Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de


Hauptseite | Gesundheit und Soziales | Stadtplanung | Stadtentwicklung als zentrale Aufgabe


Stadtentwicklung als zentrale Aufgabe

Mehr und mehr konkurrieren Städte. Sie konkurrieren um Industrieansiedlungen, um Bevölkerung etc. Deshalb versuchen Städte, ein attraktives Image zu entwickeln. Dadurch sollen Touristen, Unternehmer und Neubürger gewonnen werden. Ein bestimmtes Image einer Stadt bietet darüber hinaus auch den Bürgern dieser Stadt die Möglichkeit ein bestimmtes von Stolz erfülltes Lebensgefühl zu entwickeln und das Image selbst weiterentwickeln zu können.

Die Stadtentwicklungsplanung ist deshalb ein zentrales Thema heute und geht dem Städtebau voran. Sie betrifft räumliche Entwicklungen, die Infrastruktur, bauliche, wirtschaftliche, kulturelle, soziale und ökologische Verbesserungen. Stadtentwicklung muss auf dem Bestand oder der Geschichte einer Stadt aufsetzen, sie bewegt sich nicht im luftleeren Raum. Stadtentwicklung ist keine einfach Aufgabe und erfordert eher Generalisten als Spezialisten. Solche Generalisten müssen das Spezialistenwissen abgleichen und unter einen Hut bringen, indem sie Kompromisse finden, ohne in Mittelmäßigkeit abzudriften.

Die Stadtplanung erarbeitet dann für eine Stadt Konzepte und Pläne, wie unterschiedliche Interessen bei der Entwicklung einer Stadt beachtet werden und Konflikte minimiert werden können. Die stadtplanerischen Konzepte umfassen damit sowohl die öffentliche wie die private Bautätigkeit. Beide Bereiche werden durch die Infrastrukturentwicklung und die Bauleitplanung gesteuert.

Bei der Entwicklung einer Stadt oder von Stadtteilen haben Stadtplaner soziale, kulturelle, wirtschaftliche und umweltschützerische Ansprüche zu beachten und in Übereinstimmung zu bringen, damit eine Bodennutzung sozial ausgewogen ist und der Allgemeinheit dient.

In Augsburg setzt die Stadtentwicklung auf einige gesamtstädtische Fachkonzepte (Gesamtverkehrswegeplan, Einzelhandelskonzept, Kleingartenentwicklungsplan, Klimaschutz-Minderungskonzept, Konzepte der Sozialplanung etc.) und teilräuliche Strukturkonzepte wie integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept Lechhausen, Hochzoll, Textilviertel ... auf. Wesentliche Ziele dieser Konzepte fließen in das Augsburger STEK ein.

Der Planungsprozess zur Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes (STEK) Augsburg gliedert sich in drei Phasen: die Entwicklungs-, die Konkretisierungs- und die Realisierungsphase.

Entwicklungsphase (2014-2016)

In der Entwicklungsphase wurden die Grundlagen des STEK erarbeitet. Zunächst diente eine umfassende Bestandsaufnahme bereits vorliegender Gutachten, Planungen und Konzepte dazu, die Rahmenbedingungen und Planungsvorgaben für das STEK aufzuzeigen. Darauf aufbauend erfolgte die Analyse vorhandener Stärken und Schwächen sowie möglicher Chancen und Risiken für die weitere Entwicklung Augsburgs. Darüber hinaus erfolgte die Erarbeitung einer Leitvorstellung für die künftige räumliche Entwicklung Augsburgs. Im Rahmen des durch die Lokale Agenda 21 gestützten Nachhaltigkeitsprozesses wurden Zukunftsleitlinien für Augsburg aufgestellt. Sie übernahmen für das STEK eine übergeordnete Leitbildfunktion und orientierende Grundlage. Aus den Zukunftsleitlinien wurden dann eine Vision und Entwicklungsziele abgeleitet, welche im Zusammenwirken die Schwerpunkte der zukünftigen Stadtentwicklung definierten. Die Zukunftsleitlinien für Augsburg sind am 29. Juli 2015 vom Stadtrat beschlossen worden.

Konkretisierungsphase (2017)

In der Konkretisierungsphase stand die weitere Ausarbeitung des Handlungskonzepts mit der Bestimmung räumlicher Schwerpunkte im Mittelpunkt der Arbeit. Die Auswahl von Pilotprojekten lenkte den Fokus auf zentrale Themen der gesamtstädtischen Entwicklung Augsburgs. Sie trugen dazu bei, im STEK formulierte Ziele und Maßnahmen räumlich und fachlich zu konkretisieren und deren mögliche Umsetzung anhand von Beispielen exemplarisch aufzuzeigen. Zusätzlich wurde ein Monitoringkonzept erarbeitet. Es stellte darauf ab, künftig die Wirkung von Zielen und Maßnahmen der Stadtentwicklung evaluieren zu können und diese gegebenenfalls anzupassen. Wesentlicher Bestandteil dieser Phase, die zum Entwurf STEK führte, war die Integration von Ergebnissen des öffentlichen Dialogprozesses.

Realisierungsphase (2018)

In der Realisierungsphase wurde die Umsetzung der Pilotprojekte vorbereitet. Dazu zählte die Erarbeitung eines Handlungsprogramms im Sinne eines Maßnahmen-, Durchführungs- und Finanzierungskonzeptes. Darüber hinaus sollte die Anwendung des Monitorings geprüft werden. Schließlich sollte die künftige und kontinuierliche Fortschreibung des STEK vorbereitet werden. Die Realisierungsphase wurde mit der Beschlussfassung des STEK durch den Stadtrat abgeschlossen.

Geschichte

Schon vor dem STEK gab es in Augsburg Beschlüsse zu einer nachhaltigen und Ressourcen schonenden Stadtplanung. So fasste 1998 der Stadtrat den Beschluss, der baulichen Entwicklung im Innenbereich, also etwa auf ehemaligen Industrie-, Gewerbe- und Konversionsflächen, den Vorzug vor der Neuerschließung von unbebauten Flächen im Außenbereich zu geben.

2000 beschloss die Stadt Augsburg ein städtebauliches Leitbild, das auf die vorliegenden Nachhaltigkeitsleitlinien aufbaute.

https://www.augsburgwiki.de/uploads/AugsburgWiki/th128---ffffff--stadtentwicklung-augsburg_spiegelung_geschichte.jpg.jpg

Durch einen Stadtratsbeschluss vom 26. Mai 2011 entschied sich die Stadt für die Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzepts (STEK). Allerding wurde Im Haushalt der Stadt Augsburg 2012 der Stadt Augsburg das Stadtentwicklungskonzept nicht mehr berücksichtigt.

Dafür veranstaltete das Forum Nachhaltige Stadtentwicklung der Lokalen Agenda 21 Ende 2012 Workshops zum Thema Stadtentwicklung. Ergebnisse waren unter anderem die Forderung nach Einrichtung eines Regionalparlaments von Stadt und umliegenden Landkreisen, der Wunsch, eine "grüne Welle" für Busse einzurichten und ein günstiges "Guten-Abend-Ticket" anzubieten, das Verlangen nach mehr Radwegen und einer Fahrradtrasse zur Verbindung der Augsburger Stadtviertel sowie eine flächendeckende 30er-Zone in der Innenstadt. Um die Situation an Brennpunktschulen zu entschärfen, forderten die Workshopteilnehmer die Aufhebung der Schulsprengel? und einen anderen Umgang mit Migranten. Im Bereich der Kultur solle nicht nur gespart werden, sondern stattdessen sollten Projekte wie "Renaissance 2.0" verfolgt werden, um die Geschichte? Augsburgs für heute fruchtbar zu machen.

Am 5. November 2014 startete die Öffentlichkeitsbeteiligung zum Stadtentwicklungskonzept mit einer Auftaktveranstaltung im Oberen Fletz des Rathauses mit rund 250 Teilnehmern. Es gab mehrere Vorträge zu den Herausforderungen der Stadtentwicklung in Augsburg sowie den Stand der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzepts und der Zukunftsleitlinien für Augsburg. Danach startete ein vierwöchiger Online-Dialog, der einen von der Stadtgesellschaft getragenen Gedanken- und Ideenaustausch zur Zukunftsfähigkeit Augsburgs ermöglichen sollte. Der Online-Dialog, der vom 5. November 2014 bis 3. Dezember 2014 stattfand, erbrachte 547 Vorschläge und 328 Kommentare aus der Stadtgesellschaft.

Das erste Stadtforum mit dem Thema "Zukunftsleitlinien für Augsburg" fand im Kontext der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes (STEK) am 21. Januar 2015 in der Industrie- und Handelskammer zu Augsburg (IHK) in der Stettenstraße statt. An der Veranstaltung nahmen etwa 200 Personen teil.

Im März 2016 wurde die Analysephase des Augsburger Stadtentwicklungskonzepts (STEK) abgeschlossen. Das Stadtentwicklungskonzept gliederte sich in acht Handlungsfelder. Die Bestimmung der Handlungsfelder leitete sich aus dem Analyseprozess der Bestandsaufnahme und Öffentlichkeitsbeteiligung ab. Die Handlungsfelder waren: Region und Stadt, Stadtstruktur und Quartiere, Landschaft und Umwelt, Grünflächen und Sport, Wohnen und Soziales, Bildung und Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft, Mobilität und Tourismus.

Zum ersten Pilotprojekt des Augsburger Stadtentwicklungskonzepts (STEK) fand am 17. November 2016 im Oberen Fletz des Rathauses ein öffentliches Stadtforum statt. Ziel war es, das Gewerbequartier Lechhausen Nord als attraktiven Gewerbestandort und Arbeitsplatz zu erhalten sowie Lösungen für die Beseitigung vorhandener Defizite und die Wahrnehmumg bestehender Potentiale aufzuzeigen. Nach zwei Workshops mit lokalen Unternehmern und Flächeneigentümern, einem Stadtspaziergang durchs Quartier mit Vertretern von Lechhauser Verbänden und Vereinen wurde auf dem Stadtforum die Bedeutung und die Verflechtungen des Gewerbestandortes mit der Gesamtstadt thematisiert. Im Fokus stand die Erarbeitung eines integrierten Entwicklungskonzepts für das Gewerbequartier Lechhausen Nord und die Formulierung von Zielen und Maßnahmen.

Am 29. Juni 2017 beschloss der Stadtrat den Vorentwurf des Stadtentwicklungskonzeptes (STEK). Damit war der erste Meilenstein auf dem Weg zu einem neuen Stadtentwicklungskonzept für Augsburg.

Details

Das Stadtentwicklungskonzept für Augsburg ist nicht ein einmalig abgeschlossenes Projekt, sondern ein kontinuierlicher Handlungsprozess. Nachdem im Mai 2008 das ehemalige Amt für Stadtentwicklung und Statistik aufgelöst wurde, ist das Stadtplanungsamt? für zahlreiche Aufgaben der Stadtentwicklung zuständig. Die Kosten für den Planungsprozess, die Moderation, Organisation, den Dialogprozess und die EDV-Ausstattung schätzte man 2011 auf etwa 300.000 Euro.

Erstes Pilotprojekt

Das erste Pilotprojekt der Stadtentwicklung in Augsburg erhielt den Titel "Integrierte Gebietsentwicklung Augsburg Umweltpark" (GewerbeExWoSt). Es startete 2015 und umfasste das Gewerbequartier Lechhausen Nord und den Augsburg Umweltpark, also zum großen Teil ein Gewerbegebiet, das in den 1960er bis 1980er Jahren entwickelt wurde und 2016 in vielen Bereichen funktionale Defizite aufwies: etwa fehlende stadträumliche Qualitäten durch Modernisierungsrückstände im Baubestand und öffentlichen Raum, Flächenbrachen und Leerstände bei konstant hoher Flächennachfrage, insbesondere für spezifische Nutzergruppen (wie z. B. kleinen Handwerksbetrieben), fehlende Vernetzung und mangelhafte Ausstattung von Frei- und Grünräumen, unzureichende Erschließung mit dem öffentlichen Nahverkehr, Zunahme von Nutzungen, die in Konkurrenz zur eigentlichen Gewerbenutzung und in Konflikt mit weiteren Nutzungen stehen (z. B. angrenzender Wohnbebauung an das Quartier), Imageverlust des Quartiers ... Seit den 1990er Jahren entwickelte man angrenzend an das Gewerbegebiet Lechhausen Nord den Umweltpark als Kompetenzzentrum für Umwelttechnologien. Noch fehlt es hier aber an der Profilschärfung des Branchenschwerpunktes sowie an der Identifikation der Nutzer. Dazu kommt der Mangel an sozialer Infrastruktur und gewerbeaffinen Dienstleistungen (z. B. Versorgungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen) in dem Pilotgebiet.

Als Ziele der Gebietsentwicklung definierte man deshalb:

  • Qualifizierung öffentlicher Räume durch städtebauliche Erneuerung und ökologische/ stadtklimatische Aufwertung
  • Abbau von Nutzungskonflikten
  • effiziente Nachnutzung von Brachen und Leerständen zur Vermeidung eines weiteren Flächenverbrauchs
  • energetische Sanierung von Bestandsgebäuden
  • freizeitorientierte Vernetzung von Grün- und Freiräumen
  • einfachere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und das Radwegenetz
  • bessere stadtstrukturelle Integration des Gebiets
  • Stärkung des umwelttechnologischen Branchenschwerpunkts
  • Etablierung umweltaffiner Standortqualitäten im Gesamtgebiet und die Festigung bzw. Übertragung des Profilansatzes „Umweltpark“
  • Netzwerkbildung von Unternehmen und Flächeneigentümern
  • Förderung der Standort-Identifikation
  • Aufbau eines positiven Außenimages

Das Pilotprojekt wurde gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Augsburg? sowie in enger Kooperation mit dem Umwelt?-, Sozial- und Ordnungsreferat? bzw. den Stadtwerken Augsburg durchgeführt. Die Integrierte Gebietsentwicklung "Augsburg Umweltpark" wurde eines von bundesweit neun Modellvorhaben im ExWoSt-Forschungsfeld "Nachhaltige Weiterentwicklung von Gewerbegebieten" (GewerbeExWoSt). Das Forschungsprogramm ExWoSt (Experimenteller Wohnungs- und Städtebau) war ein Programm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und wurde vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) betreut. Mit den Modellvorhaben verfolgte der Bund das Ziel, Gewerbegebiete anhand von Forschungsleitfragen wirtschaftlich zukunftsfähig, sozial- und umweltverträglich zu entwickeln sowie städtebauliche und verfahrensbezogene Ansätze zu definieren, praktisch zu erproben und zu analysieren. Das erste Pilotprojekt in Augsburg wurde vom Bund mit 150.000 Euro gefördert. Die Laufzeit erstreckte sich von Dezember 2015 bis Dezember 2018.

Das betroffene Gewerbegebiet beherbergt auf einer Fläche von etwa 145 Hektar ungefähr 350 Unternehmen mit etwa 11.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Stand 2016).

Weblinks


Hauptseite | Gesundheit und Soziales | Stadtplanung | Stadtentwicklung als zentrale Aufgabe


Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de




FacebookTwitThis