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Umweltgeschichte in Augsburg

Wirklich Thema ist die Umwelt in Augsburg erst seit wenigen Jahrzehnten.

1990er Jahre

In den 1990er Jahren hat Augsburg zum ersten Mal einen Landschaftsplan? verabschiedet, den Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg gegründet, ein Landschaftsschutzgebiet und zwei neue Naturschutzgebiete? ausgewiesen. 1996 wurde Augsburg Modellstadt für schadstoffarme Erdgasfahrzeuge. 1998 trat die Stadt Augsburg dem Klimabündnis europäischer Städte e. V.? bei. 1998 wurde auch das Kompetenzzentrum Umwelt Augsburg Schwaben gegründet (KUMAS), zum Ausbau der Umwelttechnologie und Stärkung der Region. Dieses Netzwerk - mittlerweile umbenannt in KUMAS Kompetenznetzwerk Umwelt e.V. - mit 2013 über 200 Partnern aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Forschung, Entwicklung und Bildung - arbeitet bayernweit. Ebenfalls 1998 wurde ein Umwelttechnologisches Gründerzentrum? initiiert. Die Auslastung liegt in den letzten Jahren konstant über dem Durchschnitt bayerischer Gründerzentren. Über 130 Firmengründungen gingen bis 2013 aus dem UTG hervor.

Am Klinikum Augsburg wurde 1999 ein Umweltmedizinisches Zentrum? eingerichtet. 1999 kam auch das Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) nach Augsburg.

2000 bis 2010

2006 wurde der Umweltcluster Bayern e.V? als Teil der Clusterinitiative der Bayerischen Staatsregierung? mit Hauptgeschäftsstelle in Augsburg gegründet.

2007 beschloss der Stadtrat einen verstärkten Einsatz von Bio-Lebensmitteln in der Verpflegung in städtischen Einrichtungen, vor allem in Kindergärten, Schulen oder Altersheimen. Angestrebt wurde ein Anteil von 30 %. Anfang 2012 musste die Stadtregierung einräumen, dass die Ziele nicht erreicht wurden. Für die städtischen Kindertagesstätten wurden nur 10 % der Lebensmittel aus biologischem Landbau erreicht und die städtischen Altenheime verwandten aus Kostengründen überhaupt keine Bio-Lebensmittel. Die Stadtregierung sah sich im Bereich der Schulen nicht in der Lage die Versorgung mit Bio-Lebensmittel zu erfassen. Und die Verwaltung ist sich nicht sicher, ob „die städtischen Beteiligungen wie im Beschluss aufgeführt, aufgefordert wurden, ähnlich zu verfahren“, wie die GRÜNEN in einer Pressemitteilung am 3. Februar 2012 verlauten ließen. Augsburg konnte das Prädikat „Bio-Stadt“ in dieser Hinsicht also nicht mit Leben füllen.

2009 hatte die Stadt Augsburg 35 Wasserkraftanlagen, die knapp 69 Millionen kWh Strom erzeugten.

2010 gab die Stadtregierung bekannt, sie wolle Augsburg zur ersten bayerischen Stadt mit einer Strategie zur Biodiversität machen. Ihr Konzept verfolgt zwei Ziele: Zum einen sollen die Tier- und Pflanzenarten ebenso erhalten, gesichert und entwickelt werden wie die von ihnen benötigten Lebensräume. Andererseits gilt es, die Bevölkerung durch Umweltbildung über den Naturraum aufzuklären.

2010 begann das Wirtschaftsreferat der Stadt Augsburg die bestehende Umweltmeile? zum Umweltpark Augsburg? weiterzuentwickeln und unterstützte darin 2011 die Erstellung eines weiteren Technologiezentrums für Firmen nach der Start-up-Phase.

2011 bis 2020

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Im April 2012 musste der damalige Umweltreferent der konservativen Stadtregierung Rainer Schaal von den GRÜNEN wieder starke Kritik einstecken. In einer Pressemitteilung vom 18. April 2012 hieß es, im Umweltreferat? gebe es Stagnation. Zum Weggang von Dieter Lindauer, Chef des städtischen Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetriebs, der zum Zuständigkeitsbereich des Umweltreferats? gehört, schrieb Reiner Erben: "Mit der Kündigung von Herrn Lindauer, der hohes fachliches Ansehen genießt, geht innerhalb kürzester Zeit der dritte von vier Amtsleitern im Umweltreferat?. Dies ist auch ein Ergebnis der Personalführung des Referenten Rainer Schaal, der die Kompetenzen seiner Mitarbeiter/-innen zu wenig nutzt und ihnen zu wenig Freiraum gibt." Das Ausscheiden von Lindauer zeige auch ein inhaltliches Problem auf: Da Schaal seine Mitarbeiter/-innen wenig zur Entfaltung kommen lasse, stagnierten auch viele zentrale Themen in der Umweltstadt. In der Energiewende sei vom Referenten ebenso wenig zu hören wie bei Fragen von Flächenversiegelung, Umweltschutz oder Artenschutz. Ein Augsburger Energiestandard, der einen echten Beitrag zum Klimaschutz vor Ort darstellen würde, sei nach wie vor nicht beschlossen und konkret umgesetzt. Und auch beim Thema Biostadt Augsburg fühle sich der Referent nicht verantwortlich.

Im September 2012 veröffentlichte ATTAC Augsburg unter dem Titel „Energiedemokratie in Augsburg!“ ein energiepolitisches Konzept für Augsburgs Zukunft, das ein paar Tage später von der oedp unterstützt wurde. Das vorgestellte Konzept berücksichtigt Belange einer regionalen, auf regenerativen Quellen basierenden Energieversorgung, die unter breiter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger bei der zukünftigen Planung der Augsburger Energieversorgung aufgebaut werden soll. Das soll nicht nur mehr Transparenz bei zukünftigen Planungen im Energiebereich schaffen, sondern auch maßgeschneiderte Lösungen für Stadt und Region ermöglichen, wobei die kommerziellen Interessen der großen Atomkonzerne ausgesperrt werden. Es geht in dem Konzept auch darum die Stadtwerke Augsburg als kommunalen Betrieb zu stärken und zu erhalten. Das Handwerk? und mittelständische Unternehmen aus der Region würden von einem regionalen Energieversorgungskonzept profitieren, Arbeitsplätze und Wertschöpfung blieben in der Region. Ein besonders wichtiger Baustein des zukünftigen Energieversorgungsnetzwerkes soll die Speicherung von überschüssigem Solar- und Windstrom darstellen. Hier setzt das Attac-Konzept wie auch die oedp? auf die Speicherung in Methan-Form. Dies hätte den Charme, dass z. B. auf dem Gelände des alten Gaswerkes in Augsburg durch Elektrolyse und anschließende Verbindung mit Luft-CO2 Methan erzeugt werden könnte, das dann nicht nur bei Bedarf wieder in Strom umgewandelt werden, sondern auch über das bestehende Erdgasnetz an alle Verbraucher in Augsburg weitergeleitet werden könnte. Selbst im Straßenverkehr könnte es Verwendung finden. Zur Umsetzung dieser und weiterer Ideen schlägt Attac die Einführung eines Energiebeirates vor, der den Stadtrat zukünftig in Energiefragen beraten soll.

Am 29. Oktober 2012 erhielt der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg (LPV) vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn den "Deutschen Naturschutzpreis 2012". Damit verbunden war ein Preisgeld von 84.000 €, das innerhalb von zwei Jahren projektbezogen dazu verwendet werden konnte, die biologische Vielfalt an und in Augsburger Gewässern zu kommunizieren. Insgesamt war der Preis von Jack Wolfskin? mit 250.000 € dotiert. Beworben hatten sich 130 Städte mit ihren Projekten. Augsburg war eine der drei Preisträgerinnen.

Im Februar 2013 bekamen die GRÜNEN Besuch aus Nürnberg. In mehreren Gesprächen in Augsburg verdeutlichte der Nürnberger Umweltreferent Dr. Peter Pluschke wie eine Stadt profitiert, wenn sie sich auf den Weg macht, Bio-Stadt zu werden: "Durch unsere Maßnahmen profitiert nicht nur die Umwelt, sondern wir setzen auch beachtliche regionale Wertschöpfungsketten in Gang. Vor allem kleine und dezentrale Unternehmen profitieren davon." In Augsburg wurde der Prozess zur Bio-Stadt mit viel Elan gestartet, ist aber in den letzten Jahren nicht vorangegangen. In einem Gespräch mit der IHK Schwaben verdeutlichte Peter Pluschke das große wirtschaftliche Potential der Betriebe im Bio-Bereich: "In diesen wachsenden Segmenten sind viele tausend Menschen alleine in Nürnberg beschäftigt. Meist sind es Beschäftigungen in kleinen und mittleren Unternehmen, die enorm vom nach wie vor anhaltenden Bio-Boom profitieren." Bei einer Betriebsbesichtigung der Bäckerei Wolf wurde deutlich, welche Möglichkeiten sich einem Handwerksbetrieb eröffnen, wenn er die grundsätzliche Ausrichtung und einzelne Produktionsabläufe überdenkt. Stefan Wolf, einer der Geschäftsführer: "Wir haben uns vor einigen Jahren entschieden, in größerem Umfang Bio-Produkte anzubieten. Dadurch konnten wir neue Käuferschichten erschließen, auch wenn nicht alle Waren so angenommen wurden, wie wir uns das gewünscht hätten." Im Gespräch wurde deutlich, welche Stellschrauben ein Unternehmen wie eine Bäckerei hat: Im Einkauf und auch bei Dienstleistungen können bevorzugt Anbieter aus der Region berücksichtigt werden. Stefan Wolf: "Lassen wir unseren Laden von einem Schreiner aus der Region einrichten, sparen wir lange Transportwege und stärken den regionalen Wirtschaftskreislauf. Da wir ausschließlich hier verkaufen, hilft uns dies langfristig." Ein Unternehmen wie eine Bäckerei kann allerdings die Umstellung nur dann erfolgreich bewältigen, wenn auch die Kundschaft umdenkt. Dazu kann auch die Politik beitragen. Hier ist zum einen Bewusstseinsbildung gefragt. Die Stadt kann aber auch selbst z. B. in Schulen? und Kindergärten mehr Wert auf Essen in Bio-Qualität legen und das Thema Ernährung in der Pädagogik stärker in den Vordergrund rücken. Eine weitere Konsequenz aus den Gesprächen ist eine Initiative zum Thema Beschaffungswesen. Verena von Mutius: "Es muss den Kommunen ermöglicht werden, im Einkauf regionale Produzent/-innen und Dienstleister zu berücksichtigen. Es kann nicht sein, dass alles über den Preis entschieden wird. Diese Idee werden wir gemeinsam mit der Stadt Nürnberg vorantreiben."

Im Oktober 2013 bemängelte Reiner Erben in einer Presseerklärung, dass die Stadt Augsburg wenig Fortschritte bei Beschaffung und Verwendung von ökologischen und fairen Produkten gemacht habe: „Weder bei der Verwendung von Biolebensmittel oder von Recyclingpapier in den städtischen Einrichtungen noch bei der Vermeidung von Produkten aus Kinderarbeit wurden die Ziele auch nur annähernd erreicht. In manchen Bereichen haben wir sogar Rückschritte zu verzeichnen.“ Laut Beschluss müssten städtische Dienststellen mindestens 75% Recycling-Papier verwenden. Das täten aber nur 52% der Einrichtungen. Bei Werbebroschüren sei der Anteil sogar von 40% auf 25% zurückgegangen. Bei Biolebensmitteln gebe es einen Beschluss, dass 100% Biolebensmittel im innerbetrieblichen Verbrauch anzustreben seien, was aber nur von 19% der städtischen Einrichtungen umgesetzt werde. Bei städtischen Veranstaltungen würden nur zu 30% Biolebensmittel oder regionale Produkte verwendet.

Im April 2015 mahnte die Deutsche Umwelthilfe in Augsburg strengere ökologische Regelungen an. Sie kritisierte vor allem, dass Fahrzeuge mit gelber Umweltplakette in die Augsburger Innenstadt fahren durften (Umweltzone). Von deutschlandweit 76 Städten mit Umweltzonen duldeten nur noch vier Städte Fahrzeuge mit der Gelben Plakette in diesem Bereich dulden. Darunter Bayerns Umweltstadt Augsburg! Der wurde auch vorgeworfen, dass zwar der ruhende Verkehr vom Ordnungsdienst? effektiv überwacht werden, aber nicht der fließende Verkehr.

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