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Stempflesee

ein künstlicher Augsburger See, der nicht zum Baden geeignet ist

Allgemeines

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Der Stempflesee in Augsburg ist Teil des Siebentischwaldes. Er hat eine Fläche von etwa 1,4 Hektar und liegt im Südwesten des Augsburger Stadtteils Spickel-Herrenbach. Heute ist der künstliche See Lebensraum für zahlreiche Fische und Wasservögel sowie beliebtes Naherholungsziel für Spaziergänger, Läufer und Radfahrer. Er ist eine der Haupteingangsppforten zum Siebentischwald.

Der Zigeunerbach?, der vom Brunnenbach abgeht, sorgt für die Befüllung des Stempflesees, der einen etwa 500 Meter langen Uferweg aufweist. Dort, wo der Zigeunerbach? in den Stempflesee mündet, führt eine gewölbte kleine Brücke trockenen Fußes auf die andere Landseite. Die Augsburger lieben den Stempflesee, weshalb er zu jeder Zeit gut besucht ist, selbst im Winter: Hat er tragfähiges Eis, nutzen das Augsburger Schlittschuhläufer.

Der Stempflesee ist sowohl mit ÖNVP als auch mit dem PKW gut erreichbar: Nur etwa in 700 Meter Entfernung befindet sich an der Sportanlage Süd ein großer PKW-Parkplatz und nur unwesentlich davon entfernt hält die Straßenbahnlinie 2 (Haltestelle Siemens).

Die Finanzierung des künstlich angelegten Stempflesees geschah durch die Katharina-Wiedemann-Stiftung?.

Geschichte

In der Nähe des heutigen Stempflesees lag zu Beginn des 20. Jahrhunderts die "Waldrestauration Siebentisch". Am 19. November 1915 beschloss der Augsburger Magistrat? hier einen künstlichen Weiher anzulegen, um das Erholungsgelände noch attraktiver zu machen. Wo heute der Stempflesee liegt, befand sich damals eine Kiesgrube. Sie wurde 1924 im Rahmen von Notstandsarbeiten durch Arbeitslose zum See umgestaltet. Der künstliche See wurde zu Erholungszwecken – direkt neben der damaligen Ausfluggaststätte „Zu den sieben Tischen“ – angelegt. Im Sommer 1924 wurde mit dem Bau des „Lustsees“ begonnen.

Am 13. April 1924 benannte man den See nach dem Magistratsrat Gottfried Stempfle, der sich sehr für den Stempflesee eingesetzt und verdient gemacht hatte. Bald stellte sich heraus, dass der Seeboden das über einen Bach eingeleitete Wasser nicht am Versickern hindern konnte, weshalb man den See besser abdichten musste. Diese Abdichtungsarbeiten dauerten bis 1926.

Im Februar 1944 erlitten sowohl die südlich des Stempflesees gelegene "Waldrestauration Siebentisch" als auch der See selbst Bombentreffer, in deren Folge der Stempflesee auslief. Erst zwei Jahre später besserte man ihn aus, während die zerstörte "Waldrestauration Siebentisch" abgerissen wurde.

2008 brachten mehrere Stadträte von der CSU einen Antrag zur Neugestaltung des Stempflesees in den Stadtrat ein, um ihn aufzuwerten und zu renaturieren.

Im Dezember 2012 war in der Augsburger Allgemeinen zu lesen, dass die verfaulende Holz-Randbesfestigung am Stempflesee durch Kies und Wasserbausteine ersetzt werden sollte. Dadurch wolle man für die Besucher eine höhere Begeh-Sicherheit am Ufer erreichen und das Trinkwasservorkommen im Siebentischwald besser schützen, weil Schwäne und Enten das Wasser des Stempflesees verschmutzen und die Gefahr der Kontaminierung von Trinkwasser besteht. Daher hat der Stempflesee einen zu hohen Nährstoffgehalt. Dem könnten Uferpflanzen entgegenwirken, die aber an den Uferholzbohlen keinen Halt fänden. Um Uferpflanzen möglich zu machen, sollte das Seeufer des Stempflesees abgeflacht und der Zigeunerbach? auf etwa 70 Metern Länge umgestaltet werden. Durch diese Maßnahmen wollte man dem Stempflesee wieder eine höhere Selbstreinigungskraft geben. Zusätzlich sollten Bepflanzungen unter Wasser angelegt werden, um neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu schaffen, die im Siebentischwald typisch sind.

Am 27. Mai 2013 rief die Stadt Augsburg zum Spatenstich für eine Sanierung des Stempflesees auf, für die der Augsburger Umweltausschuss 100.000 € freigegeben hatte. Gegen massive Eingriffe in den Baumbestand am Stempflesee erhob sich nun allerdings massiver Bürgerprotest. So genannte "Wutbürger" um den Augsburger Architekten Volker Schafitel verhinderten den Spatenstich und erreichten einen Abbruch der Arbeiten am Stempflesee. Nach einer Stunde Diskussion vor Ort erklärte sich der damalige Umweltreferent? Rainer Schaal bereit, eine 10-tägige Denkpause einzulegen und die Sanierungsgegner Alternativpläne vorlegen zu lassen.

Ursprünglich wollte man die Ufersituation durch Abflachen und durch Befestigen mit Steinen verbessern. Ende Mai 2013 wurde bekannt, dass auch Bäume im Uferbereich gefällt werden und im gesamten Bereich des Weges um den See die Bäume aufgeastet werden sollten, um die Zufahrtsmöglichkeit für Lkw und Bagger zu gewährleisten. Viele Augsburger befürchteten, dass das Erscheinungsbild des Sees stark verändert würde und dies in keinem Verhältnis zur geplanten und sinnvollen Sanierung des Uferbereichs stehe. Auf einer Hinweistafel war von einer „Erneuerung der Uferwege“ die Rede, die „für noch schönere Spaziergänge und ein harmonisches Erscheinungsbild“ warb. Augsburger "Wutbürger" forderten die Planung zu ändern und den Eingriff am Stempflesee naturverträglich und schonend zu gestalten. Die Stadt Augsburg stoppte wegen der Bürgerproteste die Sanierungsarbeiten, obwohl sie vom Augsburger Stadtrat zweimal einstimmig beschlossen worden war. Ende Mai 2013 begannen Anwohner des Siebentischwaldes Unterschriften gegen die Planungen der Stadt zu sammeln.

In der folgenden Diskussion stellte sich heraus, dass allein wegen der Zufahrt schwerer Bagger und LKW für die Renaturierung des Sees 26 Bäume hätten gefällt werden müssen. Zusätzlich sollten 24 Bäume so beschnitten werden, dass für die Bauarbeiten drei Meter Lichtraum zur Verfügung gestanden hätten. Der Vorwurf der Gegner der Stadtratsplanungen lautete: Niemand habe sich diese schweren Eingriffe zuvor bewusst gemacht oder bedacht, dass die für die Renaturierung des Stempflesees notwendigen Wasserbausteine nicht ohne schwere Baumaschinen an Ort und Stelle zu bringen waren. Eine Renaturierung des in den 1920er Jahren angelegten Sees könne kein Ziel der Sanierung eines künstlichen Sees sein. Durch eine Renaturierung werde die charmante Gartenarchitektur der 1920er Jahre rund um den See zerstört.

Wenige Tage nach dem Stopp der Bauarbeiten am Stempflesee gab der damalige Augsburger Umweltreferent Rainer Schaal wegen des Widerstandes gegen die Pläne des Stadtrats den Plan einer "Ökologisierung" des Sees mit Flachwasserzonen für Schilfbewuchs und Wasserbausteinen am Ufer auf.

In einer Infoveranstaltung zum Stempflesee, die am 3. Juli 2013 stattfand, stellte Rainer Schaal einen Vorschlag aus der Bürgerschaft vor, nach dem zur Entschlammung des Sees ein Saugboot eingesetzt oder der Schlamm von Bürgern in Handarbeit abgeschaufelt werden und in umliegende Erdtrichter geleitet werden sollte.

In der Sitzung des Umweltausschusses am 23. Juli 2013 sollte endgültig über die Verwerfung des ursprünglich vorgesehenen Sanierungskonzepts für den Stempflesee entschieden werden. Alternative Pläne der "Wutbürger" sahen lediglich noch die Erneuerung des Holzstangenverbaus am Ufer des Stempflesees ohne schweres Gerät vor. Dazu sollten keine Baumfällungen nötig sein, weshalb der Stempflesee mit seinem etwa 100 Jahre alten Gesicht erhalten bleiben sollte. Der Plan der Augsburger "Wutbürger" war von Bernd Koroknay ausgearbeitet worden. Er setzte am ursprünglichen Konzept eines Parksees an. Die Holzbefestigung rund um den Stempflesee sollte erneuert und der Fußweg um etwa 40 Zentimeter abgesenkt werden, damit die Ufer-Holzbefestigung im Wasser stände und nicht so schnell wie bisher verrotten würde. Dazu sei kein Ablassen des Sees, keine Baumfällung und keine Arbeit mit schwerem Baugerät nötig. Der Plan sah lediglich eine Entschlammung des Stempflesees vor. Das helfe auch den Fischern, die den Stempflesee zum Angeln nutzen. Den See zu einem sich selbst reinigenden Biotop umzugestalten sei nicht möglich.

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Wegen des einbrechenden Uferwegs um den Stempflesee stellten Freien Wähler? im Juni 2014 einen Dringlichkeitsantrag zur Ufersanierung:

1. Die Ufersanierung des Stempflesees mit Holzverpflockung hat nach dem Beschlussvorschlag BSV/13/00800 Punkt 1, 2 und Punkt 3 außer dem 3. Spiegelstrich im Jahr 2014 zu erfolgen.
2. Es unterbleibt die im Beschluss Punkt 3 – 3. Spiegelstrich "versuchsweise" Anpflanzung mit Schilf und Röhrichtbestand vor dem "besonnten Seeufer" (gemeint ist wohl das Ostufer des Sees) 3. Die dafür angesetzten Haushaltsmittel von 120.000 € Haushaltstelle UA 1.8552.5101.00.2 sind zu verwenden.

Der Uferverbau solle mit traditionellen Holzpflöcken erfolgen und der Stempflesee als Parksee ohne Schilf- und Röhrichtanpflanzung erhalten bleiben. Die Befragung von Fachleuten habe ergeben, dass durch Schilf- bzw. Röhrichtanpflanzungen keine Verbesserung der Wasserqualität nachgewiesen werden kann. Völlig unsinnig sei eine "versuchsweise" Anpflanzung eines Schilf- und Röhrichtbereichs, weil man nicht ernsthaft davon ausgehen könne, dass die Anpflanzung nach einem "Versuchsstadium" wieder herausgenommen werden kann. Auch sei nicht festgelegt worden, welches Versuchsergebnis mit dieser Maßnahme erzielt werden solle. Laut konkretem Angebot der Fa. Oswald vom 2. Juni 2013 sei die Maßnahme im geplanten Kostenrahmen durchführbar, der durch eine Spende der Stadtsparkasse Augsburg gegenfinanziert sei.

Mitte Juli 2014 berichtete die Augsburger Allgemeine, die Sanierung des Stempflesees verzögere sich, weil sich die Pfähle der Uferbefestigung nicht ohne weiteres austauschen ließen. Nähere Untersuchungen hätten ergeben, dass die Holzpfähle in einem Betonsockel der 1920er Jahre gegründet seien. Weitere Untersuchungen seien nötig, um eine endgültige Marschroute zur Sanierung festlegen zu können.

Um die Festigkeit des Seeuntergrundes zu untersuchen, senkte man im Oktober 2014 den Wasserpegel des Weihers ab und schüttete temporäre Untersuchungsplattformen am Ufer auf. Ziel der Maßnahmen war die Klärung, ob der Untergrund stabil genug ist, um für eine neue Uferbefestigung Pfähle einzurammen. Damals veröffentlichten die Freien Wähler eine Pressemitteilung, nach der schon in den 1920er Jahren die tragenden Pfähle nicht einfach in den Boden eingebracht wurden, sondern dass auf dem damals noch trockenen Grund der ehemaligen Kiesgrube ein Betonring aufgebaut wurde, der die statische Last bis zum damaligen Zeitpunkt übernommen habe. ln diesem seien die Pfähle einbetoniert. Das Seeufer liege frei und es sei ohne Probleme möglich, die Reperaturarbeiten und den Austausch der maroden Uferbefestigung ohne allzu hohe Kosten vorzunehmen. Eine ordnugnsgemäße Ufersanierung sehe wie folgt aus:

  • Entfernen des alten Verbaus
  • Absenken des Weges auf das ursprüngliche Niveau
  • Rammen von Eichenpfählen im Bereich der alten Befestigung
  • Einlegen von Verbaustangen aus Eiche
  • Einlegen eines Filtervlieses zum Waldboden hin
  • Verfüllen zwischen Vlies und Holzverbau mit Lechkies

Im Herbst 2017 wurde der Uferbereich des Sees saniert, weil die hölzerne Uferbefestigung marode war und zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit rund um das Seeufer erneuert werden musste. Die Stadt hatte dafür 368.000 zur Verfügung, davon kamen 120.000 Euro von der Stadtsparkasse Augsburg. 50 Zentimeter vor der vorhandenen Uferbefestigung wurden insgesamt 565 Eichenholz-Pfähle mit einer Länge von 370 Zentimeter und einem Umfang von 16 Zentimeter in den Boden eingeschlagen. Horizontal dazu wurden mehrere 10 Zentimeter dicke Querriegel aus Lärchenholz befestigt. Der hinter dieser neuen Verbauung entstandene Hohlraum wurde mit Schotter aufgeschüttet und bildete anschließend den neuen, 50 Zentimeter breiteren, Uferweg. Das Beton-Fundament der alten Uferbefestigung blieb zur zusätzlichen Stabilisierung des Weges erhalten. Das optische Erscheinungsbild des Stempflesee sollte soweit es geht erhalten bleiben. Die Sanierung beschränkte sich daher lediglich auf die Uferumrandung und die umliegenden Wege. Eine Renaturierung mit Flachwasser- oder Schilfzone war nun nicht mehr vorgesehen, um das gewohnte Aussehen zu wahren.

Details

Der Stempflesee ist kein Badesee, aber eine Oase der Erholung für viele gestresste Augsburger, die sich hier einen Spaziergang gönnen und auf einer der zahlreichen Uferbänke in den See träumen. Außerdem ist er nicht Teil des Naturschutzgebietes Stadtwald Augsburg. In Nord-Süd-Richtung erstreckt sich der Stempflesee etwa 180 Meter.

Der Stempflesee liegt am Rande des Trinkwasserschutzgebietes? im Augsburger Stadtwald. Deshalb ist das Füttern von Wasservögeln unerwünscht.

Besiedelt ist der Stempflesee vor allem von Enten und Schwänen. Hin und wieder kann man auch Gänse hier sehen. Im Stempflesee ziehen Karpfen, Brassen und Schleien ihre Bahnen, wer Glück hat, kann hin und wieder auch einen Hecht sehen.

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Lage


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