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Schulgeschichte Augsburgs

Frühmittelalterliche Anfänge

Sicher gab es schon im Mittelalter Schulen? in Augsburg, doch leider fehlen uns für diese Zeit ergiebige Quellen. Historiker gehen davon aus, dass es in dieser Zeit mit dem Augsburger Bildungs- bzw. Schulwesen nicht anders aussah als in anderen ähnlichen deutschen bzw. europäischen Städten. Und das bedeutet, dass die Kirche, damals noch die einige katholische Kirche, für die Bildung verantwortlich war, ja nur sie die Bildung trug. In Stifts-, Dom- und Klosterschulen bildeten Kleriker wiederum Kleriker aus. Sie kamen vor allem aus den Familien der Patrizier. Nur einzelne Schüler gingen einen weltlichen Weg. Für Ritter und Bauern kam dieser Bildungsweg nur selten in Frage, auch entwickelten diese Stände kein eigenes Schulwesen.

In Augsburg gründete wahrscheinlich Bischof Simpert im frühen 9. Jahrhundert die Domschule des Domkapitels?, also die erste bekannte Augsburger Schule. Verschiedene frühere Augsburger Historiker schrieben, Simpert "richtete bey der Dom-Kirche eine Schule an". Auch zur Zeit des heiligen Ulrich? (924 - 973) ist dieses kirchliche Schule? am Augsburger Dom bezeugt. Anfang des 12. Jahrhunderts ist von einer "neuen Schule" die Rede, die Bischof Hermann? (1096 - 1133) einrichtete. Zum ersten Mal ist auch ein Leiter dieser Schule urkundlich erwähnt: der Scholastiker und Probst Gerhoh von Reichersberg. Nebenbei werden in einer Urkunde erstmals auch Schulfeste gestreift.

Ebenfalls bedeutsam war die Schule bei Sankt Ulrich und Afra. Bischof Bruno? gründete sie im 11. Jahrhundert, um hier Novizen ausbilden zu lassen. Ihre Blütezeit lag im 12. Jahrhundert. Ebenfalls Bischof Bruno? gründete für Kleriker die Schule bei Sankt Moritz, eine Stiftsschule, die später auch Kindern, die einen weltlichen Beruf

Das Aufblühen der Stadt

An dieser Situation änderte sich erst etwa, als die Städte immer mehr zu Zentren des Lebens wurden und wie in Augsburg reiche Kaufleute und vermögende Handwerker hervorbrachten, die durch ihre Arbeit und ihren Handel nicht nur selbst ihren Horizont erweiterten, sondern immer öfter auch für ihre Kinder eine Bildung forderten, die Lesen, Schreiben und Rechnen als Grundfertigkeiten zu Grunde legte. Diese Forderung führte dazu, dass sich nach und nach kirchliche Schulen? öffnen mussten. Als "äußere Schule" bezeichnete man damals elementare Grundkurse der geistlichen Schulen?, in denen zukünftige Kleriker zusammen mit Kindern von Rittern und Bauern Rechnen, Schreiben und Lesen beigebracht bekamen. Auf die "äußere Schule" folgte der Lateinunterricht, den normalerweise nur noch die auszubildenden Kleriker besuchten.

Eine solche "äußere Schule" erhielt die Schule bei Sankt Ulrich und Afra. Hier erhielten Kinder Augsburger Bürger? eine elementare Bildung.

Codex Manesse Schulmeister von Esslingen
Codex Manesse, UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 292v, Der Schulmeister von Eßlingen zwischen 1305 und 1340. Darstellung des Minnesängers als Schulmeister. [Public domain], via Wikimedia Commons

Ausgehendes Mittelalter

Im ausgehenden Mittelalter veränderte sich die Situation erneut. Die Schülerzahlen schwollen an, der Frühkapitalismus eroberte die Städte und Bürger? entwickelten neue berufspraktische Interessen und ein neues Selbstbild. Das führte dazu, dass viele aufstrebende Städte ihre stadteigenen Schulen? gründeten und einen "weltlichen" Lehrkörper anstellten. Man nannte diese Schulen? meist "Lateinschulen", was zeigt, dass sie sich noch an der alten kirchlichen Bildung orientierten. Im Unterschied zu diesen betonten die Lateinschulen aber vor allem in den unteren Jahrgängen die elementaren Bildungsinhalte, die für Handwerker und Kaufleute wichtig waren.

Schon im 14. Jahrhundert entwickelten sich neben den Lateinschulen aber auch die "Winkelschulen" in größeren Städten. Sie hießen so, weil sie ihren Sitz in abgelegenen Gassen und Winkeln hatten. Hier unterrichteten Menschen Lesen, Schreiben und Rechnen, die nie eine entsprechende Ausbildung erhalten hatten oder ihr Studium abgebrochen hatten. Die Winkelschulmeister unterrichteten Kinder von reichen Bürgern? in deren Haus oder mehrere Kinder zusammen in ihrer eigenen Wochnung. Weil sie meist kein Latein unterrichteten, nannte man sie auch "teutsche Schulmeister". Manchmal waren es Notare, Buchhalter oder Handwerker, die sich auf diese Weise einen Nebenverdienst schufen, denn von den Eltern der Kinder forderten sie das so genannte "Schulgeld". Damit hing der Verdienst dieser Winkelschulmeister von der Menge der Schüler ab, die sie unterrichteten. Heute würde man sagen, die Winkelschulen waren private deutsche Schulen. In Augsburger Baurechnungen, also Büchern, in denen sich die städtischen Baumeister durch einen Notar Einnahmen und Ausgaben eintragen ließen, fanden sich Hinweise auf mehrere Augsburger Winkelschulen. Diese Winkelschulen - und das ist bedeutsam - waren vom Augsburger Klerus unabhängig, doch hatte die weltliche Obrigkeit noch keinen Einfluss auf das Augsburger Winkelschulwesen.

1431 erwähnt eine Urkunde einen weltlichen Schulmeister an der Schule bei Sankt Ulrich und Afra. Einige Jahre später zieht dort auch die so genannte Melker Reform, eine Klosterreform, ein, was dem Humanismus die Tore öffnet und der Schule noch einmal eine große Blütezeit bringt.

Noch 1439 legten die Statuten des Augsburger Domkapitels? fest, dass der "summus scolasticus", also der Domscholaster, der Leiter der Domschule war, alle Schulleiter und Schüler der Stadt Augsburg und der Diözese Augsburg als oberster Leiter unter sich hatte. Hier wird klar, dass der Aufbau eines weltlichen Schulwesens auch in Augsburg nicht einfach war und es dazu erst zur Ablösung von der kirchlichen Oberherrschaft kommen musste.

Master and scholars - 1464 - L'image du Monde
Miniatur Lehrer mit Schüler 1464 von Medieval copy of a book by Gautier de Metz, "L'image du Monde" [Public domain], via Wikimedia Commons

In den so genannten "Beschlussbüchern" des Augsburger Domkapitels? sind für das 15. und 16. Jahrhundert viele Berichte über Schülerfeste überliefert.

16. Jahrhundert

Noch wurde Anfang des 16. Jahrhunderts das Bildungsbedürfnis der Augsburger Bürger? hauptsächlich von den kirchlichen Schulen? befriedigt.

1503 werden in der Aufzählung der Beteiligten einer Prozession vom Dom Unserer Lieben Frau bis nach Sankt Ulrich und Afra die Schulen? bei Sankt Georg und Katholisch Heilig-Kreuz erwähnt. Die Prozession hatte Bischof Friedrich von Zollern? wegen Kälte, Teuerung und anderer Bedrängnisse in Augsburg veranstalten lassen. In der Urkunde ist zu lesen, dass "die Kanoniker von Sankt Georg mit den Schülern 66; die Kanoniker von Heilig Kreuz mit den Schülern 55" teilgenommen hätten. Leider gib es keine weiteren Urkunden über diese beiden Schulen? und so wissen wir nicht, wann sie gegründet wurden. Aus dem Fehlen weiterer Urkunden über die beiden Schulen? wurde geschlossen, dass sie nicht besonders bedeutsam gewesen seien.

Einsetzung von Scholarchen

Mit der Reformation und der katholischen Reform des Schulwesens dynamisierte sich das Augsburger Bildungswesen. Jetzt begann ein Kampf der Schulträger um die Antwort auf die Frage, wer die Schulaufsicht in Augsburg erhalten sollte. Hier markierte die Gründung des Gymnasiums bei Sankt Anna im Jahr 1531 durch die Protestanten einen Spannungshöhepunkt, da jetzt der Ruf nach einer eigenen Aufsichtsbehörde für das Schulwesen laut wurde und sich so das reichsstädtische? Selbstbewusstsein und Ordnungsdenken artikulierte. Die Folge: Noch 1531 stellte der Magistrat? deshalb Scholarchen auf, eigene Schulverordnete. Die beiden ersten Scholarchen waren Protestanten: der Geistliche Dr. Bonifacius Wolffarth und der Arzt Dr. Gereon Sailer. Letzteren schickte man 1535 mit M. Huberinus nach Wittenberg, um dort mit Martin Luther religiösen Streit unter den Augsburger Protestanten zu besprechen und einer Klärung zuzuführen.

1531 waren die Scholarchen erst einmal nur für das Gymnasium bei Sankt Anna zuständig. 1534 wurden weitere Scholarchen eingestellt: Zymbrecht Hoser, Johann Jakob Fugger? und Wolfgang Rehlinger?. Mit dieser Erweiterung des obrigkeitlichen patrizischen Gremiums weitete sich auch das Aufgabenspektrum des Scholarchats aus. Man begann jetzt auch die privaten deutschen Schulen zu visitieren. Sie waren in der Reformationszeit wie Pilze aus dem Boden gesprossen, ohne sich an allgemeine Normen zu halten: Jeder Schulmeister unterrichtete nach Gutdünken.

Ambrosius Holbein, maître d'école, 1516
Der Schulmeister, 1516 von Ambrosius Holbein [Public domain], via Wikimedia Commons

Erste Augsburger Schulordnung

Die Scholarchen versuchten das Augsburger niedere Schulwesen zu vereinheitlichen und für ein bestimmtes Niveau des Unterrichts zu sorgen. Das führte am 29. Juni 1537 zu einem Erlass an die Schulherren durch den Augsburger Magistrat?. In diesem Erlass wurde u. a. verfügt

  • dass Religion, Kunst und "stattliche Sitten" an allen lateinischen und deutschen Schulen? gelehrt wird
  • dass Lehrer eine Eignungsprüfung ablegen müssen
  • dass Schulherren verordnete Schulbücher zu benutzen haben und sie nicht eigenmächtig ändern dürfen
  • dass Mädchen und Buben getrennt zu unterrichten sind (galt so in Augsburg bis ins 19. Jahrhundert)
  • dass die Scholarchen jede Schule? einmal im Quartal visitieren müssen
  • dass die Scholarchen einmal im Quartal dem Geheimen Rat? einen Visitationsbericht und Verbesserungsvorschläge vorlegen müssen.

Im Juli 1537 rief der Scholarch Zymbrecht Hoser, der zuvor Bürgermeister Augsburgs war, die deutschen Schulmeister Augsburg zusammen und bestimmte, "dass sie hinfüro unter dem Scholarchat stehen, ohne dessen Wissen keine Neuerung anfangen, und hinführo ohne von selbigem erhaltene Erlaubnis niemand eine Schule aufzutun befugt sein solle". Zur gleichen Zeit verließen Bischof, Domkapitel? samt Domscholaster und viele katholische Geistliche Augsburg und die Stadt setzte die Reformation durch. Zuvor hatten sich die katholischen Kleriker und der Domscholaster gegen die Übernahme des über Jahrhunderte ausgeübten Bildungsmonopols durch die Stadt und die Protestanten gewehrt. Ohne Erfolg, ja den Schulmeistern wurde die protestantische Lehre aufgedrängt.

Weil in den folgenden Jahren die Arbeit des Augsburger Scholarchats stetig zunahm, stellte man 1543 weitere Helfer ein, Unterschulherren genannt, denen die bisherigen Scholarchen als Oberschulherren weisungsbefugt waren. Namentlich als Unterschulherren genannt wurden Christoph Rehlinger, Christoph Wirsung, Wolfgang Musculus, ein Geistlicher, der Jurist Augustin Müller und Lorenz Rösch, ein Arzt.

In Übereinstimmung mit dem Scholarchat gab Augsburg 1543 die erste verbindliche Schulordnung heraus. Sie galt für alle "teutschen Schulmaister zu Augspurg", also 33 protestantische Schulhalter (24 Knaben- und neun Mädchenschulen]]. Unter anderem bestimmte diese Schulordnung,

  • dass jeder neue Schulmeister durch die Oberschulherren bewilligt werden musste
  • dass jeder Schulmeister einen einwandfreien Lebenswandel vorzuweisen hatte
  • dass kein Schulmeister seine Schüler gegen die protestantische Lehre beeinflussen durfte
  • dass die Schulmeister die Kinder im evangelischen Katechismus unterrichten und sie zur Kirche führen mussten
  • dass Eltern einen gewissen Einfluss auf die Erziehung der Kinder durch die Schulmeister nehmen konnten
  • dass die Schulmeister Schulkinderfeste "ordentlich" begehen sollten
  • dass - anders als noch 1537 bestimmt - protestantische Geistliche die Schulen? visitieren sollten; Misstände sollten dem Scholarchat bekannt gemacht werden
  • dass die Schulmeister nach festgelegten einheitlichen Sätzen von den Eltern bezahlt werden sollten.

Erneuerungen der Schulordnung

Die Schulordnung von 1543 erneuerte man 1551 in der "Ordnung der Teutschen Schulmeister". Außerdem erließ der Magistrat? im gleichen Jahr eine allgemeiner gehaltene "Schulordnung für die kaiserlich heilige Reichs-Stadt Augspurg". Darin behandelte ein Kapitel die Aufgaben der Ober- und Unterschulherren. Darin war auch festgelegt, dass die Visitationen der Schulen? nicht mehr durch die protestantischen Geistlichen durchgeführt werden sollten, sondern wieder vom Scholarchat (insbesondere durch die Unterschulherren). Das Scholarchat sollte nun auch mehrmals im Jahr die Schülerleistungen überprüfen.

Ebenfalls 1551 kam es in Augsburg zu neuen konfessionellen Wirren. Durch die Gegenreformation? erstarkte die katholische Seite in Augburg und man verhörte aufgrund des Interims? von 1548 die Augsburger protestantischen Prediger vor dem Hofrat des Kaisers, was zur Folge hatte, dass die meisten aus Augsburg verbannt wurden. Ähnlich erging es den lateinischen und deutschen Lehrern, doch konnten sie schon 1552 wieder nach Augsburg zurückkehren. 1555 sicherte dann der Augsburger Religionsfriede die Parität der christlichen Konfessionen. Der Augsburger Religionsfriede hatte auch eine paritätische Besetzung des Scholarchats zur Folge. Allerdings brauchte es noch Jahrzehnte, bis die Zahl der katholischen Lehrer in etwa die der protestantischen erreichte.

1568 bekam das Scholarchat Augsburgs so genannte "Vorgeher". Sie hatten eine Zwischenstellung zwischen dem Scholarchat und den Schulmeistern. Sie wurden aus den Mitgliedern der deutschen Schulhalter gewählt und sollten die Wünsche und Interessen der Schulmeister gegenüber dem Scholarchat vertreten, gleichzeitig aber die Schulen visitieren und die Anordnungen des Scholarchats in den Schulen? durchsetzen. Im selben Jahr erneuerte man die Schulordnung von 1551 für damals vier Schulmeisterinnen und 34 Schulmeister, die 23 Knaben- und 15 Mädchenschulen betrieben.

Weil es nicht einfach war, die verschiedenen deutschen Schulen unter einen Hut zu bekommen, folgte 1575 eine neue erweiterte Schulordnung mit zunächst 26 Artikeln. In den Jahren zwischen 1581 und 1614 erhielt sie weitere 25 Artikel.

Unterstützungskasse

1575 baten die Lehrer mittels der Vorgeher den Augsburger Magistrat? eine "Büchse" errichten zu dürfen. Es sollte eine Unterstützungskasse im Fall einer Krankheit oder sonstigen Not sein. Auch zur Absicherung des Alters wollte man die gesammelten Gelder verwenden, um nicht auf Almosen angewiesen zu sein, wenn ein Lehrer nicht mehr arbeiten konnte.

Dem Wunsch entsprach der Magistrat? schnell und schrieb noch im gleichen Jahr in die Schulordnung: "Letztlich solle ein jeder Schulmeister alle Quatember 6 kr. in eine gemeine Bixen zu geben schuldig sein, davon solle man den Kranken und Armen unter ihnen, auf ihr Begehren, so fern es die Notdurft erfordert, gebührliche Hilfe und Handreichung tun, damit der Almosen-Säckel desto minder beschwert werde.

1581 bezog man die Witwen von Schulmeistern in die Absicherung durch die Unterstützungskasse ein.

Sonstige schulische Entwicklungen

Wichtig für die Augsburger Schulgeschichte erwies sich die 1531 erfolgte Gründung des Gymnasiums bei Sankt Anna, denn es entwickelte über die folgenden Jahrzehnte eine große Strahlkraft, gegen die das Domkapitel? mit seiner Domschule auf katholischer Seite immer schwerer ankam. Erst als 1585 die Jesuiten-Schule von Sankt Salvator gegründet wurde, konnte die katholische Seite den Bildungsvorsprung der Protestanten in Augsburg einholen, was zwischen den beiden Schulen zu Spannungen führte, die aber für die Stadt Augsburg Vorteile brachten, weil so das Bildungsniveau hoch gehalten wurde. Kaum hatte das katholische Kolleg von Sankt Salvator eröffnet, schuf auch das Gymnasium bei Sankt Anna ein Kolleg. Weil die Jesuiten? ihre Schüler kostenfrei unterrichteten, musste das Gymnasium bei Sankt Anna bald seinen Unterricht auch kostenfrei anbieten. Ob Schultheater, Didaktik oder Pädagogik: Die eine konfessionelle Schule regte die andere zu Veränderungen und Verbesserungen an.

Ende des 16. Jahrhunderts sanken die Schülerzahlen in der Schule bei Sankt Ulrich und Afra, weil in dieser Zeit die Konkurrenz neuer schulischer Gründungen in Augsburg zu stark für die geistliche Ausbildungsstätte wurde. Und auch die Augsburger Domschule verlor Ende des Jahrhunderts wegen der Gründung von Sankt Salvator durch die Jesuiten? nach mehr als 600 Jahren ihres Bestehens die bildungspolitische Bedeutung für Augsburg, denn die Jesuiten? richteten an Sankt Salvator ein Gymnasium ein.

18. Jahrhundert

Katholisch - Evangelisch

Weil im 17. Jahrhundert kaum historische Urkunden zu pädagogischen Themen in Augsburg greifbar sind, ist zu diesem Zeitraum der Augsburger Schulgeschichte nicht viel zu schreiben. Erst in der Zeit der Aufklärung bewegt sich wieder pädagogische Entwicklung und Ende des 18. Jahrhunderts finden sich wieder Zeugnisse pädagogischer Themen. Weil sich jetzt die evangelische und die katholische Schulgeschichte klar getrennt haben, ist jeweils ein Blick auf beide Seiten zu richten.

Minerva als Symbol der Toleranz
Minerva, die römische Göttin der Weisheit, spendet das Licht der Erkenntnis, wodurch die Religionen der Welt zusammenfinden. Von Daniel Chodowiecki 1791. [Public domain], via Wikimedia Commons

Auf katholischer Seite ist es der Augsburger Bischof Clemens Wenzelslaus?, dessen Einfluss auf das Schulwesen im Hochstift Augsburg? daran spürbar wird, dass er die pädagogischen Reformbewegungen, die von der Aufklärung ausgingen, umzusetzen versucht.

In die gleiche Richtung gingen die Bemühungen des Rektors Mertens am protestantischen Gymnasium bei Sankt Anna. Er arbeitete u. a. an der Augsburger evangelischen Jugendzeitschrift Chronik für die Jugend? mit, die seit 1785 wöchentlich im Augsburger Verlag Stage herausgegeben wurde. Initiator war Christian Friedrich Böck?, zunächst einige Jahre Rektor am Esslinger Gymnasium, bevor er in Augsburg wirkte uns in moralisierender Art Kinder und Erzieher beglückte. Rektor Mertens nahm sich auch der evangelischen Mädchenbildung an. Gegen die katholische Mädchenbildung im Institut der Englischen Fräulein kamen die Protestanten damals jedoch noch nicht an, weil sie keine eigene Bildungsinstitution nur für Mädchen besaßen. Die folgte erst im 19. Jahrhundert.

Wie ging es mit dem Scholarchat in Augsburg weiter? Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte sich zunächst Jahrzehnte lang nichts geändert. Dann aber gliederte man es noch vor Ende des 17. Jahrhunderts in ein katholisches und protestantisches Scholarchat. Vom protestantischen Scholarchat hörte man aber lange nichts, bevor 1775 die protestantischen Scholarchatsprotokolle drei Räte und einen Ratskonsulent erwähnen: den geheimen Rat Thomas von Scheidlin, den Inneren Rat und Oberrichter Paul von Stetten?, den Inneren Rat und Baumeister Johann Gottfried Morell? und den Ratskonsulenten Johann Leonhard Tauber. Was auffällt: Es gibt im protestantischen Scholarchat keine Theologen. Die Kirchenpfleger? hatten nach einem Brief von Geistlichen an sie schon 1653 entschieden, dass Geistliche im Scholarchat nichts zu suchen hätten. Die Pastoren gaben aber nicht nach und 1672 durften sie dann zum ersten Mal mit auf eine Visitation des protestantischen Scholarchats. Man muss die Pastoren verstehen: Das Scholarchat hatte durch seine regelmäßigen Visitationen einen großen Einfluss auf die deutschen Schulen. Für das Recht auf Visitationen gehen zu dürfen, mussten die evangelischen Pfarrer allerdings auf das Kanzelrügerecht gegen schlechte Lehrer verzichten.

Es gab regelmäßige Scholarchatssitzungen, in denen Angelegenheiten und Probleme der verschiedenen Schulen? besprochen wurden. Oft ging es um Übertretungen der Schulordnung durch Schulmeister und Eltern. Überliefert sind daneben auch Bittgesuche von Seiten der Schulmeister gegenüber dem Scholarchat.

Elementarschulen

Das System

Mit Einführung der Parität in Augsburg verteilte man Elementarschulen ("Deutsche Schulen") gleichmäßig auf die Pfarreien der zwei Konfessionen. Das führte zu 24 Elementarschulen im Stadtgebiet, die auch noch nach Geschlecht aufgeteilt waren. Ende des 18. Jahrhunderts ist schriftlich festgehalten, dass sich die meisten Knaben- und Mädchenschulen einer Konfession in unmittelbarer Nähe befanden und die Schülerzahl meist über 50 lag. Leider sind die Zahlen nur für die protestantische Seite bezeugt, während sie auf katholischer Seite fehlen. Zahlen von Ende des 17. bis Ende des 18. Jahrhunderts belegen in Augsburg jedes Jahr mindestens etwa 700 protestantische Elementarschüler pro Jahr. Historiker gehen davon aus, dass die entsprechenden Zahlen auf katholischer Seite ähnlich lagen. Nur am Rand: Von 1689 bis 1807 führte man „Deutsche Schul-Catalogi“. Die Reihe brachte es auf 40 Bände. Verzeichnet sind alle Schüler mit Leistungsniveau, Beruf der Eltern, Kenntnis des Katechismus u. ä.

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Der Schulmeister im Ständebuch & Lehrstand & Beruf & Lehrer von 1698 von Christoph Weigel. Für den Autor, siehe [Public domain], via Wikimedia Commons

Zwingerschulen waren eine besondere Form der Elementarschulen in Augsburg. Ihr Name geht auf die „Zwingerhäuser“ zurück. Das waren Wohnungen, die man seit Ende des 16. Jahrhunderts an der Stadtmauer zwischen Sankt Ulrich und Afra und dem Alten Einlass eigens für Soldatenfamilien erbaut hatte. Weil Soldaten meist viele Kinder hatten, ließ das Scholarchat für diese Kinder bald eigene Schulen bauen und unterhalten. Weil die Zwingerschulmeister in den Zwingerschulen vom Scholarchat regelmäßig und gut bezahlt wurden, war eine Zwingerschulmeisterstelle sehr begehrt. In der Schulordnung von 1748 wurden Rechte und Pflichten der Zwingerschulmeister eigens geregelt. Interessant dabei ist, dass den Zwingerschulmeistern darin verboten wurde, „keine als allhiesige Soldaten-Kinder lesen, schreiben und rechnen lehren soll“. Wahrscheinlich hatten sich viele Zwingerschulmeister vor dieser Regelung durch Unterrichtung anderer Schüler und die Erhebung von Schulgeld ihr Salär aufgebessert. 1806 löste man die Zwingerschulen auf.

Bis ins 19. Jahrhundert gab es in Augsburg noch eine andere Form des Elementarunterrichts: „deutsche Privatlehrer“. Sie brachten Kindern vermögender Eltern in deren Häusern die Basisinhalte der Bildung bei. Weil sie den Schulmeistern und Schulhaltern die reicheren Kinder entzogen, waren sie ihnen ein Dorn im Auge. Deshalb sorgten die Schulmeister und Schulhalter für ständige Einschränkungen der Arbeit dieser „deutschen Privatlehrer“.

So mussten sie vom Scholarchat die Genehmigung vor Dienstantritt einholen, mussten ihren Lebenswandel, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten prüfen lassen, ihrer Konfession treu sein … Bald durften sie keinen Nebentätigkeiten mehr nachgehen, durften nur außerhalb der gewöhnlichen Schulzeiten ihre reichen Schüler unterrichten, die Vorgeher setzte man darauf an, diese „Privat-Docenten“ zu überwachen, ob sie die Schulordnung einhielten. Und da kamen viele Beschwerden - angeregt vor allem durch die deutschen Schulhalter - zusammen, wie Beispiele verschiedener Jahre belegen. Gern wurden die Privatlehrer Pfuscher genannt, die zum Unterrichterteilen untauglich seien. Am Ende der Entwicklung mussten Privatlehrer vor dem Rektor des Gymnasiums bei Sankt Anna ein Examen ihrer Tauglichkeit ablegen, was sie aber nur bestanden, wenn sie vorher das Lehrerseminar besucht hatten.

Aus dem Jahr 1803 ist uns ein "Lectionsplan für gesammte Elementarschulen in Augsburg" erhalten. Ein Tagesbeispiel:

Montags von 8 bis 9 Uhr: Repetition des in der vorhergehenden Woche Erlernten, mit allen 3 Classen. Lesen und Erklären neuer Aufgaben für alle 3 Classen. Von 9 bis 10 Uhr Leseübung der Mittlern. Buchstabirübung der Anfänger. Auswendig Buchstabiren. Von 14 bis 15 Uhr Lesen und Erklären einer biblischen Geschichte mit der größern Classe und Unterredung darüber; wobey die Mittlern aufmerken. Von 15 bis 16 Uhr Leseübung der Mittlern. Buchstabirübung der Anfänger. Sprech- und Denkübungen.

Auch samstags mussten die Kinder die Schule besuchen, allerdings nur vormittags.

Bis zum Jahr 1803 teilte man die Schüler grundsätzlich in vier Stufen ein, die sich am Schreiblehrgang orientierten: Man unterrichtete in Gruppen von ABC-Schülern, Buchstabierenden, Erstlesenden und Fortlesenden. Das änderte sich 1803. Jetzt teilte man die Elementarschüler in drei Klassen ein: die allerersten Anfänger, die Klasse der Mittleren und die Klasse der Weitergekommenen. Entsprechend verteilte man die Unterrichtsinhalte auf die drei Klassen.

Unterrichtsinhalte

Für die Elementarschulen forderte die Schulordnung von 1748 Religionsunterricht, Sittsamkeit, Lesen, Schreiben und Rechnen als Bildungsinhalte. Diese Bildungsinhalte bestimmten das Augsburger Schulwesen bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit? 1803. Danach sollten in den Elementarschulen noch einige gemeinnützige Kenntnisse vermittelt werden. Das galt sowohl für die katholischen wie evangelischen Elementarschulen Augsburgs.

Gebet und Gesang eröffneten den Augsburger Schulalltag und beschlossen ihn. In der Schulordnung von 1773 bestimmte man, dass die Gebete auch erklärt werden sollten, damit sie die Kinder mit Sinn und Verstand sprächen. Nach Gebet und Gesang begann der Unterricht, der vom Leichten zum Schweren fortschreiten sollte. Durch häufiges Ausfragen sollte der Fortschritt der Schüler kontrolliert werden.

Im Lesen bestimmte man 1748 vier Gruppen:

  • ABC-Schüler
  • Buchstabierende, die Buchstaben und Laute zu Silben zusammensetzen mussten
  • Erstlesende, die auch Sprachlehre vermittelt bekamen
  • Fortlesende, die jedes fremde Wort lesen können sollten

Das Vorgehen der Augsburger Schullehrer kann man als synthetische Leselehrmethode oder Buchstabiermethode kennzeichnen.

Tiepolo Boy Holding Book
>Boy Holding a Book (Portrait of Lorenzo Tiepolo) etwa 1747 bis 1750. Giovanni Battista Tiepolo [Public domain], via Wikimedia Commons

Ähnlich synthetisch ging es im Augsburger Erstschreiblehrgang zu. Man brachte den Kindern zunächst den Umgang mit dem Schreibgerät bei, dann Teile von einzelnen Buchstaben, dann ganze Buchstaben, dann lernten sie mehrere Buchstaben zu Silben und Wörtern zusammenzusetzen. Schließlich schrieben die Schüler größere Abschnitte einfach ab.

Der Augsburger Erstrechenunterricht begann mit dem Vor- und Rückwärtszählen von eins bis 100. Dann erfolgte das Addieren und Subtrahieren, schließlich das Multiplizieren und Dividieren.

Großen Wert legten die Augsburger Pädagogen auch auf den Unterricht der biblischen Geschichte. Zunächst erzählte sie der Lehrer. Wenn die Schüler einigermaßen das Lesen beherrschten, mussten sie selbst die Heilige Schrift lesen und Fragen dazu beantworten. Die Augsburger Elementarschüler hatten sogar die Pflicht, die biblische Geschichte auswendig zu lernen. Zwar kam man vom Auswendiglernen Ende des 18. Jahrhunderts in Augsburg etwas ab, doch sollte jetzt die biblische Geschichte "katechisiert" werden, was methodisches Nachfragen bedeutete, ob die Schüler alles verstanden hatten.

Die Schulordnung von 1803 beinhaltete an ihrem Schluss schließlich einen "Lectionsplan", also einen Unterrichtsplan, für die ganze Woche, allerdings nur für die Augsburger Schulen?, die protestantisch waren.

Die Honorierung

Die Augsburger Elementarschullehrer hatten kein festes Einkommen. Ihre Einnahmequellen waren unterschiedlicher Art. Da gab es zunächst das Schulgeld, auch „Quatember-Geld“ genannt, weil es von den Eltern an den so genannten Quatembertagen gezahlt werden musste. Quatembertage waren die Fastentermine vor vier kirchlichen Festtagen. Davon konnte ein Lehrer jedoch nicht leben, denn es war immer niedrig und betrug zwischen 1683 und 1806 immer dreißig Kreuzer im Vierteljahr, trotz der Preissteigerungen in dieser Zeit. Nur durch die unterrichtete Schülerzahl war das eingenommene Schulgeld zu steigern. Waren Kinder krank oder wurden von den Eltern zeitweise aus der Schule genommen, kürzten die Eltern das Schulgeld entsprechend, wie es die Schulordnung von 1748 möglich machte. Gegen die frühzeitige Herausnahme von Kindern aus der Schule konnten die Lehrer nichts unternehmen, denn noch gab es keine Schulpflicht.

Da es damals auch noch keine Sprengelgrenzen zwischen den Schulen? gab, konnten sich die Schulmeister gehörig Konkurrenz machen und Schüler gegenseitig abwerben, auch wenn das die Schulordnung von 1748 verurteilte. Durch Vorwände versuchten die Schulhalter Schüler, die das Gymnasium besuchen wollten, möglichst lange in der deutschen Schule zu halten. Auch das verbot zwar schon die Schulordnung von 1748, doch in der Praxis versuchten es die Schulhalter immer wieder, wie ein Schreiben des Scholarchats von 1780 an die Visitatoren beweist. Demnach sollten die Visitatoren berichten, „wenn die Knaben in deutschen Schulen allzulange, wohl gar bis in ihr 9.ja 14-tes Jahr aufgehalten, von dem Besuch des Gymnasiums aber, unter mancherlei Vorwand oder Vorstellung ab- und zurückgehalten werden“. Wenn Eltern mittellos waren, konnten sie sich wegen des Schulgeldes an verschiedene Augsburger Schulgeldstiftungen wenden. Über die Visitatoren konnten diese Eltern beim Scholarchat das Schulgeld beantragen.

Eine weitere Einnahmequelle der Elementarschullehrer war das Holzgeld. Es musste von den Eltern jedes Jahr am Martinitag geleistet werden, damit in der kalten Jahreszeit die Schule geheizt werden konnte. Zwischen 1683 und 1772 betrug es pro Kind im Jahr acht Kreuzer, danach 15 Kreuzer und ab 1803 30 Kreuzer. Die Differenz zwischen den Holzgeldeinnahmen und den Ausgaben für Brennmaterial blieb in der Tasche der Schulhalter. Für finanziell schwache Eltern gab es ab 1803 eine Ermäßigung der Zahlung um die Hälfte.

Dritte Finanzierungsquelle der Elementarschulen waren die „Accidentien“. Damit sind freiwillige Geld- und Naturaliengeschenke der Eltern gemeint, etwa zu Festtagen. Gut, wenn unter den Schülern auch solche mit vermögenden Eltern waren. Besondere Schenktermine waren Neujahr, Ostern, Schulkinderfeste wie das „Krönen“ oder der „Rüthen“ sowie Allerseelen. Schon die Schulordnung von 1543 hatte den Augsburger Eltern solche Accidentien ans Herz gelegt, damit sich die Schulmeisterfamilie hin und wieder satt essen konnte. Die Gewohnheit, Lehrern Accidentien zukommen zu lassen, erhielt sich bis ins 19. Jahrhundert, beinhaltete jedoch natürlich die Gefahr, dass Lehrer die Schüler bevorzugten, deren Eltern ihnen besonders hohe Accidentien zukommen ließen. Die Accidentien nahmen um 1800, wie Abrechnungen verschiedener Schulen in Augsburg belegen, eine sehr wichtige Rolle beim Lehrergehalt ein.

Gut bestellt war es nicht mit der Honorierung der Augsburger Schulmeister. Alte Augsburger Akten bezeugen die Armut der meisten Schulmeister. Auch Bittschriften um Unterstützungen und Zuwendungen seitens der Stadt sind erhalten. Mehrmals gingen sowohl evangelische wie katholische Lehrer das Scholarchat um Unterstützung an. Geradezu herzerweichend liest sich ein Bittschreiben von protestantischen Schulhaltern 1795, worin sie klagten, dass die "gegenwärtigen höchst traurigen und kummervollen Zeiten, die besonders Individuen, deren Einnahme in ungleich besseren Jahren geschöpft worden ist, doppelt empfindlich ja fast unaushaltlich treffen ... Der Schulstand ist in solchen Zeiten um so trauriger daran, weil er nichts hat, womit er sich den Drang derselben erleichtere, wenn alle Lebensmittel in außerordentlichem Grade steigen, wenn Alter und Schwachheit seinen Nebenverdienst verschmälern, wenn Krankheiten sich seiner mit Kummer erfüllten Hütte nähern, ach wie elend und traurig nirgends einen Stab zu finden, an dem er sich aufrichte! ... Jeder Handwerker, Bauer bis auf den Taglöhner herunter, lässt sich nach Umständen teurer bezahlen; dieses aber ist bei dem Schulhalter nicht möglich ... Die Accidentien werden von Jahr zu Jahr weniger." Meistens gewährte die Stadt Augsburg in solchen Fällen bescheidene Zuwendungen, wovon Dankesbriefe an den Magistrat? zeugen.

Aus Kirchen kennt man die "Kirchenstöcke", Opferbehältnisse für Kirchenspenden. Das gab es auch für Schulen?. Man nannte die "Schul-Stöcke" und stellte sie ab dem Beginn des 18. Jahrhunderts in Kirchen auf. Darin wurden Spenden für Lehrer gesammelt. Um die Gläubigen zu Spenden für die Lehrer zu ermuntern, hielten die Priester und Pastoren an bestimmten Tagen im Jahr so genannte "Schulpredigten".

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bekamen besonders engagierte Schulhalter und Lehrer kleine finanzielle Belohnungen, um sie zu weiterem Lehreifer anzuhalten.

6 Kreuzer 1745, Bayern, mcsearch
Maximilian III. Joseph, Kurfürst von Bayern, 6 Kreuzer 1745, Bayern 1745. See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Angesichts der schlechten Einnahmesituation wundert es nicht, dass viele Augsburger Lehrer und Schulhalter Nebentätigkeiten nachgingen. Möglichkeiten gab es viele: Sie konnten nebenbei Waisen- oder Armenkinderhäuser verwalten, als Schreibmeister am Gymnasium bei Sankt Anna, als Pfründemeister in der Barfüßerpfründe?, als Stadtvogtschreiber, als Hausmeister am Collegium bei Sankt Anna?, als Proviant- oder Steuerschreiber, sogar als Handwerker, Notar, Hochzeitslader, Leichenbitter, als Musiker oder Sänger arbeiten, um ihre Einnahmenseite zu vergrößern. Klar ist, dass das weder die Obrigkeit noch die Schulordnung gern sahen. Die Schulordnung von 1803 z. B. wies darauf hin, dass die Schulhalter das Schulhalten "als ihren Hauptberuf mit aller gewissenhaften Treue also angelegen sein lassen" sollten. Allerdings waren Nebentätigkeiten anscheinend lukrativ, denn 1795 berichtete die Chronik für die Jugend? von einem Augsburger Lehrer, der seinen Beruf aufgab und als Kuhhirte doppelt so viel verdiente. Ähnlich negativ schrieb auch das Augsburger Intelligenzblatt? schon 1793 über die Bezahlung der Augsburger Pädagogen.

Um sein Gehalt aufzubessern, konnte ein Augsburger Lehrer, das erlaubte die Schulordnung, neben dem töglichen Unterricht zusätzlich bezahlten Unterricht geben, wohl eine Art Nachhilfeunterricht. Auch erlaubte man den Augsburger Lehrern eine "Privatschule" zu eröffnen, in der jene Kinder unterrichtet werden durften, die ihre Eltern einstmals zu früh aus der Schule genommen hatten.

Normalschulen

1770 setzte der Augsburger Fürstbischof Clemens Wenzelslaus? eine Kommission ein, deren Ziel es war, die bisherige Elementarschule zu verbessern. Man sollte im nahe gelegenen Dillingen? eine bessere Bürgerschule, eine so genannte Normalschule errichten. Gründungsrektor der Normalschule wurde Joseph Anton Schneller. Eröffnet wurde die neue Normalschule 1774 in Dillingen?. Ihre Hauptfächer waren Katechismus, Lesen, Schreiben, Rechnen und nützliche Weltkenntnisse. Dazu kamen bei Knaben Landwirtschaftskenntnisse und bei Mädchen das Fach Handarbeit.

Was aber machte die neue Normalschule weiter aus? Darüber schrieb Joseph Anton Schneller 1786 das Buch „Die Normalschule, wie sie sein sollte“. Darin stellte er u. a. die Forderung auf, dass die Wohnung des Schulmeisters seinem Amt angemessen sein sollte und die Schulzimmer gesund sein sollten, „weil dort der edelste Schatz der Gemeinden aufbehalten wird“.

Zu dieser Zeit gab es in Augsburg noch keine standortgebundenen Elementarschulen. Das bedeutete, dass die Schulstandorte ständig wechselten. Allerdings gab es an den Hauptstraßen selten Schulen?, denn dort wohnten die Kaufleute und Patrizier, die natürlich versuchten Lärm und Kinder von ihren Wohnungen fernzuhalten. Deshalb lagen die meisten Schulen? damals in abgelegeneren Gassen. Das hatte dann oft Visitationsberichte wie diesen von 1774 zur Folge: „Es ist zu bedauern, dass dieser Mann in einer so engen und dumpfen Werkstatt mit einer ziemlich großen Anzahl Kinder des Tages etliche vier Stunden zubringen muss, da seine Lehrlinge gleichsam aufeinander gepackt, sich kaum rühren können und weil sie so nahe und gedrungen beieinander sitzen, um so viel eher Gelegenheit haben, durch unnützes Plaudern die Zeit zu verderben.“ Dabei forderte die Schulordnung von 1773 „… dass seine Schulstube immer reinlich, und in keinem Stücke der Gesundheit der Kinder nachteilig sei“.

Aber Anspruch und Wirklichkeit klafften damals weit auseinander. Deshalb setzte sich der Augsburger Fürstbischof 1783 sogar in einem Hirtenbrief für die Verbesserung der Elementarschulen ein. Zum einen forderte er in dem Brief weitere neue Schulen?, zum anderen einen regelmäßigen Schulbesuch der Kinder, denn "die beste Erbschaft, die von Eltern auf Kinder kommen kann, besteht darin, dass diese in ihren jungen Jahren all´ das gelernt haben, was ihnen fürs ganze übrige Leben Zierde, Schutz und Hilfe sein kann".

1803 war es dann soweit: Damals wurde die Martinsschule? mit der beim Dom Unserer Lieben Frau neu gegründeten "Normal- oder Hauptschule" vereint. Die Schüler wurden in den Anfangsgründen der lateinischen Sprache unterrichtet, konnten aber gleichzeitig auch eine rein deutsche Ausbildung absolvieren. 1806 hatte diese Normalschule 160 Schüler, von denen 63 in Latein Unterricht erhielten.

Realismus und Utilitarismus

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, so wird deutlich, setzten sich auch im Schulwesen immer stärker Utilitarismus und Realismus durch. Zumindestens im höheren Schulwesen Augsburgs. Um einiges weniger deutlich konnten diese beiden Zeitströmungen in den deutschen Schulen Fuß fassen. Immer noch stand in der deutschen Schule der Elementarunterricht als Hauptaufgabe auf der Agenda. Man meinte, es reiche, den Schülern Rechnen, Lesen, Schreiben und eine religiöse Erziehung mit auf den Weg zu geben. Weiterführende Bildung, so glaubte man, sei Aufgabe der Gymnasien bzw. der "Stadtschule".

Das lässt sich noch in der Schulordnung von 1773 lesen: "Weil es übrigens manchen Knaben, der im Begriff steht, die deutsche Schule zu verlassen, um Kaufmann, Gewerbetreibender, Handwerker oder Künstler zu werden, großen Nutzen bringen dürfte, wenn derselbe, in gemein nützlichen Wissenschaften, dergleichen in Zeichnen, in der Mathematik, in Geographie und lebenen Sprachen unterrichtet werden könnte, so wird hiermit die wohltätige Verordnung bekannt gemacht, daß von nun an allen denjenigen Knaben der deutschen Schulen, welche Lust haben in den erwähnten Kenntnissen weiter geführt zu werden, als dann, wenn sie nach vorher gegangener Prüfung, tüchtig erfunden wurden, die deutschen Schulen zu verlassen, auf geziemendes Ansuchen ihrer Eltern und Vorgesetzten bei den verordneten Herren Scholarchen, die Erlaubnis gegeben werden soll, jene Lehrstunden des Gymnasiums, für ein gewisses Lehr-Geld, welches, nachweislich armen und fähigen Köpfen, auch wohl aus milden Stiftungen gereicht werden möchte, zu besuchen und zur Zubereitung auf ihre künftige Lebensart nutzen zu dürfen."

Weil durch diese Bestimmung in der Schulordnung von 1773 die deutschen Schulen Schüler und damit auch Schulgeld verloren, taten sie alles, um diese Neuerung und Durchlässigkeit des Bildungssystem zu boykottieren.

Das Ende des 18. Jahrhunderts war auch in Augsburg die Zeit, in der pädagogische Fragen immer häufiger in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit diskutiert wurden, man Reformen forderte oder ablehnte, Bildungskonzepte erstellte und wieder verwarf. Deutlich wird in allen Diskussionen die immer stärkere Forderung des Bürgertums? nach einer stärkeren Ausrichtung des Bildungsplans an den Realien. So forderten z. B. die Augsburger Kaufleute schon 1795 die Einrichtung einer Handelsschule, um ihren Nachwuchs besser ausbilden zu können. Damals schlug Hieronymus Andreas Mertens, der Rektor des Gymnasiums bei Sankt Anna noch vor, die einfache und doppelte Buchführung in einem Sonderkurs an der Stadtschule bei Sankt Anna? zu unterrichten, ein Vorschlag, den die kommende Zeit überholte.

Lehrerausbildung

Vor Ausgang des 18. Jahrhunderts ist keine Augsburger Institution zur Ausbildung von Lehrern bekannt, man gab den Beruf meist in der Lehrerfamilie weiter. Erst Hieronymus Andreas Mertens, der Rektor des Gymnasiums bei Sankt Anna setzte sich für ein eigene Lehrerseminar in Augsburg ein. 1773 erhielt er die Genehmigung, am Gymnasium bei Sankt Anna ein solches Seminar für Lehrer deutscher Schulen und die unteren Klassen des Gymnasiums auszubauen. Anfangs bildete Mertens die Lehrer ein Jahr aus, später drei Jahre. Die Ausbildung war stark praxisorientiert, Theorie wurde wenig vermittelt.

1803 schrieb die Augsburger Schulordnung den Besuch eines Lehrerseminars für angehende Pädagogen und ein anschließendes Examen verbindlich vor. Das Scholarchat verlieh einem Lehrer, der die Prüfung bestanden hatte, eine so genannte "Signatur", was Lehrbefähigung und Lehrerlaubnis in Augsburg bedeutete. In dieser Schulordnung von 1803 waren auch die Eigenschaften eines Lehrers deutlich beschrieben. Er musste "mehr als gemeine Kenntnisse und Fertigkeiten" haben, Freude am Unterrichten haben, die "richtigen" Unterrichtsmethoden anwenden und mit weniger Begabten Geduld haben. Dazu war auch ein ordentlicher Lebenswandel gefordert. Wer neu in das Schulamt kam, hatte dazu noch viele kleinere Pflichten zu erfüllen, wie etwa eine vakante Schulstelle kostenlos mitzuversorgen.

Weil damals der Unterricht in Augsburg noch einklassig verrichtet wurde, d. h. Kinder der unterschiedlichsten Jahrgänge in einem Raum unterrichtet wurden, kam ein Lehrer schnell an seine Grenzen. So war es üblich, dass die Frau des Lehrers im Unterricht mithalf, soweit dies ihr Haushalt zuließ. Erstmals gab es in der Schulordnung von 1748 darüber Bestimmungen. Hier wurde festgelegt, in welchen Grenzen die Lehrerfrauen mitunterrichten durften. In Visitationsberichten des 18. Jahrhunderts wird immer wieder die Tüchtigkeit der Lehrerfrauen herausgestellt. Daneben halfen in der Schulstube oft auch Söhne und Töchter der Schulmeister, die sich so auf die spätere Übernahme der Schulstelle vorbereiteten. 1803 erlaubte die Schulordnung auch die Anstellung von Gehilfen, sobald die Zahl der anvertrauten Kinder die Kräfte des Lehrers überforderten.

Philanthropie

Besonders die pädagoischen Impulse der Aufklärung hatten im ausgehenden 18. Jahrhundert Einfluss auf das Augsburger Schulwesen. Man orientierte sich an Philanthropen wie den Pädagogen Salzmann, Basedow, Campe, Trapp oder Rochow. Diese betonten das natürliche Lernen in Verbindung mit Freude und Engagement. Sie entwarfen und beschritten neue pädagogische Wege.

Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, schickten die Augsburger Beobachter zu Salzmann, der in der Chronik für die Jugend? von seinen Erfahrungen bei dem philanthropischen Pädagogen berichtete. Salzmann behandele seine Kinder mit geduldigster Liebe, schicke sie in die Natur, fordere sie zum Erfahrungsaustausch auf, lasse sie körperliche Übungen vollführen usw. Die Kinder würden zu Entdeckerfreude, Selsttätigkeit und Selbständigkeit erzogen. Man spüre den Einfluss von Rousseaus "Emile" von 1762. Besonders die Chronik für die Jugend? setzte sich damals in Augsburg für eine philanthropisch orientierte Pädagogik ein und brachte immer wieder Beispiele von Lehrern, die in diesem Sinn unterrichteten.

19. Jahrhundert

Schulordnung von 1803

Die Schulordnung von 1803 ging u. a. auf die Pflichten der Eltern gegenüber der Schule ein. Sie stellte fest, dass die Bemühungen der Lehrer ins Leere gingen, wenn nicht die Eltern am gleichen Strang zögen. Sie wurden aufgefordert, ihre Kinder in die Schule zu schicken, denn was in der Jugend versäumt werde, könne später nicht nachgeholt werden. Die öffentlichten Schulen seien nicht teuer und armen Eltern könne durch milde Stiftungen geholfen werden, so dass die Kinder dieser Eltern kostenlos unterrichtet würden. Eltern wurden gerügt, wenn sie ihre Kinder am Schulbesuch hinderten oder ihren Schulfleiß nicht unterstützten bzw. sie die Kinder zu früh wieder aus der Schule nahmen.

Diesen Bestimmungen, Ermahungen und Geboten der Schulordnung von 1803 gingen Erfahrungen am Ende des 18. Jahrhunderts voraus. So beschwerten sich z. B. 1768 protestantische Schulmeister beim Scholarchat über Schüler, die sich nicht zu benehmen wüssten, hinter denen aber die Eltern stünden, so dass die Schüler über die Lehrer herfallen würden und sie "nicht besser als ihren Sklaven und Knecht behandelten". Man stellte also einen "großen Verfall der Kinderzucht" in Augsburg fest. Schuld gab man den Eltern, die ihre Kinder in ihren Unarten unterstützten. Deshalb appellierte man an sie, die Lehrer zu unterstützten statt sie zu desavouieren. Vor allem sollten Eltern vor ihren Kindern nicht schlecht über Lehrer sprechen. Bei berechtigten Beschwerden sollten die Eltern mit den jeweiligen Lehrern oder den Visitatoren sprechen.

Schon im "Namens-Büchlein" von 1766 und dann im "Buchstabier- und Lesebüchlein" von 1779 wurden Kinder auf das richtige Verhalten in der Augsburger Schule hingewiesen. Die so genannten "Zucht-Regeln" beschreiben einen rundum idealen Schüler, der fleißig, fromm und höflich ist. Sie gipfeln darin, dass die Schüler ihren Lehrer "lieben und ehren und, wo sie ihm Gutes und Liebes erweisen oder vergelten können, solches mit Freuden tun" sollen.

Mädchenbildung

Bis ins 19. Jahrhundert hinein hielt man die Mädchenbildung für nicht besonders wichtig. Ausnahmen wie Mary Poyntz, die 1662 in Augsburg eine "Höhere Töchterschule" als "Stätte für eine höhere weibliche Bildung" gründete, bestätigen die Regel (Maria-Ward-Gymnasium und Maria-Ward-Realschule Augsburg). Für protestantische Mädchen gab es in Augsburg lange Zeit nichts Entsprechendes. Im günstigsten Fall besuchten die Augsburger Mädchen die deutschen Schulen, wo sie ungefähr die Zahlen der Jungen erreichten. Weil aber die Eltern für Mädchen nur ein wenig Rechnen, Lesen und Schreiben für genügend erachteten, nahmen sie Mädchen viel früher als Jungen aus den Elementarschulen. So sparten die Eltern Schulgeld und die Mädchen konnten im Haushalt helfen, denn die Erziehung zu einer guten und tüchtigen Hausfrau wurde für Mädchen als das A und O betrachtet. Gesellschaftlich verurteilte man Gelehrsamkeit der Mädchen, Tändelei, Mode und Spielwerken. Mädchen sollten stattdessen nähen, flicken, stricken, waschen, kochen, putzen, die Dienstboten beaufsichtigen, einkaufen etc. Dazu kam meist noch eine Kinderschar, die für viel Arbeit sorgte.

Simon Glücklich Hausaufgabe
Hausaufgabe by Simon Glücklich [Public domain], via Wikimedia Commons

So hielt man eine Erziehung der Mädchen vom sechsten bis zwölften Lebensjahr für ausreichend, Lesen, Schreiben, Berechnen der Ausgaben im Haushalt, Unterricht in den haushaltsgeschäften und der Religion - das reichte nach allgemeiner damaliger Auffassung. Nur Mädchen der höheren Stände wurden für würdig gehalten, mitunter noch Musik, Zeichnen, Tanzkunst, etwas Französisch für gesellschaftliche Verpflichtungen zu erlernen.

Diese Sicht begann sich Anfang des 19. Jahrhunderts zu erweitern. So kam damals unter den Protestanten in Augsburg eine Diskussion über eine weiterführende Mädchenbildung in Gang. So taten sich der Diakon von Sankt Anna, der Rektor des Gymnasiums bei Sankt Anna und ein Gymnasiallehrer zusammen und veröffentlichten im Dezember 1802 eine "Nachricht, die Errichtung einer Töchterschule betreffend". Darin behaupteten sie, dass in der Bürgerschaft? von Augsburg schon länger Überlegungen stattfänden, dem weiblichen Geschlecht mehr Kenntnisse und Fertigkeiten als bisher zu vermitteln und Mädchen gewidmete Schulen? zu errichten. Die drei Pädagogen schlugen vor, eine Töchterschule für Mädchen von elf bis 14 Jahren zu errichten, sie in den geräumigen und hellen Zimmern des oberen Stockwerks des Rektoratshauses bei Sankt Anna einzurüchten. Inhalt des weiterführenden Unterrichts sollten Religion, Moral, nützliche Kenntnisse fürs gemeine Leben, das richtige Lesen, Schreiben und Rechnen, Zeichnen und Unterricht in einigen weiblichen Arbeiten sein.

Schon nach wenigen Wochen begann der Unterricht mit 15 Schülerinnen. Anna Barbara von Stetten? war von den Reformbemühungen so angetan, dass sie beschloss, diese mit finanziellen Mitteln zu unterstützen. So bestimmte sie in ihrem Testament von 1803 mit Nachträgen 1805, mit ihrem Geld 106 Stiftungen und Legate für wohltätige Zwecke zu errichten. Darunter waren eine Stiftung für arme Schulkinder und eine zur Verbesserung der Einnahmen von deutschen Schulmeistern. Dazu bestimmte sie die Gründung des A. B. v. Stettenschen Instituts. Es sollte eine bürgerliche Töchterschule, ein Pensionat und eine Aussteueranstalt sein. Eröffnet wurde das Institut am 2. Januar 1806 mit einer Direktorin, einem Lehrer, einem Schreib- und Rechenmeister, einer Aufseherin, einer Lehrerin für Handarbeiten und 21 Schülerinnen. Unterichtete man anfangs Religion, gemeinnützige Kenntnisse, Schön- und Rechtschreiben, Rechnen, Gedächtnisübungen und Handarbeiten, ergänzte man das Angebot schon wenige Monate später mit Geschichte, Zeichnen und Französisch. 1809 erfolgte die Anerkennung der "Töchter-Erziehungs- und Unterrichtsanstalt" vom bayerischen Staat als "Anstalt für höhere weibliche Bildung".

Sonntagsschule

Schon 1788 hatte Rektor Mertens am protestantischen Gymnasium bei Sankt Anna eine Sonntagsschule geplant, in die jene Kinder gehen sollten, die am normalen Werktagsunterricht nicht teilnehmen konnten oder durften. 1801 setzte sich der neue Rektor Beyschlag erneut für die Idee ein und konnte schon bald mehr als 100 Kinder beider Konfessionen in seiner Sonntagsschule unterrichten. Unterrichtet wurden Lesen, Schreiben, Rechnen und Grundbegriffe der Religion. Der Unterricht war kostenlos und fand an Sonn- und Feiertagen vormittags statt. Das Konzept stellte Rektor Beyschlag 1803 in seiner Broschüre "Etwas über die Sonntagsschulen" vor.

Die Augsburger Sonntagsschule bestand jedoch nur bis 1811, denn die königlich-bayerische Schulkommission griff ein und bestimmte, dass ab diesem Zeitpunkt nur noch Schüler an Sonn- und Feiertagen unterrichtet werden durften, die vorher die Werktagsschule besucht hatten. Damit einher ging auch eine konzeptionelle Neuausrichtung hin zu einer Berufsschule.

Bayerisches Schulwesen

1799 kam von dem Stadtpfleger? Paul von Stetten? der Vorschlag, eine "Schuldeputation" mit eigenen Visitatoren zu gründen. Sie sollten die protestantischen Schulen? visitieren und dem Stadtrat Verbesserungsvorschläge machen. Das geschah und die Berichte beklagten generell einen schlechten Zustand der Schulen?. Kinder würden vom Besuch der Schule ferngehalten und die Eltern zahlten das Schulgeld entweder säumig oder gar nicht.

Deshalb kam es am 18. Oktober 1801 in allen protestantischen Augsburger Schulen? zur Verlesung der "Intimation einiger obrigkeitlicher Verordnungen, die Verbesserung des hiesigen Schul- und Erziehungswesens" betreffend. Damit glaubte man den Anfang der Verbesserung des evangelischen Schulwesens in Augsburg eingeleitet zu haben. Es folgte eine lange Liste von Verordnungen und Verpflichtungen, die dadurch überwacht werden sollten, dass die Schulhalter eine Schülerliste anzulegen hatten, in der entsprechende Eintragungen zum Verhalten der Schüler gemacht werden mussten. Ein weiterer Schritt der Verbesserung der schulischen Zustände in den protestantischen Augsburger Schulen? sollte die 1803 erschienene Schulordnung sein, die auf der Schulordnung von 1773 fußte und nur an einigen Stellen darüber hinausging.

Wie sah es derweil auf katholischer Seite aus? Noch immer galt hier die Schulordnung von 1673 als Grundlage, im Jahr 1731 durch eine "Lehr-Art" ergänzt, der man 1732 eine Anweisung zur "Rechen-Kunst" und zum "Schreiben" hinterherschickte. Bis 1803 sind auf katholischer Seite keine weiteren Schulordnungen oder Verordnungen zum Augsburger Schulwesen bekannt.

Im Friedenschluss von Pressburg sprach man Augsburg dem Königreich Bayern? zu. Die Reichsstadt? ging am 26. Dezember 1805 in Bayern auf und verlor damit ihre Selbständigkeit. Das hatte natürlich auch für das Augsburger Schulwesen gewaltige Auswirkungen. Zwar blieb das Scholarchat nach einer königlichen Verordnung vom 16. Oktober 1806 noch provisorisch tätig, doch musste es sich bei allen seinen Handlungen mit der Organisations-Kommission oder der königlich bayerischen Landesdirektion von Schwaben in Ulm abstimmen.

Bratislava Castle, mid-1800s
Die ausgebrannte Burg von Bratislava (Pressburg) 1864 von Ludwig Rohbock [Public domain], via Wikimedia Commons

1807 übernahm der königlich bayerische Verwaltungsrat das Augsburger Schulvermögen (424.000 fl. des katholischen und 340.000 fl. des protestantischen Schulfonds). 1808 übertrug man die Aufsicht über das Schulwesen Schwabens dem königlichen Schulrat Dr. Heinrich Stephani und 1811 setzte man den Augsburger deutschen Schulen die königliche Lokal-Schul-Kommission als Dienstbehörde vor, um sie zehn Jahre später durch Bezirks-Schul-Inspektoren abzulösen. Man führte in Augsburg den bayerischen Schulplan ein und unterteilte jede Elementarschule in je sechs Klassen und trennte die Geschlechter. Die Umsetzung zog sich in Augsburg jedoch einige Jahre hin.

Da 1773 der Jesuitenorden? aufgehoben worden war, führten ehemalige Jesuiten? seit dieser Zeit Sankt Salvator als Weltpriester weiter. Nach dem Übergang Augsburgs an Bayern hob der Staat das Kolleg Sankt Salvator auf und vereinigte es mit dem Gymnasium bei Sankt Anna zu einem simultanen Gymnasium bei Sankt Anna. Es handelte sich also um ein paritätisches Gymnasium, weshalb es einen protestanischen Rektor und einen katholischen Konrektor erhielt. Man zählte 93 katholische und 68 protestanische Schüler. Erst 1828 konnte durch die Stiftung des Kaufmanns Simon Genève ein neues katholisches Gymnasium ermöglicht werden, wozu man die Räumlichkeiten des ehemaligen Damenstifts Sankt Stephan nutzte, das seit der Säkularisation militärisch genutzt wurde. Nach der Einrichtung dieses katholischen Gymnasiums führte man das Gymnasium bei Sankt Anna wieder als rein protestantische Schule?. König Ludwig I.? machte die Benediktiner? wieder in Augsburg heimisch und ließ am 5. November 1835 die Benediktinerabtei Sankt Stephan eröffnen, der das Gymnasium bei Sankt Stephan und das Studienseminar Sankt Joseph? angegliedert wurden.

In allen Augsburger katholischen Schulen? gab es Sonntagsschulen - genau wie bei den protestantischen Schulen? (Ausnahme: Pfarrei Heilig Kreuz). Stellt man die Schulverzeichnisse von 1818/19 und 1854/55 gegenüber, fällt auf, dass zwar die Zahl der Werktagsschulen gleich geblieben war, sich die Schüleranzahl in dieser Zeit jedoch etwa verdoppelt hatte. Das bedeutete, dass die Schulhäuser in Augsburg in der Zwischenzeit viel zu klein geworden waren.

Weiterentwicklungen

In der Mitte des 19. Jahrhunderts waren folgende "besondere Lehr- und Erziehungs-Anstalten" erwähnenswert in Augburg:

Im Schuljahr 1828/29 hatten auch das Kloster Sankt Ursula und das Kloster Maria Stern mit der Mädchenbildung begonnen, nachdem sowohl die Schwestern vom Orden des hl. Dominikus im Kloster Sankt Ursula wie auch die vom Orden des hl. Franziskus im Kloster Maria Stern bis 1803 ein zurückgezogenes kontemplatives Leben geführt hatten. Weil aber in der Säkularisation der Bestand dieser Orden auf dem Spiel stand und der Klosterbesitz an die Stadt Augsburg fiel, mussten sich die Schwestern umorientieren und ihre Nützlichkeit für die Gesellschaft beweisen. Im vorderen Gästehaus des Klosters Maria Stern hatte man ein Schulhaus mit Lehrerwohnung gegen den Willen des Ordens eingerichtet und mit protestantischen Schülern den Unterricht begonnen. 1828 setzte König Ludwig I.? den Orden jedoch wieder in seine Rechte ein, führte eine Wiedergutmachung durch und bestimmte, dass die Franziskanerinnen wie die Dominikanerinnen in Augsburg der katholischen Mädchenbildung widmen und dafür Lehrerinnen ausbilden sollten. Deshalb begannen die Schwestern schon 1829/30 im vorhandenen Schulhaus den Werktagsschulunterricht für Mädchen aus der Pfarrei Sankt Moritz und dem Distrikt H der Pfarrei Sankt Maximilian.

Ebenfalls 1829/30 begann das Kloster Sankt Ursula eine Volksschule für Mädchen. Sie kamen aus der Pfarrei Sankt Ulrich? und dem Distrikt D der Pfarrei Sankt Maximilian. 1830 schloss man beiden Schulen? so genannte "Industrieschulen" an, was den Unterricht in Handarbeiten bedeutete. Kamen die ersten Lehrerinnen noch aus dem Institut der Englischen Fräulein, so bildeten die beiden Ordensgemeinschaften aber schon nach wenigen Jahren eigene Lehrerinnen in Augsburg aus. 1854 erbauten die Schwestern von Maria Stern auf ihrem Klostergrund ein neues Schulhaus im Anschluss an ihr Kloster, das im Grundzug auch heute noch so besteht.

1833 eröffnete im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses die "Königliche Gewerbe- und Landwirtschaftsschule", deren Unterricht zunächst in den Fuggerhäusern der Maximilianstraße stattfand, um dann 1834 in das Dominikanerinnenkloster Sankt Katharina umzuziehen. Neun Jahre später schloss zwar ihre landwirtschaftliche Abteilung wieder, doch eröffnete man im Schuljahr 1846/47 eine eigene Handelsabteilung in der Schule. Das bedeutete einen zusätzlichen kaufmännischen Unterricht, die Umbenennung in "Königliche Kreisgewerbeschule" und eine Reorganisation 1864, die den allgemeinbildenden Charakter der Schule stärkte. Von 1864 bis 1877 gehörte auch die Handwerks-Feiertagsschule und die Gewerbliche Fortbildungsschule zur Königlichen Kreisgewerbeschule.

Ebenfalls 1833 wurde in Augsburg die Königlich-Polytechnische Lehranstalt gegründet. Fächer hier waren Zeichnen, Bossieren, Modellieren, Mathematik, Geometrie, Physik, Chemie, Zivilbaukunde, Wasser-, Brücken- und Straßenbau sowie die Geschichte der Gewerbe. In dieser Schule ging die schon bestehende Kunstschule, eine Vorschule für die Königliche Akademie der Künste in München auf. Das Polytechnikum wurde jedoch schon 1864 wieder aufgelöst und durch eine zweikursige Maschinenbauschule ersetzt, die auf das Studium an einer polytechnischen Anstalt vorbereitete.

1864 nahm das Realgymnasium in den Räumen des Katharinenklosters? seinen Schulbetrieb auf.

1870 löste man die zweikursige Maschinenbauschule auf und ersetzte sie durch eine erweiterte Industrieschule. Mit ihr wollte man junge Menschen auf die Leitung von Gewerbe- oder kleineren Fabrikbetrieben vorbereiten bzw. ihnen die Grundlage für ein Studium an einer Technischen Hochschule an die Hand geben.

1871 wählte Augsburg zum ersten Mal einen Stadtschulrat?. Er hieß Ludwig Bauer? und setzte sich tatkräftig für die Verbesserung des Augsburger Schulwesens ein. Besonders im Bereich der Volksschulen setzte er sich für viele Neubauten ein. Sein Nachfolger Dr. Maximilian Löweneck knüpfte in Augsburg ein dichtes Netz verschiedener Schulzweige. Beide Stadtschulräte hatten auf dem Gebiet des Schulwesens einige Eingemeindungen zu bewältigen - von Siebenbrunn über Oberhausen, Pfersee, Lechhausen, Hochzoll bis Kriegshaber.

Im Schuljahr 1877/78 erfolge die Umwandlung der Kreisgewerbeschule in eine sechsklassige Kreisrealschule. Ziel waren Schüler, die eine gediegene wissenschaftliche Ausbildung ohne Studium anstrebten. Ein Jahr später gründete der damalige Handelslehrer der Gewerbeschule Johannes Stahlmann im Haus A 316 am Wollmarkt eine Handelsschule. Es war eine private Lehranstalt, die eine Fortbildungsschule für Handlungslehrlinge, eine Höhere Bürgerschule und eine Höhere Handelsschule umfasste.

Unter dem Augsburger Schulrat? Ludwig Bauer? kam es wie angedeutet in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu etlichen Volksschul-Bauten. So wurden in dieser Zeit die folgenden Schulen eingeweiht:

Weitere Schulgründungen:

1892 eröffnete das heutige Maria-Theresia-Gymnasium? als "Städtische Töchterschule" mit drei Jahreskursen. 1893 errichtete man die Städtische Baugewerkschule, die Baumeister und Bautechniker ausbildete, 1901 in vier Abteilungen fast 200 Schüler zählte und 1910 in eine fünfklassige Bauschule transferiert wurde. 1905 gründete sich mit Unterstützung des Augsburger Gewerbevereins die Städtische Handwerkerschule, die 1911/12 durch die Angliederung der Fachschule für Maschinenbau und Elektrotechnik erweitert und mit dem Namen "Gewerbliche Fachschule" ausgestattet wurde.

20. Jahrhundert

Bis 1933

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließen sich die Augsburger Pädagogen von der Tendenz zur Arbeitsschule beeindrucken, die bedeutende Schulreformer wie Georg Kerschensteiner förderten. In Augsburg war es besonders der Schulrat? Dr. Maximilian Löweneck, der sich für diese pädagogische Reform einsetzte und sie an der Elias-Holl-Schule? ab 1908 exemplarisch umsetzen konnte.

Leider bedeutete der Erste Weltkrieg zwischen 1914 und 1918 für das Schulwesen Augsburgs einen großen Einschnitt, denn schon bald waren die Hälfte aller Augsburger Schulräume in Truppenunterkünfte oder Lazarette verwandelt. Weil etwa die Hälfte der männlichen Lehrkräfte eingezogen wurden, konnte nur noch ein Notunterricht aufrechterhalten werden, Turnhallen wurden zweckentfremdet, Kinder wurden auf Ferienhorte auf dem Land verschickt.

1919 erließ die Stadt Augsburg eine Verordnung über die Bildung von Lehrerräten an den Schulen?. Sie sollten an der Schulleitung mitwirken, die Ordnung im Schulhaus aufrechterhalten, die Standesinteressen der Lehrer vertreten. Ab 1920 konnte der Schulrat? Dr. Maximilian Löweneck seine Reformversuche in Augsburg wieder aufnehmen, bis er 1932 pensioniert wurde und 1933 die Nationalsozialisten? die Macht in Deutschland übernehmen und allen schulischen Reformen ein Ende setzten.

Es gab damals mehr als 440 Volksschulklassen in Augsburg und die Stadt hatte die Volksschulpflicht von sieben auf acht Jahre erhöht. Weil es im Stadtgebiet viele neue Volksschulen gab, war es gelungen, die durchschnittliche Schülerzahl auf 38,5 zu reduzieren.

Nazizeit und Zweiter Weltkrieg

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten? 1933 wurde eine eigenständige Augsburger Schulentwicklung unmöglich, denn die Nazis zentralisieren und vereinheitlichten reichsweit die Schulen?. 1932 hatte man Ludwig Pflanz? zum Stadtschulrat? ernannt, dem 1934 Heinz Zwisler? folgte. Er ließ bis 1938/39 alle konfessionellen Bekenntnisschulen in Gemeinschaftsschulen umwandeln. Gleichzeitig wurde ein neuer Lehrplan eingeführt, der Englisch, Mathematik und Religion zugunsten von Leibeserziehung, Biologie und Deutsch kürzte.

Auch der Zweite Weltkrieg schädigte das Augsburger Schulwesen schwer. Zum einen belegte das Militär zahlreiche Schulgebäude und im Bombenhagel der alliierten Angriffe gingen später viele Schulhäuser in Flammen auf. Dazu kamen die Einberufungen von Lehrern, so dass der Stundenplan immer weiter reduziert wurde. In den Jahren 1944 und 1945 evakuierte man Tausende Augsburger Kinder aufs Land. Ebenfalls 1944 wurde die städtische Lehrmittelverwaltung zerstört. Und 1945 wurde die Stadtbildstelle, die damals im Rückgebäude der Höheren Handelsschule in der Jesuitengasse untergebracht war, mit etwa 800 Filmen und 1.000 Lichtbildreihen ein Raum der Flammen.

Das Schulwesen Augsburgs nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufzubauen, dauerte Jahrzehnte. Turnhallen und Schulen? mussten entweder renoviert oder ganz neu aufgebaut werden, denn nach dem Krieg waren mehr als 140 Schulsäle in Augsburg zerstört. Der Wiederaufbau begann schon im September 1945 und weil es kaum Bauarbeiter gab, halfen viele Lehrer freiwillig beim Renovieren. Schon 1947 konnten 69 Schulsäle zu den noch bestehenden genutzt werden. Das städtische Bauamt? konnte erst 1948 mit dem Wiederaufbau und Instandsetzungen beginnen. Stadtschulräte? in dieser Zeit waren zunächst Dr. Otto Feller, dann Peter Schwister und ab Mitte 1946 Franziska Wittmann.

Wiederaufbau

1945 waren nur noch etwa die Hälfte der Augsburger Schulsäle (182) erhalten. 13.547 Volksschulpflichtige mussten in ihnen untergebracht werden. Das bedeutete, dass im Durchschnitt etwa 140 Kinder in einem Schulsaal untergebracht werden mussten, weshalb sich damals drei bis vier Klassen einen Schulsaal teilen mussten.

Weil von vier früheren Lehrern drei entweder wegen ihrer Parteizugehörigkeit, Kriegsgefangenschaft oder Tod nicht mehr ihren Dienst antreten konnten, herrschte großer Lehrermangel.

Besonders getroffen hatte es die Augsburger Berufsschulen. Von fünf Schulgebäuden mit 30 Schulsälen waren vier Schulgebäude und 25 Schulsäle zerstört. Außerdem wussten die Amerikaner mit Berufsschulen nichts anzufangen, weil ihr Bildungssystem sie nicht kannte. So genehmigte die Besatzungsmacht erst am 13. November 1945 den Betrieb von Berufsschulen, nachdem die deutsche Seite ihr den Sinn und die Bedeutung klar gemacht hatte. Allerdings konnte nur ein Bruchteil derer, die eine Berufsschule besuchen wollten, in der Schule am Zeugplatz? unterrichtet werden.

Wie schwierig die Verhältnisse im damaligen Augsburger Schulwesen waren, geht aus den Jahresberichten des Augsburger Schulamts? hervor. Berichtet wurde darin, dass Kinder wegen schlechter Schuhe im Winter der Schule fernbleiben mussten, dass an den Fenstern Vorhänge fehlten, die Bauarbeiten für starken Lärm in den Schulräumen sorgten, Unterrichtsstunden wegen Kohlenmangel ausfallen mussten, bei den Kindern Ernährungsstörungen, Krätzebefall und anderes festzustellen war.

Nur langsam besserten sich die Schulverhältnisse: Bis 1948 investierte man in das Augsburger Schulwesen 12. Mio. Reichsmark. Im Schuljahr 1947/48 mussten sich nur noch zwei bis vier Klassen einen Schulraum und zwei bis drei Klassen einen Lehrer teilen. Schulräume wurden von 8 bis 17 Uhr belegt und die Klassenstärken lagen bei 54 bi 68 Schüler.

1954 war die städtische Lehrmittelverwaltung wieder so weit aufgebaut, dass jede Schule hinreichend mit Lehrmitteln wie Wandkarten, Lehrer- und Schülerbüchereien, Anschauungsbildern etc. ausgestattet war. Ebenfalls in dieser Zeit gelang es, die Stadtbildstelle wieder in Betrieb zu nehmen. Bis 1952 sammelten die Lehrkräfte von den Schülern "Filmgeld", um den Wiederaufbau der Stadtbildstelle zu gewährleisten, ab 1952 bestand dann Lernmittelfreiheit.

Nach dem Krieg hatte die amerikanische Besatzungsmacht in Augsburg das "Education-Service-Center" gegründet. Diese Einrichtung wurde nun als pädagogische Arbeitsstätte vom Schulamt? übernommen, um Fortbildungen für Lehrkräfte anzubieten.

1960er bis 1980er Jahre

1969 ordnete man das Volksschulwesen neu, indem man auf Grundschulen und Hauptschulen umstellte und das neunte Schuljahr einführte. Neben den Bekenntnisschulen fielen damit auch reine Knaben- und Mädchenschulen weg. Durch Rationalisierung und Vereinheitlichung war es möglich, dass erstmals seit Jahren wieder jeder Volksschulklasse ein Klasslehrer zugeteilt werden konnte.

In den 1970er Jahren zogen viele ausländische Gastarbeiterfamilien nach Deutschland und viele blieben in Augsburg zur Arbeit. Das wirkte sich auch in der Zusammenstellung der Schüler in den Augsburger Schulen? aus. So kamen im Schuljahr 1982/83 mehr als 5.000 Schüler Augsburger Schulen? aus anderen Ländern, wobei die türkischen Kinder mit mehr als 3.100 Schülern den Hauptanteil bildeten, gefolgt von jugoslawischen und italienischen Kindern.

Diese 1970er Jahre waren für den Augsburger Stadtrat und den damaligen Oberbürgermeister? Hans Breuer? eine große Herausforderung, so dass sie den Schulbereich zu einem Schwerpunkt Augsburger Investitionen machten.

Als 1976 der damalige Stadtschulrat? Dr. Nübling in den Ruhestand trat, beerbte ihn der spätere Oberbürgermeister? Dr. Peter Menacher?, der sich zunächst begonnener Bauvorhaben annehmen musste:

Unter seiner Ägide wurde dann der Neubau der Fachhochschule angegangen, durch Kauf und Umbau des so genannten Dillmann-Hauses? in der Frölichstraße erhielt das Maria-Theresia-Gymnasium? ein Kollegstufengebäude. Statt auf Neubauten setzte Peter Menacher? mehr auf Qualitätsverbesserungen und Generalsanierungen, etwa bei den Schulen? am Roten Tor, der Kapellenstraße, der Ulmer Straße, der Flurstraße, am Kappeneck etc.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit in dieser Zeit war der systematische Ausbau des gegliederten Schulwesens in Augsburg mit Neugliederung der Berufsschulen, Errichtung einer Schule für Erziehungshilfe ... so dass bald ein breites Angebot von Wahlmöglichkeiten bestand.

Weblinks


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