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Schloss Affing

ein ehemaliges Wasserschloss am Schlossplatz in Affing; geschütztes Baudenkmal

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Schloss der Familie von Gravenreuth in Affing (Süd-Ansicht), 2007. By Janiwan.Janiwan at de.wikipedia [GFDL or CC-BY-SA-3.0], from Wikimedia Commons

Allgemeines

Auf einem künstlichen Hügel liegt Schloss Affing als Hochschloss. Der Wassergraben ist längst zum größten Teil trockengelegt. Über eine Brücke gelangt man zum Schloss. Deren gusseisernes Geländer hat die Stieftochter Napoleons III., Königin Hortense von Holland gestiftet, die oft mit ihrem Stiefvater hier zu Besuch war.

Weil sich die Mauern des Schlosses nach oben leicht verjüngen, wirkt es filigraner, als es bei dem dreigeschoßigen quadratischen Grundriss zu erwarten wäre. Nordöstlich von Schloss Affing liegt ein ausgedehnter Landschaftsgarten mit Teich, Wasserlauf, einem Bootshaus und idyllischen Brücken. Im nördlichen Teil steht die Orangerie, die auch heute noch benutzt wird. Besonders erwähnenswert sind die alten geätzten böhmischen Gläser. Sie sind äußerst selten und von großem Wert. Von der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 stammt ein kleiner Pavillon mit Sitzgelegenheit.

Das Schloss Affing bietet Ruhe und Beschaulichkeit. Wo früher der Wassergraben verlief, liegt heute in einem Teilbereich ein Teich und verzaubert mit Ruhe und Abgeschiedenheit.

Viele bezeichnen das Schloss Affing, das sich im Besitz der Familie von Gravenreuth befindet als „Zentrum des Waldbaus im süddeutschen Raum?", weil sich die Besitzer für nachhaltiges Forsten einsetzen. Man sieht den Wald als Ressource, die es zu schützen und zu nutzen gilt.

Schloss Affing hat einen außergewöhnlich schönen Garten mit einer Orangerie. Zwar kann man den Garten nicht betreten, doch ein Blick über die niedrige Schlossmauer auf die Anlage ist möglich. Neben dem 1694 gebauten Schloss Affing steht die Kirche "Zu den Sieben Zufluchten", die Ende des 17. Jahrhundert gebaut wurde und eine interessante Inneneinrichtung aufweist. Weil die Altäre aus schwarzem Holz sind, spricht man hier von "Spanischem Barock", eine Stilrichtung, die in der Gegend nur sehr selten zu finden ist.

Geschichte

Die Geschichte von Schloss Affing geht bis in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts zurück. 1040 erwähnt eine Urkunde zum ersten Mal die Herren von Affing. Sie besaßen eine Hofmark, die ab dem 14. Jahrhundert in den Besitz verschiedener Adeliger kam.

1462 brannte Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg eine Burg nieder, die dort stand, wo sich heute das Schloss Affing befindet. Wolfgang von Waldeck, der 1483 starb, baute sie jedoch schnell wieder auf. Zum ersten Mal erwähnt wurde diese Burg 1408.

Philipp Apian fertigte 1568 einen Holzschnitt von der waldeckschen zweigeschoßigen Burg, der sie mit einem Satteldach, einem Treppengiebel und einem Wassergraben zeigt.

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Burg Affing, heute Schlosssitz, nach dem Holzschnitt von Philipp Apian auf Blatt 13 seiner 1568 in Ingolstadt gedruckten 23 Bairischen Landtafeln; von Janiwan at de.wikipedia [Public domain], vom Wikimedia Commons

Aus dem Jahr 1618 stammt folgende Beschreibung der Burg: „… ain ganz vom Grundt aufgemauertes vnnd mit Ziegel gedeckhtes Schönes Schloß, das vf ainem Purgstall ligt vnnd gerings herumb mit ainem schönen Viereggeten Weyher vmgeben ist…“ In diesem Jahr begann der Dreißigjährige Krieg, der zur Zerstörung der alten Burg führte.

1682 erwarben die Freiherren von Leyden die Hofmark samt Burg. Sie waren Besitzer bis 1816. Es war der kurfürstliche Vizekanzler zu München, Johann Baptist Freiherr von Leyden, der das heutige Schloss Affing ab 1694 errichten ließ. Dieses Schloss zeigt der abgebildete Stich von Michael Wening. Auf ihm erkennt man, dass zum Schloss Affing, eine Kapelle und viele Nebengebäude gehörten. Früher begrenzten diese Nebengebäude wie ein Hufeisen die Schlossanlage nach Süden.

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Schloss Affing. Kupferstich von Michael Wening (1645 - 1718). By Michael Wening.Janiwan at de.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons

1807 errichtete man im Landschaftsgarten von Schloss Affing eine Orangerie zur Überwinterung von Pflanzen. 1871 erweitert in der vorgefundenen Form 1871

1816 verkaufte Graf Maximilian Anton von Leyden die Hofmark Affing an den neuen Besitzer Karl Ernst von Gravenreuth. Dieser finanzierte den Kauf durch eine Entschädigung, die er von Napoleon für ein verlorenes Gut in Frankreich erhielt. Der Vorbesitzer hätte nicht verkauft, wenn er nicht in finanziellen Schwierigkeiten gewesen wäre. Der Finanzmangel war der Grund für den schlechten Zustand, in dem sich Schloss Affing damals befand. Der neue Eigentümer machte sich sogleich an die Sanierung und errichtete Brauerei, Gärtnerei und Ziegelei, um seiner Hofhaltung eine wirtschaftliche Grundlage zu geben. Gräfin Elenore, seine Frau, setzte sich für die Errichtung des heutigen Landschaftsgartens von Schloss Affing im englischen Stil ein.

1871 erweiterten die Besitzer die Orangerie. In dieser Form hat sie sich bis heute erhalten.

Am Bau von Schloss Affing veränderte sich bis ins 20. Jahrhundert wenig. Dann brannte am 16. Oktober 1927 Schloss Affing am Kirchweihsonntag aus. Mehrere Feuerwehrleute kamen beim Löschen ums Leben. Außer ein paar wertvollen Möbeln konnte nicht viel gerettet werden, weil die benutzten Handspritzen nicht in die oberen Räume reichte. So brannte z. B. auch das Besuchszimmer Kaiser Napoleons III. aus, das man bis dahin unverändert gelassen hatte. Napoleon III. wohnte auf mehreren Besuchen hier.

Ab 1928 baute Oswald Bieber das Schloss Affing in der alten Form wieder auf. Mit einer Ausnahme: In der Mitte des Baus, wo ehemals der Kamin stand, hat er nach dem Brand einen kleinen Aussichtsturm errichten lassen, denn die Ermittler meinten in dem falsch konstruierten Kamin die Brandursache erkennen zu können.

1997 ließen die Eigentümer die Orangerie im Schlosspark sanieren.

Details

Bau

Schloss Affing hat drei Geschoße, ein Zeltdach, Dacherker und einen schmalen Mittelrisalit. Besonders zu beachten ist das Portal mit seiner geschnitzten Holztür von 1777. Links oben kann der Besucher das Familienwappen der Freiherren von Gravenreuth sehen. Es ist auch das Wappen von Affing und zeigt ein Einhorn und rechts daneben den bayerischen Löwen.

Der Schlossplatz am Schloss Affing ist imposant. Barockbauten der Kirche und Kapelle prägen ihn, so dass er bis heute seinen Charme erhalten hat. Gestaltet wurde er von den Freiherren von Leyden während des 16. und 17. Jahrhunderts. Der Platz liegt zentral in Affing und hat eine gute Busverbindung durch den Augsburger Verkehrsverbund, dessen Busse direkt am Schlossplatz halten.

Zwar sind die Wirtschaftsgebäude von Schloss Affing noch weitgehend erhalten, doch wird nur noch die Gärtnerei als solche genutzt. Schmiede, Schreinerei, Brauerei und andere Gebäude haben ihre Funktion verloren und dienen heute anderen Zwecken.

Seit vielen Jahren findet im Schlosshof von Schloss Affing der Affinger Weihnachtsmarkt statt.

Schlosspark Affing

Der Garten von Schloss Affing liegt im Affinger Becken?. Dadurch ist es hier einige Grad kälter als in der Umgebung. So gibt es nur heimische und unproblematische Baumarten wie Eiche, Buche, Erle, Pappel …

Selten beachtet wird eine Mariengrotte im Schlosspark. Vielleicht auch, weil sie etwas versteckt unter Bäumen liegt. Errichtet hat sie Gräfin von Boullion im 19. Jahrhundert, als es in katholischen Kreisen Mode war, in Anlehnung an die Pilgerstätte in Lourdes solche Andachtsstätten zu errichten. Für Maiandachten nutzen fromme Menschen auch heute noch die Grotte.

Der Schlosspark ist Privateigentum und normalerweise nicht zugänglich. Nur an besonderen Führungstagen kann man den Garten entdecken.

Orangerie im Schlosspark

Das heutige Orangeriegebäude erscheint langgestreckt, hat einen Mittelrisalit und auf beiden Seiten Glashäuser. Saniert wurde das Gebäude von egon kunz architekten? (Neusäß) in jüngerer Zeit. Vor der Renovierung stand nur noch ein Torso des Gebäudes. Die Rückseite war bereits abgebrochen und die Seitenflügel bestanden nur noch aus Gussteilen mit Schrägfensterkonstruktion und Rohbau. Die Decke des Palmenhauses befand sich in Gefahr einzustürzen. Der hohe Grundwasserstand war ein großes Problem während der Sanierung. Heute hat die Orangerie ein etwa 18 Meter langes Schwimmbad, eine Umkleide, eine Sauna und in den Glasflügeln zwei Gästewohnungen, die über das zentrale Palmenhaus zugänglich sind.

Wanderroute

Vom Schlossplatz in Affing kann man eine Wanderroute gegen, die rund um Affing führt. Der Rundwanderweg ist mit gelb-blauen Markierungen ausgezeichnet und führt vom Schloss am Sandholz vorbei durch das Birket, Grabenholz und Buchholz hindurch. Auf dem Weg zwischen Gebenhofen? und Anwalting? befindet sich der Sandberg mit der sehenswerten katholischen Salzberg-Kapelle, die auf das Jahr 1664 zurückgeht. Der Name Salzberg rührt von einem alten Salzweg her, der von Rain am Lech hier vorbei nach Augsburg führte. Über den Salzberg gibt es viele Grußelgeschichten. Angeblich wurde hier der "Joaspudel", ein furchterregender riesiger Hund mit Augen aus Feuer gesichtet, aber auch die so genannten "Salzweiblein" sollen in langen Winternächten hier spuken.

Schloss Affing
Schlossmauer Schloss Affing, Sommer 2012. By Manfi. B. (Privataufnahme) [GFDL or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Auf der Route kann man einige Sehenswürdigkeiten besuchen. Zum einen das Schloss Affing, die Kirche in Affing, die Kapelle Sankt Michael?, in Miedering? die Kirche Sankt Elisabeth, in Mühlhausen die Kirche Sankt Johannes Baptist und Maria Magdalena, in Anwalting? die Kirche Sankt Andreas und die erwähnte Salzberg-Kapelle und in Gebenhofen? die Pfarrkirche Mariae Geburt.

Auf der etwa 13 Kilometer langen Strecke, für die man eine Gehzeit von etwa 3,5 Stunden rechnen muss, gibt es einige Einkehrmöglichkeiten. Die Anstiege sind nur leicht und von den Hügelrücken hat man schöne Aussichten auf Affing und seine Ortsteile.

Lage


Weblinks


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