksgemeinschaft von arm und reich der schwäbischen Bevölkerung sei mit dieser Siedlung ein unvergessliches Denkmal gesetzt. 1935."

Die Straßenbahnlinie 2 und die Buslinie 94? halten an der Haltestelle "Volkssiedlung".

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