Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de


Hauptseite | Einkaufen und Arbeiten | Augsburger Branchenbuch | K | Kirchen und Religionsgemeinschaften | Römisch-Katholische Kirche | Katholische Pfarreien und Kirchen in Augsburg | Sankt Thaddäus


Sankt Thaddäus

eine katholische Kirche und Pfarrei im Augsburger Stadtteil Kriegshaber

Allgemeines

Sankt Thaddäus ist eine katholische Gemeinde und ein Gotteshaus in Kriegshaber. Die Pfarrei umfasst das Gebiet entlang des östlichen Kobelwegs, der Reinöhlstraße? sowie der ehemaligen Kasernengebiete Centerville, Cramerton?, Supply-Center? und Reese-Kaserne.

Die Kirche Sankt Thaddäus in Kriegshaber wirkt wie eine burgartige Festung.

Kath. Kirche St. Judas Thaddäus Augsburg Kriegshaber
Kath. Kirche St. Judas Thaddäus, Augsburg Kriegshaber, Ulmer Straße am 23. September 2013. By Mailtosap (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Sankt Thaddäus geht auf Thomas Wechs zurückt und ist ein Backsteinbau mit einer Unterkirche, einem Pfarrhof und einem Pfarrgarten. Das Langhaus der Kirche hat einen steilen Chorschluss über einem achteckigen Grundriss, womit der Chor wie ein Turm mit Zeltdach wirkt. Die Turmfassade erhebt sich westlich gegenüber dem östlichen Chor.

Sankt Thaddäus war der letzte Kirchenbau für ein neues Siedlungsgebiet vor den Toren Augsburgs vor dem Zweiten Weltkrieg. Thomas Wechs benutzte für den Bau der Kirche zum Einen Materialien, die durch Architekten wie Michael Kurz? und Georg Werner? schon im Augsburg der 1920er Jahre eingesetzt worden waren und musste während des Zweiten Weltkriegs zum Anderen auf Eisenbeton für den Kirchenbau verzichten. Damit wurde Sankt Thaddäus zu einem recht eigenständigen Architekturprojekt. Schon beim ersten Anblick der Kirche wird deutlich, dass Thomas Wechs sich durch die Backsteinbauten der oberitalienischen Gotik beim Chor oder durch norddeutsche Westfassaden bei der Zweiturmfassade inspirieren ließ. Dass es bei der Zweiturmfassade blieb liegt wohl an dem Entwurf von Michael Kurz?, der sich auch für den Bau von Sankt Thaddäus beworben hatte, denn Thomas Wechs tendierte ab 1933 eher zu einer Einturmfassade, wie auch daran deutlich wird, dass der nördliche Turm am Ende höher ausfiel als der südliche.

Geschichte

Im Oktober 1918 gibt es eine erste anonyme Spende zur Errichtung einer katholischen Kirche in Kriegshaber. Daraufhin errichtete man 1919 eine Kirchenstiftung zur Vorbereitung des Baus einer Kirche in "Neu-Kriegshaber". Später spendete ein Offizier aus dem Ersten Weltkrieg großzügig für einen katholischen Kirchenbau in Kriegshaber und verband seine Spende mit der Bitte, das zu bauende Gotteshaus dem heiligen Thaddäus zu weihen.

Am 16. Oktober 1936 ernannte das Bistum Augsburg den ersten Seelsorger, Stadtkaplan Alois Vogg von Sankt Ulrich und Afra, der Expositus von St. Thaddäus wurde. Bereits am 23. Februar 1936 erfolgte die Weihe einer Notkirche in Form einer Holzbaracke an der Tunnelstraße?.

Im November 1936 wurde die katholische Expositur St. Thaddäus eine selbständige Seelsorgegemeinde und im Januar 1938 erhielt in einem Kirchenbau-Wettbewerb Architekt Thomas Wechs sen. den Auftrag zum Bau von Sankt Thaddäus, der am 8. März 1939 begann. Wegen des Zweiten Weltkrieges setzte man die Bauarbeiten im April 1940 aus und die Nationalsozialisten? benutzten die Kirche in den Jahren 1941/42 in anderer Weise: Die noch unvollendeten Türme bekamen Flakgeschütze aufgesetzt und die Unterkirche diente als Luftschutzkeller. 1941 nahm man die Bauarbeiten wieder auf und Mitte Juli 1942 erhielt die Unterkirche eine Weihe, durfte aber nur auf Weisung des Luftgaukommandos und nur "außerhalb der dienstlichen Zeit" für Gottesdienste benutzt werden. Zeitweise benutzte die damalige Keller & Knappich -Rüstungsproduktion den Rohbau von Sankt Thaddäus sogar für ihre Zwecke.

Nach dem Zweiten Weltkrieg feierte man am 21. Juni 1946 die Eröffnung einer Pfarrbücherei und am 17. Oktober 1948 konnte der damalige Bischof Dr. Joseph Kumpfmüller? die fertig gestellte Kirche Sankt Thaddäus einweihen.

Im November 1950 erhob das Bistum Augsburg die Expositur St. Thaddäus zur Stadtpfarrei. 1954 wurden die beiden Turmbauten vollendet und 1956 konnten sechs Glocken geweiht werden. Im März 1966 erfolgte die Weihe eines neuen Kreuzweges von Toni Schneider-Manzell in St. Thaddäus und im Juni 1974 weihte man die Kuppelräume ein. Ein Jahr später erfolgte eine erneute Weihe der Unterkirche. 1977 machte man sich an eine Außenrenovierung der Kirche und 1981 weihte der damalige Diözesanbischof Dr. Josef Stimpfle einen neuen Altar. 1981 verlegt man den Haupteingang zur Unterkirche in das Langhaus des Kirchengebäudes. Damit war die damalige Innen- und Außenerneuerung abgeschlossen. Im Frühjahr 1984 folgte die Orgelweihe und im Februar 1986 das 50-jährige Jubiläum mit Festgottesdienst und Spatenstich zum Bau des Pfarrheimes am Kobelweg, das am 9. Juli 1988 durch Abt Dr. Emmeram Kränkl? OSB, Kloster Sankt Stephan, eingeweiht wurde. Ebenfalls 1988 erfolgte eine weitere Innenrenovierung von Sankt Thaddäus.

Im Sommer 1995 übertrug das Bistum Augsburg Sankt Thaddäus die Zuständigkeit für die ehemaligen US-Militärgebiete Centerville-Nord? und Reese-Kaserne, worauf im Juni 1997 der Treffpunkt Sankt Thaddäus? in Centerville-Nord? eröffnet wurde. Nach dem Abzug der Amerikaner in Augsburg übertrug man im Sommer 1997 der Pfarrei St. Thaddäus zudem die Zuständigkeit für die ehemaligen US-Kasernen-Gebiete Centerville-Süd? und Supply-Center?. Am 15. Oktober 1997 eröffnete die Gemeinde die Kindertagesstätte St. Thaddäus? in Centerville-Nord?. Im Mai 1998 eröffnete man die Räume unter der Kirche Sankt Thaddäus nach einem Umbau zum Jugendheim neu und im September des Jahres erhielt die Gemeinde noch die Zuständigkeit für die ehemalige US-Militär-Siedlung Cramerton?.

Im Mai 1999 erfolgte die Altarweihe in der Turmkapelle und im Oktober 2001 legte man den Grundstein des Neubaus Thaddäus-Zentrum? in Cramerton?, in dem genau ein Jahr später der Kath. Reggio-Kindergarten? eröffnet wurde. Im Mai 2003 weihte man das Sankt-Wolfhard-Haus?, den Reggio-Kindergarten? und das Madisonhaus? im Thaddäus-Zentrum?. Auch eine Altarweihe im St. Wolfhard-Saal nahm der damalige Diözesanbischof Dr. Viktor Josef Dammertz? OSB vor.

Im September 2005 errichtete das Bistum Augsburg die Pfarreiengemeinschaft Augsburg-Kriegshaber? mit den Gemeinden St. Thaddäus und Hlgst. Dreifaltigkeit.

Im Februar 2011 feierte die Pfarrei Sankt Thaddäus mit dem damaligen Bischof Konrad Zdarsa ihr 75-jähriges Jubiläum.

Die katholische Pfarrgemeinde Sankt Thaddäus stellte am 21. März 2013 die Bauvoranfrage, den westlichen Kirchenvorplatz mit einer weiteren [[Kindertagesstaetten|Kindertagesstätte, einem Mehrzweckgebäude und mit Stellplätzen zu bebauen.

Mitte Juli 2014 stellten die Freien Wähler? den Antrag, den Kirchenvorplatz, eine Grünfläche mit Spielplatz westlich vor Sankt Thaddäus an der Ulmer Straße als unbebaute Grünfläche zu erhalten und für den Kindergartenplan Flächen im Bebauungsplan Reese-Kaserne auszuweisen. So sollte die vorhandene Grünanlage mit ihrem alten Baumbestand und dem Spielplatz erhalten werden. Damit machte sich die Partei zum Sprachrohr vieler Bürger des Viertels, die beim Stadtplanungsamt eine Unterschriftsliste gegen die Baumaßnahme einreichten, weil sie eine hohe Verkehrsbelastung des Heimstättenwegs und der Landvogtstraße befürchteten und die Zerstörung der Grüninsel vor Sankt Thaddaeus nicht akzeptieren wollten. Der Antrag der Freien Wähler? führte weiter aus, dass der geplante Bau verschiedene Befreiungen vom rechtskräftigen Bebauungsplan Nr. 274 "Äußere Ulmer Straße" von 1994 beinhalte: So schließe die festgelegte Baugrenze die Bebauung eines Teils der Grünfläche aus und er verlange einen Erhalt vorhandener Grünstrukturen westlich der Kirche. So heißt es in dem Bebauungsplan Nr. 274 in Paragraph 5: "Für die Gestaltung der Grünflächen und Außenanlagen sind ökologische Gesichtspunkte in der Form zu beachten, dass möglichst wenig Oberflächen versiegelt werden sollen und standortgerechte Pflanzgemeinschaften zu schaffen sind. Die vorhandenen Grünstrukturen sind zu erhalten."

Dazu forderte der Antrag weiter die Umsetzung städtebaulicher und stadträumlicher Gestaltung, die im integrierten Stadtteilentwicklungskonzept Kriegshaber festgeschrieben, aber nicht umgesetzt wurden (z. B. Baumbepflanzungen der Ulmer Straße "zur optischen Schließung des unbebauten Abschnittes zwischen St.-Thaddäus-Kirche und Langemarckstraße", wie es darin heißt).

Abschließend stellte der Antrag fest, dass im Bebauungsplan 228 Reese-Kaserne genügend Flächen für den Bau einer Kindertagesstätte vorhanden sind, die im direkten Einzugsbereich von Sankt Thaddäus liegen.

Details

Die Turmfassade von Sankt Thaddäus weist zwei Türme auf. Von ihnen ist der nördlich stehende Turm der Uhren- und Glockenturm. Der südliche Turm reicht nur auf Firsthöhe. Beide Türme haben sehr einfache Dächer, die fast wie Notdächer wirken.

Der Backsteinbau Sankt Thaddäus ist außen durch Klinker verblendet. Dabei verarbeitete man, wie das Michael Kurz? schon 1924 bei Sankt Anton? tat, hell- und dunkelrot gebrannte Klinkersteine. Das hatte den Vorteil, dass man Fehlbrände als "natürliches" Gestaltungsmittel einsetzen konnte. Zudem wechselte man breite Fugen mit dichteren Lagen des violetten Klinkers ab. Strebepfeiler und Lisenen sind als Gliederungsmotiv gleichrangig eingesetzt.

Das Innere der Kirche Sankt Thaddäus in der Ulmer Straße betritt der Besucher durch den Narthex, also eine Vorhalle zum Haupteingang. Der Narthex ist rundbogig und schließt mit Flachkuppeln ab, hat drei Joche, der sich gleich die breite Orgelempore anschließt. Jetzt steht man in dem Innenraum der Kirche, das neun Joche aufweist und mit einer Holzdecke ausgestattet ist, die durch Unterzüge von Balken gehalten wird. Seitlich ist der Innenraum flach abgedeckt und bemalt. Im Querschnitt ergibt das Langhaus eine gedrückte Tonne, wie sie Ludwig Hegele? 1937 vorgeschlagen hatte, der sich auch um den Bauauftrag bewarb. Die Seitenwände des wie ein Saal wirkenden Raums sind als Arkaden gestaltet, in denen der bronzene Kreuzweg von Schneider-Manzell angebracht ist.

Von hinten betrachtet wirkt der Chorraum von Sankt Thaddäus wie ein Schacht. Vielleicht desshalb, weil er eingezogen ist. Im Chor selbst sind Rundbogenfenster mit Glasmalereien zu sehen. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gestaltete man die Choranlage um und stellte im vorderen Bereich den so genannten Volksaltar auf, von dem aus der Priester zum Volk hin den Gottesdienst hält.

Insgesamt wirkt der Innenraum von Sankt Thaddäus gegensätzlich zum dunkel gehaltenen Äußeren hell. Das ist dem geschlemmten Ziegel zu verdanken, der innen sichtbar bleiben sollte.

Die Unterkirche beherbergt heute Jugendräume. Noch in den 1990er Jahren wurde sie als Gottesdienstraum verwendet. Sie ist großflächig, wirkte damals aber ein wenig wie ein Labyrinth, was vielleicht darauf zurückzuführen war, dass sie zeitweilig als Luftschutzraum verwendet wurde. Damsl gehörten zur Unterkirchen Holzbüsten von vier Kirchenvätern aus der Zeit um 1520. Früher gehörten sie zu einer Kanzel des Augsburger Doms.

Der zu Sankt Thaddäus gehörige Pfarrhof ist nicht verklinkert, sondern hell verputzt. Er liegt im Süden der Kirche und hat zwei Geschosse.

Adresse

Pfarrei Sankt Thaddäus
Ulmer Straße 63
86156 Augsburg

Tel. 0821/44060-0
Fax. 0821/44060-60
E-Mail: st.thaddaeus.augsburg@bistum-augsburg.de


Weblinks


Hauptseite | Einkaufen und Arbeiten | Augsburger Branchenbuch | K | Kirchen und Religionsgemeinschaften | Römisch-Katholische Kirche | Katholische Pfarreien und Kirchen in Augsburg | Sankt Thaddäus


Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de




FacebookTwitThis