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Volksschule Siebenbrunn

eine ehemalige Schule, die von dem Augsburger Stadtbaurat? Otto Holzer in Siebenbrunn errichtet wurde

Allgemeines

Die Volksschule Siebenbrunn liegt im Naherholungsgebiet Siebentischwald. Das repräsentative Gebäude wurde in den vergangenen Jahren mit natürlichen biologischen Materialien in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz? saniert. Im hoch gelegenen Erdgeschoss und Obergeschoss sind vier Säle mit jeweils etwa 66 Quadratmeter sowie weitere Räume untergebracht.

Die Dreiflügelanlage mit Walmdach hat zwei Geschosse. Am Haupttrakt findet sich eine Außentreppe und ein zwiebelturmbekrönter Dachreiter. Der Bau ist im Stil des Neubarock? von Otto Holzer geplant und errichtet. Das ehemalige Schulgebäude bildet noch heute das Zentrum von Siebenbrunn.

Die Säle der Volksschule Siebenbrunn haben eine Deckenhöhe von über vier Metern und große lichtdurchfluteten Fensterfronten. Die Fenster sind im Original mit Doppelverglasung erhalten, ebenso wie die massiven Holzdielenböden, die meist ein Fischgrätenmuster zeigen. Pro Etage gibt es neben dem Treppenhaus eine Allgemeinfläche von etwa 70 Quadratmeter.

Geschichte

Bis 1876/77 mussten die protestantischen Kinder von Siebenbrunn die Ulrichsschule? in Augsburg besuchen, ein unhaltbarer Zustand. Deshalb bauten ihre Eltern eine Schule in der Siebenbrunner Straße? Nummer 21. Diese kleine Schule durften auch katholische Kinder besuchen, mussten jedoch zum katholischen Religionsunterricht nach Haunstetten.

Die Eingemeindung am 1. Juli 1910 (damals noch Mehringerau? nach Augsburg änderte einiges. In einem nur wenig größeren Raum als 50 Quadratmeter unterrichtete der damalige Lehrer mehr als 60 Kinder. Im Umfeld der Spinnerei und Weberei Haunstetten? und anderer Industriebetriebe in der Nähe waren Arbeiterkolonien entstanden, deren Kinder auf eine Schule angewiesen waren. Zuerst bestimmte der Stadtrat, dass die Schule nun eine konfessionell gemischte Schule sein sollte. Deshalb mussten jetzt auch alle katholischen Kinder von Siebenbrunn die Stadtteilschule besuchen, selbst wenn sie zuvor von ihren Eltern in Haunstetten eingeschult worden waren. Damit wuchs die Schülerzahl auf knapp 100 an. Man behalf sich in der ersten Zeit mit dem Nebenzimmer der Waldgaststätte Jägerhaus?, die gegenüber liegt, als weiterem Unterrichtssaal.

Sofort ging die Stadt Augsburg an die Planungen für ein neues größeres Schulhaus. Das sollte 95000 Reichsmark kosten. Im Februar 1912 begann man mit dem Aushub und im Juni des Jahres war der Rohbau fertig. Schon am 2. Dezember 1912 zogen Lehrer und Schüler in die neue Schule ein. Das alte Schulhaus verwendete man als Lehrerwohnhaus. Für die nicht mehr wachsende Siedlung Siebenbrunn stand nun ein großzügiges Schulgebäude.

Auf Elektrizität musste die Schule - wie ganz Siebenbrunn bis 1920 warten.

Am 3. Oktober 1921 enthüllte man an der ehemaligen Volksschule Siebenbrunn Gedenktafeln für die etwa 20 Siebenbrunner, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Die Gedenkplatten wurden 1988 restauriert.

Auch der Zweite Weltkrieg ging nicht spurlos an Siebenbrunn vorbei. So wurde auch die Volkschule in der Bombennacht des Februar 1944 beschädigt und musste geschlossen werden. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg stationierte die US-Armee Soldaten in der Schule, doch noch 1945 wurde in den Räumen wieder unterrichtet. Nach und nach kletterten die Schülerzahlen, denn auch in Siebenbrunn waren viele Ausgebombte und Flüchtlinge untergekommen. Und einige Räume der Schule dienten ebenfalls als Wohnungen - noch in den 1950er Jahren.

1968 waren die Schülerzahlen in der Volksschule Siebenbrunn so stark gesunken, dass man sie schloss. Über Jahre unterrichtete danach eine private Sondervolksschule zur individuellen Lernförderung in den Räumlichkeiten. Dann zog die Schule des Maler- und Lackiererhandwerks? hier ein. Als 1985 das Siebenbrunner Forsthaus abgerissen wurde, zog 1989 das "Siebenbrunner Waldmuseum", das der Forstoberamtsrat Franz Sauter im Forsthaus eingerichtet hatte, in den Keller der Schule, kam jedoch später in den Waldpavillon, wo noch heute seine Ausstellungsstücke besichtigt werden können.

2001 kaufte Ulrich Kubak? (Klassik Radio) die ehemalige Volksschule Siebenbrunn samt dem Lehrerwohnhaus und hielt die Gebäude zunächst nur instand, bevor er 2010 mit der grundlegenden Sanierung des Denkmals begann. Während dieser Sanierung erhielt er den Charakter des Bauwerks zu erhalten und bewahrte z. B. die Flure und Klassenzimmer in ihrer ursprünglichen Größe. Nur zurückhaltend wurden moderne Ergänzungen eingefügt. Die Gestaltung der Wände, Decken und der Ausstattung orientierte sich an derjenigen der Bauzeit. Selbst die historische Holzfenster restaurierte man aufwändig. Die Uhr auf dem zwiebelbekrönten Dachreiter ließ Ulrich Kubak? ebenfalls reparieren, so dass die Glocke wieder erklang. An dem Projekt beteiligt waren das Architekturbüro Peter Bodenmüller? und beratend auch das Bayerisches Landesamt für Denkmalschutz?.

2011 stand die Volksschule Siebenbrunn auf dem Programm des Offenen Denkmals?.

2013 wurde das Engagement für die Volksschule Siebenbrunn mit der Bayerischen Denkmalschutzmedaille? gewürdigt.

Gegenwärtig wird das Gebäude für Wohnungen, Büros und ein Fotoatelier genutzt. Es ist heute wieder ein wichtiges Denkmal?, das mit Leben erfüllt werden konnte.

Details

Die Architektur mit ihren Erkern, Gesimsen, den unterschiedlichen Fensterformen und der Putzgliederung hat etwa Gemütvolles.

Der Treppenbereich außen hat zwei Flügel, die zu dem etwas vorspringenden Eingangsbereich führen, der innen zwei großzügige und rechteckige Vestibüle mit schrägen Ecken und einfachen Deckenstuckleisten beherbergt.

Die obere Halle weist Fensternischen mit mehreren Ecken auf, in die Holzbänke eingebaut sind.

Zentral liegt das Treppenhaus, das von Lang- und Ovalfenstern belichtet wird. Es wirkt durch gedrechselte Holzbaluster und Gitter aus Schmiedeeisen repräsentativ.

Die Seitenflügel der ehemaligen Volksschule Siebenbrunn überdachen die Klassenzimmer, eine Turnhalle und sanitäre Anlagen. Im Nordflügel fand im Erdgeschoss eine Lehrerwohnung Platz.

Die Wetterfahne auf dem Zwiebeltürmchen mit Uhr zeigt das Baujahr der Schule: 1912.

Sonstiges

Kleine Wanderung

Eine kleine Wanderung führt vom Parkplatz an der Sportanlage Süd durch den Siebentischwald nach Siebenbrunn, wo man sich die ehemalige Volksschule ansehen und dann in der Waldgaststätte Jägerhaus? etwas essen oder einen Kaffee trinken kann. Im Sommer am besten im Biergarten.

Der Weg von der Sportanlage Süd ist gut ausgeschildert. Wer genau hinsieht, kann beim Spazierengehen auch heute noch die Bombentrichter der alliierten Bomberangriffe auf die damaligen Messerschmitt-Werke erkennen. Statt auf die Fabrik fielen sie versehentlich in den Siebentischwald, wo sich Haunstetter bei Fliegeralarm versteckten. Deshalb gab es alleine bei einem Angriff im April 1944 über 60 Todesopfer in diesem Waldgebiet.

Lage

Siebenbrunner Straße? 22


Weblinks


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