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Schlesinger, Stefanie

Es war einfach grandios, was Stefanie Schlesinger als Mozarts Bäsle mit ihrer Gesangs- und Darstellungskunst im Augsburger Schaezlerpalais im Musiclett geboten hatte. Sie stöberte als Bäsle im berühmten Briefwechsel zwischen ihr und Wolfgang Amadeus Mozart, dem klavierspielenden Kinderstar und Wunderkomponisten. Man kann dem begeisterten Kritiker nur zustimmen, der über ihren Auftritt schrieb: "Bei Sefanie Schlesinger stach ihre Stimmtechnik und ihre ungewöhnliche Sensibilität für Melodien und Worte heraus. Die eher instrumental gedachten Melodielinien setzte sie in einen sanften und natürlichen Fluss um. Und dass die Briefe nicht nur heiter-derbe, sondern bisweilen sensuchtsvoll-verzehrende Züge annehmen, zeigte sich in der Bäsle-Ode, in der das Bäsle so richtig den Blues hatte …"

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Von Bamberg nach Augsburg

Stefanie Schlesinger kam durch ihre Musik aus der Stadt von E.T.A. Hoffmann in die Stadt von Bert Brecht. Also von B nach A, das bedeutet: von Bamberg? nach Augsburg. Und sie kann es immer noch kaum fassen, dass sich einer ihrer größten Wünsche erfüllt hat: Sie wurde Sängerin mit ihrem eigenen Programm. "Ich weiß immer noch nicht, wie mir geschieht", verdreht sie die Augen glücklich und denkt über ihre schnelle Karriere nach, als wäre das etwas Mysteriöses wie der Eintritt in das Musikparadies voller Töne, Melodien, Gefühle, Publikum und Applaus.

Geboren am 12. Februar 1977 in Bamberg?, beschloss die kleine Stefanie, nach dem obligatorischen Blockflötenunterricht lieber eine Sängerin zu werden. Im Alter von neun Jahren nahm sie Klavierunterricht. Mit 12 Jahren folgten Gesangsstunden. Das Abitur am Musischen E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium in Bamberg? schaffte sie mit dem Hauptfach Gesang. Ihr klassisches Gesangsstudium mit Nebenfach Klavier am Konservatorium führte sie zum damaligen Leopold-Mozart-Konservatorium? nach Augsburg. Ist es erwähnenswert, dass sie ihren großen Auftritt als singendes Bäsle zwischen Kulissen von Lüpertz im Schaezlerpalais hatte, der auf der anderen Straßenseite des früheren Konservatoriums liegt? Ist es interessant, dass dieser Markus Lüpertz derjenige ist, der in Augsburg viele Menschen mit seiner Skulptur „Aphrodite“ schockte? Jener Lüpertz, der mit dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder befreundet war?

Und so kommt´s, dass die Songwriterin Stefanie Schlesinger, ausstaffiert mit Mikro und einer origineller Schirmmütze, in einem Video des Internetportals Vimeo zu sehen ist, wie sie in ihrer Heimatstadt den Lüpertz-Text "Ich will was erzählen" vor Bürgermeister, Bundeskanzler, dessen Bodyguards und dem Texter mit Stock und Bart, aber ohne den obligatorischen Hut, mit packender Stimme intoniert. Natürlich begleitet von ihrem Wolfgang am Piano, der ihr einfühlsamst einen Klangteppich mit dem Klavier webt, auf dem sie den melancholischen Text vom Liebestod im Raum ohne Sterne als süßen Köder in die lauschenden Ohren strömen lässt.

Jazz und Lackerschmid

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Die Klassik war und ist "nicht so mein Ding", schätzt sie ihren muskalischen Geschmack ein. Viel lieber orientierte sie sich an anderen Richtungen. Es war noch vor dem Jahr 2000 während einer Sommerakademie in Irsee?, als sie auf den Vibraphonisten Wolfgang Lackerschmid traf. Und es vibrierte in ihr vor Musik und Gefühlen. Es war wohl Liebe auf den ersten Ton, könnte man behaupten. Er komponierte eine Auftragsarbeit und sie sang im dazugehörigen Chor mit. Und bald wurden Stefanie und Wolfgang ein Duett. Er fand mit ihr eine Sängerin und sie fand mit Wolfgang den Jazz. Sie heirateten.

Das klassische Diplom in der Tasche, die erste Demo-CD in der Hand kam es zu Annäherungen mit Enja-Records. Durch die Zusammenarbeit entstanden zwei wunderbare CDs mit hochkarätiger Besetzung, und "ich bin heute noch sehr dankbar für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde". "Die Demo-CD Daily Rose erschien auf meinem eigenen Label hipjazz", berichtet sie von den hörbaren Ergebnissen der Aufnahmen im Tonstudio. Enja ist das Jazzlabel schlechthin.

"Besonders stolz bin ich auf das wunderbare Repertoire, das ich durch die Kompositionen von Wolfgang Lackerschmid erarbeiten konnte und das mir die ein oder andere Uraufführung beschert hat. Und die gemeinsame Duoarbeit Gesang / Vibraphon ist ein ganz besonderes Schmankerl", schwärmt Stefanie Schlesinger auf ihrer Homepage über das kreative Zusammenleben.

Ihre Musik-Ideen wurden zu Kompositionen und das Ergebnis sind nicht nur wunderbare Rilke-Vertonungen oder fröhliche Lieder für Kinder. Sie wird zu den Nächten der Filmmusik nach München eingeladen. Zwei Mal. In die Hochschule für Musik und Theater. Dort singt sie vor berühmten Komponisten wie Klaus Doldinger, hört die Ersten Bayerischen Filmfoniker und plaudert mit den Stars der Filmmusik über dies und das.

Jetzt ist er tot, der Hund!

E.T.A. Hoffmann und Bert Brecht sind nicht gerade zwei Künstler, die man in einem Atemzug nennen würde. Doch wenn man Stefanie Schlesinger, die mit ihrer Stimme leidenschaftlich gedruckte Lyrik in schwebenden Gesang verwandelt, als kulturelle Klammer der beiden betrachtet, haben diese Herren doch einiges gemeinsam. Beide hatten viel mit Text und Musik zu tun. Waren es beim Musiclett im Schaezlerpalais nur Briefe, die sie in gesungene Melodien verzauberte, so wird ihr neues Programm mit dem provozierenden Titel „Jetzt ist er tot, der Hund“ sicherlich wieder ein Höhepunkt im Augsburger Kulturleben.

Mit dem toten Hund ist der Lyriker, Autor und Theatermacher Bert Brecht gemeint, der im Februar 1898 in Augsburg geboren wurde. Als er 1956 im damaligen Ost-Berlin, der Hauptstadt der DDR, überraschend verstarb, wurde er in Bayern und Augsburg von vielen noch als beinharter Kommunist angesehen. So ist es nicht verwunderlich, wenn der Ehemann einer gewissen Paula Bannholzer gemeint hat: "Jetzt ist er tot, der Hund." Schließlich war Paula Bannholzer die erste Geliebte von Bert Brecht, die als 16jährige ein Kind mit ihm bekam, ohne verheiratet zu sein. Eine große Schande war das damals. Aber: Paula wurde durch Bert in der ganzen Welt bekannt als die Bi, die Bittersüße, die 1919 als hochschwangeres Mädchen zum Gebären ihres Sohnes ins Allgäu abgeschoben wurde, um in Augsburg ihrer gutbürgerlichen Familie keinen Skandal zu machen.

Während Stefanies Sohn Ferdinand mit seinem Vater Wolfgang ein Malbuch bearbeitet, gehen wir zur Foto-Session auf den Jakobsplatz. Beim plätschernden Neptunbrunnen klettert sie auf den Beckenrand und dreht darauf in der herbstlichen Sonne eine gewagte Runde. Man hat durch ihren fröhlichen Optimismus, der aus ihr hervorquillt wie die hellbraunen Haare unter ihrer Strickhaube, unweigerlich den Eindruck, bei ihr kann nichts schiefgehen. Sie wird nicht ins Wasser fallen. Man sollte lieber fotografieren, schöne Bilder machen, statt irgendwelchen unnützen Ängsten nachzugeben. Und vor dem gelbblau gestreiften Tor zur Fuggerei posiert sie mit einigen sprechende Gesten aus dem zukünftigen Musiclett, das Brechts erster Geliebten aus Augsburg gewidmet ist. Die Uraufführung ist erstmals im Winter 2010/11 in der Augsburger Kulturfabrik?. Ganz Augsburg ist gespannt, wie grandios die Sängerin ihr Programm präsentiert. Sicher wieder mit ihrer intensiven musikalischen Leidenschaft, die alle fasziniert und begeistert.

Premiere von „Jetzt ist er tot, der Hund“ - Ein Musiclett über Brecht und Bi.
Samstag, 13. November 2010, 20.30 Uhr
Kulturfabrik, Augsburg, Bergmühlstr. 34 / Textilviertel
Musik: Stefanie Schlesinger, Wolfgang Lackerschmid
Liedtexte: Peter Dempf
Regie: Sebastian Seidel

P.S.: Ist es interessant und erwähnenswert, dass Stefanie mit Wolfgang und Ferdinand im Domviertel lebt, nicht weit entfernt von der Wohnung, die einst Paula Bannholzer verließ, um das Maria-Theresia-Gymnasium? zu besuchen, wo ihr unterwegs Bert Brecht auflauerte, der insPeutinger-Gymnasium? musste?

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Preise

2003 erhielt Stefanie Schlesinger als erste Sängerin in der Kategorie Jazz den Bayerischen Kunstförderpreises.

Diskografie

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ANGEL EYES
released on ENJA Records
Stefanie Schlesinger - vocal
Wolfgang Lackerschmid - vibes, gramorimba
Bob Degen - piano
John Lee - bass
Karl Latham - drums
Roger Squitero - percussion
Slide Hampton - trombone
Hendrik Meurkens - harmonica
Johannes Faber – trumpet

WHAT LOVE IS
released on ENJA Records
Stefanie Schlesinger - vocal
Bob Degen - piano
Isla Eckinger - bass
Wolfgang Lackerschmid - vibes, marimba
Pedro Tagliani - acoustic guitar
Jarrod Cagwin – drums

DAILY ROSE
released on hipjazz
Stefanie Schlesinger - vocal
Walter Lang - piano
Rocky Knauer - bass
Wolfgang Lackerschmid - vibes, marimba
Stephan Holstein - sax, clarinets

BLUEROOM - Jazzsongs und Märchen von Eros und Liebe
released on hipjazz
Stefanie Schlesinger - vocal
Wolfgang Lackerschmid - vibraphon
Matthias Fischer - Märchenerzähler

LIEDER AUS DEM KOBOLDLAND - CD für Kinder
Alle Liedtexte von Peter Scheerbaum, Kompositionen von Stefanie Schlesinger und Wolfgang Lackerschmid
Stefanie Schlesinger - Gesang\\ Wolfgang Lackerschmid - Vibraphon, Marimbaphon, Piano, Gramoriba, Percussion, Mundharmonika, Okarina
Pedro Tagliani - Gitarre; Njamy Sitson - Congas; Harald Bschorr - Posaune; Angela Rossel - Geige, Silvan Lackerschmid - E-Gitarre; Marcio Tubino - Flöte, Percussion

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