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Ulrich von Augsburg

heilig gesprochener Bischof von Augsburg; lateinisch Uodalricus, althochdeutsch Uodalrîh, in der Augsburger Bischofsliste als Ulrich I. geführt; Regentschaft von 923-973; beteiligt an der Schlacht auf dem Lechfeld; möglicherweise der erste in einem Heiligsprechungsverfahren (Kanonisierung) bestätigte Heilige; Festtag am 4. Juli

Leben und Wirken

Kindheit und Ausbildung

Bischof Ulrich von Augsburg wurde wohl 890 in Wittislingen? oder Augsburg geboren. Er war ein Abkomme einer wohlhabenden schwäbischen Familie. Sein Vater war Gaugraf Hupald von Dillingen und kam aus der Adelsfamilie der Hupaldinger, die Vorfahren der Grafen von Dillingen? waren. Dietburga (auch Thietburga, Ulrichs Mutter, hingegen hatte eine noch höhere Abstammung. Sie war ein Kind des Herzogs Burchard III. von Schwaben und seiner Frau. Damit stammte sie aus dem Geschlecht der Burchadinger, die zum deutschen Königshaus gehörten.

Ulrichs reiche Eltern, die man zu den Alamannen rechnet, hatten Besitztümer in Augsburg, Dillingen?, Wittislingen? und Sulmetingen?. Man nimmt an, dass Ulrich in einem dieser Orte geboren wurde. Die Marktgemeinde Wittislingen? schreibt dazu: „Bezeichnend für die Annahme, dass Ulrich in Wittislingen auf die Welt kam, ist die Lebensbeschreibung des Heiligen Ulrich in Gerhards Vita, dass der Bischof kurz vor seinem Tode im Jahre 973 mit seinen beiden Neffen, den Grafen Richwin und Hubald, einige Tage im Oppidum `quod nominatur Wittegislingua´ weilte, um einen Erweiterungsbau der dortigen Kirche anzuordnen. Die Gräber seiner Eltern, die bei dieser Kirche lagen, sollten nicht länger den Witterungseinflüssen ausgesetzt bleiben, sondern ins Innere der Kirche einbezogen werden.“

Ulrich scheint vier Geschwister gehabt zu haben. Die beiden Brüder Dietpald und Manegold. Dazu die Schwestern Liutgard und Hiltrud. Liutgard wurde mit dem Grafen Peiere verheiratet. Hiltrud soll als Nonne im Kloster Buchau am Federsee gelebt haben. Angeblich hat sie mit einem Mann aus königlichem Geschlecht Unzüchtiges vollzogen. Bruder Dietpald starb im Kampf gegen die Ungarn 955 vor den Mauern Augsburgs. Ein gegnerischer Pfeil soll ihn getroffen haben, als er seinen Helm auszog. Von Bruder Manegold weiß man nicht viel. Ulrich bedachte möglichst viele von seinen Verwandten mit Ämtern und Grundstücken, die einträglich waren.

Nach seiner Geburt soll Ulrich ein schwächliches und kränkliches Kind gewesen sein, auch wenn er als „Säugling keinerlei Defekte aufwies und er in der üblichen Weise gestillt und gepflegt wurde". Nach einer Legende erkannte ein durchreisender Priester, dass der kleine Ulrich falsch ernährt wurde. Nachdem man seine Ernährung umgestellt hatte, soll aus ihm ein Prachtkerl geworden sein. Von diesem Priester sei den Eltern auch eine große kirchliche Karriere vorausgesagt worden. Die taten daraufhin alles, um diese Prophezeiung auch eintreffen zu lassen. In der Psychologie nennt man diesen Vorgang eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Natürlich musste der junge Ulrich im Alter von rund zehn Jahren eine Klosterschule besuchen, um sich auf seine kirchliche Karriere vorzubereiten. Der Vater schickte Ulrich im Jahr 900 auf die Schule in der Abtei Sankt Gallen, wo er bis 908 blieb und sich „kirchlich“ zu benehmen und eine kirchliche Karriere auszufüllen lernte.

Die Mönche in Sankt Gallen erzogen neben Ulrich auch die Söhne anderer Adliger. So entstanden unter den „Jungherren“ wichtige Kontakte für die Zukunft. Geführt wurde das Kloster damals von Salomo III. von Konstanz, der später zum Kanzler des Königs Ludwig III. (das Kind) wurde. Die Schule des Klosters leitete zu Ulrichs Zeit Notker Babulus, der Dichter, Musiker, Pädagoge und Theologe war. Ulrich lernte Latein und bekam eine umfassende allgemeine Bildung. Seine direkten Lehrer waren die Mönche Waninc und Hartmann. Alte Dokumente erzählen von einer „Einsiedlerin Wiborada“, die im Kloster Sankt Gallen Ulrichs Beraterin gewesen sein soll. Sie habe ihm dazu geraten, das Kloster nach acht Jahren zu verlassen und Regierungsgeschäfte aufzunehmen. Die Einsiedlerin habe ihm auch eine Zukunft als Bischof in einem östlichen Gebiet vorausgesagt; es werde ihn dort „viel Mühsal mit Heiden und Christen“ erwarten. Allerdings könnte diese hellseherische Einsiedlerin eine spätere Erfindung sein, um einen angeblichen Gewissenskampf des Klosterschülers Ulrich zu dokumentieren. Als habe er darum gerungen, entweder bescheiden im Kloster zu bleiben, was sicher nicht von seiner Familie beabsichtig war, oder ein kleiner, womöglich auch größerer Herrscher mit geistlichem Hintergrund zu werden.

Nach dem Verlassen Sankt Gallens wurde Ulrich mit 18 Jahren Kämmerer des Bischofs Adalbero (887-909) von Augsburg, der praktischerweise sein Onkel war. Ulrichs Onkel Adalbero war seit 887 Bischof von Augsburg, aber auch Berater des Kaiser Arnulfs. Adalbero durfte Ludwig, den Sohn von Kaiser Arnulf, erzieherisch unter seine Fittiche nehmen. Weil dieser Ludwig IV. (das Kind) bei seinem Antritt als Herrscher noch minderjährig war, galt Adalbero mit zwei weiteren Bischöfen als eigentliche Regierung. Bei ihm lernte Ulrich mit Geld umzugehen. Wie man es einnahm und wie man es ausgab. Hier, so Kritiker der Kirche, trennte sich Ulrichs Weg von dem Weg Jesu, der ohne Besitz lebte, um von niemandem abhängig zu sein und der Gier nach Geld und Macht zu entsagen.

Jedenfalls wurde der junge Ulrich mit der Kasse des Bischofs und dessen wirtschaftlichen Aktivitäten betraut. Sein angeblich sehr angenehmes Aussehen konnte hierbei nicht den Ausschlag gegeben haben. Eher schon der Einfluss seiner Familie auf den Verwandten. In dieser wichtigen Position bekam Ulrich schnell Umgang mit anderen Herrschenden. Was man heutzutage Politik nennt. Angeblich war Ulrich gerade auf einer Wallfahrt in Rom, wo er Papst Marinus getroffen haben soll, als sein Bischof Adalbero im April 909 in Augsburg dahinschied und in der Sankt-Afra Kirche beerdigt wurde.

Papst Marinus soll daraufhin dem in Rom weilenden Ulrich den Bischofsposten von Augsburg angetragen haben, doch habe Ulrich dieses hohe Amt aus Demut abgelehnt. Er werde das Bistum Augsburg wohl erst dann übernehmen, wenn es in unruhiger Zeit ausgeplündert wird, soll ihm daraufhin Papst Marinus düster vorhergesagt haben. Wahrscheinlich wurde diese Voraussage des Papstes erst viel später von kirchlichen Chronisten verfasst. Dabei haben sie es mit den Fakten nicht allzu genau genommen, denn in dieser Zeit regierte nicht Papst Marinus, sondern Papst Sergius III. (904-911) im Vatikan.

Hiltin? hieß der Bischof, der Bischof Adalbero? in Augsburg nachfolgte. Über Hiltin (909-923 Bischof von Augsburg) wurde nur bekannt, dass er nicht aus adeligem Hause war. Ulrich zog sich 909 nach dem Tod des bischöflichen Onkels auf die Güter seiner Eltern zurück. Möglicherweise hoffte Ulrich damals doch schon, Bischof von Augsburg werden zu können. Warum arbeitete er als Kämmerer nicht auch für den neuen Bischof Hiltin? War es für Ulrich unter seiner Würde, in den Dienst eines nicht-adligen Hiltins zu treten? Angeblich zog sich Ulrich auf die Besitztümer seiner Eltern zurück, weil sein Vater gestorben war. Nur eine Ausrede? Von Hiltin ist nicht viel überliefert. Ließ man Dokumente über Bischof Hiltin verschwinden, damit Ulrich besser glänzen konnte?

Der Augsburger Bischof Hiltin? starb im November 923. Seinen Bischofsstuhl übernahm Ulrich am 28. Dezember 923. Er wurde aber nicht durch den Papst eingesetzt. Das war damals nicht üblich. König Heinrich I., ein Herzog aus Sachsen, ab 919 König des Ostfrankenreichs, übergab den Bischofsstab an Ulrich. Mit Bischöfen, die er auswählte und ernannte, schwächte Heinrich I. den Einfluss der Herzöge und Grafen in seinem Herrschaftsgebiet.

Augsburger Bischof

Am 28. Dezember 923 bekam Ulrich im Auftrag von König Heinrich I. durch den Mainzer Erzbischof Heriger die Weihe als Bischof von Augsburg. Herzog Burchard II. von Schwaben, ein Verwandter Ulrichs, hatte sich dafür stark gemacht. So gingen auch alle Besitztümer und Einnahmen, die mit dem Bistum Augsburg zusammenhingen, an den zukünftigen Heiligen. Seine Untergebenen, meistens Bauern, mussten ihm nicht nur Abgaben zukommen lassen, sondern auch als "Unfreie" oder "Hörige" für ihn Arbeiten auf Befehl erledigen. Als Bischof von Augsburg war Ulrich Grundherr geworden - von der damaligen Kirche aus gesehen war die hierarchische Ordnung ein gottgegebenes Gesetz, vom Leibeigenen aus gesehen jedoch oft gnadenlose Ausbeutung. Die Dillinger? Familie, aus der Ulrich stammte, war sehr nahe am Zentrum der Macht.

Von einer Frau an der Seite Ulrichs ist nichts zu lesen, obwohl es zu dieser Zeit nicht unüblich war, dass ein katholischer Bischof eine Frau hatte. Erwähnt wird in Ulrichs Leben außer seiner Mutter und seinen Schwestern die Einsiedlerin Wiborada, die ihn beraten haben soll, und als „Jungfrau“ die Einsiedlerin Ellensind? bei dem Augsburger Kloster Sankt Stefan?. Wahrscheinlich hätte die Kirche ihn nicht heilig gesprochen, wenn er verheiratet gewesen wäre. Ulrichs Verhältnis zu Frauen ist deshalb zu erwähnen, weil ihm die Schrift „De continentia clericorum“ zugeschrieben wurde. Dabei handelt es sich um einen Brief an den angeblichen Papst Nikolaus, worin die Priesterehe verteidigt wird. Wahrscheinlich stammt der Brief aber von einem Kleriker der Diözese Konstanz und wurde um 1075 verfasst, etwa 100 Jahre nach Ulrichs Tod. Vielleicht weil als Verfasser der heilige Ulrich angegeben wurde, hat der Brief im Gegensatz zu anderen Traktaten dieses Inhalts mit 19 Handschriften eine beachtliche Verbreitung gefunden.

Bischof Ulrich war ein eifriger Sammler von Reliquien. Er soll mehrere Wallfahrten über die Alpen nach Rom unternommen haben, um alle möglichen Reliquien zu erwerben. Von unserem heutigen Wissen aus sind viele davon von dubioser Herkunft, denn das Geschäft von Reliquienfälschern florierte schon damals hervorragend.

Die Deutschen Könige Heinrich I. und Otto I. schätzten Ulrich sehr. So konnte er sich gegen den Herzog Arnulf von Bayern durchsetzen, der die Weihe von Klöstern durch die weltliche Regierung organisiert sehen wollte. Vor allem Otto I. war er ein wichtiger Vertrauter. Urkunden belegen, dass er mindestens fünfzehn Mal im Gefolge des Kaisers war.

926 ließ Ulrich seine Bischofsstadt Augsburg befestigen, um gegen die Ungarneinfälle? gewappnet zu sein. Fürstbischof Ulrich galt als einer der bedeutendsten Bischöfe im frühen Mittelalter. Er war Reichsbischof und damit der Landesherr eines Herrschaftsgebietes, aber auch geistlicher Hirte seiner Herde. Berichtet wird von ihm, dass er sowohl die weltlichen als auch geistlichen Aufgaben ernst nahm. Er kümmerte sich um die Armen im Bistum Augsburg, sorgte für die Klöster, hielt Volk und Klerus an, den Glauben, so wie er ihn verstand, ernst zu nehmen und nahm auf die Liturgiegestaltung Einfluss.

Möglicherweise wirkte Ulrich bei der Gründung des Schweizer Klosters Einsiedeln mit, jedenfalls brachte er um 940 Mauritiusreliquien aus Saint-Maurice nach Einsiedeln.

Natürlich standen auch Soldaten unter dem Befehl von Bischof Ulrich. Wenn sein König rief, musste Ulrich einen Teil seiner Bewaffneten für das Heer des Königs und Kaisers zur Verfügung stellen. Wie stark der weltlich-wehrhafte Arm des Augsburger Bischofs war, erhellt folgender Vergleich: Während der Bischof von Worms dem kaiserlichen Heer nur 40 "locati" (gepanzerte Reiter) stellen musste, hatte Ulrich 100 gut ausgerüstete Krieger zur Verstärkung der Truppen zur Verfügung zu stellen, wenn diese wieder gegen die Slawen, Ungarn, oder Italiener marschierten. Auf seinen Visitationsreisen durch das Bistum Augsburg hatte Ulrich nicht nur eine Schutztruppe dabei, sondern auch einen Wagenzug, mit dem er Abgaben und Naturalien einsammelte.

Liudolfinischer Aufstand und Ungarnschlacht

952 hielt Otto der Große mit seiner Frau Adelheid, einer junge Witwe aus Italien, bei Bischof Ulrich in Augsburg einen Hoftag ab. Diese Hochzeit von Otto I. mit Adelheid, die eine Tochter der Berta von Schwaben? war, führte über einige Ecken zur Verwandtschaft Ulrichs mit Otto I. Zur gleichen Zeit hielt man in Augsburg 952 auch eine Bischofssynode abgehalten, so dass alle wichtigen Würdenträger des Reiches in Augsburg versammelt waren.

In der Folge fielen ganz Schwaben, Franken? und Bayern von Otto I. ab, weil sie sein rebellischer Sohn Liudolf gegen ihn aufgewiegelt hatte. Ulrich von Augsburg schlug sich in diesem so genannten „Liudolfinischen Aufstand“ auf die Seite Otto I. Der bayerische Pfalzgraf Arnulf, der mit anderen Fürsten Otto I. stürzen wollte, überfiel deshalb im Herbst 953 Augsburg, als Bischof Ulrich mit Otto I. zusammen die Stadt Regensburg? belagerte, in der sich Aufständische gegen Otto I. verschanzt hatten. Arnulf und seine Vasallen schnappten sich sämtliche Besitztümer des Augsburger Fürstbischofs und besetzten die Stadt, was später selbst den Ungarn nicht gelang. Ulrich durfte bei seiner Rückkehr aus Regensburg nicht in das für ihn lebensgefährliche Augsburg einziehen, sondern musste mit seinem Gefolge in die Festung Mantahinga (später Schwabmünchen) flüchten. Auch dort wurde er von Arnulfs Truppen belagert. Durch seine Hilfe für Otto I. war Ulrich zum Gegner der Aufständischen geworden. Erst die Soldaten seiner Familie unter Führung seines Bruders Dietpald konnten ihn aus der misslichen Lage befreien. 954 konnte Ulrich gemeinsam mit dem Churer Bischof Hartbert einen Waffenstillstand zwischen Otto I. und Liudolf vermitteln.

Für seine unveränderliche Treue zu König Otto I. bekam Bischof Ulrich vom Kaiser das Münzrecht zugeschrieben, das ein einträgliches Privileg war. Geprägt wurden in dieser Zeit silberne Ulrichsdenare?. Diese zeigen auf der Vorderseite ein Kreuz und den Namen "Oudalricus episcopus", auf der Rückseite den Giebel einer Kirche, dazu den Namen der Stadt "Augusta civitas".

Bekannt wurde Bischof Ulrich durch die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955. Auch heute noch ist sein Name untrennbar mit diesem geschichtlichen Ereignis verbunden. Die Truppen von Otto I. kämpften auf dem Lechfeld gegen die Ungarn. Ulrich verteidigte mit seinem Soldaten Augsburg von den Stadtmauern aus. Er war damals schon 65 Jahre alt und hat wohl kaum vom Pferd aus, bewaffnet nur mit dem Kreuz in der Hand, wie es uns die Legende schildert, die Ungarn bekämpft. Alte Heimatbücher übernahmen diese legendäre Schilderung aber gerne. Auch der heutige Ulrichsbrunnen? vor dem Dom geht der Legende auf den Leim und stellt Bischof Ulrich als reitenden unbewaffneten Helden mit einem Kreuz in der erhobenen Hand dar. Eine Pose, die zeigen soll, wie er allein mit der Kraft des Glaubens die Feinde vertreibt und besiegt.

Als Bauherr wurde Ulrich nicht nur im Fall der Stadtmauer aktiv, als er Holzpalisaden durch eine Steinmauer um die Häuser und die Dom-Kirche ersetzte. Nachdem die Ungarn die Afrakirche im Süden der Stadt abgefackelt hatten, ließ er sie wieder aufbauen. Ebenso musste er den Dom wieder neu errichten, weil er während der Ungarnabwehr eingebrochen war. Gebaut wurde von Ulrich auch eine Klosterschule und ein Armenhaus für 12 Bewohner. Im Bistum Augsburg mussten zahlreiche zerstörte Dörfer und Klöster restauriert werden. Zeitweise übte Bischof Ulrich von Augsburg dazu die Gewalt eines Abtes des Klosters Kempten? und des Klosters Ottobeuren? aus.

Durch die erfolgreiche Abwehr der Ungarn stieg Bischof Ulrich von Augsburg in die Spitze der Mächtigen in Deutschland.

Rückzug aus der Welt

958 ließ Bischof Ulrich angeblich mit eigenen Mitteln für die Reliquien des hl. Mauritius einen Schrein aus Gold und Silber fertigen. Mehr und mehr zog sich Ulrich jetzt aus der Welt zurück und widmete sich mehr seinen geistlichen Aufgaben. 963 beauftragte er seinen Neffen Adalbero mit dem Hofdienst und Heerwesen. So bekam er selbst Zeit für Pilgerreisen, Predigten, Spendung der Firmung und andere spirituelle Aktionen. 966 bestattete er den Eichstätter Bischof Starchand in Eichstätt, wie die mittelalterliche Quelle Anonymus von Herrieden zu berichten weiß. 969 gründete Ulrich das Augsburger Kanonissenstift Sankt Stephan?. 971 übertrug er die Verwaltung des Bistums Augsburg und sämtliche weltlichen Aufgaben an seinen Neffen Adalbero.

972 überschätzte Ulrich seine Macht und seinen Einfluss beim Kaiser Otto I. Und zwar als er seinem Neffen Adalbero das Augsburger Bischofsamt noch zu Lebzeiten übertragen wollte. Dieses spezielle Recht der Bischofs-Ernennung ließ sich der Kaiser nicht nehmen. Er hätte sonst die Kontrolle über die Bischöfe verloren, die er brauchte, um seine Macht zu bewahren.

Bischof Ulrich von Augsburg starb am 4. Juli 973 in Augsburg – ohne sich, wie er wollte, ins Klosterleben zurückgezogen zu haben.

Nachwirkung

Ulrich wurde an der Südseite der von ihm wieder aufgerichteten Afrakirche begraben, die damals im Süden der Bischofsstadt auf freiem Feld lag. Heute steht dort am Ende der Maximilianstraße die katholische Kirche Sankt Ulrich und Afra. Noch zu Lebzeiten ließ er seine Grabstätte dort vorbereiten. Nachdem er dort bestattet worden war, besuchten viel Gläubige, die auf eine Heilung hofften, seine Grabstätte. Schnell entwickelte sich die Stelle zu einem Wallfahrtsort. Bald sprechen Berichte von Wundern, von Krankenheilungen an seinem Grab. Ebenso von wunderlichen Errettungen aus Flüssen und Seen, die auf seine Fürsprache hin geschehen sein sollen. Ein Hinweis darauf, warum Bischof Ulrich einen Fisch als Attribut zugesprochen bekam. „Offiziell“ kam Ulrich aber aufgrund einer Legende zu dem Attribut Fisch: So soll Ulrich an einem Freitag auf seiner Tafel Braten gehabt haben. Ein Stück davon reichte er einem herzoglichen Boten als Wegzehrung für den Heimweg. Als der Bote seinem Herrn das Bratenstück zeigen wollte, um zu beweisen, dass Bischof Ulrich das Freitagsgebot übertrat, soll es sich in einen Fisch verwandelt haben.

Die älteste Lebensbeschreibung des hl. Bischofs Udalrich von Augsburg verfasst zwischen 983 und 993 Gerhard von Augsburg?. Er beobachtete vieles als Augenzeuge. Ziemlich schnell wurde der Ulrich, der rund 50 Jahre als Bischof in Augsburg wirkte, nach seinem Tod von der katholischen Kirche heiliggesprochen. Keine 20 Jahre vergingen bis zu der römischen Synode, auf der ihn am 3. Februar 993 der Papst nach einem formalen Heiligsprechungseilverfahren zur Ehre der Altäre erhob, vielleicht das erste kanonische Heiligsprechungsverfahren überhaupt. „Mit dem verklärenden Schein der Heiligkeit umgeben“ habe man ihn wie Afra und Simpert zum Augsburger Schutzpatron erklärt. Papst Johannes XV. soll das Ergebnis der Kanonisierung Ulrichs von Augsburg am 3. Februar 993 beurkundet haben, aber der Wortlaut der Urkunde ist nur im Rahmen von späteren Abschriften überliefert.

Spätere Augsburger Bischöfe konnten Ulrichs Bekanntheit nicht mehr erreichen. König Heinrich, ehemals bayerischer Herzog, ließ vielleicht aus Wertschätzung für Ulrich die Eingeweide des in Italien verstorbenen Otto III., ein Enkel von Otto I., neben dem Grab von Ulrich beisetzen. Damals war es nicht unüblich, dass man einen toten Herrscher teilte und an verschiedenen Orten bestatten ließ.

Im Laufe des Mittelalters wurde Ulrich von Augsburg ein so populärer Heiliger, dass sich seine Verehrung in vielen europäischen Ländern ausbreitete. Auch sein Name wurde gerne Kindern gegeben, vor allem in Süddeutschland? und 1575 schrieb der frühneuhochdeutsche Schriftsteller Johann Fischart, in Augsburg hießen alle männlichen Einwohner „Urli“ (Ulrich).

Sonstiges

Aus dem persönlichen Besitz von Bischof Ulrich sind noch erhalten: eine Kelchschale aus dünnem Silberblech sowie drei Kämme aus Bein und Horn. Einer sogar aus Elfenbein mit einem Lanzenreiter. Vielleicht auch einige seidene Messgewänder, wobei der damals seltene Stoff aus Byzanz stammen könnte.

Der Schutzpatron der Reisenden, Wanderer, Fischer, Weber, Winzer und Sterbenden wird mit den Attributen Fisch und Bischofsornat dargestellt. Als Schutzheiliger dient er auch dem Bistum Augsburg und der Stadt Augsburg. Auch bei einer schweren Geburt, bei Fieber oder Körperschwäche, Tobsucht und Tollwut, Mäuse- und Rattenplagen, Wassergefahren und Überschwemmungen kann die Anrufung des Heiligen nicht schaden.

Der 4. Juli ist ein nicht gebotener Gedenktag im katholischen Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet. Das Bistum Augsburg begeht den „Ulrichstag“ als Hochfest. Bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 war dieser Tag auch sozusagen „Nationalfeiertag“ des Hochstifts Augsburg?. Am Ulrichstag finden in manchen Alpengegenden Unwettersegen statt (in Österreich deshalb „Alpensegentag“ genannt). „Regen am Sankt-Ulrich-Tag macht die Birnen stichig mad“, lautet die Bauernregel für den Gedenktag. Neben dem Ulrichstag feiert die Diözese Augsburg jedes Jahr eine Ulrichswoche. Sie erinnert an den heiligen Ulrich und die Schlacht auf dem Lechfeld.

Außerdem erinnern an den Augsburger Bischof

Stimmen über Ulrich von Augsburg

„Einfach und schlicht in seinem Wesen, als gottesfürchtiger Priester und eifriger Seelenhirte, aber auch schöpferisch weitblickend als Staatsmann und tapfer im Streite, so wird er in der uns überkommenen Lebensbeschreibung geschildert. Besonders kennzeichnend für die Haltung Ulrichs ist die Waffenbrüderschaft und Treue, die ihn mit Otto dem Großen verband." (Hans Eberlein, 1939)

„Ulrichs Biograph, Dompropst Gerhard von Augsburg, zeichnet das Bild einer kantigen Persönlichkeit, die nicht frei war von persönlichen Schwächen.“ (Georg Kreuzer, 1985)

„Durch Visitationen und in Bistumssynoden, die er jährlich im Frühjahr und Herbst abhielt, wollte er den Klerus zum geistlichen Leben aneifern. Persönlich scheute er keine Mühe, um zu Pferd oder im Ochsenkarren, oft unter großen Beschwernissen, die Gemeinden bis in die unwegsamen Täler des Allgäus hinein zu besuchen. Die Fußwaschung, die der Bischof am Gründonnerstag im Augsburger Armenheim vornahm, bedeutete für ihn mehr als nur eine Zeremonie. Er fühlte sich mit den Besitzlosen, den Bettlern und Siechen verbunden. Täglich ließ er eine Anzahl von ihnen in der bischöflichen Pfalz speisen, und seine letzte geringe Habe vermachte er denen, die ohnmächtig der Willkür der Reichen ausgeliefert waren." (Homepage Bistum Augsburg, 2014)

„Als Ulrich starb, wurde er nach mehrtägiger Aufbahrung im Dom nach St. Afra überführt und dort in der vorbereiteten Grablege beigesetzt; der Überlieferung nach wurde er mit dem Teppich, auf dem er auf der Erde zu schlafen pflegte, begraben." (Ökumenisches Heiligenlexikon, 2014)

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