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Schaden, Anna von

in der Literatur auch Nanette genannt; eine Augsburger Komponistin und Pianistin der Mozartzeit

Leben und Wirken

Anna von Schaden wurde unehelich in Ebelsberg (Oberösterreich, heute ein Stadtteil von Linz) als Tochter von Walburga Stadler aus Thalheim (bei Wels) geboren. Vater war der Salzburger Hofkriegsratsdirektor Leopold Graf von Pranck (1728 - 1793). Nur der Termin der Taufe ist bekannt: der 2. Juni 1763. Im Kirchenbuch ist als Familienname der Name der Mutter angegeben sowie deren Geburts- oder Wohnort.

Wie Anna von Schaden ihre Kindheit verbrachte, ist unbekannt. Als sie elf Jahre alt war, kam sie in das Haus des Wiener Reichshofrats Friedrich Freiherr von Mauchart (um 1736 - 1781) und dessen Ehefrau Christine († 1806), möglicherweise auf Wunsch des Vaters. In diesem Haus spielte Musik eine große Rolle. Anna wurde als Pianistin und Sängerin ausgebildet und bekam eine umfassende Bildung. Möglicherweise lernte sie im Haus von Mauchart schon ihren späteren Klavierlehrer Ignaz von Beecke.

In Wallerstein? war Ignaz von Beecke der Klavierlehrer von Anna von Schaden. Sie konzertierte hin und wieder mit der Wallersteiner Hofkapelle. Sie war die Ehefrau eines Geheimen Hofrats und die Schwiegertochter des fürstlichen Regierungsdirektors und Kammerpräsidenten. Am 4. November 1779 heiratete Anna von Stadler im Wiener Stephansdom den fünfundzwanzigjährigen Joseph von Schaden (* 5. April 1754 in Wallerstein). Er war der älteste Sohn des Oettingen-Wallersteinischen Regierungsdirektors Franz Michael von Schaden (1726 - 1790). Joseph von Schaden war im Dezember 1774 als Regierungs-Assessor in die Dienste des Fürsten Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein (1748 -1802) getreten. Am 22. September 1775 wurde er zum Geheimen Hofrat ernannt. Seit 1776 war er in Wien, um dort die Angelegenheiten des fürstlichen Hauses zu vertreten.

Anna von Schaden war mit Antonio Rosetti (1750 - 1792) befreundet, einem Komponisten und Kapellmeister des Wallersteiner Orchesters, auch mit Nannette Stein? (1769 - 1833), der Tochter des berühmten Augsburger Klavierbauers Johann Andreas Stein. Die Freundschaft mit Nannette Stein? reichte bis in die Zeit kurz nach der Übersiedelung des Ehepaars Schaden von Wien nach Wallerstein? zurück. In Augsburg intensivierte sich die Freundschaft der beiden Frauen, die sich regelmäßig zum gemeinsamen Musizieren trafen.

Bald nachdem Anna von Schaden geheiratet hatte, zog das Paar nach Wallerstein?, wo Anna von Schaden bald einen guten Ruf als Pianistin hatte, was ihr ab 1781 eine jährliche Pension des fürstlichen Hauses in Höhe von 200 Gulden einbrachte. Immer öfter trat sie zusammen mit der Hofmusik ein, wovon ein handschriftlicher Programmzettel eines Hofkonzerts am 2. März 1786 Zeugnis ablegt.

In Wallerstein? kamen vier Kinder des Paares zur Welt, allerdings überlebten nur zwei Töchter das Kindesalter. Möglicherweise hatte ihr Vater Anna von Schaden nach der Heirat legitimiert, denn im Wallersteiner Taufmatrikel gibt sie sich als Maria Anna Comes de Branck aus. Doch verwendete Anna später beide Versionen ihres Mädchennamens.

Um die Jahreswende 1786/87 wurde Joseph von Schaden Ratskonsulent? in der Reichsstadt Augsburg?. Weil er zwölf Jahre gedient hatte, bekam er vom Fürsten eine Pension von 300 Gulden. Die 200 Gulden, die Anna von Schaden seit 1781 erhielt, blieben ihr weiter erhalten.

Im Frühjahr 1787 lernte das Ehepaar von Schaden in München den sechzehnjährigen Beethoven kennen, der gerade aus Wien kam, wo er Kompositionsunterricht bei Mozart genommen hatte. Wenig später besuchte der junge Komponist auf der Heimreise nach Bonn in Augsburg die von Schadens, die ihm finanziell halfen.

1791 besuchte Johann Friedrich Reichardt (1752 - 1814) Anna von Schaden. Er war Komponist, Musikschriftsteller und königlich preußischer Hofkapellmeister. Über seinen Augsburger Aufenthalt bei ihr schrieb er in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift "Musikalisches Wochenblatt": "Meinen Tag hab’ ich sehr musikalisch zugebracht bei Frau von Schaden, die unter allen musikalischen Damen, die ich kenne, selbst die Pariserinnen nicht ausgenommen, bei weitem die größte Klavierspielerinn ist, ja an Fertigkeit und Sicherheit vielleicht von keinem Virtuosen übertroffen wird; auch singt sie mit vielem Ausdruck und Vortrag und ist in jedem Betracht eine angenehme, interessante Frau."

Nicht sicher ist, ob Anna von Schaden auch komponiert hat. In der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg hat sich "7 Variations composées par Nani von Schaden in C-Dur für Klavier solo" erhalten, doch könnte das Stück auch eine Komposition ihrer Tochter Maria Anna Antonia sein. Auch ein Rondo, das den Namen Schaden trägt und 1787 in Bosslers Sammelwerk "Blumenlese für Klavierliebhaber" gedruckt wurde, ist nicht sicher ihr zuzuordnen.

In Augsburg machte sich Anna von Schadens Mann mit seiner demokratischen Gesinnung bald Feinde. Offen äußerte er sich gegen Missstände in Regierung und Verwaltung. Er wurde von manchen Augsburgern sogar als Parteigänger der Jakobiner gesehen. Zu seiner Verteidigung schrieb er deshalb im März 1792 an den kaiserlichen Gesandten in München, Ludwig Conrad Graf von Lehrbach (um 1750 - 1805) und rechtfertigte sich für seine Kritik an der öffentlichen Verwaltung und dem Augsburger Magistrat. Das hinderte aber den kaiserlichen Landvogt in Schwaben, Johann Ernst Graf zu Königsegg-Aulendorf (1755-1803), nicht, sich in einem an den Wiener Hof gerichteten Schreiben vom 2. April 1793 über die demokratischen Ideen des Konsulenten von Schaden zu beschweren und zwei Jahre später, am 21. September 1795, dringend zu empfehlen, die Wahl von Schadens zum Deputierten der Stadt Augsburg beim Rastatter Friedenskongress zu verhindern.

Anfang 1793 trennte sich das Ehepaar von Schaden und Anna von Schaden zog mit den Töchtern nach Regensburg?, wo ihr Vater, der Graf von Pranck, seinen Lebensabend verbrachte. Dass sie ohne ihren Mann nach Regensburg? kam, war für die dortigen kirchlichen Behörden Grund genug, beim bischöflichen Ordinariat? in Augsburg Erkundigungen über sie einzuziehen.

Im Herbst 1795 griff Joseph von Schadens einige Ratsmitglieder wegen Wucherpraktiken an. Am 28. Januar 1796 entließ ihn der aristokratische Magistrat Augsburgs aus geringfügigem Anlass. Von Schaden protestierte gegen seine Entlassung und wandte sich sogar an den Kaiser, doch vergebens. Im Sommer 1796 musste er gehen, durfte seine Wohnung nach der Entlassung aber anscheinend noch gewisse Zeit behalten. Denn im Augsburger Stadtarchiv Augsburg ist ein Protokoll des Kaiserlichen Notariatsamtes vom 9. September 1797 erhalten, in dem es um die Übergabe reichsstädtischer Akten geht, die sich zu dem Zeitpunkt noch in der Wohnung von ihm befanden. Als von Schaden entlassen wurde, bezog er ein jährliches Einkommen von 1140 Gulden zuzüglich 61 Gulden (Geld und Naturalien) aus der Hospitalstiftung?.

Ende Mai 1793 starb Graf von Pranck. Nannette Stein? besuchte Anna von Schaden im September 1793 in Regensburg? zusammen mit ihrem Bruder Matthäus Andreas (1776 - 1842) auf der Reise nach Wien, um dort vom Kaiser eine Konzession für die Weiterführung der väterlichen Manufaktur in der Donaumetropole zu erhalten.

Joseph von Schaden ließ sich nach seiner Entlassung aus Augsburger Diensten von seiner Frau scheiden und heiratete 1803 die protestantischen Friederike Zehler (1780 - 1863). Am 29. September 1814 starb Joseph von Schaden sechzigjährig in München.

Nach der Scheidung war Anna von Schadens finanzielle Situation nicht gut und scheint im Laufe der Jahre schlechter geworden zu sein. So beklagte sie in einem Schreiben an den Wallersteinischen Hofkammerrat und General-Kassier Linsenmeyer vom Dezember 1817 das Ausbleiben der ihr seit 1781 gewährten Pension. Auch später zahlten die Wallersteiner nur stockend, was zahlreiche im Oettingen-Wallersteinischen Hausarchiv erhaltene Briefe Frau von Schaden an den fürstlichen Kammerdirektor von Ritter belegen.

Von Schadens beide Töchter blieben unverheiratet: "Nani", die Ältere, starb fünfunddreißigjährig am 24. Oktober 1819. Anna von Schaden starb am 17. Januar 1834.

Andere über sie

Der schwäbische Dichterkomponist Christian Friedrich Daniel Schubart (1739 - 1791) schrieb in seinen "Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst" über Anna von Schaden: "Zwar ist die musikalische Geschichte keine Dilettantengeschichte; wenn sich aber bloße Liebhaber zu der Höhe empor schwingen, wie die Frau von Schad; so verdienen sie nicht nur bemerkt, sondern auch angepriesen zu werden. Sie ist eigentlich eine Schülerin von Beeke; spielt aber weit geflügelter als ihr Meister, und mit mehreren Stylen. Ihre Hand ist glänzend, und gibt dem Clavier Flügel."

Der Historiker und Augsburger Stadtpfleger? Paul von Stetten? schrieb in seiner "Kunst-, Gewerb- und Handwerks-Geschichte der Reichs-Stadt Augsburg" über Anna von Schaden: "Als Liebhaberinn der Kunst aber, giebt durch bewundernswürdige Geschicklichkeit auf dem Piano forte die nach dem Urtheil aller Kenner wenige ihres gleichen findet, Frau Anna von Schaden, gebohrne von Stadler aus Wien, Gattin des gelehrten Herrn Rathskonsulenten und Fürstlich Oettingen-Wallersteinischen Hofraths von Schaden, ein Frauenzimmer, auch in andern Stücken, besonders in Sprachen, in der Singkunst, im Zeichnen und in allen ihrem Geschlechte rühmlichen Künsten, von ausgezeichneten Talenten, den hiesigen musikalischen Uebungen sehr große Zierde. Ihre musicalische Stärke beweisen nicht nur die trefflichsten Ausübungen, sondern auch, die von ihr selbst componierten große und meisterhafte Concerte, davon erst kürzlich zwey zu Mannheim, durch gestochenen Notendruck bekannt gemacht worden sind."

In der "Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften" erschien 1838 eine Würdigung der Anna von Schaden: "Schaden, Frau Nanette von, geborene von Pranck aus Salzburg, glänzte zu Ende des vorigen Jahrhunderts als Claviervirtuosin, obschon sie ihre Kunst nur als Dilettantin und durchaus nicht als Beruf übte. Um 1788 lebte sie zu Wallerstein?. Damals stellte man sie den ersten Clavierspielern Deutschlands und Frankreichs zur Seite."

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