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Schaezlersches Gartengutpalais

ehemals ein Gartengut der einflussreichen Bankiersfamilie Schaezler?

Allgemeines

Das Schaezlersche Gartengutpalais trägt die Hausnummer Schaezlerstraße 9 und hat der gesamten Straße ihren Namen gegeben. Es ist nicht zu verwechseln mit dem Schaezlerpalais in der Maximilianstraße. Heute ist das Gebäude Sitz der Bäcker-Innung Augsburg?. Der Bau hat ein Mansarddach, einen Mittelrisalit und ein Mezzaningeschoß. Das Gebäude ist eines der vornehmsten Häuser seiner Art in Augsburg und hatte früher einen Park, der mehrere Hektar groß war. Ursprünglich bestand das Palais aus einem großen und einem kleineren Wohnhaus, dazu kamen Stallungen und etwa 21 Tagwerk Garten.

Geschichte

Errichtet wurde das Palais 1764 im Stil des Rokoko?. Andere rechnen den Bau noch dem Spätbarock? zu. Maurermeister Gottfried Schifter hatte die Bauleitung. Von 1769 bis 1813 gehörte das Gartengut dem ins Patriziat? erhobenen Bankier Johann von Halder?, nach anderen Quellen Georg Walter von Halder?.

1813 kaufte der Bankier Johann Lorenz von Schaezler? das haldersche Palais und seitdem ist es mit dem Namen der Schaezlers? verbunden. Dazu schrieb der Käufer 1816, als seine Tochter Elise Markus Freiherr von Schnurbein? heiratete: "Dieses Fest wird heute in meinem Garten mit einer für einen Bürgerlichen zu großen, fast fürstlichen Pracht gefeiert, die mir doch der liebe Gott nicht als Übermut auslegen wolle. Ich mache ja ohnehin fast nie öffentlichen Gebrauch von meinem schönen Haus und Garten, die fast niemand Fremdes zu sehen bekommt. Ich hatte allen Armen, Waisen und meinen armen Schulkindern am heutigen Tage etwas zum Bestand gegeben. Alle Geistlichen hatten Gelder, Billets zum Verteilen bekommen."

1823 stellte man im Garten des Palais das berühmte manieristische Brunnenwerk mit der Mars-Venus-Gruppe auf, das der Augsburger Bildhauer Hubert Gerhard? 1584 (oder 1594) für Hans Fugger? schuf und der für den Innenhof von Schloss Kirchheim gießen ließ. Jener Hubert Gerhard? war übrigens auch der Meister der Augustus-Statue des Augustusbrunnens. Vor 1823 soll das Brunnenwerk, das damals nicht mehr als Brunnen diente, in einem benachbarten Gartenanwesen gestanden sein. Schon damals war dieses Brunnenwerk fragmentiert. Bald darauf schenkte man das wertvolle Kunstwerk dem Bayerischen Nationalmuseum? in München.

Im 1830 herausgegebenen Taschenbuch von Augsburg oder: Topographisch-statistische Beschreibung der Stadt ist zu lesen, dass das Gartengut damals an "ein schmales nach dem Dorfe Pfersee führendes Gässchen, das Pferseer-Gässchen genannt, grenzt". Weiter heißt es: "In diesem befindet sich eine häufig besuchte Platzwirtschaft, welche "Zum Pferseer Gässchen" heißt. In dem Wirtshaus ist ein Billard vorhanden, der Garten ist dem öffentlichen Sommervergnügen gewidmet, es existieren aber auch hier geschlossene Privat-Gesellschaften, und namentlich halten dort die Mitglieder des Frohsinns und die Gesellschaft zur Erheiterung ... in der anmutigeren Jahreszeit ihre geselligen Zusammenkünfte."

1853 erbte die Tochter Elise von Schnurbein, geb. von Schaezler und danach die Enkelin Eugenie von Bassus, geb. von Schnurbein, das Gartengut.

Ab 1890 begann die Stadt Augsburg auf dem Bereich des Gartenguts neue Straßen und Plätze (Denkmal am Prinzregentenplatz) zu bauen und musste dafür in den Besitz der Familie eingreifen. So erbaute man 1892 auf enteignetem Grund und Boden die heutige Staats- und Stadtbibliothek? und 1919 das benachbarte Gebäude des Maria-Theresia-Gymnasiums?.

1989 entdeckte man bemalte Türfelder im Bereich der Sala Terrena und legte sie frei. Sie stammen aus der Zeit um 1765 und basieren auf grafischen Ornamentsichvorlagen. Angebracht sind sie auf vier Innenseitenfeldern der Flügeltür. Dargestellt sind innen höfische Park- und Ruinenlandschaften, außen Dorfszenen, wie man sie von "Les charmes de la vie champêtre" in der Grisaillemalerei kennt. Bei einer weiteren Tür fand man noch eine weitere einzelne Dorfszene.

Details

Die Außenwände des Baus sind horizontal gegliedert, haben mit Quadern abgerundete Ecken und einen Mittelrisalit mit drei Achsen, der nur flach hervortritt und oben mit einem Zwerchgiebel abgeschlossen wird. Im Mittelrisalit bezeichnet ein Balkon mit geschwungenem Eisengitter den dahinter liegenden Gartensaal, der auch durch die größeren, oben abgerundeten Fenster betont wird. Eine aquarellierte Federzeichnung von J. M. Frey um 1800 zeigt, dass unter dem Balkon früher eine Stiege zur Stadt aus dem ersten Obergeschoß führte. Diese Stiege wurde aber zu einem unbekannten Zeitpunkt abgebrochen und die hier vorhandene Tür geschlossen.

Der Eingang des Gebäudes liegt heute auf der Gartenseite. Dort gibt es zwei Zugänge. Beide haben geschnitzte Rokokotüren mit Oberlichtern. Der nördliche Zugang führt zu einem oval angelegten Treppenort. Nur hier im Norden hat das Gebäude einen Keller. In den Nischen des Kellers befinden sich Kienspan-Nischen, möglicherweise noch aus einem Vorgängerbau des 17. Jahrhunderts. Dazu kommt an der Kellerdecke ein Stichkappengewölbe.

Wer die Gelegenheit hat bis ins dritte Stockwerk des Gebäudes zu gelangen, kann unter dem Dachfirst ein Gemälde von Johann Christ? aus den Jahren um 1770 an der Decke bewundern. Im zweiten Stock des Hauses gibt es dazu noch einen prunkvollen Raum.

Gegenüber liegt das Premauer-Haus?.

Lage


Weblinks


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