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Spitalturm

auch Kastenturm genannt

Allgemeines

Der so genannte "Kastenturm" war ein spätmittelalterlicher Festungsturm, den man 1599 zum Wasserturm umwidmete und umbaute (nach anderen Quellen 1550). Der Spitalturm bzw. Neue Spitalturm steht etwas abseits der beiden anderen Wassertürme am Roten Tor an der Außenmauer des Heilig-Geist-Spitals. Innen ist er ähnlich wie die beiden anderen Wassertürme ausgestattet - mit Ausnahme der doppelläufigen "Schnecken-Stiege" von 1742.

Geschichte

Den früheren Wehrturm ergänzte man 1599 durch ein Wasserreservoir. Im gleichen Jahr hatte man das zylindrische Bauwerk um zwei sechseckige Geschoße aufgestockt und es mit einer hölzernen Balustrade abgeschlossen, die 1703 in eine steinerne verwandelt wurde.

Details

Die Brunnenstube des Spitalturms verfügte früher über eine Brunnenjünglingsfigur von Adrian de Vries?, die dieser 1599 schuf. Aus der Schnecke, die der Jüngling hält, ergoss sich das Wasser. Die Figur ist heute im Maximilianmuseum zu sehen.

Die Doppelwendeltreppe

Als die Augsburger Wassertürme gebaut waren, wurden sie vor allem wegen der zweiläufigen Wendeltreppe bzw. Doppelwendeltreppe (auch Schnecken-Stiege genannt) zu einer Sehenswürdigkeit. Angeblich gehen solche Treppen auf den Islam zurück. Weil jede Koransure einen Vorspruch hat, der mit B beginnt, und das B der zweite Buchstabe im Alphabet ist, wurde die Zwei im Islam sehr wichtig. Und so kam es, dass im irakischen Mossul Allah dadurch geehrt werden sollte, dass man ein Minar (Minarett) der Großen Moschee mit einer zweiläufigen Treppe baute. Es waren dann die Europäer, die diese Doppelwendung zur Trennung des Treppenverkehrs anwandten: etwa 1220 beim Bau des Hausmannsturms der Marktkirche von Halle an der Saale. Es gibt unterschiedliche Treppenziele und Eingänge.

Bis ins 16. Jahrhundert baute man mehrläufige Wendeltreppen aus Stein, danach auch aus Holz – wie im Kastenturm von Augsburg.

Es war der Brunnen- und Zimmermeister Caspar Walter, der die Augsburger Doppelwendeltreppe in das oberste Kastenturm-Geschoss baute. 1754 schreibt der Baumeister in seiner „Hydraulica Augustana“ dazu: „Anno 1743. ist in diesem Thurm eine gedoppelte Schnecken=Stiege mit einem gantz durchbrochenen Mönch oder Spindel=Baum angelegt worden, so unten auf einem Postament stehet, und oben mit dem Stadt=Wappen, oder sogenannten Stadt=Pyr bedecket ist; auf dieser Treppen können 2 Persohnen, jede à parte diß= und jenseits hinauf gehen, und durch die Oeffnung des Spindel=Baums einander sehen, mit einander sprechen, auch einander die Hände reichen, doch nicht anderst, als zu oberst bey dem Austritt, oder bey dem Wasser=Reservoir zusammen kommen.“

Im Jahr 1769 schreibt Caspar Walter das Buch „Zimmermannskunst“. Darin veröffentlicht er den Plan einer Doppelwendeltreppe, die aber – anders als die verwirklichte im Kastenturm – kreisförmig ist. Von der kreisförmigen Treppe ist ein Modell im Maximilianmuseum erhalten. Übrigens gibt es dort auch das Modell einer Tripelwendeltreppe, wie sie ähnlich Caspar Walter auch in seiner „Zimmermannskunst“ darstellte, allerdings nie in Augsburg baute. Ein solches Tripelwendeltreppen-Modell gibt es auf der Welt nur noch in Salzburg.

Eigentlich gab es keinen Grund, im obersten Geschoss des Kastenturms eine Doppelwendeltreppe zu errichten, weshalb man vermutet hat, der Grund für den Bau lag im Ehrgeiz von Caspar Walter. Die Doppelwendeltreppe im Augsburger Kastenturm ist wegen der Durchgangslichte relativ steil.

Lage

Weblinks


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