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Sankt Peter und Paul

eine katholische Kirche und Gemeinde in Oberhausen, die zum Dekanat Augsburg II und zur Pfarreiengemeinschaft Augsburg-Oberhausen-Bärenkeller? gehört

Allgemeines

Ehemals war der alte Dorfplatz vor der Kirches Sankt Peter und Paul Mittelpunkt Oberhausens, als es noch eine selbständige Gemeinde vor den Toren Augsburgs war. So wie sich Sankt Peter und Paul heute zeigt, geht das Gebäude in seinen äußeren Formen auf den Bau von 1604 zurück. Weil Sankt Peter und Paul im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört wurde, ist von dem früheren Bau und seiner Innenausstattung kaum etwas erhalten.

Sankt Peter und Paul ist eine Saalkirche in der Form eines lateinischen Kreuzes. Sie hat einen eingezogenen Chor und eine Westempore.

Das Patrozinium geht auf den hl. Petrus und hl. Paulus zurück. Es ist ein Gedenktag an den überlieferten Todestag der Apostel und Kirchenväter Simon Petrus und Paulus von Tarsus. Gefeiert wird das Fest am 29. Juni. Schon das Frühchristentum der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts feierte ihr Gedenken.

Geschichte

Wahrscheinlich stand an derselben Stelle wie heute die gleichnamige Kirche, die der Augsburger Bischof um 800 nach Christus erbauen ließ und die später in Flammen aufging. Urkundlich erwähnt wird aber eine erste Kirche in Oberhausen erst im 12. Jahrhundert. Der Unterbau des Turms soll noch auf dieses frühe Gotteshaus zurückgehen. Teile des heutigen polygonalen Chorraums stammen noch aus dem 14./15. Jahrhundert, zu erkennen an den Strebepfeilern.

In den Jahren 1603/04 baute man die mittelalterliche Anlage um. Eine Pfarrchronik von J. G. Mayr aus dem Jahr 1650 ist im Hauptstaatsarchiv München erhalten (MüB Lit. 1065). Darin heißt es, der baufällige Vorgängerbau sei abgerissen und in erweiterter Form von dem Augsburger Maurermeister Hans Baur und dem Oberhauser Zimmermann Matheis Kaiser wieder aufgebaut worden.

Dabei blieb der alte Turm stehen, doch passte er nicht mehr zum neuen Kirchengebäude. Schon 1610 bemängelte man den unpassenden Turm samt Glockenstuhl und forderte einen Neubau. Deshalb beauftragten die Oberhausener Katholiken den protestantischen Stadtbaumeister Elias Holl damit, einen neuen Turm zu errichten. Der übernahm den Auftrag, ließ den romanischen Unterbau stehen und setzte seine eigenen Turmobergeschosse darüber - die Pläne führte der Zimmermeister Hans Müller aus. Dazu ist noch ein Aufriss (Federzeichnung auf Pergament) von Elias Holl erhalten. Darauf erkennt man links den mittelalterlichen Bau und rechts den erhaltenen mittelalterlichen Unterbau mit den neu gestalteten und um einiges höheren hollschen Turmobergeschossen. Hatte der zu ersetzende Turm ein fialenverziertes Satteldach, so ersetzte es Elias Holl durch einen Zwiebelabschluss auf einem achteckigen Aufsatz.

Die Risszeichnung ist heute im Herzog-Anton-Ulrich-Museum zu Braunschweig aufbewahrt (Inventarnummer 0141). Den Glockenturm sowie die Zwiebelkonstruktion erstellte der Städtische Zimmerhof und als sich die Bauarbeiten dem Ende zuneigten, ließ es sich Elias Holl nicht nehmen, persönlich den vergoldeten Knauf samt Urkunde und das Turmkreuz anzubringen. Das war 1619. Noch im gleichen Jahr goss Wolfgang Neidhart? die neuen Glocken für Sankt Peter und Paul und Matthias Kager bemalte die Turmuhr-Zifferblätter.

Der 1619 fertig gestellte hollsche Turm überstand alle Jahrhunderte und ist heute noch in seiner originalen Form erhalten.

Von Jakob Custos? ist aus dem Jahr 1630 eine Radierung des Dorfes Oberhausen erhalten, auf der die Kirche Sankt Peter und Paul gut erkennbar dargestellt wird.

In den Jahren 1698 bis 1700 baute man die Kirche erneut um. Diesmal fügte man an die Apsis Querarme mit Pilastergliederung an. Dabei umbaute die nördliche Seitenkapelle zum Teil den Turm. Architekt des Umbaus war Christoph Dietz. Er stattete die Kirche im Stil des Barock? aus, so dass sie Licht und Glanz ausstrahlte.

1797 schuf Johann Josef Anton Huber? ein Deckengemälde als ovales Mittelschifffresko. Davon erhalten haben sich nur noch zwei alternative Entwürfe des damaligen Direktors der Reichsstädtischen Kunstakademie.

Um 1900 trug die Gemeinde die umgebende Friedhofsmauer ab und ersetzte sie durch eine Mauer im neuromanischen Stil, die mit Jugendstilornamenten geschmückt war. 1904 erhielt die Apostelstraße? in Oberhausen-Süd? ihren Namen nach den Kirchenpatronen von Sankt Peter und Paul.

1909 legte Michael Kurz? Pläne vor, die eine wesentliche Vergrößerung der Kirche vorschlug. Das Mittelschiff sollte verlängert werden, zwei Seitenschiffe angebaut werden. Auch die Westfassade von Sankt Peter und Paul in Oberhausen sollte erweitert und silhouettenreicher werden. Es dauerte jedoch bis 1925, den Plan in reduzierter Form umzusetzen. Michael Kurz? erweiterte die Kirche mit ihren drei Fensterachsen um weitere zwei nach Westen. Außerdem erhielt die Kirche einen achteckigen Narthex. Damals wuchs das Gemeindegebiet durch das neue Siedlungsgebiet um den Eschenhof und Buchenau? nördlich von Oberhausen stark, weshalb man 1938 die Stadtpfarrei Sankt Martin ausgliederte.

1944 zerstörten alliierte Luftangriffe die katholische Pfarrkirche Sankt Peter und Paul schwer. Nur die Außenmauern und der Kirchturm blieben stehen. Erst 1948 baute man sie unter der Leitung des Architekten Ulrich Reitmayer nach den alten Plänen von Michael Kurz? auf dem alten Grundriss in einfacher gehaltenen Formen wieder auf. Dabei ersetzte man die Sakristei mit Pultdach, die sich vor der Zerstörung an die südliche Chorwand anlehnte, durch einen einfachen Flachdachbau. Die barocke Innenausstattung stellte man nicht wieder her.

Im Herbst 1972 eröffnete das Pfarrzentrum "Haus Emmaus". 1985 erfolgte eine grundlegende Renovierung von Sankt Peter und Paul. Anfang 2009 hatte die Pfarrei etwa 2.800 Gemeindemitglieder.

Details

Der Turm der Oberhausener Kirche Sankt Peter und Paul von Elias Holl ist sehr bedeutsam für die nachfolgenden Kirchturmbauten in Schwaben. Zum ersten mal übertrug Elias Holl hier seine am Augsburger Rathaus entwickelten neuen, aber bewährten Gliederungsmotive und die dabei verwendeten Proportionen auf eine kleine Dorfkirche im Augsburger Umland. Seine Gestaltungsprinzipien setzten sich als Leitmotiv anderer folgender schwäbischer Kirchturmbauten durch.

Von der Vorkriegsinnenausstattung sind noch eine barocke Ölbergruppe und ein so genannter "Kerkerheiland" erhalten.

St. Peter und Paul (Augsburg-Oberhausen) 01
Ostansicht der Kirche Sankt Peter und Paul Augsburg-Oberhausen am 14. April 2013. By Jkü (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Adresse

Lage der Kirche: Hirblinger Straße 1


Weblinks


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