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Viermetz, Kurt F.

ein deutscher Banker aus Augsburg

Leben und Wirken

Geboren wurde Kurt F. Viermetz am 27. April 1939 in Augsburg (Pfersee) als Sohn eines katholischen Kaufmanns. In Pfersee wuchs Kurt F. Viermetz auf, besuchte dann aber in Donauwörth eine Internatsschule. Er machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und arbeitete anschließend bei der Deutschen Bank AG? in Augsburg. Kaum hatte er die Ausbildung abgeschlossen, beteiligte er sich an einem Wettbewerb für junge Bankangestellte, den er gewann. Schon bald ging er in die Zentrale der Deutschen Bank AG nach Frankfurt. Dort arbeitete Viermetz in den Jahren 1960 - 1964 als Devisenhändler.

Sein wichtigster Karriereschritt war 1965 der Eintritt in das New Yorker Bankhaus J. P. Morgan. Dort arbeitete er in führenden Positionen. Zunächst war Kurt F. Viermetz von 1965 - 1969 Assistant Treasurer bei der Deutschland-Tochter der US-Bank J. P. Morgan in Frankfurt. 1966 heiratete Viermetz seine erste Frau Felicitas. Ab 1970 verantwortete er das internationale Geschäft der Pariser Niederlassung als Vice President. Von 1975 - 1976 baute er die Saudi International Bank Ltd. in London als General Manager für J. P. Morgan und die Deutsche Bank AG auf. Ab 1977 leitete Viermetz den weltweiten Devisenhandel von J. P. Morgan in New York City bis 1980.

1980 kam Kurt F. Viermetz zurück nach Deutschland. Er leitete in der Frankfurter Niederlassung der Bank bis 1984 das kontinentaleuropäische Geschäft J. P. Morgans. 1985 übertrug man Viermetz die Verantwortung für sämtliche Aktivitäten im Devisen-, Swap-, Commodity- und Wertpapierhandel sowie für das Zinsrisikomanagement und das Investment-Portfolio von J. P. Morgan in New York. Schließlich berief man Viermetz 1990 zum Vice Chairman des Boards of Directors der J. P. Morgan Gruppe, dem er bis 1999 angehörte.

Zum Teil gleichzeitig übernahm Viermetz weitere Funktionen in der internationalen Finanzwelt oder in anderen Aufgaben. So war er z. B. 1995 - 2003 Leiter des International Capital Markets Advisory Board Committee der New Yorker Börse (NYSE), von 1995 - 2003 Mitglied des Kuratoriums der New York Philharmonic Society, von April 1999 - Dezember 2002 Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG?, was er bis 2002 blieb. Auch auf seine Initiative ist zurückzuführen, dass das Immobilienfinanzgeschäft ausgegliedert und die Hypo Real Estate Holding AG gegründet wurde, wo Kurt F. Viermetz 2003 Aufsichtsratschef wurde.

An der Universität Augsburg war Kurt F. Viermetz von 2002 bis 2007 Hochschulratsvorsitzender.

Von 2005 bis 2008 war Kurt F. Viermetz auch bei der Deutschen Börse AG Aufsichtsratsvorsitzender.

Nachdem die Hypo Real Estate 2008 in finanzielle Schwierigkeiten geriet und nur noch durch Eingriffe des Staates zu retten war, trat der Augsburger Banker am 10. Oktober 2008 von seinem Posten als Aufsichtsratschef zurück. Der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte Kurt Viermetz zuvor zum Rücktritt aufgerufen. Im Rahmen der HRE Verstaatlichung wurde kurzfristig gegen Viermetz und andere Manager der Hypo Real Estate Holding AG ermittelt, das Ermittlungsverfahren wurde jedoch eingestellt.

Zusammen mit seiner Frau Felicitas? gründete er am 16. Dezember 2003 die Viermetz-Stiftung, die sich für Kunst und Kultur in Augsburg und Bayerisch-Schwaben einsetzt. Seine erste Frau Felicitas? starb im Januar 2007. Das Ehepaar hatte einen Sohn (Maximilian), der Physiker wurde.

Am 11. Oktober 2013 heiratete Kurt F. Viermetz ein zweites Mal. Er und Hannelore Schaddach gaben sich in einem der Fürstenzimmer im Rathaus das Ja-Wort und wurden von dem damaligen Oberbürgermeister? Dr. Kurt Gribl getraut. Das Ehepaar kannte sich schon in Augsburger Jugendzeiten, doch verlor man sich über 50 Jahre aus den Augen, bis beide auf einer Opernveranstaltung in München erneut zusammenfanden.

Kurt F. Viermetz starb am Abend des 25. November 2016 nach schwerer Krankheit im Alter von 77 Jahren in München, doch wollte er auf dem Augsburger Hermanfriedhof? begraben werden.

Veröffentlichungen

  • Magie der Märkte. Meine Geschichte als internationaler Banker. Die Autobiografie von Kurt Viermetz. Hamburg 2014. In dem Buch beschäftigt sich der Augsburger Ausnahmebanker nicht nur mit seinem eigenen Werdegang, sondern auch mit den Ursachen der Finanzkrise 2008, die er vor allem in einem Mangel an Überwachung der Finanzwirtschaft erkennt. Deshalb forderte er in seinem Buch globale Finanzaufsichtsbehörden.

Sonstiges

Soziales Engagement

Hervorzuheben ist das Engagement von Kurt F. Viermetz vor allem für Augsburger Museen, die Universität Augsburg und die Stadtbücherei.

Daneben hat er als Mäzen 750.000 € für die Überdachung des Innenhofs des Maximiliansmuseums? gestiftet, der seitdem "Viermetz-Hof" heißt, und eine Mio. € für die Sanierung und Ausstattung des Museums. Auch das Mozarthaus und das Schaezlerpalais haben ihm einiges zu verdanken, sammelte er doch zusammen mit Georg Haindl? und Hubert Stärker? fast 1,3 Mio. € für die Instandsetzung. Auch die Universität Augsburg unterstützte er finanziell. Die Digitalisierung der Stadtbücherei? ist ein weiteres finanzielles Unterstützungsprojekt. Später beteiligte er sich am Erwerb kostbarer Silberschätze für das Maximilianmuseum.

Die 2003 gegründete „Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung“ nahm sich die Förderung von Wissenschaft, Kunst und Kultur in Augsburg und Bayerisch-Schwaben sowie die Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen zum Ziel. Bis zu dem Tod von Kurt F. Viermetz konnten 700 Projekte mit einem Volumen von über sechs Millionen Euro durch diese Stiftung gefördert werden.

Stellungnahme zur Finanzkrise

Die Schuld an der weltweiten Finanzkrise ab dem Jahr 2008 gab Viermetz in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen am 27. April 2009 der amerikanischen Notenbank, die zu lange an einer Strategie der immer niedrigeren Zinsen festgehalten habe. Seinen Worten nach, ist die Krise des Spätkapitalismus wie ein Erdbeben entstanden: „Wir müssen uns das wie ein heftiges Erdbeben vorstellen, das entstand, weil viele Erdplatten aufeinanderprallten.“

Neben der amerikanischen Notenbank seien auch „volkswirtschaftliche Ungleichgewichte“ Ursachen der Krise gewesen. Dann hätten Investmentbanker allmählich fahrlässig gehandelt. Und: Die Rating-Agenturen hätten CDO-Subprimes mit AAA bewertet, was er als „halbkriminell“ bezeichnete. Durch den Verkauf der „faulen“ Wertpapiere in alle Welt, sei die globalisierte Welt mit dem amerikanischen Gift angesteckt worden. Als Reaktion forderte Kurt F. Viermetz eine stärkere europaweite Banken- und Börsenaufsicht.

Ehrungen und Auszeichungen

Weblinks


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