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Stadtplanung

Die Entwicklung von räumlichen und damit verbunden auch sozialen Strukturen in einer Stadt.

Allgemeines

Geschichte

Bereits 1995 beschloss der Augsburger Stadtrat das Konzept „Vorschläge zur Berücksichtigung von Frauenbelangen in der Stadtplanung“. 2008 erarbeitete die Arbeitsgruppe „Kommunales Gender Mainstreaming“ fünf verbindliche Leitziele – darunter auch die konsequente Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebensbelange von Frauen und Männern in der Stadtplanung.

In einer Pressemitteilung vom 15. März 2012 kritisierten die GRÜNEN die damalige conservative Stadtregierung, sie nähem die einstimmig beschlossene Einzelhandelskonzeption nicht ernst, weil sie Entscheidungen treffe, die dem Einzelhandel in der Innenstadt? schaden würden. Anlass waren die Entscheidungen der Mehrheit im Stadtrat, den Sportfachmarkt Decathlon am Stadtrand von Lechhausen und den Radgroßhändler Radl Baur? im Fabrikschloss zuzulassen. In der gleichen Pressemitteilung forderten sie eine umfassende Strategie für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Diese sollte die Bereiche Städtebau, Wirtschaft, Verkehr auch Bildung, Kultur und Soziales berücksichtigen.

Details

Baukunstrat

Ein Rat, der den Stadtrat in städtebaulichen und baukünstlerischen Fragen berät. Das ist besonders dann der Fall, wenn es um die Erhaltung oder weitere Gestaltung des Augsburger Stadtbilds? geht.

Das Augsburger Gremium setzt sich aus Architekten und Bildenden Künstlern zusammen und hat 20 Mitglieder.

Fehlentwicklungen

Wir verlangen von der Stadt, ähnlich wie Karl Kraus in einem Bonmot, Asphalt, Straßenspülung, Haustorschlüssel, Luftheizung und Warmwasserleitung. Damit wird die Stadt zu einer Maschine, die dem Einzelnen den Kot fortschafft, ihm das Wasser holt, seine Toten bestattet etc. Nur die Technisierung der Stadt macht das möglich: Konstruktion, Standardisierung und Funktionalismus. Störendes Beiwerk wird aus dieser Wohnmaschine verbannt: Das Ornament, der schiefe Winkel, Tiere und Pflanzen haben darin kaum mehr einen Platz. Auch in Augsburg fließen Konsumgüter in die Stadt, Müll und Dreck wieder heraus. Lebendiges wird dadurch in das Korsett einer toten Ordnung gezwängt. Immer mehr verschwindet in diesem Prozess die „Seele“ Augsburgs. Einzig noch Restbestände unserer Stadt rebellieren gegen das Übermaß an Vernunft, das sie in Augsburg umgibt. Gewachsene Strukturen des Zusammenlebens, ob als Miteinander oder Gegeneinander, wurden in den letzten Jahrzehnten aufgelöst und ein Leben im Inkognito, abgeschlossen in der einzelnen Wohnzelle, oft auch im Einpersonenhaushalt, hat sich in Augsburg ausgebreitet.

Dort, wo sich die rationalistischen Wohnmaschinen in Augsburg ausgebreitet haben, animieren sie zum Vandalismus, breiten sich Graffiti, Dreck und Gewalt aus, denn seelenlose Wohnmaschinen können nicht in Würde altern, sondern werden mit dem Alter unbewohnbar. Dazu kommt, dass diese durchrationalisierten Wohnmaschinen-Viertel die Menschen in den letzten Jahrzehnten aus der Stadt vertrieben und so für die Zersiedelung der Landschaft sorgten. Und statt Ornament und spielerische Dekoration hat sich Kitsch ausgebreitet, am besten in der Vorweihnachtszeit studierbar.

Fragen

Zunächst sollte eine funktionierende Stadtentwicklungsplanung eine Antwort auf die Frage finden, wie Augsburg in der Region und in Deutschland, Europa, der Welt gesehen wird und wie sich die Augsburger selbst sehen und diese zwei Sichtweisen so gut es geht in Übereinstimmung bringen.

Dann geht es darum, so genannte USPs (Alleinstellungsmerkmale, Unique Selling Points) zu eruieren, die Augsburg auszeichnen und mit denen Augsburg sein Image und Profil schärfen kann.

Weitere Fragen, die sich Augsburger Stadtentwickler und -planer stellen könnten, sind unter anderem die folgenden:

  • Geographie: Wie soll sich Augsburg gegenüber den Nachbarstädten wie München oder Ulm definieren? Welches Verhältnis nimmt die Stadt gegenüber den Speckgürtelstädten Stadtbergen, Neusäß, Königsbrunn oder Friedberg ein? Welche Stellung hat Augsburg bezüglich des Allgäus? Was bedeutet der Lech, was bedeuten die Westlichen Wälder? für das Image und die Stadtentwicklung Augsburgs?
  • Geschichte: Welche Ereignisse oder Personen der Geschichte sind für die Stadtentwicklung und das Image von Augsburg zu nutzen? Genügt es, Augsburg als Mozartstadt oder Stadt der Fugger zu positionieren? Ist Augsburg nicht auch die Stadt Bertolt Brechts und Rudolf Diesels?
  • Ökologie: Was kann die bayerische Umweltstadt tun, um ihr Profil auf dem Gebiet Umweltschutz noch mehr zu schärfen? Was kann getan werden, um Luft- und Wasserqualität zu verbessern, den Lärm zu mindern, Grünanlagen auszubauen?
  • Soziodemographie: Was kann getan werden, die Zusammensetzung der Augsburger Bevölkerung zu verbessern? Wie lassen sich Pendlerströme besser lenken? Gibt es Möglichkeiten, Augsburg für Touristen attraktiver zu machen? Und die Wohnbevölkerung: Braucht es mehr Augsburger oder ist die derzeitige Bevölkerungsgröße ideal?
  • Ökonomie: Gibt es wirtschaftliche Grunddaten, die Augsburgs Entwicklung bestimmen? Welche größeren Unternehmen bestehen und können die Entwicklung Augsburgs befruchten? Welche Gewerbe dominieren, welche wären zu entwickeln? Gibt es genug Standorte zur Firmenansiedlung? Welche Firmen sollen sich ansiedeln?
  • Infrastrukur: Hier muss die Stadtentwicklung immer wieder einen Ist-Zustand bestimmen und auf seiner Grundlage überlegen, welche Netze funktionieren und welche noch auszubauen sind. Dazu gehört auch die Flächennutzung.
  • Kultur und Gesellschaft: Auf diesem Gebiet kann mit dem wenigsten Geld das meiste erreicht werden. Stadtentwicklungsplanung hat auch diesen Sektor genau anzusehen und eine Bestandsaufnahme der kulturellen und gesellschaftlichen Aktivitäten, der Erholungs- und Freizeiträume, des Konsum- und Gastronomieangebotes zu machen und auf dieser Grundlage Verbesserungen und Weiterentwicklungen in die Wege zu leiten.
  • Soziales und Bildung: Hier geht es für die Stadtentwicklungsplanung um soziale Netze und Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen?, Hochschulen? und andere Ausbildungsstätten.

Vorstudien

Um die Stadtplanung verantwortlich entwickeln zu können, braucht es viele verschiedene Vorstudien. Eine solche Vorstudie hat die Stadt Augsburg im Jahr 2003 beim Sozialwissenschaftlichen Institut für Gegenwartsfragen Mannheim (SIGMA) in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind noch heute eine der Grundlagen der Augsburger Stadtplanung, weil sie zum ersten Mal Aufschlüsse über die Lebenswelten und Bedürfnisse der Augsburger Bevölkerung gaben. Gefragt wurde nach soziokultureller Identität, Wertvorstellungen, Lebensstil, privatem Engagement etc.

Dabei stellte sich heraus, dass die Augsburger überdurchschnittlich bereit sind, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen - und das obwohl sie mehr als der Bundesdurchschnitt der Überzeugung sind, weniger bewegen zu können.

Ein weiteres Ergebnis der Studie war die Einteilung der Stadt in vier Sozialregionen. So ließen sich im Nordwesten Augsburgs z. B. traditionelle Arbeitermilieus, moderne Arbeitermilieus und hedonistische Milieus ausmachen.

Die Ergebnisse anderer Vorstudien in Augsburg zeigen, dass im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt das traditionelle Arbeitermilieu und das liberal-intellektuelle Millieu in Augsburg überrepräsentiert sind.

Solche Ergebnisse sind deshalb wichtig, weil eine Stadtplanung, die an den Bedürfnissen der Menschen, die vor Ort leben, vorbeigeht, zum Scheitern verurteilt ist.

Kritik

  • Bisher zu wenig gewürdigt ist die Fuggerstraße und Konrad-Adenauer-Allee als Prachtstraße des 19. Jahrhunderts. Sie ist ein Zeichen von Urbanität und Metropolenwillen Augsburgs, hat sie doch eine Breite, wie wir sie nur noch in Städten wie Mailand, München, Berlin oder Paris kennen.
  • Ebenfalls noch zu wenig gewürdigt ist die Industriekultur Augsburgs. Hier gibt es zwar erste Ansätze, Bauten der Industrialisierung zu erhalten und sich mit ihnen zu profilieren (Glaspalast …), doch harren noch viele Industriedenkmäler der Entdeckung.
  • 2000 Jahre Geschichte bis in die Römerzeit gehen angesichts der Betonung der Epoche der Renaissance unter. Hier wäre für Augsburger Stadtentwicklungsplanung ein weites und ergiebiges Feld zu bestellen.
  • Amerikanische Besatzungszeit: Wenn hier Stadtentwicklungsplanung nicht ein paar wenige Strukturen der Kasernen erhalten, wird man diese Zeit wohl bald nur noch an Hand von Straßennahmen erinnern. Schade, dass hier vieles, was man hätte retten können, schon verloren ging.
  • Moderne: In Augsburg hat man oft den Eindruck, die Stadt lebe in der Vergangenheit. Die Moderne hat kaum Spuren hinterlassen, sieht man einmal vom Hotelturm ab. Und was ist mit modernen Gebäuden in der Stadt, an denen man die prägende Wirkung des neuen Jahrtausends ablesen kann?

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