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Sankt Ulrich und Afra

der katholische Teil zweier wie Zwillinge verbundener Kirchen am Ende der Maximilianstraße in Augsburg; entstanden als Wallfahrtskirche zu den beiden Augsburger Heiligen Ulrich? und Afra

Augsburg Ulrichskirche mit Haus St Ulrich
Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg (aus Süden) mit Tagungseinrichtung Haus St. Ulrich (vor dem Kirchenbauwerk) am 12. Juli 2006. By Alois Wüst (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Allgemeines

Die katholische Kirche Sankt Ulrich und Afra in Augsburg beherrscht nicht nur die Maximilianstraße, sondern ist schon von weitem zu sehen, wenn man sich Augsburg nähert. Die spätgotische Kirche wirkt imposant und birgt viele Kunstschätze.

Sankt Ulrich und Afra bildet mit Evangelisch Sankt Ulrich zusammen eine Architekturgruppe, die hart am Abhang der Augsburger Hochterrasse? liegt und markant wirkt. Katholisch Sankt Ulrich und Afra ist streng basilikal aufgebaut und hat keine Strebebögen. Besonders für die gotische Kirche ist der weiße Verputz, der nur an Portalen, Pfeilern oder Fenstern durch Naturstein unterbrochen wird. Schweifgiebel kennzeichnen nach Außen dss Querhaus. Von zwei geplanten Türmen wurde nur der nördliche volendet. Er hat einen achteckigen Aufsatz mit Zwiebelhaube. Der lange Chor wird durch einen 5/8-Schluss begrenzt.

Die Kirche Sankt Ulrich und Afra blickt auf eine lange Bauzeit zurück. Im Groben kann man sagen, wurde die Kirche von 1457 bis 1603/12 errichtet. Die Innenausstattung kam z. T. noch später hinzu. Schon damals entsprach die Form der Basilika nicht der aktuellen Mode, die Hallenkirchen bevorzugte, doch wollten die Benediktiner? mit ihrer "konservativen" Kirche die lange Tradition des Ortes betonen.

Bis zur Säkularisation - im Fall von Sankt Ulrich und Afra liegt der Einschnitt im Jahr 1808 - war die Kirche mit dem angeschlossenen Kloster Sankt Ulrich und Afra ein exterritorialer Bezirk mitten in der Stadt, was noch durch die heutigen Eisengitter deutlisch gemacht wird, die dieses Gotteshaus von der übrigen Stadt abgrenzen. Der ganze Komplex wurde damals als Reichsstift? bezeichnet.

Die Unterkirche von Sankt Ulrich und Afra birgt die für Augsburger Katholiken wichtigen Gräber des Ulrich? und der Afra, deren Sarg noch aus der Spätantike stammt.

Geschichte

Nördlich der Alpen gibt es kaum ältere christliche Wallfahrtsstätten als das Grab der heiligen Afra, die 304 zu Tode kam. Schon im Jahr 565 berichtete Ventianus Fortunatus von diesem Grab. Es ist wahrscheinlich, dass schon im vierten Jahrhundert über ihrem Grab eine christliche Architektur entstand. Im Lauf der Jahrhunderte folgten Umbauten. Die Verehrung des Grabes der heiligen Afra führte gegen Ende des 8. Jahrhunderts zur Gründung eines Kanonikerstifts.

Wer etwas auf seinen christlichen Glauben in Augsburg hielt, ließ sich in ihrer Nähe bestatten. So wird es von dem heiligen Simpert berichtet, der 809 starb, aber ebenso vom heiligen Ulrich?, der 973 das Zeitliche segnete.

Anfang des 11. Jahrhunderts wurde das über dem Grab der heiligen Afra gegründete Kanonikerstift dem Benediktiner-Orden? eingegliedert. Im Jahr 1187 erbauten die Benediktiner? eine romanische Doppelkirche mit Ostturm. Die Doppelkirche sollte darauf hinweisen, dass hier sowohl Afra wie Ulrich? geehrt wurden.

Wohl weil der romanische Bau nicht mehr zeitgemäß erschien, begann man 1467 mit einem Neubau, der gewaltiger werden sollte. Möglicherweise stammten die Pläne zu diesem Bau von Hans von Hildesheim. Jedenfalls begann man unter Valentin Kindlin, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wirkte, mit dem Bau. Als 1475 das erstellte Langhaus zum Teil einstürzte, übertrugen die Benediktiner? Burkhard Engelberg? (1447-1512) die Bauleitung, die er bis zu seinem Tod behielt. Während seiner Bauleitung kam es zur Weihe des Langhauses und zur Grundsteinlegung des Chores, woran Kaiser Maximilian I.? teilnahm (1500). Ab 1506 begann man mit dem Bau der beiden geplanten Türme.

Dass sich Kaiser Maximilian I.? für die Kirche Sankt Ulrich und Afra sehr interessierte, hatte damit zu tun, dass sich die Habsburger mit Ulrich? verwandt glaubten, weshalb die Kirche zum einen "Reichsgotteshaus" genannt wurde und man zum anderen ein Reiterstandbild des Kaisers für einen Platz in oder vor der Kirche begann, das jedoch nicht vollendet wurde.

1514 übernahm Hans König? die Bauleitung an Sankt Ulrich und Afra, doch legte man mit dem Bau 1526 eine Pause ein. Leider fiel 1537 fast die gesamte schon vorhandene Innenausstattung des Langhauses dem Bildersturm zum Opfer.

1560 wurden die Bauarbeiten an Sankt Ulrich und Afra wieder aufgenommen. 1577 erklärte Kaiser Rudolf II. das Benediktinerkloster Sankt Ulrich und Afra für reichsunmittelbar. Es wurde also eine Reichsabtei, eine Stellung, die der Augsburger Bischof 1643 bestätigte. 1580 stiftete Jakob Fugger der Jüngere? die so genannte Fuggerorgel. Außerdem ließen die Fugger Grabkapellen errichten und auch andere Augburger Katholiken wandten der Kirche Stiftungen zu.

1594 konnte durch Konrad? und Jakob Stoß? sowie David Spatz? der nördliche Turm mit der Kuppel vollendet werden. Zum Bau des südlichen Turmes kam es aus finanziellen Gründen nicht mehr.

Die Sakristei und die Marienkapelle wurden 1601 fertig, 1603 wölbte man den Chorraum. 1604 fertigte Hans Degler? den monumentalen Hochaltar der Kirche sowie die beiden Nebenalätre für Sankt Ulrich? und Sankt Afra. Vier Jahre später schuf er auch die Kanzel, zu der Hans Krumper? die Pläne geliefert hatte. Etwa um die gleiche Zeit gestaltete der aus Schongau? stammende Hans Reichle? eine Kreuzigungsgruppe, die dann von dem Augsburger Stadtgießer Wolfgang Neidhart? in Bronze gegossen wurde.

1608 schuf der bekannte Augsburger Stadtmaler Matthias Kager das prachtvolle Orgelgehäuse der Fuggerorgel, nachdem schon 1607 die Orgelempore fertig geworden war. Vorbild war das Orgelgehäuse der Fuggerkapelle in Sankt Anna. Paulus (III) Maier? schnitzte es und Kager bemalte die Flügel mit den Himmelfahrten Christi und Mariens.

1612 gilt als Jahr, in dem der Bau und die Ausstattung des dreischiffigen Langhauses mit seinen sieben Jochen fertig gestellt wurde.

1698 erhielt die Sakristei mit der Allerheiligenkapelle eine Erweiterung.

1712 erhielt das Gehäuse der Fuggerorgel ein Abschlussgitter im Westen. Es stammte von Ehrgott Bernhard Bendl? (1660-1738). Perspektivische Eisenstäbe werden von einem Eichenholzrahmen gehalten.

1762 - 65 gestaltete man die Ulrichsgruft neu. Placidus Verhelst? (1727-etwa 1778) übernahm die Verzierung der Grabkapelle des Ulrich?.

1777 spielte Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Weg nach Paris die Fuggerorgel. An seinen Vater in Salzburg schrieb er dazu am 17. Oktober 1777: "Die orgl ist doch in meinen augen und ohren der könig aller instrumenten ... ich war zu S: Ulrich auf der alten orgl. ich bat, es möchte mir auch wer drauf spiellen, ich möchte hinabgehen, und zuhören ..." An diesen Besuch Mozarts in der Kirche erinnert noch heute die so genannte "Mozartstiege".

1802 verstaatliche man das Kloster Sankt Ulrich und Afra und erklärte die Kirche Sankt Ulrich und Afra zur Pfarrkirche.

1876 übertrug man die so genannte "Fronleichnamsgruppe" zunächst von der evangelischen Kirche Sankt Anna hierher nach Sankt Ulrich und Afra. Aber schon 1921/22 brachte man sie wieder zurück nach Sankt Anna und stellte sie dort in der Fuggerkapelle auf. Während des 19. Jahrhunderts verlor die Basilika einige ihrer Seitenaltäre.

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1943 baute man im Zuge der in Augsburg laufenden Luftschutzmaßnahmen die frühbarocken Altarfiguren von Hans Degler? aus und brachte sie zur Sichterheit nach Oberstdorf? und Fischen? im Allgäu.

In der Bombenkriegsnacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 kam die Basilika Sankt Ulrich und Afra relativ ungeschoren davon. Es gab Schäden an den Fenstern, an der Dachhaut und am Turm der Kirche. Diese allerdings führten dazu, dass trotz ständigen Räumens Schnee die Kirchenbänke und Altäre bedeckte, die nur notdürftig mit Tüchern gegen das Wetter geschützt werden konnten. Im Mai 1944 wurde wenigstens das Langhausdach mit neuen Ziegeln repariert. Das ehemalige Kloster Sankt Ulrich und Afra wurde dagegen schwer zerstört und in der Folge praktisch abgebrochen. Die leichten Schäden an der Kirche behob man in den Jahren 1946 bis 1952.

1962 ließ man eine Unrterkirche für die Grufträume der beiden Heiligen Ulrich? und Afra bauen.

Im Jahr 1982 renovierte die Orgelbaufirma Sandtner das Orgelwerk der Fuggerorgel.

Restaurierungen grundlegender Art führte man in den Jahren 1987-1990 aus.

2004 wurde die neue Heiltumskammer festlich eingeweiht, wo man einen sicheren Aufbewahrungsort für mittelalterliche Kostbarkeiten schuf.

augsburg.tv-Beitrag vom 16. Oktober 2011 zum Abschluss Jahre dauernder Renovierungsarbeiten an Sankt Ulrich und Afra

Neuerliche Renovierungsarbeiten fanden in den Jahren 2007-2011 statt.

Details

Rundblick über die Altstadt Augsburgs

Blickt man von Sankt Ulrich und Afra nach Norden, so liegt der monumentale Straßenzug der Maximilianstraße unter dem Betrachter. Schweift der Blick weiter, wird er vom Turm der Moritzkirche, dem Rathaus, dem Perlachturm und im Hintergrund vom Dom gefangen genommen.

Nach Südosten liegt das Ulrichs- und Lechviertel. Unter dem Betrachter liegen Bürger- und Handwerkerhäuser, die aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammen und von der Kirchgasse, der Eserwallstraße und dem Milchberg eingerahmt werden. Südlich der Kirche Sankt Margareth liegt das ehemalige Dominikanerinnen-Kloster? an der Spitalgasse und am Wollmarkt. Man sieht die Stichgasse Beim Rabenbad zur ehemaligen Spitalmühle? und den Westflügel des Heilig-Geist-Spitals, der von Elias Holl geschaffen wurde. Vom Turm der Kirche sieht man auch das Langhaus des Heilig-Geist-Spitals, das 1626 bis 1631 gebaut wurde. Es endet mit seinen in drei Reihen angeordneten Schleppgauben mit der Spitalkapelle Heilig Geist vor dem Rotes Tor, das 1622 von Elias Holl erneuert wurde. Hinter der Kapelle von Heilig Geist sind der große und kleine Wasserturm zu erkennen, hinter dem Spital-Langhaus auch der Spitalturm. Noch vor 1972 sah man, blickte man nach Osten, die Spinnerei und Weberei am Sparrenlech von Arnold und Kahn? an der Remboldstraße?. Leider wurde sie im Jahr der Olympischen Spiele in München abgerissen.

Erste Eindrücke

Das Nordportal von 1497 wurde 1881 und 1970 erneuert und wirkt wie ein Baldachin. Außen wirkt die Kirche Sankt Ulrich und Afra sehr sachlich. Diese Wirkung setzt sich im Grundriss und im Wandaufbau des Inneren fort.

Dienste tragen ein Netz- und Sterngewölbe, dessen Rippen es aus statischen Gründen nicht bräuchte, sondern die Decken schmückt.

Die Fenster des Hauptschiffes sind in Nischen mit vorgeblendetem Maßwerk eingelassen und setzen sich nach unten fort. Das Hauptschiff besteht aus sieben Jochen. Die Querhaus-Arme ragen nicht über die Seitenschiffe hinaus, wobei die Vierung aber breiter als das Hauptschiff ausfällt. Der Dachstuhl des Langhauses ist aus Bäumen errichtet, die 1486 geschlagen wurden, der des Querhauses aus Bäumen, die man 1518 schlug.

Der Innenraum der Pfeilerbasilika ist dreischiffig und wird vor allem durch das "gewundene Rippennetz" des Tonnengewölbes geprägt. Daneben dominiert aber auch die Ausstattung der Kirche durch so berühmte Künstler wie Hans Degler? oder Hans Daucher. Von der spätgotischen Ausstattung ist nach dem Bildersturm nicht mehr viel erhalten. Erwähnt seien nur:

  • eine monumentale Madonna, die von Gregor Erhart? (1470-1540) in den Jahren zwischen 1495 und 1500 geschnitzt wurde,
  • ein Triptychon mit der Ulrichslegende, das von dem nach diesem Bild benannten unbekannten Meister zwischen 1450 und 1455 geschaffen wurde und an gleichzeitige altniederländische Malerei erinnert.

Die Fuggerorgel von Sankt Ulrich und Afra besitzt 68 Register und 4775 Pfeifen.

Der Blick vom Ostchor zu dem perspektivisch geschmiedeten Abschlussgitter mit den Laubengängen, das die Vorhalle vom Langhaus trennt, ist besonders schön.

Im Süden des Hauptbaus befinden sich vier kleine Kapellen. Eine wurde Benedikt, eine Simpert, eine Andreas und eine Georg geweiht. Im Norden gibt es größere Anbauten: die Bartholomäuskapelle, die Antoniuskapelle, die Sakristei, die Allerheiligenkapelle und die Marienkapelle über der Sakristei. Die Ausstattung der Benedikt-, Andreas-, Georgs- und Bartholomäuskapelle bewegt sich zwischen Manierismus und Barock?. Diese Kapellen wurden seit den 1580er Jahren von folgenden Fuggern als Grablegen genutzt und prunkvoll geschmückt:

Vor der Andreas- und Simpertkapelle? steht eine auffällige Arkadenwand. Hier haben Hubert Gerhard? (1540/50 - um 1620) und Carlo Pallagio? (1538-98) Terrakottafiguren von Christus und den zwölf Aposteln geschaffen. An einer weiteren Fuggerkapelle (der für Jakob III. Fugger?) ist ein Gitter angebracht, das Hans Metzger? 1588 schuf, das aber erst 2009 wieder hier aufgestellt wurde.

Viele berühmte Künstler ihrer Zeit arbeiteten in der Basilika Sankt Ulrich und Afra. Unter anderem die folgenden:

Altäre

Den Chorraum von Sankt Ulrich und Afra besetzten drei prachtvolle goldglänzende Altäre. Die Altäre von Sankt Ulrich und Afra sind riesig: Einer hat eine Höhe von 23,5 Metern, die beiden seitlichen sind 21 Meter hoch. Die Altäre wurden 1607 geweiht.

Möglicherweise stammen die Entwürfe zu ihnen von Hans Krumpper? (um 1570-1634). Hans Degler? (1564-1635), von dem auch die Kanzel (ebenfalls mit Plänen von Hans Krumpper?) stammt, hat sie wohl geschnitzt und Elias Greither der Ältere? (1565/70-1646) gefasst. Sie zeigen schreinartige Szenerien und haben durchbrochene Rahmen, so dass sie einerseits spätgotischen Wandelaltären ähneln; andererseits ist ihre Grundkonzeption architektonisch und damit schon barock gedacht, so dass sie als Vorbild für viele Altäre in Süddeutschland? wirkten.

Erst seit dem Konzil von Trient (1545-63) richteten die Katholiken ihren Gottesdienst auf den Hochaltar aus, so dass frühere Altäre ebenfalls aus der Ferne wirken mussten. Das taten die großen Altäre von Sankt Ulrich und Afra. Sie stellen die drei hohen katholischen Feste vor: Der Hauptaltar kreist um Weihnachten, der rechte Altar um Ostern (er ist zusätzlich dem hl. Ulrich gewidmet) und der linke Afra-Altar um Pfingsten. Die Schnitzaltäre sind in Nischen und auf Gesimsen mit unzähligen Heiligen und Engeln besetzt.

Der linke nördliche Altar ist der heiligen Afra geweiht. Die Hauptszene zeigt das pfingstliche Flammenwunder und darübr die Märtyrerin Afra im Feuer. Die Predella, die erst 1873 von Stiefenhofer gefertigt wurde, zeigt, wie die spätere Heilige den römischen Götzendienst verweigert. Ihre Gebeine wollen im Jahr 1064 unter dem Augsburger Bischof Embrico? in Sankt Ulrich und Afra erhoben worden sein, wo sie seit 1962 in einem gläsernen Schrein eines spätantiken Sarkophags in der Unterkirche liegen. Während der so genannten Afraoktav, die vom 7. bis 18. August dauert, wird der gläserne Schrein am Afra-Altar gezeigt.

Der südliche rechte Altar ist der Ulrichsaltar. Sein Hauptthema bildet die Auferstehung Christi, also das Geschehen an Ostern. In der Bekrönung des Altars zeigt der Altar ein Wunder, das bei der Messe des heiligen Ulrichs geschah. Seitlich davon ist der heilige Benedikt mit seiner Schwester Scholastika dargestellt.

Der Hochaltar, also Hauptaltar, zeigt in seiner Hauptszene die Menschwerdung Jesu an Weihnachten.

Kreuzaltar: Dieser Altar wurde von Hans Reichle? 1605 entworfen und von Wolfgang Neidhart? aus Bronze gefertigt. Man stellte ihn in der Vierung vor den Schnitaltären auf. Dieser Altar wurde ganz auf Fernwirkung getrimmt. Es handelt sich mit seiner beeindruckenden Kreuzigungsgruppe um den Pfarraltar der Kirche. An einem hoch aufragenden Kruzifix hängt ein schlanker und ebenmäßiger Jesus, während Maria, Maria Magdalena und Johannes voller gefühlsbetonter Gebärden in stark geknitterte Gewänder gehüllt sind. Im Oktober 1985 weihte man den Opfertisch, das Verkündigungspult und das pyramidenförmige Sakramentshaus bei dem Altar ein. Geschaffen wurde das Ensemble von dem Bildhauer Friedrich Koller aus Laufen? im Berchtesgadener Land?. Es ist aus beigem französischem Muschelkalk gefertigt. Das Sakramentshaus ist 7,5 Meter hoch, hat eine vergoldete Spitze und ein Gitter. Der Künstler ließ sich dazu von den aufstrebenden gotischen Säulen der Kirche inspirieren. Das 1608 entstandene Weihwasserbecken soll Hans Reichle? gefertigt haben. Zwei Bronzeputten und ein Baluster (eine niedrige Einzelsäule einer Balustrade) tragen das marmorne Gefäß. Vor dem ersten Vierungspfeiler steht die Figur einer hoheitsvollen Madonna mit Kind, die Gregor Erhart? um 1500 schuf.

Afraturm

Der Afraturm ist 93 Meter hoch und prägt Augsburgs Stadtbild mit seiner typischen bayerischen Zwiebelspitze. Darin aufgehängt ist die Sankt-Ulrich-und-Afra-Glocke, die mehr als vier Tonnen wiegt. Das Glockenspiel des Afraturms hat man um die Jahrtausendwende vervollständigt und restauriert.

Unterkirche

Nach Plänen des Münchener Professors Josef Wiedemann gestaltete man 1962 nördlich und südlich der Seitenaltäre von Sankt Ulrich und Afra Zugänge zur Unterkirche. Hier im nördlichen Kuppelraum findet man den spätantiken Steinsarg der heiligen Afra. Der südliche Kuppelraum ist im Stil des Rokoko? ausgeschmückt. Hier findet sich das Tumbagrabmal mit der Liegefigur des heiligen Ulrich. Der Augsburger Bildhauer Placidius Verhelst? schuf es 1762/65. Hierher kommen jedes Jahr Tausende Wallfahrer, um den Heiligen des Bistums Augsburg die Ehre zu geben - besonders in der Ulrichswoche.

Georgskapelle

Die Georgskapelle befindet sich im rechten Seitenschiff des Langhauses von Sankt Ulrich und Afra. Sie wurde im 16. Jahrhundert als Grablege für die Fugger errichtet.

Andreaskapelle

Die Andreaskapelle befindet sich im rechten Seitenschiff des Langhauses von Sankt Ulrich und Afra. Sie wurde im 16. Jahrhundert als Grablege für die Fugger errichtet. Die Andreaskapelle besitzt eine gemeinsame Schranke mit der westlich folgenden Simpertkapelle, die aus mehrfarbigem Marmor gefertigt ist. Sie hat eine Verzierung mit Fuggerschen Wappenlilien und der Wappenrose der Reichsgräfin Sibylla von Eberstein?, der Gemahlin von Markus Fugger?. Das Ehepaar ist hier in der Andreaskapelle begraben. Auf der Schranke stehen dreizehn Figuren aus Terrakotta, die der Florentiner Carlo Pallago schuf. Sie stellen Jesus mit den zwölf Aposteln dar.

Benediktuskapelle

Die Benediktuskapelle befindet sich im rechten Seitenschiff des Langhauses von Sankt Ulrich und Afra. Sie wurde im 16. Jahrhundert als Grablege für die Fugger errichtet.

Neue Heiltumskammer

Im rechten Seitenschiff der Basilika stößt der Besucher auf die Heiltumskammer. Besuchen kann man sie in der Ulrichswoche und auf Anfrage. Man findet hier viele verschiedene Gegenstände, die etwas mit den Heiligen zu tun haben, die im Umfeld der Kirche wirkten. In der Tür zu der Heiltumskammer ist ein kleines Fenster angebracht, durch das man hineinschauen kann. In ziemlicher Dunkelheit sind die Kirchenschätze hier in großen Vitrinen verschlossen und nur selten kann man diese Schatzkammer betreten.

Aufbewahrt wird hier z. B. ein Kreuz, das angeblich Bischof Ulrich gehörte, das so genannte "Ulrichskreuz". Angeblich hat es der damalige Papst persönlich dem heiligen Ulrich geschenkt. Das schlichte Holzstück ist frommer Überlieferung zufolge ein Bruchstück vom Kreuz Christi. Davon kann man allerdings nicht viel erkennen, denn die eigentliche Reliquie ist von kunstvoll geschmiedetem Gold und Silber umgeben und mit wertvollen Edelsteinen besetzt. Gefertigt wurde es von den Augsburger Goldschmieden Nikolaus? und Jörg Seld?. Angeblich hat Otto I. mit der Kraft des Ulrichskreuzes (damals noch nicht in seiner heutigen Pracht) die Ungarn bei der Schlacht auf dem Lechfeld besiegt. Noch heute nutzt die katholische Kirche die Reliquie für Prozessionen und Gottesdienste.

Auch seine Grabkleidung, sein Stock, ein Splitter seines Sargs und sogar ein Zahn von Sankt Ulrich sind in der Heiltumskammer aufbewahrt. Der Zahn des Heiligen ist mit einem Bergkristall geschmückt und von Silver ummantelt. Eine Kette verband den Zahn früher mit dem so genannten "Ulrichskelch", was man heute noch erahnen kann. Auch Heiligenfiguren, Monstranzen, Gebeine, wertvolle Abtstäbe und ein Elfenbeinkasten, der reich verziert ist, sind hier untergebracht. Besonders wertvoll sind Gewänder Ulrichs aus byzantinischem Seidenstoff, denn sie gehören zu den ältesten erhaltenen Gewändern der Welt.

Neben diesen Gegenständen, die mit dem heiligen Ulrich? in Verbindung stehen, hat auch die heilige Afra genug hinterlassen, um damit die Kammer zu schmücken.

Alte Heiltumskammer

Die alte Heiltumskammer von Sankt Ulrich und Afra liegt genau gegenüber der neuen Heiltumskammer. Hier findet man viele Bilder von kirchlichen Würdenträgern und verzierte massive Holzschränke, die früher die kirchlichen Schätze bargen, die jetzt in der neuen Heiltumskammer untergebracht sind. Von der alten Heiltumskammer führen 44 Stufen einer steilen und engen Wendeltreppe zur Schneckenkapelle.

Allerheiligenkapelle

Die Allerheiligenkapelle hat einen quadratischen Grundriss und abgerundete Ecken. Sie wurde zwar erst 1705 geweiht, aber schon 1698 vollendet. Man vermutet, dass Georg Paulus der Ältere? für die Pläne verantwortlich war. Sie hat eine ganz eigenartige Wirkung, denn ähnlich einem Theater öffnet sich der kleine Raum mit einem Stuckvorhang von Matthias Lotter? (1660-1743) zur Sakristei. Die Allerheiligenkapelle hat eine gemalte Scheinkuppel von Johann Georg Knappich? und sehr üppigen Dekor von Ehrgott Bernhard Bendl?. Der Name Allerheiligenkapelle rührt von dem Säulenaltar her, der eigens für die Reliquienverehrung in der Barockzeit geschaffen wurde. Er stammt von {{Schmierer Johann Georg?|Johann Georg Schmierer]]. Sein Altarblatt stellt die Kreuzigung dar. Der Altar prunkt mit verglasten Reliquienschreinen.

Simpertkapelle

In der Simpertkapelle ist der fast schon barock wirkende Baldachin über dem Grab des hl. Simpert von 1492/96 beachtenswert, auch "Simpertusbogen" genannt. Sein Gewölbe ist bemalt. Der Baldachin wurde von Burkhard Engelberg? geschaffen. Über dem Bogen befindet sich die Abtskapelle, die einen Zugang vom ehemaligen Stiftsgebäude her hatte.

Die Marmortumba mit der Liegefigur des Heiligen wurde 1714 wohl von einem Künstler aus dem Kreis des Füssener Johann Jakob Herkommers gestaltet. Die Figur des Heiligen ist mit seinen bischöflichen Insignien versehen und mit einer Wölfin dargestellt, die ein Kind in ihrem Rachen trägt. Diese Darstellung geht auf die Legende zurück, dass ein Knabe, der von einer Wölfin geraubt wurde, unversehrt von dieser wieder zu seinen Eltern gebracht wurde, nachdem sie den heiligen Simpert angerufen hatten.

Schneckenkapelle

Auch Marienkapelle genannt.

Die Schneckenkapelle soll ihren Namen angeblich von der Wendeltreppe haben, die zu ihr hochführt. Allein diese Kapelle ist 25 Meter lang, mehr als achteinhalb Meter breit und 17 Meter hoch. Früher hatte die Kapelle, die Dimensionen einer Dorfkirche hat, den Namen Marienkapelle und war eine Wallfahrtsstätte, zu der jedes Jahr Zehntausende Pilger kamen. Vor den Bildern der heiligen Simpert, Narzissus und Jakobus war es Brauch für kranke Kinder zu beten und Kerzen anzuzünden.

Heute ist die Schneckenkapelle der Ort, wo der frühere Hochaltar von Sankt Ulrich und Afra untergebracht wurde. Er entstand um 1570 und reicht fast an die Decke der Kapelle. Obwohl die Gotik damals längst vorüber war, haben die Künstler dem Hochaltar gotische Formen gegeben, damit er älter wirkte und sich an die Kunst der Entstehungszeit des heutigen Baues von Sankt Ulrich und Afra anglich. Damit wollte man die Auswirkungen des Bildersturms bzw. der Reformation optisch ausblenden. Ein imposantes Schnitzwerk, das sich in einem abgetrennten Bereich von Sankt Ulrich und Afra befindet, den der Kirchgänger oder Tourist nur bei Kirchenführungen sehen kann. Gefertigt wurde der Altar von Paulus II. Mair? (um 1540-1615/19) im Auftrag des damaligen Abtes Jakob Köplin?. Der Altar zeigt Maria von Afra und Katharina umgeben. Unten kniet der Stifter und seitlich sind Ulrich und Konrad platziert. Die Predella zeigt die Heiligen Simpert, Jakobus den Älteren und Narzissus im Sitzen. Im Auszug über dem Maßwerk sind die Taufe Christie, Gottvater, Christus der Retter und Engel zu sehen. Während auf den Flügelaußenseiten die Johanneslegende dargestellt ist, sind auf den Flügelinnenseiten Darstellungen der Verkündigung, der Geburt Jesu, der Anbetung der Könige und der Darbringung im Tempel angebracht.

In die Schneckenkapelle gelangt man durch die rechteckige Sakristei mir polygonalem Schluss. Die Ausstattung der Schneckenkapelle ist ähnlich der Ausstattung der darunter liegenden Sakristei. Beide haben ein Tonnengewölbe, das stuckiert oder mit Terrakotta-Ornamenten ausgestattet ist.

Michaelskapelle

Die ehemalige Michaelskapelle wurde über der Gruft von Jakob III. Fugger-Babenhausen? errichtet. Dort hatte man zweitweise die "Fronleichnamsgruppe" von Hans Daucher aufgestellt. Um das Grab war früher das so genannte "Fugger-Gitter" angebracht, das die Wappen von Jakob III. Fugger-Babenhausen? und seiner Frau Anna (geb. Ilsung von Tratzberg]] enthielt. Geschaffen hatte das Gitter der Augsburger Schlosser Hans Metzger? im Jahr 1588. Um das Gitter vor Zerstörung zu bewahren, hat man es 1943 demontiert, lagerte Teile im Gotteshaus selbst, aber auch im Schloss Kirchheim ein. 1994 verbrachte man das Kunstwerk in die externe Dienststelle des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in Thierhaupten.

Fuggerorgel

Auf dem rechten Flügelbild der Fuggerorgel in der katholischen Basilika sind die beiden Fugger Jakob und Anton zu erkennen. Die Vorlage für das Gesicht Jakob Fuggers schuf Albrecht Dürer. Weder der Dompfarrer und ehemalige Stadtpfarrer von St. Ulrich und Afra, Joseph Maria Friesenegger, der im Jahr 1900 die Basilika ausführlich beschrieb, noch spätere Kunsthistoriker und Musikwissenschaftler, die sich mit der Fuggerorgel befassten, schenkten den beiden immerhin 6,66 Meter hohen Flügelbildern der Orgel besonders viel Aufmerksamkeit. Selbst der große Kunsthistoriker Bruno Bushart, langjähriger Direktor der Städtischen Kunstsammlungen Augsburg? und Professor am Kunstgeschichtlichen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität in München, irrte sich, als er auf dem linken Flügelbild der Orgel Georg?, Johannes, Hieronymus? und Maximilian Fugger? identifizierte. In Wahrheit sind in der Menschengruppe im Motiv der Himmelfahrt Christi zweifelsfrei deren Vater, der Stifter der (längst durch ein neues Instrument ersetzten) Orgel, Jakob Fugger III. (1542–1598), Herr zu Babenhausen, Wellenburg und Boos, sowie seine Brüder Markus?, Hans? und Hieronymus? zu sehen.

Dem rechten Flügelbild aber, das in Anlehnung an die Fuggerorgel in der Fuggerkapelle in der Augsburger St.-Anna-Kirche das Motiv der Himmelfahrt Mariens aufgreift, widmete offenbar seit Langem niemand besondere Aufmerksamkeit. Dabei zeigt gerade dieses Flügelbild die beiden bekanntesten Fugger aller Zeiten: Jakob Fugger „den Reichen“, den Stifter der Fuggerkapelle in Sankt Anna und der Fuggerei, sowie seinen Nachfolger Anton Fugger, unter dem das Augsburger Familienunternehmen im Zenit stand.

Das Gesicht Jakob Fuggers „des Reichen“ wurde nach einer äußerst bekannten Vorlage geschaffen: Zweifelsohne diente das Porträt des Kaufherrn, das Albrecht Dürer oder seine Werkstatt um 1518 schuf (nur ein paar Schritte von der Ulrichsbasilika entfernt in der Staatsgalerie Alte Meister zu sehen), oder eine der davon gefertigten Kopien als Vorbild. Dafür, dass das Porträt Jakob Fuggers „des Reichen“ in St. Ulrich und Afra so lange unbeachtet blieb, gibt es mehrere Gründe: Zum einen hat der Schöpfer der Flügelbilder, möglicherweise der seit 1599 in Augsburg tätige Hans Freyberger?, Jakob Fugger als Jakobspilger dargestellt. Zum anderen ist das Flügelbild vom Kirchenraum aus nur schwer zu erkennen, auf der Orgelempore wiederum steht man aber fast zu nah am Gemälde, um das Motiv richtig erfassen zu können. Für die Darstellung Anton Fuggers, der in einer Gruppe kniender Betender zu entdecken ist, lieferte überdies ein weitgehend unbekanntes Porträt in Privatbesitz die Vorlage.

Identifiziert hat die beiden Fugger der Augsburger Verleger und Autor Martin Kluger, als er während der Recherchen für sein Taschenbuch „Die Fugger in Augsburg. Kaufherrn, Montanunternehmer, Bankiers und Stifter“ die Flügelbilder der Fuggerorgel mit dem Teleobjektiv fotografierte und anschließend die Bilddaten in der Vergrößerung studierte. Um Zweifel auszuschließen, legte Kluger die Aufnahmen Dr. Tilman Falk, dem früheren Leitenden Direktor der Kunstsammlungen der Stadt Augsburg? und späteren Direktor der Staatlichen Graphischen Sammlung München, vor. Auch Tilman Falk ordnete beide Porträts zweifelsfrei den Vorbildern zu. Von ihm stammt zudem der Hinweis, dass der nicht überlieferte Maler der Flügelbilder in St. Ulrich und Afra Hans Freyberger? gewesen sein könnte. Übrigens bediente sich Freyberger auch bei einem anderen Augsburger Gemälde – einer Allegorie des Bauwesens – der Methode, ein Gesicht von einer bekannten Vorlage zu übernehmen: Nach einem Stich Lukas Kilians? malte Freyberger das Konterfei des Stadtwerkmeisters Elias Holl. Dieses Bild hängt im Oberen Fletz des Augsburger Rathauses.

Sonstiges

Während seiner Schulzeit in Sankt Ulrich und Afra war Leopold Mozart hier Sängerknabe.

Andreas Stein?, der berühmte Orgelbauer und Freund der Mozarts hatte für die Fuggerorgel in der Kirche einen Wartungsvertrag und wohnte ganz in der Nähe am Ulrichsplatz 10.

2012 beherbergte die Basilika ein Wanderfalken-Brutpaar. Damals gab es zwei Brutnachweise für die streng geschützten Wanderfalken auf Augsburger Stadtgebiet. Der Landesverband für Vogelschutz hatte Nisthilfen im Turm von Sankt Ulrich und Afra angebracht und so eventuell für das Überleben dieser bedrohten Tierart gesorgt, die in Augsburg vor allem Stadttauben jagten.

Adresse

Sankt Ulrich und Afra
Ulrichsplatz 23
86150 Augsburg


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