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Unterer Brunnenturm

auch "Thurm auf dem Horn" und "Unterer Wasserturm"; zuerst Teil der Augsburger Stadtbefestigung, später Teil der Wasserversorgung der Stadt

Unterer Brunnenturm
Unterer Brunnenturm beim Liliom. Augsburg 2011 by Mailtosap (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Allgemeines

Der Untere Brunnenturm war ursprünglich ein Teil der Augsburger Stadtbefestigung und wurde erst im 16. Jahrhundert als Brunnenturm ausgebaut und genutzt. Anders als etwa im Fall des Fischertors, des Fünfgratturms oder des Jakobertors scheiterte eine Nutzung des Turms bis in die 1990er Jahre an Einwänden der Denkmalschützer gegen mögliche Nutzungen durch Mieter, weil etwa Notausgänge oder Stellplätze fehlten.

Der Turm hat vier Seiten und fünf ausgebaute Wohngeschosse. Am Turm ist noch ein Rest der Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert erhalten.

Bis 1879 war das Werk am Unteren Brunnenturm das zweitgrößte Wasserwerk der Stadt Augsburg (größtes Wasserwerk war damals das Wasserwerk am Roten Tor?). Der Wasserturm steht auf der Hangkante des Mauerbergs über dem Kino Liliom, weshalb manche Augsburger auch vom "Wasserturm am Mauerberg" sprechen. Im heutigen Liliom war früher das zum Unteren Brunnenturm gehörige Wasserwerk untergebracht. Gleich in der Nähe ist die Straße Bei den sieben Kindeln. Außerdem findet sich neben dem ehemaligen Pumpenwerk eine Wasserkreuzung, die so genannte Zirbelnuss-Kanal-Brücke?.

Unterer Brunnenturm 1886
Augsburg, der Untere Brunnenturm am Mauerberg, im Hintergrund das Rathaus und der Perlachturm. Holzstich nach einer Fotografie, veröffentlicht 1886 in einem Augsburg-Führer des Verlags Orell Füssli & Co., Zürich. By Unbekannter Künstler nach einer Fotografie vermutlich von Ferdinand Brauer. [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Untere Brunnenturm und das dazu gehörende Wasserwerk hatte die ganze "untere Stadt" zu versorgen. Dazu noch Brunnen beim Frauentor und bei Sankt Stephan sowie einen Teil der Jakobervorstadt.

Den Namen Unterer Brunnenturm erhielt er zur Unterscheidung vom Oberen Wasserwerk am Roten Tor.

Geschichte

An der Stelle des "Thurms auf dem Horn" stand zunächst ein Wehrturm "auf dem Horn", der schon im 14. Jahrhundert erwähnt wurde. Ähnlich wie beim Kastenturm? bauten die Augsburger auf den Grundmauern dieses mittelalterlichen Wehrturms den Wasserturm. Andere Historiker gehen von einer Erbauung des Wasserturms im Jahr 1405 aus. Sicher ist, dass er 1502 bestand, denn in diesem Jahr wird der Untere Brunnenturm in einer Urkunde als Wasserturm erwähnt. Aus dieser Urkunde wird auch ersichtlich, dass der Untere Brunnenturm am Mauerberg das Domviertel mit Wasser versorgte, denn damals erhielt der Bischof den ersten Wasser-Hausanschluss Augsburgs.

1538 erhöhte man den Unteren Brunnenturm, baute zu seinen Füßen ein Pumpenhaus und verbesserte seine Technik. Wahrscheinlich baute man damals die Machina Augustana in seinem Inneren ein. Andere gehen davon aus, dass sie erst 1550 eingesetzt wurde. Dabei handelte es sich um ein Schneckenförderwerk für Wasser, das nach dem archimedischen Schraubsystem funktionierte. Genau beschrieben wurde dieses technische Kunstwerk im Jahr 1554 von dem Mailänder Gelehrten Hieronymus Cardanus.

Zwischen 1674 und 1684 erneuerte man den Unteren Brunnenturm. 1684 ereichte der Turm durch eine Aufstockung von drei weiteren Geschossen seine heutige Höhe, die um das Doppelte über dem Vorgängergebäude lag. Damals hatte man die Machina Augustana jedoch schon durch Kurbelpumpwerke ersetzt, die durch Wasser angetrieben wurden.

Über den Fenstern des letzten Geschosses ist eine Gedenktafel in Solnhofer Stein angebracht, die von vier Reliefs von Stadtpfleger? -Wappen umgeben ist und auf den Umbau des Wasserturms im Jahr 1737 hinweist. In diesem Jahr erweiterte Caspar Walter die Anzahl der Kurbelpumpwerke von drei auf vier. Das brachte ihm so viel Ansehen ein, dass ihn die Augsburger anschließend zum Stadtbrunnenmeister? ernannten.

1821 ersetzten die Augsburger die alten Kurbelpumpwerke im Unteren Brunnenturm durch die so genannte Reichenbach´sche Wassermaschine, was eine Verdoppelung der geförderten Wassermenge erbrachte. Dazu engagierte man den Münchener Ingenieur Georg von Reichenbach, einen der bedeutendsten Mechaniker der damaligen Zeit. Er ließ die Reichenbach´sche Wassermaschine hauptsächlich aus Gusseisen fertigen und sorgte für eine Qualitätsverbesserung des Trinkwassers, indem er statt des Brunnenbachs Quellen in der Nähe des Unteren Brunnenturms nutzte.

Ein zweites Mal wurde Georg von Reichenbach 1848 beim Unteren Brunnenturm tätig. Damals konstruierte er die gusseiserne Zirbelnuss-Kanal-Brücke?, um das Wasser des Brunnenbachs als Antriebskraft über den Stadtbach? zu leiten.

Schon 1865 ergab sie ein weiterer technischer Fortschritt und man ersetzte die Reichenbach´sche Wassermaschine durch eine von der Maschinenfabrik Augsburg, der Vorläuferin der MAN gelieferte Maschine. Außerdem erhielt das Pumpenhaus (heutiges Liliom) damals seine Form als schlichter Satteldachbau über dem Stadtbach?.

Und 1870 setzte man dem Unteren Brunnenturm einen gusseisernen Pavillon auf, um einen noch höheren Leitungsdruck zu bekommen. Leider existiert dieser damals aufgesetzte Pavillon heute nicht mehr. Vor 1879 wurde das Trinkwasser im Unteren Brunnenturm auf eine Höhe von 35 Metern gehoben.

1879 stellten die Augsburger ihre Wasserversorgung um und der Untere Brunnenturm samt Pumpenhaus wurde nicht mehr gebraucht. Man nutzte die Räume und Gebäude nun anders und baute sie zum Teil um. Unter anderem befanden sich im Lauf der Jahrzehnte eine Feilenhauerei, eine Schleiferei, mechanische Werkstätten und sogar eine kleine Maschinenfabrik in der Anlage.

1989 baute man das ehemalige Pumpenhaus zu einem Kino mit Bar und Restaurant um (Liliom). Im Foyer kan man durch einen Glasboden den Stadtbach? sehen, der unten entlang fließt. Außerdem befinden sich im unteren Gastraum große Steinblöcke. Sie dienten früher als Auflager für die Wasserräder.

Der Untere Brunnenturm selbst ist heute nicht mehr zugänglich, denn er wird privat bewohnt.

Details

Zugänglich ist der Wasserturm vom Brunnenhaus im Unteren Graben 1. Die östliche Seite des Turmes hat zwei Fensterachsen, um das Treppenhaus gut zu erleuchten, an den anderen Seiten gibt es immer nur eine Fensterachse.

Die beiden obersten Geschosse weißen Besonderheiten auf: Sie haben architravierte Fenster und Giebel (die Giebel fehlen allerdings im vierten Geschoss) sowie hochovale Okuli mit Faschen. Am Eckmauerwerk ist noch erkennbar, dass hier früher Eckrustika angebracht waren.

Unteres Wasserwerk mit Turm
Unterer Brunnenturm und Wasserwerk beim Liliom. Augsburg 2011 by Mailtosap (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Die sonstige Dekoration des Wasserturms stammt hauptsächlich aus der Zeit zwischen 1674 und 1684, als der Turm erneuert wurde. Ausnahmen sind die Balustrade und das Zahnschnittgebälk: Diese Elemente stammen wohl aus dem 19. Jahrhundert. Die sechs Geschosse des Turms sind im Inneren flach gedeckt. Die Holztreppenkonstruktion, durch die alle Geschosse verbunden sind, ist barock und wurde 1737 eingebaut.

Lage

Springergässchen 4


Weblinks


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