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Textilviertel

Das Textilviertel Augsburg ist kein eigener Stadtbezirk, sondern ein Gelände, das die Stadtbezirke Am Schäfflerbach? (gehört zum Planungsraum I Innenstadt) und Wolfram- und Herrenbachviertel (gehört zum Planungsraum XI Spickel - Herrenbach) übergreift. Textilviertel heißt das Gelände, weil sich hier der Großteil der Augsburger Textilindustrie? befand.

Allgemeines

Fast ein Jahrhundert lang war das Textilviertel hauptsächlich als Produktionsstandort bekannt und wenig in die Infrastruktur der Stadt Augsburg eingebunden. Vor allem Anschlüsse an den OEPNV fehlten. Da der Gütertransport über wenige Hauptachsen und später durch die Augsburger Localbahn erfolgte, blieb das öffentliche Straßennetz im Textilviertel lange weitmaschig. Proviantbach, Hanreibach, Schäfflerbach?, Fichtelbach? und Sparrenlech? durchziehen das Textilviertel und dienten der Energiegewinnung. Ab 1892 sorgte die Augsburger Localbahn für den Gütertransport innerhalb und außerhalb des Gebietes.

Die Nähe zur Altstadt von Augsburg ist die eine Seite, die andere die Nähe zum Naturraum am Lech. So ist das Textilviertel – ähnlich dem Univiertel ein Stadtgebiet, in dem die Bewohner Stadt und Natur in unmittelbarer Nähe haben, mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem ÖPNV leicht erreichbar.

Die meisten Fabrikanlagen sind stillgelegt, verschlungene Wege führen durch das Augburger Textilviertel, vieles kann man nur zu Fuß erkunden und am Weg stehen Zeugnisse der großen Vergangenheit Augsburgs als Textilstadt. Und hat man das Textilviertel fast durchschritten, gelangt man zum Proviantbach-Quartier?, das eines der ältesten noch bestehenden Arbeiterwohnquartiere Augsburgs ist. Hier wohnten früher die Menschen, die in den angrenzenden Fabrikhallen der Mechanischen Spinnerei und Weberei Augsburg? arbeiteten. Kleingärten und alte Alleen geben dem Textilviertel einen ganz eigenen Charakter, zu dem noch die Besonderheit hinzukommt, dass hier der Schlacht- und Viehhof Augsburg in den Jahren 1898 bis 1900 vor den Toren der Reichsstadt? gebaut wurde, weil anders der gewachsene Bedarf der Bevölkerung nicht mehr zu decken war.

Früher war die Textilindustrie, die im Textilviertel angesiedelt war, der größte Augsburger Arbeitgeber. Die Textilfabriken benötigten Maschinen und so entwickelte sich in Augsburg auch eine bedeutende Maschinenbauindustrie.

Als die Augsburger Textilindustrie? gegen Ende des 20. Jahrhunderts am Boden lag, blieb das Textilviertel lange unbeachtet bzw. wurde eine Industriebrache. Es gelang der Augsburger Politik leider nicht, das Textilviertel so zu bewahren, wie es einem kostbaren Stück Augsburg und einem Denkmal europäischer Industriekultur angestanden hätte. Vieles im Viertel ist baufällig, unansehnlich, ja sogar abgerissen wie die Schülesche Kattunfabrik oder die NAK, die einer gesichtslosen so genannten City-Galerie weichen musste, die mit ihren günstigen Parkplätzen für die weitere Verödung der Augsburger Innenstadt sorgt. Vieles wird im Textilviertel dem Zahn der Zeit überlassen, bis es irgendwann unwiederbringlich verloren ist.

Erst nach und nach machte man sich Gedanken über die zukünftige Verwendung dieses Viertels - und stritt über viele Detailfragen. Nach der Jahrtausendwende ging es mit dem Textilviertel wieder ein wenig aufwärts. Der so genannte Glaspalast und das tim sind heute die markantesten Bauwerke des weithin noch trostlosen Gebietes.

Die Bürgeraktion Textilviertel? begleitet die Entwicklung dieses Stadtviertels kritisch. Diesem Verein ist es hauptsächlich zu verdanken, dass die Augsburger Politiker aus ihrem Dornröschenschlaf aufgewacht sind und heute die Entwicklung des Textilviertels nicht mehr nur Immobilienspekulanten überlassen. Leider aber ist immer noch der Verlust bedeutsamer Denkmäler der deutschen Industriegeschichte zu befürchten.

Geschichte

Im Mittelalter wurde das Lechbett bzw. die Lechaue, die von mehreren Quellbächen aus dem Grundwasserstrom und Restgerinne des Lechs durchzogen ist, mit Mühlen und Hammerwerken bebaut, um die Kraft des Wassers zu nutzen. Auch zum Bleichen nutzten die Augsburger die oft überschwemmten Feuchtwiesen. Durch erste Regulierungen des Wassers wurde landwirtschaftliche Nutzung in geringem Rahmen möglich. Erst mit der Industrialisierung des Gebietes begradigte man die Bäche oder legte Kanäle an.

Mitte des 19. Jahrhunderts hingen auch bei heiterstem Wetter düstere Wolken über dem Textilviertel, wie ein Zeitgenosse bemerkte. Es waren die Auswirkungen der Industrialisierung, die zu den Rauchwolken, empor getrieben durch hohe Schornsteine führten.

Die Industrialisierung des Geländes hatte mit der Gründung der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg begonnen. Die neue Industrie blühte um 1830 in Augsburg auf. Im Laufe der Jahre kamen noch weitere große Textilunternehmen auf dem Gelände hinzu. Die Produktionsanlagen, die Wohnkolonien der Fabriken, die Villen der Führungskräfte - all diese Gebäude bildeten eine Stadt in der Stadt, abgeschnitten von der städtischen Infrastruktur, allein durch die Augsburger Localbahn mit ihr verbunden. Der Grund für die Ansiedlung der Textilindustrie waren die vielen Bäche und Kanäle des Viertels, die für die notwendige Energie sorgten.

Schon vor der Phase der Industrialisierung nutzen Bleicher? und Färber das so genannte "mittlere Lechgries", das heute Textilviertel genannt wird. Augsburg war also schon in vorindustrieller Zeit ein Zentrum der europäischen Textilindustrie. 1759 siedelte sich dann die erste Manufaktur für Kattunverarbeitung in Augsburg an. Weil aber die mittelalterliche Augsburger Altstadt? keinen Platz für weitere Fabriken bot, musste Gelände außerhalb der Stadtmauern für industrielle Zwecke verwendet werden. Es liegt nahe, dass man das Gelände der Bleicher? und Färber für die aufkommende Textilindustrie nutzte. Im Textilviertel siedelten sich die großen Textilfabriken überwiegend entlang der Bäche und Kanäle an, weil sie aufgrund ihres Flächen- und Energiebedarfes innerhalb der Altstadt von Augsburg keine Möglichkeiten zur Ansiedlung hatten. Außer den Handelsstraßen zur historischen Altstadt von Augsburg und den Kanälen und Bächen gab es damals keine weiteren Rahmenbedingungen, die dem Textilviertel hätten eine Struktur geben können, so dass die Firmenareale wie Inseln vor der gewachsenen Stadt „schwammen“. Sie waren weitestgehend autark, weil die Arbeiterquartiere mit eigener Versorgung gleich neben den Fabriken hochgezogen wurden.

Bis 1870 hatten sich entweder hier oder an anderen Stellen in Augsburg oder der Umgebung 19 Webereien, Bleichereien, Spinnereien und Wolle verarbeitende Betriebe angesiedelt. Unter anderem die folgenden Großbetriebe:

Es entstanden dominante Fabrikbauten, deren Architektur zum Repräsentieren geschaffen war. Beste Beispiele dafür sind das Fabrikschloss und der Glaspalast. Auch Unternehmervillen wie die Haag-Villa und die Thormann-Villa? dienten diesen repräsentativen Zwecken. Dazu kamen die Arbeitersiedlungen, wie sie etwa im Proviantbach-Quartier? zu besichtigen sind. 1896 entstand die erste Werkskolonie, 1910 hatte man schon 21 Häuser mit 300 Wohnungen samt Lebensmittelgeschäft und Metzgerei erstellt. Es gab sogar ein Altersheim und ein Kinderheim für Werksangehörige der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg, plus Turnhalle und Spielplatz.

Anfang des Jahrhunderts beschäftigte die Augsburger Textilindustrie? fast 30.000 Arbeiter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte als Folge der Zerstörung Augsburgs eine große Wohnungsnot in der Stadt. Deshalb baute man auch im Textilviertel Wohnungen in den 1950er und 1960er Jahren auf den Freiflächen im Süden. So entstand das Herrenbachviertel?, das Einkaufszentrum Schwabencenter und das Wolframviertel?. Im Norden des Textilviertels baute man Wohnungen rund um die Johannes-Haag-Straße.

Bis 1960 führte eine Straßenbahnlinie 6 über die Prinz-? / Lotzbeckstraße? durch das Wolframviertel?, am Schwabencenter vorbei und durch das Herrenbachviertel?. Danach wurden diese Gebiete durch ein Busliniennetz erschlossen, bis die Straßenbahnlinie 6 2010 wiederbelebt wurde.

In den folgenden Jahren gingen die Mitarbeiterzahlen immer mehr zurück und es wurde für die Augsburger Textilindustrie? immer schwieriger, dem Druck aus Billiglohnländern standzuhalten, was zur Folge hatte, dass viele Betriebe schließen mussten: 1986 die Mechanischen Spinnerei und Weberei Augsburg?, 1996 die NAK, 2002 die Augsburger Kammgarn-Spinnerei AG.

Von sieben früher hier ansässigen Textilfabriken arbeitet noch ein einziger Betrieb. Es ist klar, dass sich durch den Niedergang das Textilviertel stark veränderte. Z. B. zogen viele junge Menschen mit den Arbeitsplätzen weg und das Viertel überalterte. In die frei gewordenen Wohnungen, die kaum instand gesetzt wurden, zogen Menschen ein, die sich nur diese niedrigen Mieten leisten können, was zu sozialen Schwierigkeiten führte.

Nach dem Ende der Textilindustrie? in Augsburg geriet das Textilviertel als Industriebrache aus dem Focus der Augsburger Bevölkerung, was dazu führte, dass es weitgehend in seiner charakteristischen Struktur erhalten blieb. Die meisten Firmenareale sind städtebaulich noch deutlich erkennbar. Manche baulichen Zeugen der Geschichte der Textilindustrie? mit ihren Ensembles aus Spinnerei, Weberei, Bleiche, Arbeitersiedlungen, Direktoren-Villen … sind noch zu besichtigen. Erst in den 1980er Jahren begann eine politische und gesellschaftliche Diskussion über die Rolle, die das Textilviertel in Augsburg einnehmen sollte. Besonders divergierend wurde über den Bau von Einkaufszentren diskutiert.

1989 fand im Anschluss an Untersuchungen, Planungen und Diskussionen ein städtebauliches Kolloquium zum Textilviertel (und Herrenbachviertel?) statt. Vertreter/innen aus Vereinen, Verbänden, Ämtern, Wirtschaft, sozialen und kulturelle Trägern, Kirchen, Schulen, Initiativen etc. und interessierte BürgerInnen konnten an dem Planungsprozess teilnehmen. Einbezogen wurden auch Grundeigentümer, Geschäftsleute und potenzielle Investoren, um so ökonomisch tragfähige Projekte anzustoßen.

In der postindustriellen Zeit des Textilviertels lockerte die Stadt Augsburg die Gemengelage aus Produktionsstätten und Wohnungen auf den gewerblichen Vorbehaltsflächen mit Zwischennutzungen auf. Solche Zwischennutzungen waren z. B. Kleingärten, ein Kleintierzuchtverein, Sportanlagen für Werksangehörige und Freiflächen.

Vom März 2008 bis Juli 2009 fand ein Planungsdialog zum Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept statt, der mit einer Auftaktveranstaltung der Lenkungsgruppe begann und von Ideenschmieden und Planungswerkstätten begleitet wurde. Zunächst wurden – aufbauend auf früheren Vorarbeiten – Situation, Probleme und Potenziale im Textilviertel (und Herrenbachviertel?) analysiert. Dann wurden ein Leitbild, eine Strategie und konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, die vom Stadtrat beschlossen wurden. Als erste Sanierungsgebiete bestimmte man das Kammgarn-Quartier? und das Proviantbachquartier. Beide Quartiere sollten in den Jahren danach modellhaft reurbanisiert und in das Augsburger Siedlungsgefüge integriert werden. Entwicklungsziel war eine Mischstruktur von Arbeiten, Wohnen, Kultur, Versorgung, Freizeit, Erholung und sozialer Infrastruktur.

Im März 2011 begann der Bau einer Fernwärmeleitung im Textilviertel und im Herrenbachviertel?.

Für die Weiterentwicklung des Textilviertels beantragte die Grüne Fraktion im März 2012 im Augsburger Stadtrat nördlich der Reichenberger Straße einen Bebauungsplan, um eine zielgerichtete qualitative Entwicklung des Textilviertels sicherzustellen. Dabei sollten die BürgerInnen beteiligt werden.

Im September 2012 forderten die Augsburger GRÜNEN ein „zukunftsweisendes Verkehrskonzept“ auf der Grundlage des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts? (ISEK) für das Textilviertel. Wie bei der Mobilitätsdrehscheibe müsse ein Schritt in eine zukunftsfähige Mobilität gegangen werden – insbesondere für das AKS-Areal, das nahe bei der Innenstadt liegt und eine Straßenbahnhaltestelle hat. Deshalb sei es ideal für alternative Verkehrskonzepte.

Im Mai 2016 gab die Martini GmbH & Co. KG bekannt, im Augsburger Textilviertel Wohnraum mit einem Investitionsvolumen im zweistelligen Millionenbereich schaffen zu wollen. 2018/2019 plante man den Bezug der etwa 350 Wohnungen. Ungefähr 70.000 Quadratmeter sollten bebaut werden, wovon 10.000 Quadratmeter Parkflächen sein sollten, die öffentlich zugänglich bleiben sollten. Die Gebäude waren drei- bis fünfstöckig geplant. Zusätzlich war eine viergruppige Kindertagesstätte? mit Kindergarten vorgesehen. Für Besucher sah man oberirdische Parkplätze vor, für die Anwohner unterirdische Tiefgaragen. Die Wohnungen sollten durch die Martini GmbH & Co. KG direkt vermietet werden. Martini versprach öffentlich geförderte Wohnungen bis hin zu exklusiven Wohnungen. Was die Größe betraf, sah man Wohnungen vom Ein-Zimmer-Apartment bis zur Vier-Zimmer-Familienwohnung vor.

Am 27. April 2017 fand die Eröffnung des Aldi-Discounters im Textilviertel statt. Das "Nahversorgungszentrum Textilviertel" ist in der Fortschreibung des Einzelhandelsentwicklungskonzeptes der Stadt Augsburg 2016 als zentraler Versorgungsbereich ausgewiesen. Der Discounter übernahm hier eine wichtige Versorgungsfunktion für die umliegende Wohnbevölkerung.

Details

Heute sind die ehemaligen historisch gewachsenen Firmenareale das Rückgrat des Textilviertels. Es sind Einheiten aus Wohnen und Arbeiten geworden, die über ein grünes Netz miteinander verbunden sind, oft entlang der Kanäle und Bäche des Viertels, aber auch in Ost-West-Richtung zwischen Altstadt und Lech. Begleitet wird die naturräumliche Verbindung der alten Firmenareale durch ein Fuß- und Radwegenetz.

Gelände

Augsburger Textilviertel Plan
Zum Vergrößern bitte klicken: Übersichtgrafik zum Augsburger Textilviertel. By Befana (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Grob gesprochen liegt das Textilviertel im Osten der Innenstadt?, zwischen dem Roten Tor, dem Jakobertor und dem Lech. Will man es genauer, so ist damit ein Gebiet gemeint, das durch die östlichen Wallanlagen?, also die Jakoberwallstraße und Lechhauser Straße, den Lech, die Prinzstraße? und die Reichenbergerstraße? begrenzt wird. Wollte man historisch ganz korrekt sein, müsste man im Norden bis zur Nordtangente?, im Süden bis zur Friedberger Straße gehen, um die älteste Augsburger Industriezone abzustecken. Manchmal wird das Textilviertel auch mit Kammgarnquartier bezeichnet, doch ist das Kammgarnquartier nur ein Teil des Textilviertels.

Entlang der Provino-, Gärtner- und Prinzstraße? stehen Bürgerhäuser am Rand des Textilviertels. Bis hin zur Friedberger Straße baute man für die Angestellten der Textilindustrie?, aber auch für Beamte. Vor der Industrialisierung bestand das Gebiet des Augsburger Textilviertels hauptsächlich aus Wiesen und war unbewohnt.

Auch heute noch fließen durch das Viertel viele Bäche und Kanäle, wie z. B. der Proviantbach, der Fichtelbach?, der Schäfflerbach? und der Hanreibach.

Das Gelände an den energiereichen Lechkanälen umfasst etwa 180 Hektar und bildet ein demkmalpflegerisch einmaliges Ensemble, das leider nicht genügend Beachtung findet und durch die Schleifenstraße durchtrennt wird, die Haunstetter Straße und Anton-Fugger-Brücke verbindet.

Einzelteile des Textilviertels

Zum Gelände gehören

Neben privater Nutzung finden sich im Textilviertel vor allem auch Arbeitsräume und Gewerbeflächen. So zum Beispiel im

Stadtentwicklungssünden

Selbst wenn man wohlwollend die Entwicklung des Textilviertels nach seinem Niedergang betrachtet, kann man sich nicht der Erkenntnis verschließen, dass hier viele städtebauliche Sünden von der Stadtspitze begangen wurden.

Zum einen siedelten sich mit Genehmigung der Parteien roter und schwarzer Couleur mächtige Handelsketten im Viertel an. Etwa der BIG an der Reichenberger Straße, von dessen Ansiedlung z. B. das Forum solidarisches und friedliches Augsburg behauptet, sie sei illegal zustande gekommen. Der BIG wich einem REAL-Markt. Am Hanreibach holzte man alte Weiden ab und der OBI siedelte sich an. Das Fabrikschloss umgab man mit einem Gürtel hässlicher gesichtsloser Handelsgebäude. Der gescheiterte Baulöwe Ignaz Walter? übernahm den Glaspalast und ließ daneben die Schrannenhallen? abreißen, um 08/15-Wohnblöcke in bunten Farben aufziehen zu können.

Menschen, die im Textilviertel wohnten, mussten ihre Wohnung räumen, vor allem Migranten. Immobilienfirmen sind dabei, das Viertel umzukrempeln. Im Kampf der verschiedenen Interessen von Immobilienfirmen, Stadt und Anwohnern finden Denkmal- und Naturschutz, soziale Belange und städtebaulich günstige Perspektiven nicht immer Berücksichtigung. Die Stadt schafft mit der systematischen Vermarktung von Teilflächen nach und nach Fakten. Ein städtebaulicher Rahmenplan für das Viertel aus dem Jahr 2000 wird oft zur Makulatur.

Auf einigen alten Industriearealen entstanden neue Wohnblöcke, da ja durch den Wegzug von 30.000 Arbeitern eine Industriebrache vorhanden war. Leerstehende Fabrikanlagen wurden einer Zwischennutzung zugeführt (Vermietung an Speditionen, Auktionshäuser etc.). Noch immer sind enge Straßen und Altlasten der Grundstücke (vor allem, wo Färbereien standen) beim Flächenrecycling hinderlich, so dass ohne ein wirklich überzeugendes Gesamtkonzept häppchenweise die Entwicklung des Viertels fortschreitet. Richtung weitgehend offen.

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