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Schönsperger, Johannes der Ältere

auch Johann Schönsperger der Ältere. Ein Augsburger Drucker der Inkunabelnzeit.

Leben und Wirken

Johannes Schönsperger der Ältere wurde um 1455 in Augsburg geboren. Er war der Stiefsohn eines der führenden Augsburger Buchunternehmer in Augsburg: Johann Bämler?. Zunächst war Johannes Schönsperger der Ältere Mitglied der Salzfertiger? -Zunft. Dort waren viele Kaufleute eingeschrieben, die mit verschiedenen Produkten Handel trieben. Auch Johannes Schönsperger der Ältere war neben dem Buchdruck und Verlagswesen auch noch im Vieh- und Weinhandel aktiv. Zeitweise soll er sogar ein Gasthaus und eine Papiermühle besessen haben.

Doch 1481 gründete er mit dem Goldschmied Thomas Rüger?, der schon zwei Jahre später starb, eine Druckerei. Rüger soll für die Herstellung der Drucktypen zuständig gewesen sein, nachdem Schönsperger anfänglich noch das Typenmaterial von Johann Bämler? benutzte. Noch im Jahr 1484 war die Witwe Anna Rüger Teilhaberin der Firma, heiratete aber 1486 den Drucker Peter Berger, so dass Johannes Schönsperger der Ältere schließlich die Druckerei allein besaß.

Die Offizin von Schönsperger lag in der Katharinengasse beim Weinmarkt? und damit in einer der vornehmsten Augsburger Wohnlagen. Auch dass er in Zunftämter gewählt wurde und Mitglied im Großen Rat? der Stadt war, macht seine gehobene soziale und wirtschaftliche Stellung deutlich.

Schönsperger arbeitete mit seinem Stiefvater, aber auch mit weiteren einheimischen (vor allem mit Anton Sorg?) und auswärtigen Buchführern (Händlerverlegern) zusammen. Dadurch gelang es ihm, in der Zeit zwischen 1480 und 1500 den Augsburger Buchmarkt für deutsche Literatur zu beherrschen. Außerdem hatte er enge Geschäftsbeziehungen in Städte wie Frankfurt/Main, München, Ulm, Straßburg und Speyer.

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Um 1500 verschlechterte sich die wirtschaftliche Basis des Augsburger Druckers und er stellte die eigenfinanzierte Buchproduktion praktisch ein. 1507 erlitt Schönsperger einen Teilkonkurs, von dem er sich nie mehr ganz erholte, auch wenn er 1508 von Kaiser Maximilian I.? zum Hofbuchdrucker ("geheimer Drucker") mit einem Jahresgehalt von 100 fl ernannt wurde, was wohl von Konrad Peutinger vermittelt worden war. In dieser Funktion druckte er neben amtlichen Schreiben eines der schönsten Bücher seiner Zeit, den "Theuerdank" (1517 und 1519), aber auch ein Gebetbuch für den Sankt-Georgs-Orden (1513). Für beide Werke schuf er eigene Schrifttypen. In der Forschung werden diese Schrifttypen als Marksteine auf dem Weg zur Frakturschrift bzw. der Schwabacher gesehen. Möglich ist, dass sein Sohn diese Schrifttypen hergestellt hat. Jedenfalls ist die Fraktur Altdeutsch angelehnt an die Schrift für das Gebetuch Kaiser Maximilians I.?, geschnitten von Johannes Schönsperger, Augsburg, 1513.

Von seiner Offizin sind zwischen 1481 und 1520 etwa 250 Drucke bekannt. Sie hat viele "Bestseller" aus Nürnberg und Straßburg nachgedruckt. In einer Zeit, in der es kein Urheberrecht gab, war das ein normaler Vorgang und rechtlich nicht zu verfolgen. Heute allerdings würden wir von "Raubdrucken" sprechen. Auf manchen seiner Werke signierte Schönsperger mit "HB", einem Monogramm, das bisher noch nicht gedeutet werden kann.

Johannes Schönsperger der Ältere starb vor dem 25. Februar 1521 in Augsburg. Er war Vater von Johannes Schönsperger dem Jüngeren?.

Werke

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Schönsperger reagierte immer auf Marktbedürfnisse weshalb er meist Werke nachdruckten, die in Augsburg oder anderswo erschienen waren und Erfolg hatten. Neben den oben schon erwähnten Werken druckte er z. B. die Weltchronik des Nürnberger Stadtarztes Hartmann Schedel nach. Sie war zuvor bei dem Nürnberger Drucker Anton Koberger in einer lateinischen und deutschen (1493) Ausgabe erschienen und mit 1806 Illustrationen ausgestattet. Schönsperger hat die Weltchronik 1496, 1497 und 1499 in Augsburg nachgedruckt, allerdings etwas verkleinert. Die Druckauflagen zeigen, dass das Werk reißenden Absatz fand. Schönsperger druckte auf schlechterem Papier als Koberger, weshalb heute die Augsburger Ausgabe seltener ist als das Nürnberger Original.

Allerdings war Schönsperger nicht nur ein Nachdrucker mit Marktgespür, sondern er editierte auch kleinere deutsche Texte und gab sie selbst heraus. Die Forschungsliteratur bezeichnet seine Werke oft als "Volksausgaben". Aber selbst kleinformatigere Nachdrucke stattete er meist mit einfacheren, schwarz-weißen Holzschnittkopien aus. Für die Buchillustrationen hat Schönsperger große Künstler aus Augsburg und Nürnberg beschäftigt: z. B. Leonhard Beck, Hans Burgkmair, Hans Schäufelein, Albrecht Dürer.

Bekannt ist auch die so genannte Schönsperger-Bibel, die 1490 in Augsburg mit 109 Holzschnitten gedruckt wurde. In vielen deutschen Bibliotheken ist sie noch erhalten: Annaberg-Buchholz St. AnnaK; Berlin SB; Frankfurt(Main) St. GeorgenHS (unvollständig); Freiburg i.Br. UB (unvollständig); Göttingen SUB; Karlsruhe BLB (II); Leipzig UB (II, unvollständig); München BSB (3, 1 unvollständig); München UB (I); Nürnberg GermNM (I, unvollständig); Oldenburg LB; Regensburg BischZB; Stuttgart Kath.Bibelwerk; Tübingen UB. Schönsperger hat sie in deutscher Sprache gedruckt. Die zweite so genannte Schönsperger-Bibel ist die 12. deutsche Bibel und umfasst zwei Teile etwa gleichen Umfangs. Der erste Teil (Genesis bis Psalter) ist mit insgesamt 88, der zweite Teil (Sprüche Salomos bis Apokalypse) mit 21 Holzschnitten illustriert, besonders das Neue Testament wurde wesentlich weniger mit Illustrationen ausgeschmückt. Die elfte deutsche Bibel stammt ebenfalls aus der berühmten Druckerei von Johannes Schönsperger dem Älteren in Augsburg und erschien 1487. Da jede Spalte 48 Zeilen enthält, brauchten nur 799 Blätter bedruckt zu werden. Die Initialen und Holzschnitte ähneln denen der Kölner Bibel. Wie gewohnt hat Schönsperger das Format, das Koberger benutzte, von 27 x 39 Zentimeter auf 19,5 x 28 Zentimeter verkleinert, in der Ausgabe von 1490 sogar auf 18 x 25 Zentimeter. Weil die für einen größeren Satzspiegel gefertigten Holzschnitte für die 1490er Ausgabe zu groß waren, schnitt Schönsperger die äußeren Begrenzungslinien ab - und trotzdem ragten die Holzschnitte noch erkennbar über den Satzspiegel hinweg.

Die Holzstücke der Schönsperger-Bibel hat der Meister an den Drucker Johann Otmar? verkauft. Er kam von Reutlingen nach Augsburg, wo er 1507 die dreizehnte deutsche Bibel druckte. Sogar der Sohn Silvan Otmar? benutzte noch die Schönspergerschen Druckstöcke, als er am 27. Januar 1518 in Augsburg die vierzehnte deutsche Bibel herstellte. Er verwendete das Format 20,5 x 29,5 Zentimeter. Dafür waren die beschnittenen Holzstöcke von Schönsperger nun wieder zu schmal, weshalb sie mit Randzierleisten ausgeschmückt wurden. Silvan Otmar? setzte die Bibel des Vaters seitengleich nach, benutzte aber eine kräftigere Schwabacher-Schrifttype.

Die meisten Bücher seiner Offizin waren deutschsprachig gedruckt und hatten erbaulichen oder belehrenden Inhalt. Einzig ein paar Lehrbücher druckte er in lateinischer Sprache. Damit hat Schönsperger die Buchversorgung der städtischen Bevölkerung verbessert, die zwar lesen konnte, aber kein Latein beherrschte. Und er hat die Fraktur eingeführt, die bis ins 20. Jahrhundert für deutschsprachige Bücher die wichtigste Schrift bleiben sollte.

Johannes Schönsperger hat nicht wenig zum Ruf Augsburgs als produktivster Stadt des frühen Buchdrucks beigetragen. Er muss recht geschäftstüchtig gewesen sein, hatte wohl ein gutes Organisationstalent und konnte gut kalkulieren. Indem er Buchformate von Werken, die er nachdruckte, verkleinerte, sparte er z. B. Materialkosten. Auch indem er die Holzschnittherstellung rationalisierte, konnte er seine Bücher günstiger als die Kollegen anbieten: Seine Strichführung machte oft ein nachträgliches Kolorieren überflüssig. Etwa zur gleichen Zeit wie Erhard Ratdolt hat er Buchumschläge aus Papier, die mit Holzschnitten geschmückt waren, hergestellt, z. B. für die Werke "Von der Ordnung der Gesundheit", Augsburg 1482, und "Historia der sieben weisen Meister", Augsburg 1486. Damit war er einer der ersten in der Buchgeschichte, die das taten. Schönsperger hatte sich auf einen Massenmarkt eingestellt, was sich z. B. auch darin zeigt, dass er in seiner Werkstatt Schablonen nutzte, mit denen koloriert wurde, was oft dazu führte, dass die Farben lieblos auf die Holzschnittkonturen aufgemalt wurden. Eine Folge des "Massendrucks", den Schönsperger für einen Massenmarkt bevorzugte.

Sonstiges

Im Artikel „Schönsperger, Johann (Buchdrucker)“ von Wilhelm Vogt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 320–321, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, heißt es über den Augsburger Drucker:

Schönsperger: Hans S., ein Augsburger Buchdrucker, über dessen Lebensgang wenig bekannt ist, der aber herrliche Werke seiner Kunst hinterlassen hat. Zweifellos gab es zwei Buchdrucker dieses Namens Hans S. in der schwäbischen Reichsstadt, denn ausdrücklich nennt sich in mehreren Werken der Eine den „elteren“, während der andere sich zum Unterschied als den „jungen“ bezeichnet. Schon der Zeit nach ist es angezeigt, sie für Vater und Sohn zu halten. Der berühmte Meister unter ihnen ist der Vater, den wir in den beiden letzten Decennien des 15. Jahrhunderts sehr thätig in Augsburg finden. Führen wir die hervorragendsten Erzeugnisse desselben zunächst an. Sein erstes Buch, das er im Jahre 1481 druckte, ist medicinischen Inhalts: „Ain büchlin genant regimen sanitatis“, welchem im J. 1482 der Sachsenspiegel und im J. 1496 und 1501 das Passional „Das ist der heiligen leben“, „Das puch des ritters her Hansen von Montevilla“, Hans Tuchers „Reißbeschreibung“, „Ordnung der Gesundheit“ und das Buch der Natur folgten. 1483 finden sich ein deutsches Evangelien- und Epistelbuch und ein Beichtbüchlein. Von den Werken aus den folgenden Jahren verzeichnen wir die „teutsche Bibel“ aus dem J. 1487, Chroniken, z. B. die „Cronica von keysern und bebesten“ aus dem gleichen Jahre, zum zweiten Mal die „teutsche bibel“ vom J. 1490, den „teutschen Belia“ in mehreren Auflagen, „Maister Elucidarius“, das Passional mehrfach, „Clag, antwurt und ausgesprochene urteyl gezogen aus geystlichen und weltlichen rechten“ (1497), Thomas a Kempis „von nachfolgung und schwächung der welt“ (1498), Rechtsbuch der Stadt Nürnberg, Aesop’s Fabeln, der „teutsch psalter“, Herbarius, das Buch der Natur, ein Nachdruck der von dem Nürnberger Drucker Koberger 1493 gedruckten Weltchronik, eine Chronik von Andechs und manches andere. Merkwürdig genug, mit dem J. 1501 hört plötzlich die Schönspergerische Druckthätigkeit in Augsburg auf, während die Meister Ratold, Froschauer, Sorg, H. Otmar, Oeglin u. a. eine rührige Thätigkeit entfalten oder weiterführen. Wohin Hans S. gekommen ist, ob er sich noch in Augsburg aufgehalten hat oder nicht, was aus seinem Geschäft geworden ist, können wir nicht sagen. Da taucht erst im J. 1510 ein Büchlein „Die weissagung von zukünftiger betriebtniß“, gedruckt „durch Hans Schensperger den jungen“ auf, welchem 1511 und 1514 ein Wetterbüchlein, [321] 1513 ein Passional, ein Buch „von complexion der menschen“ (zweimal), eine Auslegung des Vaterunsers, das „Leiden Jesu Christi unseres erlösers“ vom selben jungen Hans S. folgen. Auch von andern Druckern ließ dieser Hans S. der junge Werke herstellen, so z. B. „siben ermanung eines cristenlichen gebets, gedruckt zu Augsburg durch Heinrich Stayner „in kosten und expens H. Schenspergers 1524“. Wir sehen daraus, daß derselbe auch Buchführer d. h. Buchhändler war, der bei andern arbeiten ließ. Mit dem Jahre 1517 tritt nun unvermuthet der ältere S. wieder ans Licht, und zwar in Nürnberg, wo er unter Beibehaltung seines Augsburger Bürgerrechts seine Kunst ausübt und ein weitberühmtes Buch druckt, nämlich den Theuerdank, „gedruckt in der kayserlichen stat Nürnberg durch den eltern Hansen Schönsperger, bürger zu Augspurg“. Es ist dies die berühmte Prachtausgabe, zu welcher Hans Scheufelin die Illustrationen in Holz geschnitten hat. Im J. 1519 erschien dieses Werk zum zweiten Mal, aber diesmal zu Augsburg „gedruckt in der kayserlichen stat Augspurg durch den eltern Hansen Schönsperger“; also war der Meister dahin wieder zurückgekehrt. Bezeichnenderweise tragen bloß diese beiden Ausgaben des Theuerdank den unterscheidenden Beisatz „der elter“. Bis zum Jahre 1524 finden wir dann noch Schönspergische Druckwerke, aber sie tragen weder den Beisatz „der elter“, noch „der junge“. Es will mir scheinen, als habe sich Vater und Sohn vereinigt, jener gedruckt und dieser verkauft. Von den Druckwerken Schönsperger’s aus den Jahren 1520–24 führen wir noch an: 1522 „ein nutzliche betrachtung der natürlichen, himlischen und prophetischen ansehungen aller trubsalen“, 1523 zweimal das neue Testament, dasselbe auch noch aus dem Jahre 1524, das letzte Buch aus der Schönsperger’schen Druckerei.

Zapf, Augsburgs Buchdruckergeschichte nebst den Jahrbüchern derselben. 2 Theile. – Panzer. Annalen der ältern deutschen Literatur.

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