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Schaezlerpalais

auch Schaezler-Palais; größter und prunkvollster erhaltener Profanbau des Spätrokokos in Augsburg; heute von den Kunstsammlungen der Stadt Augsburg genutzt

Allgemeines

Das Schaezlerpalais ist mit dem Rokokofestsaal einer der schönsten süddeutschen Museumsbauten in einem historischen Ambiente und wurde von einem Augsburger Bankier und Silberhändler Ende des 18. Jahrhunderts erbaut. Es ist sicher das nobelste Augsburger Stadthaus aus dieser Zeit. Durch die farbige Wandgestaltung und die historische Vertäfelung hat es eine besondere Atmosphäre mit intimer Strahlkraft. Der Bau zeigt, dass sich das Augsburger Bürgertum damals beim Bauen am Vorbild absolutistischer Königshäuser orientierte. Deshalb spricht man beim Schaezlerpalais auch von einem bürgerlichen "Stadtschloss".

Das Palais hat drei Geschoße und einen Mittelrisalit, der von einem Giebel gekrönt wird. In Augsburgs Stadtmitte wirkt das Schaezlerpalais geradezu höfisch. Heute gehört das Schaezlerpalais der Stadt Augsburg und bietet neben dem prächtigen Rokokofestsaal auch der Deutschen Barockgalerie, der Grafischen Sammlung sowie die Karl und Magdalene Haberstock-Stiftung? Platz. Angeschlossen ist die Staatsgalerie Alte Meister in der Katharinenkirche?. Das Schaezlerpalais war lange Sitz der Bankiersfamilie Schaezler?, von der es seinen Namen hat und die auch die Anregung zur Gründung einer Sparkasse in Augsburg gab.

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Die Hauptfassade des großen Baus stand zum ehemaligen Weinmarkt?, heute Maximilianstraße. Sie ist mit knapp 20 Metern viel kürzer als die Seite des Palais an der Katharinengasse, die fast 110 Meter misst. Zum Schaezlerpalais gehören auch ein Wirtschaftshof und ein Garten hinter dem Gebäude.

Im Schaezlerpalais finden regelmäßig die Veranstaltungen Kunstplausch?, Kunstsprechstunde? und unregelmäßig Konzerte und Lesungen statt. Es ist damit ein wichtiger Augsburger Hotspot für Kultur in Augsburg. Auch deshalb, weil in den letzten Jahren besonders die Museumspädagogik ausgebaut wurde. So gibt es kunsthistorische Tutoriumsführung für Schulklassen ab der 8. Schulklasse, in denen die Schüler einen Streifzug durch die Kunstepochen erhalten, der in der Renaissance beginnt und mit dem Klassizismus endet. Oder die Feier eines Kindergeburtstags unter dem Motto "Tanzen im Barock": Auf Voranmeldung können Kinder zwischen acht und zwölf Jahren nach einem Rundgang durch das Museum in Verkleidung mit Fächer und Hut, selbst das Tanzen und die Umgangsformen sowie das Verhalten der damaligen Zeit ausprobieren. Dabei lernen sie, wie die Menschen im Barock? lebten, wie sie sich kleideten, was sie aßen, wie sie tanzten ...

Geschichte

Bauphase

In der 2000 Jahre alten Stadt Augsburg wäre es seltsam, wenn an der Stelle des Schaezlerpalais nicht schon Vorgängerbauten gestanden hätten. Und in der Tat wissen wir durch eine Urkunde, dass hier schon 1346 ein Gebäude stand. Dieses (oder ein Nachfolgebau) wurde 1499 durch einen Neubau ersetzt. Bauherr war der kaiserliche Rat Philipp Adler?. In dem Wohnhaus mit einer Loggia und einem Erker übernachtete der spätere Kaiser Maximilian I.? mehrmals, als er in Augsburg weilte. Die Tochter von Philipp Adler? heiratete übrigens Franz Welser?. Von diesem Paar stammt Philippine Welser ab, die hier 1527 geboren wurde und später den Erzherzog Ferdinand von Österreich heiratete.

Nach der Familie Adler wohnten an dieser Stelle später in Wechsel die Familien Welser, Rehlingen?, Sulzer? und Stetten?.

Das Augsburger Schaezlerpalais wurde in den Jahren 1765 bis 1770 für den Bankier und Silberhändler Benedikt Adam Liebert?, Edler von Liebenhofen (1731–1810), erbaut. Er hatte 1764 das so genannte "Sulzersche Anwesen" am ehemaligen Weinmarkt? erworben, das aber damals schon in die Hände der Familie Stetten? übergegangen war. So kaufte Benedikt Adam Liebert? das "Sulzersche Anwesen" von David von Stetten?.

Die Lieberts waren 1763 nach Augsburg gekommen, nachdem sie im Silberhandel einigen Reichtum erworben hatten. Und weil 1763 schon der Vater von Benedikt Adam Liebert? "Edler von Liebenhofen" und dadurch in den erblichen Reichsadelstand erhoben worden war, gehörten die Lieberts nun zu den Augsburger Patriziern, weshalb sich ein standesgemäßer Familiensitz als notwendig erwies. Wie es sich für einen Bankier gehörte, stellte Benedikt Adam Liebert? sein Palais in der Stadt der Banken an Augsburgs Straße Nummer 1, die Maximilianstraße, die damals an dieser Stelle noch Weinmarkt? hieß. Denn nur das Beste war gut genug. Deshalb engagierte man den Cuvilliés-Schüler Carl Albert von Lespilliez? für die repräsentative Fassade. Er legte auch bei der Innengestaltung Hand an und schuf den beeindruckenden zweigeschossige Festsaal des Gebäudes. Er ist Herz und Höhepunkt des Palais. Der Münchener Hofbaumeister ließ für die Planung des Schaezlerschen Wohn- und Geschäftshauses ein Modell herstellen. Die Bauausführung musste er aber entsprechend den damals in Augsburg gültigen Vorschriften dem Augsburger Maurermeister Johann Gottfried Stumpe (1708-1777) übertragen, nachdem die Anlegung des Gebäudes, wie Liebert selber sagte, unter der Anleitung des Münchener Hofmaurermeisters Matthäus Gießl erfolgt war.

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Als der Festsaal des Palais am 28. April 1770 eingeweiht wurde, soll die spätere französische Königin Marie Antoinette hier ein paar rote Schuhe durchgetanzt haben. Sie war damals 14 Jahre alt und auf ihrer Brautreise nach Paris. Der jüngsten Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia zu Ehren gab man im Schaezlerpalais einen Ball. Marie Antoinette tanzte drei Menuette und ließ sich die Augsburger Trachten vorführen. Der damalige Eigentümer des Schaezlerpalais, Benedikt Adam Liebert von Liebenhofen? schrieb über das Ereignis: "Wie huldreich und gnädig diese an sich selbst sehr schöne, an Haut und Fleisch ungemein zarte 14 1/2-jährige Prinzessin sich gegen jedermann erwiesen, vermag ich nicht zu beschreiben." Marie Antoinette starb 23 Jahre später als Frau des französischen Königs auf dem Schafott.

Das Schaezlerpalais im 19. Jahrhundert

Ein paar Jahre später, 1808, war König Maximilian I. Joseph? im Liebertschen Palais anlässlich einer Durchreise nach München Ballgast. Aber Liebert öffnete seinen Rokokosaal hin und wieder auch für öffentliche Konzerte.

Die Familie Schaezler? kam durch die Hochzeit Johann Lorenz von Schaezler? mit der Tochter des Bauherren (Marianna Barbara Liebert) in den Besitz des Palais, das dann nach ihr benannt wurde. Nachdem der ehemalige Ansbacher Unternehmer Johann Lorenz von Schaezler? 1821 zum Freiherrn erhoben worden war, kaufte er 1824 von den Verwandten seiner Frau das gesamte Anwesen. Das Schaezlerpalais wurde Stadtpalast der Augsburger Bankiersfamilie Schaezler? und von ihr über vier Generationen lang bewohnt und instand gehalten.

Übergang an die Stadt Augsburg

Es kommt einem Wunder gleich, dass der Festsaal die Bombardements im Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat, was ihn zum konserviertesten Rokoko-Festsaal Bayerns machte. 1951 mieteten sich die städtischen Kunstsammlungen und Museen im Schaezlerpalais ein. Am 4. Oktober 1958 schenkten der Urenkel des Erbauers, Dr. jur. Wolfgang Freiherr von Schaezler (1880-1967), und seine Frau Hilda, geb. Freiin von der Tann-Rathsamhausen (1892-1986) das Schaezlerpalais zur Erinnerung an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Söhne Lorenz († 1943) und Dietrich († 1940) der Stadt Augsburg. Mit der Schenkung legten sie der Stadt auf, das Schaezlerpalais niemals zu verkaufen und nur für kulturelle Zwecke zu verwenden. Die Stifter übereigneten der Stadt auch knapp 140 Hektar Wald, um damit die Mittel zur Instandhaltung des Äußeren zu sichern.

Ab 1965 baute die Stadt Augsburg das Schaezlerpalais unter Wahrung der historischen Bausubstanz zu einem Museum mit Werkstätten um. 1970 zog die Gemäldegalerie der Stadt Augsburg in die Räume (heute Deutsche Barockgalerie).

Jüngere Vergangenheit

Von 2004 bis 2006 wurde das Schaezlerpalais aufwändig renoviert und restauriert. Die Wiedereröffnung konnte am 6. Februar 2006 begangen werden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligte sich an den Kosten der Restaurierung mit über 25.400 Euro, was angesichts von 5,7 Millionen Euro Renovierungskosten nur ein Zeichen für die Bedeutung des Denkmals war. Nur dank der großzügigen Unterstützung zahlreicher privater und öffentlicher Förderer konnte die Sanierung nach modernsten konservatorischen Grundsätzen durchgeführt werden. Unter anderen kam das Geld dazu von der Stadt Augsburg, dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (im Rahmen des Entschädigungsfonds des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege), vom Kulturfonds Bayern, der Bayerischen Landesstiftung München, der Abteilung Kultur- und Europaangelegenheiten beim Bezirk Schwaben, der Regierung von Schwaben, der Städtebauförderung des Freistaates Bayern? und der Bundesrepublik Deutschland, dem Förderkreis Schaezlerpalais?, dem World Monuments Fund, New York, und der altaugsburggesellschaft?.

Juli bis November 2009: Ausstellung "irdische paradiese" mit Meisterwerken aus der Kasser Art Foundation. Ausgestellt wurden Werke von Claude Monet, Pablo Picasso, Pierre Auguste Renoir, Paul Signac, Hans Arp, Mary Cassatt, Paul Cézanne, Marc Chagall, Alfred Sisley, Henri Matisse und vielen anderen. Die ausgestellten 106 Gemälde konnten als Schilderung paradiesischer Zustände gelesen werden, was zu dem Titel führte. Im Jahr 2009 zählte das Schaezlerpalais etwa 135.000 Besucher.

2011 startete das Schaezlerpalais die Ausstellungsreihe "Alt versus Neu", in der neue Kunst mit der im Schaezlerpalais begegnenden Kunst konfrontiert wurde. So zeigte das Schaezlerpalais vom 24. September bis zum 6. November 2011 eine Auswahl der Pastelle und Zeichnungen des Zyklus´ von dem in Augsburg und Marseille lebenden Künstler Max Kaminski? zum Rokokofestsaal und stellt diese ihren Vorbildern gegenüber. Max Kaminski? war von der Pracht des Rokokofestsaals des Schaezlerpalais so fasziniert, dass er sich über ein Jahr lang intensiv mit der Ausstattung des Festsaals auseinandersetzte. So entstanden zahlreiche großformatige Pastelle, deren Ausgangspunkt Guglielmis Deckenfresko bildete. Dessen Werk nahm Kaminski zum Anlass, den im Deckenbild dargestellten Kosmos künstlerisch zu überformen: Er spiegelte Motive aus diesem Kontext wider; er paraphrasierte sie, entwickelte sie weiter und machte sie letztendlich zum Teil seiner eigenen Bildwelt, in der Details hervortreten, kompositorische Einheiten fragmentiert und neue Zusammenhänge geschaffen werden. Dem Betrachter wurden so – gefiltert durch den Blick des Künstlers – faszinierende neue Sichtweisen auf die Malerei Guglielmis eröffnet.

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Vom 27. Juli bis 30. September 2012 war eine bis dahin unbekannte Sammlung von Meisterzeichnungen des deutschen Barock und Rokoko in einer Sonderausstellung zu sehen: u. a. Zeichnungen von Friedrich Sustris?, Johann Elias Ridinger?, Johannes Rottenhammer?, Johann Georg Bergmüller, Johann Heinrich Tischbein und Daniel Nikolaus Chodowiecki.

Zwischen März und September 2013 fand mit der Ausstellung "Schmuck der Maharajas - Aus den Schatzkammern indischer Fürsten" erstmals eine umfassende Schmuckausstellung im Schaezlerpalais statt.

Im Frühjahr 2013 wurde im ehemaligen Hühnerhaus des Schaezlerpalais ein Bienenvolk im oberen Stockwerk untergebracht, das im Sommer Honig produziert.

Bienen im Museum - Bericht vom 28.07.2013 auf TV BAYERN LIVE*

2016 fand die Ausstellung "Rendezvous der Künstler" mit Werken aus der Sammlung Helmut Klewan statt. Dazu gab es im November 2016 unter dem Titel "Wilde Zeiten" eine Führung, Lesung und ein Gespräch mit dem Schriftsteller und Filmemacher Alfred Gulden. Es ging dabei um die späten 1960er Jahre und den Wiener Aktionismus bis heute. "Schweinerei", "Ausgeburt kranker Hirne" oder "Blasphemie" lautete der allgemeine Aufschrei gegen die damalige Kunst. Gulden erzählte im Schaezlerpalais von seinen Freundschaften mit dem Sammler Helmut Klewan und später so bekannten Künstlern wie Arnulf Rainer, Günter Brus oder Hermann Nitsch, dessen 24-Stunden-Spiel (1975) und sechs-Tage-Spiel (1998) er inszenierte.

Details

Die Schauseite des Schaezlerpalais ist schwäbisch zurückhaltend mit sieben Fensterachsen auf den Herkulesbrunnen ausgerichtet und durch einen Mittelrisalit mit einem flachen Dreiecksgiebel, einem zentralen Hauptportal und einem Balkon im ersten Stock gegliedert. Segmentgiebel über den Fenstern betonen die Beletage, also die Gesellschaftsräume, die sich im ersten Stock über den Wirtschafts- und Lagerräumen im Erdgeschoß erhebt. Im zweiten Obergeschoß befinden sich Wohnräume. Ursprünglich beherbergte das dreigeschossige Bauwerk im Erdgeschoss die Bankräume Lieberts. Heute befinden sich im Erdgeschoss die Funktionsräume (Kasse/Garderobe), die Grafische Sammlung und Verwaltungsräume, in der ersten Etage die Deutsche Barockgalerie und in der zweiten Etage die Karl und Magdalene Haberstock-Stiftung? sowie die Sonderausstellungsräume.

Wie in einem Adelspalais gaben Raumfluchten die Grundstruktur ab. Das kann man z. B. im ersten Obergeschoß, der Beletage, studieren, wo die Suiten als Zimmergruppen an einem Gesindegang aufgereiht sind, bevor das Zimmerprogramm im Festsaal auf der Höhe des Gartens seinen Höhepunkt erreicht.

Die Fassade zur Maximilianstraße ist repräsentativ und zeigt im Giebel eine Kartusche mit dem Wappen des Erbauers und einem vergoldeten Stern auf der Spitze, der 1821 hinzukam. Auch die mit 96 Fenstern ausgestattete Seitenfront, die zur Katharinengasse hin liegt, ist eindrucksvoll.

Ausstattung

Die Türen der Raumfluchten stattete Josepf Christ? (1731-88) mit Supraporten aus. Dargestellt sind Szenen aus der Augsburger Geschichte und aus den Metamorphosen von Ovid. Die 67 Supraporten mit Grisaillemalereien über den Durchgängen sind original erhalten. Ihre Grundtönung greift die Farbgestaltung der Kabinette auf. So wechseln sich mintgrüne, pastellgelbe, milchblaue und rosarote Räume ab, was das Hängen der Bilder in den Räumen nicht einfach macht.

Die Supraporten im Festsaal werden Francesco Londonio (1723-1783) oder S. de Derichs (1712-1773) zugeschrieben; die übrigen Supraporten in den beiden Stockwerken malten Ignaz Paur (1723-1790) und Joseph Christ. Sie zeigen Tiere aus den vier damals bekannten Erdteilen; über ihnen sind in der Form einer Zirbelnuss die so genannten "Schalllöcher" angebracht.

Das elegante Stiegenhaus hat Gregorio Guglielmi (1714–1773) freskiert. Titel: "Die sieben freien Künste" mit Apollo und Merkur.

Festsaal des Schaezlerpalais

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In den Rokoko-Saal gelangt man durch die Deutsche Barockgalerie, deren Bilder manchem etwas muffig anmuten werden, aber für Freunde der damaligen Zeit einen besonderen Reiz besitzen. Der Spiegelsaal ist einer der fünf historischen Prunksäle in Augsburg und ein beeindruckendes Meisterwerk der Kunst des Rokoko? - 23 Meter lang und 30 Meter breit. Ein Fest für die Augen, die sich nur beim Blick in den geometrisch angelegten Garten beruhigen können. Der Festsaal reicht über zwei Stockwerke und gilt als wertvollster Festsaal, der aus dieser Zeit noch erhalten ist.

Das Deckengemälde, das im Zentrum des Raumes angebracht ist, stammt von dem italienischen Künstler Gregorio Guglielmi (1714–1773), der kurz zuvor in Wien gearbeitet hatte. Jedenfalls nannte Liebert ihn als den geistigen Urheber des "ganzen Dessin von dem Saal". Allerdings kann auch Carl Albert von Lespilliez? als Schöpfer des Deckenfreskos nicht ganz ausgeschlossen werden. Es ist eine Allegorie der Erdteile. Weil der Saal fast unversehrt die Jahrhunderte überstanden hat, besitzt das Blattgold des Raumes eine schöne Patina und glänzt angenehm zurückhaltend.

Das Deckenfresko stellt die damals bekannten vier Erdteile dar und trägt demnach auch den Titel "Vier Erdteile". Die Kontinente werden durch schwebende Tier- und Menschengruppen verkörpert, die dem Betrachter die Vielfalt und Exotik der verschiedenen Kontinente farbenprächtig vor Augen führen. Im Zusammenspiel mit den Supraporten, Schnitzereien und Stukkaturen des Festsaals entsteht so das Sinnbild einer Welt im Kleinen. Das Werk ist ein schönes Beispiel für eurozentrisches Denken, denn in der Mitte thront Europa mit vielen zivilisatorischen Segnungen von der Kunst bis zur Wissenschaft, während am Rand die "exotischen" Erdteile Afrika, Amerika und Asien (noch ohne Australien) dargestellt sind. Auch damals scheint Geld die Welt regiert zu haben, denn in dem Deckengemälde herrscht der Gott des Handels und des Geldes Merkur über die Erdteile. Über den vier Seitenspiegeln der Ost- und Westwand des Festsaales sind Symbole der Jahreszeiten angebracht, über den Spiegeln der Nord- und Südseite kann man die zwölf Tierkreiszeichen und Metallzeichen sehen.

Die Stuckarbeiten an der Decke und an den Wänden sind sehr gelungen und gehen auf Franz Xaver den Jüngeren? und Simpert Feichtmayr? zurück. Die Schnitzarbeiten und die Wandvertäfelung führte Placidus Verhelst? aus.

Der Festsaal diente für Veranstaltungen und Empfänge. Gregorio Guglielmi, der dem Raum das Deckenfresko schenkte, arbeitete unmittelbar vor dem Augsburger Auftrag in Schloss Schönbrunn. Deshalb meint man Österreichisches in dem Festsaal zu spüren. Zu diesem Raum mit seiner wirbelnden Architektur und seinen meisterlichen Stuckaturen und Schnitzereien passen die Melodien Mozarts.

Bemerkenswert ist die Pracht der Schnitzereien von Placidus Verhelst? (1727-78), der Stil der Stukkaturen der Brüder Feichtmayr? und der Ausdruck der Supraporten von Sophonias de Derichs? (1712-73]] und Francesco Londonio? (1723-83). Muscheln und Ranken, Symbole der Jahreszeiten, Gestirne und Elemente bilden das Universum ab.

Zwar sind nur noch 338 Kerzen im Festsaal vorhanden, doch zählte man in früheren Zeiten 365 Kerzen, für jeden Tag eine.

Heute wird der Rokokofestsaal im Schaezlerpalais gern für Vorträge oder Musikdarbietungen genutzt. Vom Schaezlerpalais kommt man hinter dem Festsaal zum Übergang in die ehemalige Katharinenkirche?, die heute eine staatliche Gemäldegalerie (Staatsgalerie?) beherbergt. Dabei muss man das nach Westen gerichtete "Dreieckszimmer" passieren. Es ist mit französischen Papiertapeten ausgestattet, auf denen Napoleons Siege dargestellt sind. Auch der Hängeleuchter, der sich früher in der Hofeinfahrt befand, ist hier zu sehen, außerdem eine Stoffbespannung, die im 18. Jahrhundert in der Schüleschen Kattunfabrik gefertigt worden war.

Der Übergang zur Deutschen Barockgalerie führt in eine andere Welt. Man glaubt in der strengen kontemplativen Stimmung der Kirche noch immer dominikanische Nonnen zum Gebet niederknien zu sehen.

Park des Palais

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Bevor man das Schaezlerpalais wieder verlässt, sollte man unbedingt einen Blick in die kleine Parkanlage werfen, die sich im Innenhof des Gebäudes an dessen Südseite befindet. Der Garten ist öffentlich und ohne Eintrittspreis zugänglich. Sowohl Augsburger als auch Touristen schätzen diesen Rokoko-Garten, eine Vierfelderanlage mit Elementen eines Landschaftsgartens, als besonderen Erholungsort. Während der Sanierung des Schaezlerpalais ab 2004 stellte die Firma Wiegel Landschaftsarchitektur den Rokoko-Garten möglichst original wieder her. Dabei verwendete man eine Uraufnahme des Gartens aus dem Jahr 1808 und beachtete Grabungsergebnisse aus dem Jahr 1994. Wie auf der Darstellung von 1808 zu sehen, planzte man kleinkronige Formbäume, setzte halbhohe Schnitthecken als Einfassung und legte in den vier Kompartimenten (Teilen) des kleinen Parks Schlängelwege mit wegbegleitenden gewölbten Rasenfeldern neu an, wie sie 1808 zu sehen waren. So gewann man die alten Grundstruktur der Gartenanlage mit ihren Wegen und Rasenfeldern wieder, vor allem die Axialität des Gartens, der sich auf das Schaezlerpalais bezieht, konnte wieder hergestellt werden. Die Mauer des Gartens mit ihren Figurennischen bepflanzte man mit Hecken. Den Boden bedeckte man mit Kleinstein, um sich an die typische Steckkieselpflasterung der Region anzulehnen.

Immer wieder sieht man Augsburger Hochzeitspaare im Garten des Schaezlerpalais ihre Hochzeitsbilder machen.

Besonderheiten

Das Museum ist aufgrund seiner historischen Bausubstanz nicht barrierefrei. Allerdings steht in den Ausstellungsetagen je ein Rollstuhl zur Verfügung. Eine Behindertentoilette und ein Wickelraum sind ebenfalls vorhanden.

Auf der anderen Seite ist das Schaezlerpalais die ideale Filmkulisse, wenn es um das Leben des gehobenen Bürgertums? der Zeit des Rokoko? geht.

Das Schaezlerpalais-Café

Seit April 2007 ist im Schaezlerpalais ein Museumscafé in Betrieb. Im besonderen Ambiente des Palais kann man nun Kaffee, Kuchen und Erfrischungen genießen. Eine Besonderheit, die angeboten wird, ist das "Schaezlerpils", das die Schlossbrauerei Scherneck? eigens für das Schaezlerpalais-Café braut und in schmucke blaue Flaschen abgefüllt wird. Der Brauherr der Schlossbrauerei Scherneck? ist Christian Siedler von Schaezler?. Er und seine Frau stifteten auch das historische Mobiliar des Schaezlerpalais-Cafés.

Geöffnet ist das Museumscafé

Di: 10 - 20 Uhr
Mi bis So: 10 - 17 Uhr.

Tel. 0821/3244118

Audioguide

Seit 18. Dezember 2007 gibt es im Schaezlerpalais einen Audioguide. Er wurde von der Berliner Firma Tonwelt in Zusammenhang mit den beiden Augsburger Kunsthistorikern Dr. Christof Metzger? und Ulrich Heiß? entwickelt. Er führt durch die Dauerausstellung der Deutschen Barockgalerie und den Festsaal des Palais. Neben der deutschen Version gibt es auch eine englische. In der Zwischenzeit gibt es auch einen Kinderaudioguide im Schaezlerpalais, der 7 bis 11-jährige Kinder durch die Dauerausstellung führt.

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag: 10.00 - 17.00 Uhr
Drei König (6. Januar), Ostermontag und Pfingstmontag von 10-17 Uhr geöffnet
Zum Hohen Friedensfest (8. Augsut), Mariä Himmelfahrt (15. August), Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) von 10-17 Uhr geöffnet
Erster und zweiter Weihnachtsfeiertag sowie Neujahr von 10-17 Uhr geöffnet
Faschingsdienstag, Heiligabend und Silvester geschlossen

Führungsbuchung: 0821/324 41 12 oder per E-Mail: besucherservice-kusa(@)augsburg.de

Adresse

Kunstsammlungen und Museen Augsburg
Schaezlerpalais
Maximilianstraße 46
86150 Augsburg

Tel. 0821/3244112


Weblinks


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