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Schülesche Kattunfabrik

Stammhaus der Augsburger Textilindustrie?; eine der ältesten Fabriken Deutschlands und bedeutendes Beispiel dafür, dass in Augsburg der Denkmalschutz? immer wieder von widerstreitenden Interessen ausgehebelt wird

Schülesche Kattunfabrik
Fassade der ehemaligen Schüleschen Kattunfabrik (heute Hochschule Augsburg). 2009 by Sascha Pöschl (Mailtosap) (Own work (Original text: selbst erstellt)) [Copyrighted free use], via Wikimedia Commons

Allgemeines

Die Schülesche Kattunfabrik war ein Fabrikgebäude im Stil eines vereinfachten Barockschlosses. Heute steht nur noch der Ostteil der Schüleschen Kattunfabrik mit der denkmalgeschützten Fassade. Von dem Süd- und Nordtrakt der ehemaligen Dreiflügelanlage ist nichts mehr erhalten.

An den historischen Kopfbau der Schüleschen Kattunfabrik hat man für die Hochschule Augsburg neue Seitenflügel aus Glas errichtet. Dort sind verschiedene Arbeits- und Lehrräume der Hochschule Augsburg untergebracht.

Neben dem Ostflügel der Schüleschen Kattunfabrik zeugt von der Entstehungszeit nur noch ein schmiedeeisernes Gitter, das den Innenhof der Kattunfabrik im Westen abschloss. Doch es steht nicht mehr am historischen Ort, sondern ist im Staatlichen Textil- und Industriemuseum in Augsburg untergebracht.

Geschichte

Seine erste Manufaktur, in der er Rohkattune aus Ostindien und England verarbeitete, eröffnete Johann Heinrich Schüle? im Jahr 1759. 1768 kam es in Augsburg zu Auseinandersetzungen zwischen Webern? auf der einen Seite und Fabrikanten, die von Schüle angeführt wurden. Es ging um den Schutz der einheimischen Webwarenproduktion, ihn wollten die Weber?, und die Freiheit der Fabrikanten in einem freien Textilmarkt. Der eingeschaltete Kaiser entschied damals zugunsten der Fabrikanten.

Johann Heinrich Schüle? riss 1770 seine Augsburger Manufaktur nieder und investierte fast eine halbe Mio. Gulden, um eine neue Produktionsstätte zu errichten, die eher einem Schloss als einer Fabrik ähnelte. Leonhard Christian Mayr errichtete die Fabrik in den Jahren 1770 bis 1772 nach dem Vorbild des fürstbischöflichen Stadtpalais in Straßburg. Darin ließ Schüle Kattun fertigen, was die Schülesche Fabrik zur ersten Kattunfabrik auf dem europäischen Festland werden ließ - in der Nachfolge von englischen Kattun-Manufakturen.

1771 kaufte die Fabrik Rohstoffe im Wert von etwas über 800.000 Gulden und machte einen Umsatz von drei Mio. Gulden. Das war fast so viel, wie Johann Heinrich Schüle? in den Jahren von 1745 bis 1766 in seiner Augsburger Manufaktur umgesetzt hatte, nämlich 3,75 Mio. Gulden.

Ab Errichtung der Schüleschen Kattunfabrik stellte Johann Heinrich Schüle? Augsburger Zitz? her, einen Stoff, der etwa zwölf Jahre lang stark auf den Weltmärkten gefragt war. In manchen Jahren war die Schülesche Kattunfabrik mit etwa 3.500 Mitarbeitern Augsburgs größter Arbeitgeber bei einem Ausstoß von mehr als 75.000 Kattunstoffen.

1780 ließ Schüle in seiner Fabrik die ersten Baumwollspinnmaschinen auf dem europäischen Kontinent aufstellen. Ab 1785 ging jedoch die Nachfrage nach Augsburger Zitz? zurück, Konkurrenten holten den Vorsprung der Augsburger Fabrikation auf und verkauften ähnlich gute Textilqualität. Gerade Augsburger, die in der Schüleschen Kattunfabrik ausgebildet worden waren, machten ihrem früheren Arbeitgeber durch die Gründung eigener Kattundruckereien das Leben schwer.

1792 übernahmen die Söhne Schüles seine Kattunfabrik und kämpften gegen den Niedergang. 1802 kehrte Johann Heinrich Schüle? selbst noch einmal in seine Firma zurück, um seine Söhne zu unterstützen, die es nicht geschafft hatten, die Firma wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Das hatte neben der Konkurrenz auch politische Gründe, denn durch die Französische Revolution und die nachfolgenden Kriege waren Absatzmärkte wie Italien, England, Österreich, Frankreich und überseeische Territorien weggefallen. Nach dem Tod von Johann Heinrich Schüle? musste die Schülesche Kattunfabrik sogar Insolvenz anmelden. Danach übernahm die Lotzbecksche Tabakmanufaktur? die Fabrikationsstätte.

1843 eröffnete man in den Räumlichkeiten der Schüleschen Kattunfabrik ein Bahnhofshotel, hatte man doch ganz in der Nähe einen Kopfbahnhof für die erste Eisenbahnlinie Augsburg - München errichtet.

Bis in die 1990er Jahre hinein wurde die Schülesche Kattunfabrik zur Textilproduktion genutzt. Die letzte Firma in der Fabrik war Nagler & Sohn?. Nach der Insolvenz dieser Firma stand die Schülesche Kattunfabrik einige Jahre leer und wurde von einem Bauträgerunternehmen erworben.

1996 wurde die Schülesche Kattunfabrik in einer Nacht-und-Nebel-Aktion teilweise niedergerissen - gegen den Willen von empörten Augsburgern, die sich sich für den Erhalt des Baus eingesetzt hatten. Nachdem nur noch der Kopfbau aus dem 18. Jahrhundert stand, setzten sie seinen Erhalt durch, da es sich bei der Schüleschen Kattunfabrik um ein europäisches Industriedenkmal handelte, dem erstrangige Bedeutung für die Industriegeschichte zukommt. Mit der Zerstörung der Schüleschen Kattunfabrik wurde nicht nur ein technik- und wirtschaftsgeschichtliches Zeugniss zerstört, sondern vielen Augsburgern auch ein Teil ihrer Geschichte geraubt und Augsburg ein Stück anonymer. Als Grund für den Abriss der größten Teile der Schüleschen Kattunfabrik gab man Baufälligkeit an.

Der Ostteil war damit zu einer Ruine geworden. Diese Ruine samt Grund kaufte der Freistaat Bayern? und errichtete in den folgenden Jahren einen Neubau für die Hochschule Augsburg auf dem Gelände.

Details

Von der Schüleschen Kattunfabrik ist noch ein monumentales barockes Schmiedeeisentor erhalten. Heute befindet es sich am Fronhof beim Dom Unserer Lieben Frau.

Lage

Rote-Torwall-Straße?


Weblinks


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