Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de


Hauptseite | Umwelt und Umgebung | Friedberg | Friedberger Schloss


Friedberger Schloss

auch Wittelsbacher Schloss genannt; im Norden der Stadt Friedberg im Landkreis Aichach-Friedberg in Altbayern gelegen

Friedberg-Wittelsbacher Schloss ab 1257, heutige Anlage 1552-79 03
Friedberg-Wittelsbacher Schloss ab 1257. By Franzfoto (Own work) [GFDL or CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Allgemeines

Das Friedberger Schloss ist eine Vierflügelanlage im Stil der Renaissance mit Relikten des Bergfrieds einer mittelalterlichen Burg. Im Schloss ist das Museum der Stadt mit einer Sammlung Friedberger Uhren untergebracht. Im Barock? war die Handwerkskunst der Uhrmacherstadt weit über Friedberg hinaus gefragt. Das Schloss in Friedberg ist ein gut erhaltenes Baudenkmal und geht auf eine hochmittelalterliche Burganlage der Herzöge von Bayern zurück. Im Laufe seiner Geschichte wurde es mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Besonders anziehend ist der von Arkaden gesäumte Innenhof, der den idealen Rahmen für Konzerte, Märkte und sonstige Veranstaltungen abgibt.

Geschichte

Wann genau die erste Bebauung des Friedberger Schlosses vorgenommen wurde ist unklar. Was auffällt, ist der sehr tiefe Halsgraben vor dem Schloss. Wissenschaftler halten es nicht für ausgeschlossen, dass hier schon im Frühmittelalter eine Burganlage stand. Eventuell eine Schutzburg, die in die Zeit der Ungarneinfälle ins Reich zurückgeht. Jedenfalls standen in dieser Zeit auf dem Lechrain? zwischen Thierhaupten und Mering mehrere solcher Wehranlagen. Viele dieser Wallburgen gingen auf vor- und frühgeschichtliche Siedlungsplätze zurück. Früher zog man auch eine römische Wachstation oder Ansiedlung auf dem Friedberger Schlossberg in Erwägung, um den tiefen Halsgraben zu erklären.

Die Grundlage zu dem heute erhaltenen Gebäude entstand im Hochmittelalter. 1257 errichtete Herzog Ludwig II. der Strenge zum Schutz der bayerischen Zollstation an der Grenze zur Reichsstadt Augsburg hier eine Burg, weil zu dieser Zeit der Bischof von Augsburg versuchte, sein Hochstift? über den Lech zu erweitern. 1264 folgte daraufhin die planmäßige Anlage der Stadt Friedberg, deren Befestigungsanlagen an die Wehranlage angeschlossen wurden.

Damals hatte die romanische Burg zwei Mauerringe mit Wehrgängen, Zinnen und Schießscharten. Im Inneren befand sich eine Wehrmauer mit drei Türmen. Vom oberen Ring führte ein Steilhang zum unteren Mauergürtel. An der Westseite befand sich ein verdeckter Abstieg. In den äußeren Ring waren zwei starke Rundtürme integriert. Im nördlichen Turm befand sich das Verlies, im Volksmund "Köpfhäusl" genannt. Im Westen zur Lechebene hin wurde der Steilhang in einem Winkel von 50 Grad abgetragen. Im Norden, Osten und Süden hob man um das Schloss einen Graben aus, von dem noch Reste vorhanden sind. Oben war der Graben 25 bis 30 Meter breit und an seiner tiefsten Stelle im Osten befand sich eine Zugbrücke. Heute ist hier eine feste Brücke angebracht, über die man ins Schloss gelangt.

1408/09 ließ Herzog Ludwig der Gebartete die "Veste" um- und ausbauen.

1541 verwüstete ein Brand die Friedberger Burganlage. Das war der Grund für eine weitgehende Erneuerung im Stil der Renaissance. Der Entwurf für den Neubau in schlichten Formen stammte von Jörg Stern. Ausführender Bauleiter war Narziß Krebs. Die beiden erweiterten die mittelalterliche Burg um den heutigen Westflügel. Letzte Arbeiten waren der Nordflügel, das Portal, die Arkaden und der Renaissance-Erker im Jahr 1559. Durch diesen Umbau verlor das Friedberger Schloss weitgehend seinen Wehrcharakter.

1567 oder 1568 wies man das neue Schloss der Herzogin Christina von Lothringen als Witwensitz zu. Ihre Anwesenheit ließ Friedberg bis 1575 zu einem Mittelpunkt des Hoflebens in Bayern werden.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss zwischen 1632 und 1646 durch Brände schwer beschädigt. Die Beschädigungen beseitigte Marx Schinnagel in den Jahren 1652 bis 1656.

1754 bis 1768 war eine Fayencemanufaktur in den Räumen eingerichtet.

1789 zog die Forstverwaltung in das Schloss Friedberg und 1803 brachte man hier das Rentamt unter.

1886 zog das Heimatmuseum in die Anlage. Damals gründeten 20 Friedberger einen historischen Verein, den heutigen Heimatverein Friedberg, um kunst- und lokalgeschichtlich bedeutsame Objekte zu sammeln und in einem Museum zu verwahren. Dieses Museum eröffnete im gleichen Jahr im Friedberger Schloss.

1977 begann man das Friedberger Schloss umfassend zu restaurieren, um es für das Vermessungsamt Friedberg nutzbar zu machen. Damals musste man die Futtermauer des Burghügels weitgehend in Beton erneuern. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die mächtige Brücke über den Graben, über die man in das Schloss gelangt.

1982 präsentierte das Museum im Schloss in 14 Räumen Exponate zur Orts- und Regionalgeschichte.

2007 wurden die Vermessungsämter Aichach und Friedberg zusammengelegt. Das Vermessungsamt Friedberg zog nach Aichach, weshalb die ehemaligen Amtsräume im Schloss frei wurden. Aus diesem Grund kaufte die Stadt Friedberg noch 2007 das Schloss vom Freistaat Bayern? für die eher symbolische Summe von 110.000 Euro. Der damalige parteilose Bürgermeister von Friedberg Peter Bergmair wollte ein modernes Kultur- und Bürgerzentrum schaffen, doch Pläne ergaben, dass eine solche Umwidmung Kosten von 21 Millionen Euro erzeugen würden. Im Winter 2007/08 begann den Grüngürtel um die Anlage auszulichten, damit das eingewachsene Schloss von der Stadt aus wieder besser gesehen werden konnte.

Im Sommer 2013 stoppte das Verwaltungsgericht Augsburg den geplanten Umbau des Wittelsbacher-Schlosses Friedberg zum “Bürgerschloss” vorerst, weil ein Schlossnachbar dagegen klagte. Die von der Stadt Friedberg an sich selbst erteilte Baugenehmigung wurde für rechtswidrig erklärt. Um die Kosten des Betriebs des Bürgerschlosses zum Teil zu decken, plante Friedberg, das Schloss Friedberg auch an Privatleute zu vermieten. Doch stellten die Richter fest, dass die Stadt der kommerziellen Nutzung der Burg in ihrer sich selbst erteilten Genehmigung keinerlei Grenzen gesetzt hatte, was sie als Eingriff in die Rechte der Nachbarn interpretierten.

Bis Ende 2014 wurden im Schloss Friedberg etwa zwei Drittel der Gesamtfläche nicht genutzt. Auf diesen Flächen waren bis 2007 Amtsräume des Vermessungsamtes Friedberg eingerichtet. Nur etwa ein Drittel der Gesamtfläche wurde als Museum im Schloss genutzt. Die begonnene Sanierung sollte das Schloss als Kulturzentrum sowie weiterhin als Museum nutzbar machen. Als Kostenrahmen für das Bauvorhaben gab die Stadt Friedberg etwa 14 Mio. Euro brutto an, worin aber die Kosten der beweglichen Ausstattung für Museum, Cafe und Biergarten nicht enthalten waren.

2015 schloss man das Friedberger Schloss, um es zu sanieren und das Friedberger Museum neu zu konzeptionieren. Nach den Plänen zu dem Millionenprojekt sollte das Schloss 2018 wieder eröffnet werden.

Details

Ein vorgeschobener Geländesporn der Lechleite? ist die Basis, auf der das Schloss Friedberg steht. Von der Friedberger Hochebene ist es durch einen Halsgraben getrennt, der bogenförmig zur Hangkante läuft. Der Torturm, der den Besucher erwartet, ist quadratisch. Durch sein Vorwerk betritt man das Schloss. In ihm sind noch Reste des Bergfriedes (13. bis 15. Jahrhundert) nachzuweisen. Die Torhalle besitzt ein Kreuzgratgewölbe und ist recht langgestreckt. Sie führt in den Arkadenhof, dessen obere Bogenreihen vermauert sind. Am Ostflügel sieht man einen einfachen Renaissanceerker, daneben umrahmt ein Rustikaportal den Torgang. Im Norden befindet sich der niedrige ehemalige Wirtschaftsflügel, auf den anderen Seiten umgeben die rund- oder korbbogigen Arkaden den unregelmäßigen Innenhof.

Indem man zwei Mauern der Burg gegen Norden vorschob, gestaltete sich der Burgbau zu einem Fünfeck. In der Nordostecke des Obergeschosses der Burg befand sich zur Zeit des Hochmittelalters die Burgkapelle Sankt Georg. Im Süd- und Westflügel war der Palast (das Herrenhaus) mit den Kemenaten (Kaminzimmern), im Nordflügel der Wirtschaftsbau mit Stallungen und Wagenremisen mit dem darüber befindlichen Getreidekasten untergebracht.

Das Schlossinnere ist heute durch Umnutzungen und Umbauten stark verändert. Noch gut erhalten ist der so genannte Rittersaal im Erdgeschoss des Westflügels. Der gotische Saal diente wohl als Dürnitz, als rauchfrei beheizbarer Speise- und Gemeinschaftsraum. Er wird von sechs Kreuzrippengewölben überspannt.

Dass das Schloss Friedberg im Mittelalter eine Wehranlage war, ist vor allem am Fuß des Schlossbergs noch zu sehen, wo einige Mauern und zwei Ziegelmauerwerk-Wehrtürme erhalten sind. Südlich schließt eine Verbindungsmauer das Schloss an die Stadtbefestigung an.

Um das Schloss Friedberg ranken sich wie oft bei Burgen und Schlössern einige Sagen. Etwa, dass im Turm ein Mönch lebendig eingemauert wurde, der noch heute nachts mit einer fahlen Fratze herumgeistert. Oder dass die Kellertreppe in der Mitternachtsstunde von Vollmondnächten zu sagenhaften Schätzen führt. Wer aber die Schätze zu bergen versucht, muss mit seinem Leben bezahlen.

Adresse

Schlossstraße 21, 86316 Friedberg


Weblinks


Hauptseite | Umwelt und Umgebung | Friedberg | Friedberger Schloss


Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de




FacebookTwitThis