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Stein, Johann Andreas

ein Augsburger Klavier- und Orgelbauer

Leben und Wirken

Geboren wurde Johann Andreas Stein am 6. Mai 1728 in Heidelsheim.

Sein Vater machte ihn schon früh mit Grundkenntnissen in der Technik des Orgelbaus vertraut. Zusammen mit seinem Cousin Georg Marcus Stein ging er anschließend bei Johann Andreas und Johann Heinrich Silbermann in Straßburg in die Orgelbaulehre. Nach seiner Lehre arbeitete er zunächst in Regensburg? bei dem Orgelbaumeister Franz Jakob Späth. Doch begab er sich schon bald wieder auf Lehr- und Wanderjahre mit längeren Aufenthalten in Ulm und Stuttgart.

1750 kam er nach Augsburg und ein Jahr später wählte er Augsburg zu seinem dauernden Wohnsitz. In Augsburg gab es um 1750 keinen Orgelbaumeister mehr. Weil aber eine Reihe von Orgeln in den Gotteshäusern der Stadt reparaturbedürftig oder einzelne komplett zu erneuern waren, verschaffte dies dem Fachmann Stein die Basis eines guten Auskommens.

1752 schloss er sich der "Musikliebenden und –übenden Gesellschaft" des Augsburger Bürgertums? an. 1757 erhielt Stein das Augsburger Bürgerrecht und im gleichen Jahr wurde er an Pfingsten Organist an der gerade eingeweihten neuen Orgel in der Barfüßerkirche. Er selbst hatte die Orgel von 1755 – 1757 gebaut. Leider wurde sie 1944 in der Februarbombennacht völlig zerstört. Die Anstellung als Organist an der Barfüßerkirche und die Aufgabe, die Orgeln in den Augsburger Kirchen zu warten, sorgten für ein solides Grundeinkommen der Familie Stein.

1756 überholte er in Sankt Anna die Traktur.

1763 baute Johann Andreas Stein die Orgel der Klosterkirche Sankt Thekla? (Theklakloster?) in Welden bei Augsburg. Sie ist noch gut erhalten.

1767 baute er in die Orgel von Sankt Anna eine neue Balganlage ein.

Immer mehr wandte sich Stein neben dem Orgelbau dem Bau von Hammerklavieren zu.

1769 reparierte er das Musikinstrument der evangelischen Ulrichskirche.

1773 verbesserte Stein die deutsche Pianofortemechanik. Diese Verbesserung brachte das Hammerklavier entscheidend voran und ließ den Absatz des Musikinstrumentes kräftig steigen. Seine Verbesserung bestand darin, dass er die Prellmechanik, bei der die Hämmerchen direkt an den Tastenhebeln montiert sind, mit einer so genannten Auslösung ausstattete. Damit wurde das Pianoforte zuverlässiger, klangvoller und modulationsfähiger. Es ergab ein völlig neues Klanggefühl, das Leopold Mozart, Wolfgang Amadé Mozart und auch Ludwig van Beethoven begeisterte. Vor allem Wiener Klavierbauer übernahmen Steins Entwicklung, weshalb man bald von "Wiener Mechanik" sprach. Aber Stein erfand auch neue Musikinstrumente. So baute er so genannte Vis-a-vis-Flügel, bei denen ein Cembalo und ein Hammerflügel sich in einem Instrumentenkorpus gegenüberstanden. Zwei dieser Instrumente sind erhalten.

1780 überholte Stein die Orgel von Sankt Peter am Perlach.

1787 besuchte Beethoven den bekannten Klavierbauer Johann Andreas Stein, als er bei Anna von Schaden zu Besuch war. Schon in Bonn hatte Beethoven seine Arbeit geschätzt. Steins Tochter Nannette Streicher?, die nach der Eheschließung mit dem Pianisten Andreas Streicher (1761 - 1833) im Januar 1794 die väterliche Firma nach Wien verlegt hatte, erinnerte sich 1824 bei einem Treffen mit dem inzwischen befreundeten Beethoven an den Besuch des Komponisten in der Werkstatt ihres Vaters. Der kurländische Arzt Dr. Karl Bursy (1791 - 1870) schrieb in seinem Reisetagebuch, das der kurkölnische Hoforganist hier auch ein Konzert auf der Orgel – womöglich auf der von Stein 1756/57 geschaffenen großen Barfüßer-Orgel – gab und mehrfach Steinsche Klaviere gespielt habe.

Johann Andreas Stein starb am 29. Februar 1792 in Augsburg.

Würdigung

Johann Andreas Stein war einer der bedeutendsten Instrumentenbauern seiner Zeit und "Erfinder" des Hammerklaviers. Unter anderen spielte Wolfgang Amadé Mozart seine Instrumente und lobte sie. Seine Errungenschaften beim Bau von Hammerflügeln führte die Klavierbauerfamilie Streicher in Wien fort, in Salzburg der Orgel- und Klavierbauer Johann Evangelist Schmidt.

Basel 2012-09-28 Mattes (134)
Basel, Musikmuseum — Schild „Frère et Soeur Stein Augsbourg à Vienne“ an einem Instrument am 28. September 2012. By User:Mattes (Own work) [CC BY 2.0 de], via Wikimedia Commons

Etwa 700 Klaviere verließen Steins Augsburger Werkstatt im Lauf des Lebens von Johann Andreas Stein. Sie wurden nach ganz Europa exportiert und der Mode der Zeit entsprechend mit der französischen Variante seiner Vornamen „Jean André Stein“ beschriftet. Stein-Hammerflügel zählten um das Ende des 18. Jahrhunderts zu den Spitzenprodukten des Tasteninstrumentenbaus. Stein-Flügel gehören deshalb zu den Ikonen der historischen Musik-Aufführungspraxis und auch der Sammler.

Johann Andreas Stein begründete eine Klavierbauerdynastie, denn Johann Andreas Steins Kinder Matthäus Andreas und Anna-Maria Stein?, genannt Nannette, übernahmen nach seinem Tod im Jahr 1792 die Werkstatt. Zwei Jahre später zogen sie nach Wien um und eröffneten dort gemeinsam eine Klavierfabrik unter dem Namen "Frère et Soeur Stein". 1802 trennten sie das gemeinsame Geschäft. Matthäus Andreas führte seine Firma unter dem Namen "André Stein" weiter. Er war mit Ludwig van Beethoven bekannt, dessen Instrumente er auch wartete. Matthäus Andreas´ Sohn Carl (Carl Andreas Stein, * 4. September 1797, † 28. August 1863 in Wien) erlernte ebenfalls das Klaviermacher-Handwerk. Er erhielt 1829 seine Klaviermacherbefugnis und übernahm 1841 das Geschäft des berühmten Klavierbauers Conrad Graf im Mondscheinhaus. 1844 erhielt er den Titel eines "k. u. k. Hof-Pianoforte-Verfertigers". Und auch unter dem Namen Streicher wurden bis zur Schließung im Jahr 1896 über mehrere Generationen hinweg Klaviere produziert.

Sonstiges

Die Familie Mozart war mit Johann Andreas Stein gut bekannt. 1763 kaufte Leopold Mozart während des Aufenthalts in Augsburg ein Reiseklavier für seinen Sohn, das Wolfgang Amadé viele Jahre spielte. 14 Jahre später gab der junge Mozart in Augsburg ein Konzert im Fuggerhaus mit drei Hammerklavieren. Auf dem ersten spielte der Domorganist Johann Michael Demmler?, Wolfgang Amadé Mozart spielte auf dem zweiten und Johann Andreas Stein auf dem dritten.

Im Mozarthaus Augsburg steht ein von Stein 1785 hergestelltes Hammerklavier.

Das Haus Ulrichsplatz 10 erinnert mit einer Gedenktafel an seinen berühmten Bewohner.

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