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Schäffler

Handwerker, die Wannen, Zuber, Bütten, Holz- und Braugeschirr, Wein-, Bier- und Packfässer aus Holz herstellen. Auch Fassbauer. Siehe auch Schäfflerbach?, Schäffler-Gässchen und Schäfflerbrunnen.

Begriff

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Der Begriff Schäffler oder Scheffler geht auf das Wort Schaff/Schaffen (schaffe, schapf oder scheff) zurück. Eine Schaffen ist im Oberdeutschen ein Getreidemaß oder ein Schöpfgefäß. Derjenige, der Schaffen und Ähnliches herstellt, ist dann der Schäffler. Diese Bezeichnung ist Ober- bzw. Süddeutsch, denn auch in anderen deutschsprachigen Regionen hat sich die Berufsbezeichnung aus dem Gefäß, das typischerweise hergestellt wurde, entwickelt. In Nord- und Ostdeutschland heißt der Schäffler z. B. Böttcher. Dieses Wort wurde von dem Bottich abgeleitet, einem Holzgefäß, das oben offen ist. Die West- oder Südwestdeutschen sprechen vom Küfer, denn Winzer dieser Gegenden verwenden tiefe Holzgefäße, die nach oben offen sind, Kufen genannt. Die Niederbayern und Österreicher sprechen vom Binder, denn dort entwickelte sich die Berufsbezeichnung aus dem Wort Reifen (Holzreifen), der um Fässer angelegt wird. In Nordbayern bezeichnet man kleinere Bottiche als "Bütten", woher dann die Berufsbezeichnung "Büttner" kommt.

Schaut man sich die Holzgefäße genauer an, die Schäffler, Böttcher, Küfer und Binder herstellten, so handelt es sich um gerade Gefäße. Daraus kann man folgern, dass die bauchigen Fässer, die heute für Bier, Wein und andere Getränke verwendet werden, jüngeren Datums sind.

Allgemeines

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Obwohl ein Schäffler in jüngerer Zeit Unterstützung durch Maschinen erhalten hat, ist sein Handwerk immer noch zu einem großen Teil nur von Hand zu verrichten, weil es für viele Arbeitsgänge keine Maschinen gibt.

Zunächst müssen Dauben gebogen werden, wozu sie erst in einem Kessel bis zu zwei Stunden gekocht werden. Das Biegen und Stauchen der Dauben geschieht heute maschinell. Danach werden Klammern aus Eisen aufgesetzt, mit denen die Dauben in Form gehalten werden. Danach setzt man die Dauben samt Klammern in Arbeitsreifen zu einem Rumpf auf.

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Um nun die Böden in den Fassrumpf einzubinden, schlägt man die Arbeitsreifen auf einer Seite vom Fass, die der anderen Seite lockert man nur, damit der Rumpf nicht auseinanderfällt. Vom Fassinnern werden die Böden in die Kimme, also die Nut, in der der Boden sitzt, gezogen und dort eingebunden. Diese Böden bestehen wie das ganze Fass aus Einzelteilen, die man auch heute noch von Hand zusammen dübelt, mit kleinen Nägeln verbindet. Die Fugen werden wie früher mit Schilf abgedichtet, in die Kimme legt man Binsen ein. Jeder Fassboden muss individuell an den jeweiligen Rumpf angepasst werden, was sehr genau erfolgen muss, denn wenn nur eine Kleinigkeit nicht passt, kann das zu Undichtigkeiten führen.

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Wenn die Fässer verschlossen sind, schlägt man die Arbeitsreifen ab und versieht sie mit neuen Reifen, die von Hand angepasst werden müssen. Sind die Reifen vernietet, werden sie von Hand auf das Fass geschlagen, zunächst nur die Kopfreifen, um die Fassaußenseite noch abhobeln zu können. Man spannt die Fässe in eine Abdrehbank und hobelt sie quer zur Faser. Nach dem Hobeln kommen die fehlenden Reifen an das Fass. Danach werden drei Büchsen eingedreht. Man bohrt konische Löcher, in die Eisenbüchsen mit Außengewinde eingedreht werden, so dass jedes Fass einen Spundring zum Befüllen, eine Zapflochbüchse zum Anzapfen und eine Bodenbüchse als Luftventil hat.

Nun dem Eindrehen der Büchsen, werden alle Reifen per Maschine auf den Rumpf aufgesetzt, und zwar so, dass sich alle Stellen, an der die Reifen vernietet sind (die Reifenschlösser) auf der Spunddaube befinden.

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Danach wird mit dem Pichapparat flüssiges Fasspech in das Fassinnere gespritzt, das nicht zum Abdichten dient, sondern dazu, das Fass innen zu glätten, keimfrei zu halten und ihm eine leicht zu reinigende "Haut" zu geben.

Jetzt kommen die Fässer auf eine Rollmaschine, auf der sie gedreht werden, bis das Fasspech abgekühlt und fest ist. Mit einer Lampe prüft man, ob sich das Pech gleichmäßig verteilt hat.

Jetzt kommt noch der Eichbeamte und prüft das Fassungsvermögen, bevor man etwa den Brauereinamen oder Fassnummern auf den Böden einbrennt.

Geschichte

Das Schäfflerhandwerk ist ein sehr alter Beruf und geht bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. zurück. Früher war es einer der ganz wichtigen Handwerksberufe, denn alle Behältnisse waren ja aus Holz. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es allein in Bayern noch 1.800 Handwerker in diesem Berufszweig.

Die Berufe der Brauer und der Böttcher/Schäffler etc. waren bis zur Industrialisierung in einer Zunft organisiert.

Mit dem Aufkommen industriell gefertigter Behältnisse (in jüngerer Zeit vor allem aus Plastik) ging die Zahl der Böttcher/Schäffler etc. massiv zurück.

Da in den letzten Jahren der Weinausbau im Barrique einen Aufschwung nahm, gibt es in Weingegenden wieder vermehrt den Küferberuf.

Schäffler in Augsburg

Wann genau die ersten Schäffler in Augsburg tätig waren, lässt sich nicht sagen, vermutlich aber auch im 7./8. Jahrhundert.

Seit 1368 bildeten die Schäffler in Augsburg mit den Wagnern? und Drechslern? eine gemeinsame Zunft. 1475 hatte diese Zunft 31 Mitglieder.

Aus dem Jahr 1565 ist uns eine Ordnung der Schäffler erhalten, die zwischen so genannten Großwirkern und Kleinwirkern unterschied.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts zählten die Schäffler 57 Meister in Augsburg. Damit gehörten sie zu den bedeutendsten Handwerken in der Stadt. Meist arbeiteten sie für die Brauereien der Stadt.

Im 30jährigen Krieg wurde auch dieses Handwerk Augsburgs dezimiert und im Jahr 1830 wird nur noch von 37 Meistern berichtet.

Das Schäffler-Gässchen war die Gegend des Lechviertels, in der früher die meisten Schäffler ihren Handwerksbetrieb hatten. Aber auch in der Schwibbogengasse sind Schäffler in Augsburg nachweisbar.

Während der Zeit des Zunftzwangs in Augsburg unterschied man streng zwischen den "Feinbindern" (zu ihnen gehörten die Schäffler) und den "Grobbindern" - das waren die Küfer?. Wie in München, wo der bekannte Schäfflertanz aufgeführt wurde, gab es auch in Augsburg ein reiches Brauchtum der Schäffler mit Umzügen und Tänzen.

Weblinks


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