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Spickelstraße

eine Augsburger Straße im 11. Stadtbezirk (Spickel), der zum Planungsraum XI Spickel - Herrenbach gehört; Postleitzahl 86161

Allgemeines

Die Spickelstraße Augsburg hat ein unterschiedliches Gesicht. Sie beginnt als Straße und endet als Feldweg. Dort, wo der Alte Heuweg? von Norden in die Friedberger Straße mündet, beginnt südlich der B 300 die Spickelstraße, überquert den Kaufbach?, danach liegt rechts der Damaschkeplatz. Die Spickelstraße wendet sich dort Richtung Süd-Osten und verzweigt sich bei der Wasserwacht Spickel?. Der südliche Teil der Spickelstraße führt nach der Gentnerstraße? unter der vierspurigen Bahnlinie Richtung München hindurch, während der nördliche Teil die Häauser am Badebereich des Hauptstadtbachs? erschließt. Gleich nach der Bahnunterführung wendet sich die Spickelstraße Richtung Südosten und verläuft jetzt nur noch im Grünen. Etwa auf Höhe der Gaststätte FC Hochzoll? beginnt sie parallel zum Neubach zu verlaufen, passiert das Bundesleistungszentrum für Kanuslalom und Wildwasser westlich, führt am Wasserwerk am Hochablass vorbei und wendet sich auf Höhe des Hochablasses Richtung Südwesten. Die Spickelstraße überquer den Reichskanal? und mündet vor dem Siebenbrunner Bach in die Siebenbrunner Straße?.

Geschichte

Benannt wurde die Augsburger Spickelstraße im Jahr 1979. In diesem Jahr löste die Bahn den Haltepunkt Augsburg-Spickel? auf, der am Abzweig zur Waldfriedenstraße stand. Er war 1839 hier eingerichtet worden und diente Pendlern, die im Augsburger Textilviertel arbeiteten.

Details

Spickelstraße 31: Wasserwerk am Hochablass (nur in manchen Publikationen)

Erzherzog-Karl-Denkmal

In der Nähe der Spickelstraße liegt zwischen Neubach und Hauptstadtbach? etwa zweihundert Meter vom Bundesleistungszentrum für Kanuslalom und Wildwasser entfernt das Erzherzog-Karl-Denkmal, auch Denkmal für Erzherzog Karl genannt. Errichtet wurde es 1802 für den Feldmarschall und Präsidenten des Kaiserlichen Hofkriegsrats, den Erzherzog Karl von Österreich. Die Widmung lautet "Dem Sieger über die Französischen Revolutionsarmeen 1796-1799". Damit wird daran erinnert, dass Erzherzog Karl 1796 während der Revolutionskriege Augsburg von französischen Truppen befreite. Die Widmung steht auf einem geböschten und rustizierten Sockel mit Löwenprotomen (Inschrifttafel). Als man das Denkmal errichtete, hielt sich der Erzherzog gerade in Augsburg auf. Über einer weißen Marmorbüste des Feldherrn erhebt sich in Form von Ädikulen ein Baldachin, der den Erzherzog mit Tunika und Schuppenpanzer vor Witterungseinflüssen schützt. Wahrscheinlich wollte man ihm hier einen Hain schaffen, worauf der Hügel hinweist, den man für das Denkmal aufschüttete. Bei dem klassizistischen Denkmal handelt es sich um eine politische Stellungnahme der damaligen Katholiken und des Patriziats?. Sie wollten die Reichsfreiheit? Augsburgs erhalten, die allerdings ein Jahr später mit dem Reichsdeputationshauptschluss verloren ging, was zur Folge hatte, dass Augsburg 1806 dem "napoleonischen" Bayern zugeschlagen wurde. Gegen eines solche Entwicklung stellte man das Denkmal für den späteren Aspern-Feldherrn, der 1771 in Florenz als drittes Kind des Kaisers Leopold II und der Prinzessin Maria Ludovica von Spanien geboren worden war, 1815 die evangelische Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg heiratete und 1847 in Wien verstarb.

Erherzog-Karl-Denkmal 1899
Postkarte unbekannten Datums vom Erzherzog-Karl-Denkmal in Augsburg. By Julius Eugen (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Schon im Sommer 1801 wurde im damaligen Reichstag? ein Antrag vorgebracht, Erzherzog Karl ein großes nationales Denkmal zu errichten. Das lehnte der Erzherzog damals jedoch ab, weil er die durch die Revolutionskriege verarmte Bevölkerung nicht mit den Kosten belastet sehen wollte. Das große Denkmal mit einer reichsweiten Bedeutung wurde nie in die Tat umgesetzt. Auf Initiative des Augsburgers Thomas von Stettens? erklärte sich der Erzherzog Karl jedoch mit dem bescheidenen Denkmal auf dem Spickel einverstanden. Diese "kleine Lösung" wurde am 19. Juni 1802 eingeweiht. Schon am 10. Juni 1802 schrieb der Schwäbische Merkur? (S. 256): "Seit mehreren Jahren besteht eine halbe Stunde von hiesiger Stadt, an dem Saume des Waldes gegen den Lech hin, unweit dem Ablaß, eine eben so liebliche als geschmackvolle Anlage, genannt die Insel, weil sie fast ganz von fliessendem Wasser umgeben ist. Sie wird von den Einwohnern Augspurgs häufig besucht, u. auch die Fremden schenken der ganzen dortigen Einrichtung und den anmutigen Schattengängen ihren Beifall. Zum steten Andenken an den unsterblichen Heerführer, und allgeliebten Menschenfreund Erzherzog Karl, haben einige Verehrer Desselben daselbst ein Monument errichten lassen. Dieses steht in der Mitte der Insel auf einer kleinen Anhöhe, welche, so wie die Zugänge, mit einer niedern Hecke von Rosen und Jasmin umgeben ist. Zu dem zwischen 4 jungen Eichen, dem Sinnbild Deutscher Helden, stehenden Denkmal führen Rasenstufen; dann kommt ein Fußgestelle von Duftstein, auf diesem ruhet auf 4 Löwenköpfen ein altrömischer Tempel mit 4 Säulen. In dem Tempel steht auf einem Postament von schönem grauen Marmor das aus einem reinen weissen karrarischen Marmor gearbeitete Brustbild des Erzherzogs Karl, in Römischem Kostüme, welches der hiesige Künstler Haft mit trefflicher Aehnlichkeit verfertigt hat. Auf dem Tempel erblickt man den Kaiserl. Adler mit ausgebreiteten Flügeln, der einen um den Reichsapfel gewundenen Lorbeer hält. Dieses 16 Fuss hohe Monument wird nach den Feiertagen durch eine kleine Beleuchtung ohne alles weitere Geräusch – wie dis dem Karakter der hohen Person, welcher es gewidmet wird, angemessen ist – mit stiller, aber innigst herzlicher Ehrfurcht eingeweihet werden. Es hat die einfache Inschrift: Dem Retter der Deutschen, von einigen Deutschen."

Aber schon 1837 meldete das Augsburger Tagblatt? (S. 813), das Denkmal sei in "jämmerlichstem Zustand": "Muss nicht der Fremde, der dieses Monument sieht, in Staunen gesetzt werden, die Büste des gefeierten Helden ohne Nase zu schauen, bringt so ein Anblick den Nachkommen der edlen Stifter dieses Denkmals eine Ehre?"

Anscheinend musste man die Erzherzog-Büste sogar entfernen, als die Franzosen nach Augsburg kamen. Der Hausfreund? - Ein Augsburger Morgenblatt schrieb 1846 (S. 510): "Die Büste wurde später, als die Franzosen wieder die Oberhand erhielten, am Ablasse als Heiligthum aufbewahrt und erst im Jahre 1814 wieder aufgestellt."

Die Augsburger erneuerten 1897 das Erzherzog-Karl-Denkmal und restaurierten es 1936.

In den 1990er Jahren erhob sich die Klage über den ramponierten Zustand des Erzherzog-Karl-Denkmals im Spickel zum wiederholten Mal. So renovierte man das Denkmal 2003. Dabei ersetzte man jedoch den schon lange fehlenden Adler nicht mehr und an Stelle der Originalbüste stellte man eine Kopie. Das restaurierte Original befindet sich im Treppenhaus des städtischen Verwaltungsgebäudes I in der Maximilianstraße 4.

Lage


Weblinks


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