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Siebenbrunn

12. Stadtbezirk in Augsburg; bildet zusammen mit den vier Stadtbezirken von Haunstetten den Planungsraum XIII (Haunstetten-Siebenbrunn) in Augsburg

Allgemeines

Siebenbrunn ist bevölkersungsmäßig der kleinste Stadtbezirk Augsburgs und wird von weniger als 100 Menschen bewohnt. Der Stadtteil hat Charme und liegt südlich von Augsburgs Zentrum, inmitten des Trinkwasserschutzgebietes, von Wiesen, Bächen und Wäldern umgeben. Trotzdem erreicht man die B 17 und den zentralen Königsplatz in wenigen Minuten. Bekannt in Siebenbrunn ist vor allem das Ausflugslokal Waldgaststätte Jägerhaus? mit seinem idyllischen Biergarten gegenüber der ehemaligen Volksschule Siebenbrunn.

Geschichte

1910 wurde Siebenbrunn ein Stadtteil von Augsburg. Bis damals hieß dieser Ort Meringerau.

1804 wurde die "Meringer Au" nämlich zur Kultivierung freigegeben. Neben kleineren landwirtschaftlichen Anwesen entstanden fünf Gutshöfe mit schlossähnlichen Herrenhäusern. Später erbaute man eine Textilfabrik und eine Arbeiterkolonie, zwei Schulhäuser sowie beliebte Ausflugsgaststätten. Das Militär richtete in Meringerau einen Schießplatz ein. Schnell wuchs Meringerau, später Siebenbrunn, auf 700 Einwohner an. Das führte dazu, dass Meringerau, manchmal auch Meringer Au geschrieben, 1818 eine Landgemeinde wurde. Vor 1818 gehörten die Wälder und Wiesen der Meringer Au zu Mering, das östlich des Gebirgsflusses Lech liegt. Obwohl die Meringer Au am westlichen – also schwäbischen – Ufer des Lechs lag, gehörte diese lange unbesiedelte Auenlandschaft bis zur Eingemeindung nach Augsburg also zu Altbayern.

Ab 1835 erwarb Augsburg ein Anwesen und ein Grundstück nach dem anderen, um das sein Trinkwasser zu schützen, das zum großen Teil hier gewonnen wurde. Die meisten gekauften Bauten wurden von der Stadt Augsburg abgerissen, die Flächen rekultiviert.

Im Dezember 2013 erschien das Buch "Siebenbrunn - Augsburgs wasserreicher Stadtteil". Herausgegeben wurde es von Ulrich Kubak?, der damals in Siebenbrunn wohnte, geschrieben von dem Augsburger Autor und Stadthistoriker Franz Häußler. Es erschien bei context medien und verlag.

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Details

Schon seit den Zeiten, da Augsburg Freie Reichsstadt? war, hat Siebenbrunn bzw. die Meringer Au höchste Bedeutung, weil dort die klaren Quellen sprudelten, aus denen die Augsburg einen Großteil ihres Trinkwassers gewann und gewinnt. Die Stadtwerke Augsburg schützen die dortigen Trinkwasserquellen mit hohem Aufwand, das Trinkwasserschutzgebiet liegt im Naturschutzgebiet? Stadtwald Augsburg.

Behringerhof: Ein ehemaliger Hof in Siebenbrunn, der am 25. August 1892 aufgrund eines Blitzeinschlags brannte. Damals gehörte er Philipp Ulrich, der zwischen 1892 und 1899 Bürgermeister von Siebenbrunn war. Der Hof lag etwa 900 Metern nordöstlich des Gasthauses Jägerhaus in Siebenbrunn, wurde aber 1981 wegen des Trinkwasserschutzes in dem Gebiet abgerissen. Vor dem Beringerhof lag hier das „Niethammer´sche Bad“.

Unterdorf: In Siebenbrunn lag seit Gründung der Mechanischen Weberei Siebenbrunn in den 1860er Jahren das so genannte Siebenbrunner Unterdorf, auch „Kolonie“ genannt. Es war die Wohnkolonie der Fabrik für ihre Arbeiter und deren Familien. Zu Anfang bestand es aus zehn Mehrfamilienhäusern und einer Kantine, die später zur Gaststätte „Zu den sieben Brunnen“ umfunktioniert wurde. Die Siebenbrunner Bevölkerung lebte neben der Landwirtschaft von der Mechanischen Weberei Siebenbrunn. Zwischen 1930 und 1950 hatte das Siebenbrunner Unterdorf noch bis zu 230 Einwohner, doch zogen nach und nach viele wegen der schlechten sanitären Zustände in den Häusern weg. Wegen des Trinkwasserschutzes siedelte man in den 1970er Jahren die letzten Einwohner des Siebenbrunner Unterdorfes um und riss die Gebäude ab. 1978 war das ehemalige Unterdorf verschwunden, die Flächen wurden aufgeforstet. Heute zeugen noch eine von Fichten eingewachsene Kastanienallee und ein Spielplatz von der ehemaligen Siedlung, über die eine Infotafel berichtet. Für Siebenbrunner, die in Siebenbrunn wohnen bleiben wollten, errichtete die Stadt Augsburg am Ochsenbachweg vier Häuser mit je vier Wohnungen. Am 20. September 2008 weihte man am erhaltenen Spielplatz ein Wegkreuz ein, das ehemalige Siebenbrunner stifteten, um an die Arbeiterkolonie und das Siebenbrunner Unterdorf zu erinnern.

Sonstiges

Eva Roman: "Siebenbrunn"

Wagenbach Verlag, 128 Seiten

Eva Roman hat einen Roman über das Augsburger Dorf Siebenbrunn geschrieben, das im Siebentischwald liegt. Ihr Roman erschien bei Wagenbach unter dem Label "Der unabhängige Verlag für wilde Leser" zum 50-jährigen Jubiläum und trägt den Titel "Siebenbrunn". Darin hat sie auch Erinnerungen an ihre Kindheit im Augsburger Süden verarbeitet.

Die Autorin Eva Roman, die 1980 in Aachen geboren wurde, wuchs im Augsburger Stadtteil Haunstetten auf, wo der Weg zum östlich gelegenen Siebentischwald hinüber nicht weit ist. Die junge Schriftstellerin studierte Neue deutsche Literatur und Romanistik in Berlin, Kommunikationsdesign in Trier, Berlin und Paris und ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig.

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Drei Frauen spielen in Romans Roman "Siebenbrunn" eine wichtige Rolle. Jeanne, deren Freund Welf gestorben ist, der mit ihr in einem Gutshaus in Siebenbrunn lebte. Die Tochter von Welf, die nach einem Vaterbild sucht. Die Künstlerin Antonia Weißdorn, die Siebenbrunn als großes Kunstobjekt entdeckt hat. Symbolisch geht es ums Verlieren und die dadurch entstandene Leere. Da kommt auch ein altes Heilbad vor, das es mal im Wald von Siebenbrunn gegeben haben soll.

Man kann "Siebenbrunn" durchaus als literarische Hommage an das verlassen Dorf betrachten, das als Trinkwasserschutzgebiet von seinen Bewohnern geräumt werden musste. Wir lesen von der Gaststätte Jägerhaus?, von dem alten Schulhaus? mit dem kleinen Turm und seiner stehen gebliebenen Uhr. Wir erfahren von Brücken und Bächen, Wege die sich in der Wiese gabeln und vom Unterholz, in dem die Allee endet, die einst zu einer Fabrik führte. Natürlich ist "Siebenbrunn" ein Heimatroman. Aber keiner, in dem mit Leidenschaft und Intrigen um Liebe und Reichtum gekämpft wird. Die drei Frauen suchen einen Weg, der sie von ihrer drückenden Leere befreit. Das ist fast alles. Die drei Frauen, die durch Siebenbrunn aufeinandertreffen, scheinen gemeinsam einen Knoten in ihrem Schicksal zu lösen. Ausführlich beschrieben werden von Eva Roman in ihrem Buch über "dieses vom Wald verschlungene Dorf" der Zustand der Natur und der Seelen von hoffenden und suchenden Menschen.

Drei Männer kommen in Nebenrollen vor. Der verstorbene Welf, dessen Eltern das Haus verkaufen wollen, in dem die einsame Jeanne nach seinem Tod mit quälenden Erinnerungen an ihren toten Freund weiterlebt. Ein Arbeitskollege von Jeanne aus dem Stadtarchiv?, das sich noch am Augsburger Stadtmarkt befindet und vom gefräßigen Brotkäfer geplagt wird. In den Passagen, die im Stadtarchiv? spielen, kommt in dem ansonsten sehr ernsten Roman etwas Humor auf. Der perfekt schöne Praktikant der Künstlerin Weißdorn wandelt wie ein Sexobjekt durch den Text. Doch Genaues über seine Beziehung zur coolen, etwas ausgeflippten Künstlerin, Ende dreißig, aus der großen weiten Welt der Kunstzene, die Goldschuhe trägt, erfährt man nicht. Allerdings erfährt man, dass ein Bauunternehmr das Haus kaufen will, das den Eltern von Welf gehört, die sich nach dem Tod ihres Sohnes getrennt haben. Jeanne gefällt das nicht, sie will in dem Haus bleiben. Die Leser in Augsburg wissen natürlich, dass sich der ehemalige Bauunternehmer Prof. Dr. Ignaz Walter? wirklich ein Gutshaus in Siebenbrunn gekauft hat und bei dessen Renovierung diverse Problem mit dem Denkmalschutz? für Aufsehen sorgten. Auch er hat etwas verloren: sein Baufirma-Imperium.

Stimmen zum Roman "Siebenbrunn" von Eva Roman

"Welf ist weg. Und zwar endgültig. Jeanne bleibt zurück, allein im kalten Gutshaus und hilft sich jeden Tag von neuem selbst auf die Füße. Ein nachdenklicher Roman über Abschiede, Erinnerungen und den mutigen Trotz des Weiterlebens. Das Schicksal hat Jeanne getroffen ohne vorher auch nur anzuklopfen ..." (Wagenbach)

"Eva Roman gelingt es, ein großes Tagebuch in dritter Person zu verfassen und sie zaubert mit ihren Ortsbeschreibungen einen mysteriösen Schleier rund um das abgelegene Siebenbrunn. Es liegt ein Zauber auf dem Ort und der erreicht die LeserInnen ohne Frage." (litaffin, Eva Schneider)

"In diesem Buch ist eben alles sorgfältig durchkomponiert und exemplarisch, literarisch wurde nichts dem Zufall überlassen. Man kann sich an dieser präsenten unsubtilen Symbolik stören – man kann sie aber auch einfach gelungen finden und Siebenbrunn als handwerklich stimmigen, sprachlich gekonnten Erstling verstehen ..." (kulturradio, Anne-Dore Krohn)

"In ihrem Debüt Siebenbrunn zeichnet Eva Roman die Konturen des Verschwundenen nach. Es ist ihr eigener, ganz persönlicher poetischer Widerstand gegen das Vergessen - mit schönen, klaren, wehmütigen Bildern, die den Blick für das vermeintlich Verlorene öffnen." (Deutschlandfunk, Michaela Schmitz)

Bis sie vom Bücherschreiben leben kann, arbeitet Eva Roman, die beim Erscheinen ihres ersten Buches in Leizpig lebt, in diversen Jobs. Mit einem zweiten Roman hat sie begonnen.

Weitere Publikationen von Eva Roman bis zur Veröffentlichung von "Siebenbrunn":

  • Am Ende, in: spa_tien, Bern 2007.
  • Zwischen den Heidelbeeren, in: entwürfe, Zürich 2008.
  • Waldkinder, Weisses Tier, in: poet Nr. 5, Leipzig 2008.
  • Vor Tavor, in: Tippgemeinschaft, Leipzig 2009.
  • Als wir, in: Gegenwartsliteratur II, Berndorf 2009.
  • Cowboylyrik, in: roughbook 003, Urs Engeler Editor, Weil am Rhein, 2009.
  • Nach Gänseburg, in: Tippgemeinschaft, Leipzig 2010.
  • Machs gut, Albertine, in: Umlaut, Ausgabe 8, Köln 2010.
  • An eine Kindheit, in: ragufeng Anthologie, Köln 2012.

2009 erhielt sie beim Literaturwettbewerb Schloss Wartholz den Publikumspreis.

Weblinks


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