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Schießpulver

Früher galt der Freiburger Mönch Berthold Schwarz als europäischer Erfinder des Schießpulvers. Doch war das Schießpulver natürlich schon lange bekannt, so dass der Mönch höchstens das Pulver verbessert haben kann. Wer genau das Schießpulver erfunden hat, ist unklar. Im 7. Jahrhundert benutzten die Byzantiner schon eine salpeterhaltige Brandmischung, die 1044 auch in China erwähnt wurde. Nach Europa kamen solche Brandsätze über den Handel? mit Byzanz. Im Mittelmeerraum hießen die Brandsätze byzantinisches bzw. griechisches Feuer. Auch Roger Bacon hat das Pulver und seine Herstellung in seinen Werken zwischen 1242 und 1267 mehrfach beschrieben. Damals nannte man das Pulver in Europa noch Donnerkraut. Der später zur Unterscheidung von Cellulosenitratpulvern, die weißlich aussahen, benutzte Name „Schwarzpulver“ ging auf den angeblichen Erfinder des Schießpulvers, den genannten Freiburger Mönch Berthold Schwarz aus Freiburg zurück. Der entdeckte aber wohl nur die treibende Wirkung der Pulvergasse auf Geschosse.

In seinem Buch „Augsburg und seine frühe Industrie“ (1852) versucht Theodor Herberger nachzuweisen, dass Europa über Augsburg zur Kenntnis des Schießpulvers bzw. Schwarzpulvers gelangt sei. Zeuge dafür ist ihm ClemensJäger?, angeblich einer der eifrigsten historischen Forscher des 16. Jahrhunderts, der erste, der nach Konrad Peutinger die Quellen der Geschichte Augsburgs erforscht haben soll, den der Stadtrat bei historischen Fragen zuerst konsultiert habe und der über jeden Zweifel erhaben sei. Laut Clemens Jäger? hat – wie er in seiner Augsburg-Chronik schreibt – ein Jude? aus Augsburg namens Typsiles 1353 das Schwarzpulver erfunden. Herberger glaubt, dass Typsiles kein Jude?, sondern ein Byzantiner gewesen sei. Dies beweise der Name. Mit diesem Typsiles sei die Kenntnis des chinesisch-byzantinischen Pulvers nach Augsburg gekommen. In Augsburg sei ihm „jene Vollkommenheit gegeben worden, die es zu dem Zwecke dienlich machte, zu dem es von jener Zeit an gebraucht wurde“. Dies bestätigten auch andere Chronisten. Zudem sei in Augsburg schon wenige Jahre nach der Erfindung des Schießpulvers mit schweren Geschützen geschossen worden. Und schon 1372 hat Augsburg nach dem bayerischen Geschichtsschreiber Adelzreiter im Kampf gegen die bayerischen Herzöge „zwanzig metallene, in diesem Jahre gegossene Maschinen gebraucht, um steinerne Kugeln zu schießen“. Nachweisen lassen sich in dieser Zeit auch schwere Geschütze, die von Augsburgern gegen Landsberg? geführt wurden.

Die Rüstungsstadt? Augsburg kann also auf eine lange Geschichte zurückblicken. Und wenn das Schießpulver doch nicht in Augsburg entscheidend verbessert wurde, so hat sich doch in Augsburg die „Schießkunst … ungemein rasch“ ausgebildet, wie Herberger den Augsburger Leser tröstet. 1377 liegen schon Rechnungen über große Büchsen in Augsburg vor und ein Jahr später hat Augsburg schon einen „Büchsenmeister“, „der einen nicht unbedeutenden Sold empfängt. Hier zeigt sich historische Kontinuität: Auch heute empfangen Augsburger in den Rüstungsbetrieben? der Friedensstadt „einen nicht unbedeutenden Sold“.

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