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Spickel

der 11. Stadtbezirk von Augsburg, gehört zum XI. Planungsraum (Spickel-Herrenbach); eine bürgerliche Wohn- und Gartensiedlung

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Allgemeines

Zwar gehört der Stadtteil Spickel zusammen mit dem Wolfram- und Herrenbachviertel zum Augsburger Planungsraum Spickel-Herrenbach, doch sind die beiden Stadtbezirke sehr unterschiedlich. Der Spickel gehört zu den gehobenen Wohngegenden in Augsburg. Für ihn spricht die Zentrumsnähe und der direkt angrenzende Naherholungsbereich Siebentischwald mit Lech und Kuhsee.

Den Namen hat der Stadtbezirk von einer ehemaligen Gaststätte, die hier lag und "Spickel" hieß. Die Gaststätte hieß "Spickel", weil sie auf einem keilförmigen Gebiet zwischen dem Lech und dem Lechkanal? lag. Als "Spickel" bezeichnete man früher einen keilförmigen Gegenstand.

Spickel
Blick vom Ostturm des Schwaben-Centers auf die Gartenstadt Spickel am 27. Dezember 2013. By Julius Eugen (Own work) [CC-BY-SA-4.0], via Wikimedia Commons

Der Spickel hat etwa 2.600 Einwohner (Stand Dezember 2013) und ist damit einer der kleinsten Stadtteile Augsburgs. Die Friedberger Straße trennt ihn vom Herrenbach?. Im Süden grenzt der Spickel an den Siebentischwald, wo sich weitläufiges Grün ausbreitet und Möglichkeiten zum Fahrradfahren, Joggen und Spazierengehen bietet. Auf der Spickelwiese? ist viel Platz für sportliche Aktivitäten. An heißen Sommertagen kühlen sich die Menschen im Spickel gern im Eiskanal oder im Fribbe-Freibad mit dem ganzjährig geöffneten Hallenbad.

Der Spickel bietet sich vor allem für Familien mit Kindern an. Weil er vor allem für Deutsche ohne Migrationshintergrund als Wohngebiet beliebt ist, sind hier die Mieten höher als in anderen Augsburger Stadtvierteln. Dafür ist der Spickel ein sehr ruhiger Wohnort.

Durch den Spickel fährt die "Zoo"-Buslinie 32? und bringt die Spickeler in zehnt Minuten zum Königsplatz mitten in die Innenstadt.

Geschichte

Vor der genossenschaftlichen Bebauung

Die ehemalige Spickel-Gaststätte ("Waldgaststätte Spickel") wurde schon vor 1800 an einem Steg über den Neubach erwähnt.

Der Spickel
Der Spickel im Jahr 1793. See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons
Kupferstich Die Insel
Die „Spickel-Insel“ kurz nach 1802. Rechts am Bildrand ist das neue Denkmal für Erzherzog Karl zu erkennen. Appendix zu "Klio und Euterpe: ein Taschenbuch auf das Jahr 1804", Staats- u. Stadtbibliothek Augsburg. See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons
Spickel1820 2
Der Spickel, Augsburg um 1820. By Julius Eugen (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

1839 richtete man an der Bahnlinie nach München einen Haltepunkt Augsburg-Spickel? ein. Er bestand seit den Anfängen der Bahnlinie nach München und war bereits in den ersten Bebauungsplan des neuen Stadtviertels einbezogen. Seit dem Sommerfahrplan 1974 wird dieser Haltepunkt nicht mehr bedient, 1979 löste man ihn auf und die Wartehäuschen sowie die Bahnsteige wurden im Zuge des viergleisigen Ausbaus der Strecke zwischen Augsburg und München abgebrochen.

Genossenschaftliche Gartenstadt Spickel

Siebentischwald Spickel
Die Spickel-Insel zwischen Neubachkanal (links) und Oberem Stadtbach im Jahr 1910. See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Den Spickel begann man früher als das Wolfram- und Herrenbachviertel anzulegen. Es war Dr. Joseph Weidenbacher?, ein Architekt und damals Leiter des städtischen Wohnungsamts?, der schon im Ersten Weltkrieg die Idee zu einer "Gartenstadt Spickel" hatte. Er war davon überzeugt, dass es nach dem Krieg in Augsburg zu einer Wohnungsnot kommen würde und gründete deshalb 1918 eine "Baugenossenschaft für Beamte und Angestellte", also für gehobenere Volksschichten. Arbeiter hatten in der Genossenschaft, die Gebäude für Mieter aus den genannten Schichten erstellen sollte, nichts zu suchen.

Im Dezember 1918 registrierten sich etwa 70 Genossenschaftsmitglieder in der Gründungsversammlung dieser Baugenossenschaft, die eine "Siedlung für den Mittelstand" in dem bis dahin unbebauten Gebiet zwischen Siebentischwald, Siebentischstraße, Spickelstraße und Friedberger Straße errichten sollte.

Schon im August 1919 lag ein Bebauungsplan der genossenschaftlich organisierten "Gartenstadt Spickel" vor. Die Siedlung sah Wohnraum für etwa 7.000 Menschen vor - mehr als 2.400 Wohnung auf 63 Hektar Baufläche. Entstehen sollten 194 Mehrfamilienhäuser, 56 Zweifamilien und 234 Einfamilienhäuser. Um den Namen "Gartenstadt" zu rechtfertigen, waren für jede Wohnung ein Garten oder Gartenanteile vorgesehen. Das gab der Siedlung schon in den Planungen einen stellenweise idyllischen, fast dörflichen Charakter. Geplant wurde sie nach dem Vorbild des Thelottviertels von Gottfried E. Bösch? (1874-1929) und Dr. Joseph Weidenbacher? (1886-1973). Auch der bestehende Haltepunkt Augsburg-Spickel? wurde in den Planungen und bei der Bebauung des Viertels berücksichtigt.

Anfang der 1920er Jahre begann die Bebauung der "Gartenstadt Spickel". Die Pläne sahen acht Typen von Häusern mit drei Türformen und vier Fenstergrößen vor. Zwanzig Geschäfte und sechs Gaststätten sollten Grundbedürfnisse in der Siedlung erfüllen. Die Stadt Augsburg stellte das Bauland auf Erbpachtbasis zur Verfügung - mit der Bedingung, dass nur 15 Prozent des zur Verfügung gestellten Areals überbaut werden durfen.

Bebauungsplan Spickel
Ursprünglicher Bebauungsplan der Gartenstadt Spickel um 1918. By Gottfried Bösch (1874- 1929) (scanned drawing) [Public domain], via Wikimedia Commons

Ziel der Planungen war die Anlage einer Siedlung mit großen Gärten, die der Selbstversorgung der Bevölkerung dienen sollten. Drei Musterhäuser nach diesem Grundgedanken waren schon 1920 in der Waldfriedenstraße bezugsfertig und überzeugten bürgerliche Kreise von der guten Wohnlage und dem Konzept, so dass schon bis Mitte der 1920er Jahre das Viertel um die heutige Kirche Sankt Wolfgang entstand, die jedoch erst später gebaut wurde.

Die Bebauung des Spickels erfolgte in Bauabschnitten. Bauabschnitt I bestand aus etwas mehr als 8 Hektar. Im September 1919 legten Arbeitslose im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme die Waldfriedenstraße und die Hornungsstraße? an. Erschließungskosten der Straßen übernahm die Stadt, weil aber Inflation und Baustoffnot der Zeit viele Vorhaben zunichte machten, mussten die ersten 30 Häuser in Holzbauweise geplant werden, denn Holz war im Allgäu günstig zu bekommen. Aufgrund der damaligen Not konnten jedoch nur noch drei Holzhäuser mit neun Wohnungen errichtet werden. Im November 1920 zog der Oberstadtsekretär Franz Rebel mit seiner Familie als erster Spickeler im Erdgeschoß der Waldfriedenstraße 23 ein.

1921 hatte die Genossenschaft kein Geld mehr um weiterzubauen. Das führte dazu, dass die Stadt Augsburg die Hälfte des Erbpacht-Baulandes zurücknahm und es anderen Bauwilligen zur Verfügung stellte, die außerhalb des genossenschaftlichen Rahmens Häuser bauten. Nach und nach erholte sich das Genossenschaftskonto wieder und so konnte in den Jahren 1922 und 1923 an der Hornungstraße 69 ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet werden, 1926 kam eine Metzgerei ins Viertel und die Stadt Augsburg gab Grund nördlich der Bahntrasse an verschiedene Bauträger ab. Darunter die "Gemeinnützige AG für Angestellten-Heimstätten (Gagfah)", die sich bei ihrem Bauprogramm einigermaßen an die frühen Entwürfe zur Gartenstadt Spickel hielt. 1928 baute man eine Bäckerei im Spickel und zu Beginn des Jahres 1929 waren fast 60 Mietwohnungen bezogen und einige privat erstellte Häuser im Viertel fertig geworden, als die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre das Bauen im Spickel erneut ins Stocken brachte, so dass die Wohnhäuser nördlich der Bahnlinie zum Teil noch in den Jahren vor 1928, zum Teil erst Anfang der 1930er Jahre errichtet wurden.

Die Notzeiten hatten zur Folge, dass die ursprünglichen Pläne für die Gartenstadt Spickel nicht verwirklicht werden konnten. Am ehesten noch auf dem Gebiet des ersten Bauabschnitts, wo die Baugenossenschaft zwischen Siebentischwald, Bahnlinie und Ablassweg? Herrin des Verfahrens blieb.

1932 machte die Bebauung des Spickels nördlich der Bahnlinie große Fortschritte und im Lauf der nächsten Jahre engagierten sich sowohl die Augsburger Localbahn als auch die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Augsburg? als Spickel-Bauherren.

Die katholische Kirche Sankt Wolfgang konnte am 30. September 1934 in dem Areal des ersten Bauabschnitts an der Hornungstraße eingeweiht werden.

1937 zählte die Spickelsiedlung Augsburg schon 426 Häuser mit 3.362 Bewohnern und als man 1939 das 20-jährige Jubiläum der "Gartenstadt Spickel" feierte, galt sie als schönste geschlossene Einzelhaussiedlung Augsburgs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg riss man die alte Waldgaststätte Spickel 1966 ab, weil sie ziemlich heruntergekommen war. Allerdings erinnerten noch zu Beginn der 1990er Jahre die Fundamente und die großen Biergartenbäume an den ehemaligen Einkehrort.

In den 1960er und 1970er Jahren erlebte der Spickel eine zweite große Bauphase. In ihr entstanden an der Spickelwiese? viele Reihenhäuser, aber auch Villen, die vom Wohlstand ihrer Bewohner zeugten. So prägte sich der bürgerliche Wohncharakter des Viertels in dieser Bauphase noch weiter aus.

Der Sommerfahrplan 1974 sah den Haltepunkt Augsburg-Spickel? nicht mehr vor, sprich ab diesem Zeitpunkt wurde er von der Bahn nicht mehr bedient und als man Jahrzehnte später die Bahnlinie nach München viergleisig ausbaute, riss man die Wartehäuschen und die Bahnsteige des Haltepunkts ab. Zwar hatten sich die Spickel-Bewohner an den Schienenlärm der Bahnstrecke durch das Viertel gewöhnt, doch als in den 1980/90er Jahren der vierspurige Ausbau der Strecke geplant wurde, liefen die Spickel-Bewohner Sturm dagegen, weil sie eine Zunahme des Bahnlärms, den Verlust von Grundstücken, Jahre dauernden Baulärm und einen Wertverlust ihrer Häuser und Wohnungen fürchteten. Weil aber eine Alternativstrecke durch ein Naturschutzgebiet? geführt hätte, sprachen sich die Umweltverbände für den vierspurigen Ausbau der bestehenden Bahnstrecke nach München aus.

1996 zählte die Bevölkerung im Spickel nur noch 2.826 Einwohner.

Im April 1997 brach man eines der drei ersten Holzhäuser im Spickel ab (Waldfriedenstraße 6).

Details

Die Grenzen des Stadtbezirks Spickel verlaufen entlang der Friedberger Straße ab der Einmündung Inverness-Allee? Richtung Osten (Friedberg). Mitten auf der Afrabrücke wendet sie sich nach Süden und verläuft in der Mitte des Lechs bis etwa 250 Meter nach dem Hochablass. Dort wendet sie sich wo der Hochwasserdamm beginnt Richtung Westen, überquert die Spickelstraße und folgt dann geraume Zeit dem Reichskanal?, der die Grenze zu Haunstetten-Siebenbrunn markiert. Kurz bevor der Reichskanal? in den Zigeunerbach? mündet, kehrt sich die Grenzlinie Richtung Süden, quert den Siebenbrunner Bach und verläuft fast parallel zum Zigeunerbach? östlich um den Stempflesee. Keine hundert Meter nach dem Weiher biegt die Grenzlinie auf der Ilsungstraße in den Westen, um an der Sportanlage Süd dem Max-Gutmann-Laufpfad? Richtung Norden zu folgen, östlich des Ernst-Lehner-Stadions? vorbei. Weiter geht es Richtung Norden auf der Linie des Brunnenbachs bis zur Inverness-Allee?. Dort folgt die Grenze dem Verlauf der Allee bis zur Nagahama-Allee, die nach etwa 150 Metern in die Friedberger Straße einmündet, nachdem noch der Kaufbach? überquert wurde.

Während der Spickel vor dem Bau des Schwabencenters fast in jeder Straße einen Gemüse- und Obsthändler, einen Milch- oder Tante-Emma-Laden hatte, finden sich heute im Spickel wenig Einkaufsmöglichkeiten. Sie gingen nach und nach ein, als Anfang der 1970er Jahre das Schwabencenter mit einer Einkaufsfläche von etwa 20.000 Quadratmetern im angrenzenden Stadtbezirk Wolfram- und Herrenbachviertel gebaut wurde.

Die Spickelstraße bekam schon vor der Gartenstadt Spickel ihre Bezeichnung, verläuft aber im Spickel.

Lage


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