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Unterer Fletz

Allgemeines

Schon die Eingangshalle des Augsburger Rathauses macht einen monumentalen Eindruck. Man glaubt sich in den Eingang eines venezianischen Palazzos versetzt. An den Seiten befanden sich Wachstuben. Der Boden ist mit Marmor bedeckt. Die Halle selbst hat drei Schiffe. Ging man von hier vor 1944 in den ersten Stock, befand man sich in einer Säulenhalle, deren Holzdecke prächtig bemalt war. Davon ist heute nichts mehr erhalten.

Im unteren Fletz gibt es heute einen so genannten "Tastraum". Dort wird die Geschichte der Stadt Augsburg in 25 Bronzemodellen zum Anfassen für Sehende und Blinde gezeigt.

Vom unteren Flez aus ist ebenfalls eine Holocaust-Gedenkstätte erreichbar. In ihm wird an die jüdischen Opfer aus Augsburg erinnert. Unscheinbar und kaum wahrnehmbar. Bis heute ist dieser Raum auf der offiziellen Homepage der Stadt Augsburg nicht aufgeführt.

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Holocaust-Gedenkort Rathaus Augsburg Unterer Fletz 2012 - (©) by Harald Munding

Geschichte

Im November 2005 wurde im Unteren Fletz von der Stadt Augsburg in Erinnerung an die "Trümmerfrauen" eine Tafel an exponierter Stelle angebracht. Der Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten machte im November 2014 darauf aufmerksam, dass die Darstellungen der Trümmerfrauen und der Mythos Trümmerfrauen in die Endphase des Nazi-Regimes zurückgehen. Forschungen ergaben, dass das das Gros der Räumarbeiten nach dem Krieg nicht Freiwillige oder gar Trümmerfrauen erledigten, sondern hauptsächlich kriegsgefangene deutsche Soldaten, unterstützt von NSDAP-Mitgliedern, die von den US-Besatzern zur Aufräumarbeit gezwungen wurden. Ohne ihre Mithilfe hätten sie keine Essensmarken erhalten. 90 Prozent der "Aufräumer" waren zuvor in nationalsozialistischen Organisationen tätig. Zur Beseitigung der Trümmer in Deutschland waren Baufirmen, Logistik, Gerätschaften und Material der alliierten Besatzer nötig. Natürlich gab es auch Frauen, die in Trümmern arbeiteten und für den privaten Wiederaufbau Steine klopften und wegkarrten. Aber schon während der NS-Zeit wurden Frauen, Schülerinnen, Schüler oder Angestellte von Betrieben im Rahmen des so genannten „Ehrendienstes“ zur freiwilligen Trümmerräumung aufgerufen. Und schon in dieser Zeit entstand die fotografische Inszenierung der Trümmerfrauen. Schauspielerinnen wurden zu Trümmerfrauen-Fotoshootings zusammengeholt und bei strahlendem Sonnenschein, hübsch, jung und lachend mit Röcken, Kopftuch, ungeeignetem Schuhwerk und ohne Handschuhe auf Ziegelhaufen inszeniert. Diese NS-Bilder sind der Prototyp der Trümmerfrauen-Fotos auch nach dem Krieg.

Nach 1945 gab es keine männlichen Helden mehr. Deshalb stilisierte man Frauen zu Heldinnen - immer noch aus nationalsozialistischer Perspektive. Frauen sollten durch ihr ausgleichendes Wesen, ihren gesunden Menschenverstand und ihr Bewusstsein für Verantwortung dazu beitragen, das Volk aus der Verelendung, die Jugend aus der erschütternd anwachsenden Verwahrlosung herauszuführen und ihnen wieder den Weg der Anständigkeit und Gerechtigkeit, Wahrheit und praktischen Nächstenliebe weisen. Das suggeriert, dass Frauen nicht an der Verwahrlosung während der NS-Zeit beteiligt waren, dass sie anständig und gerecht geblieben seien, womit die aktive Rolle der Frauen in der NS-Zeit geleugnet wird. Heute benutzen gerne die Rechten in Deutschland den Mythos der Trümmerfrauen als Sinnbild für die deutsche Wiedergeburt aus eigener Kraft. Dem ist mit Aufklärung zu wehren.

Details

Weblinks


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