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Sankt Magdalena

ehemalige Dominikanerklosterkirche Sankt Magdalena in Augsburg; bis 2012 Standort des Römischen Museums; auch Predigerkirche genannt

Allgemeines

Die Dominikanerkirche Sankt Magdalena ist das einzige Gebäude des Dominikanerklosters Sankt Magdalena?, das der Zweite Weltkrieg 1944 den Augsburgern im Februar-Bombardement übrig ließ.

Der Hallenbau hat eine rechteckige Form mit Seitenkapellen. Der Stil orientiert sich zum einen an der italienischen Renaissance, zum anderen aber auch an der heimischen Spätgotik.

Das mächtige Gebäude mit seinem steilen Dach liegt fast genau am Rand der Augsburger Hochterrasse?. Vom Vorderen Lech aus betrachtet, ragt sie steil hoch. Die Fassade liegt an der Dominikanergasse und weist Biforen, eingestellte Rundfenster und zwei kielbogenförmige Portale auf.

Augsburg-Roemisches Museum

Das ehemalige Römische Museum in der Dominikanerklosterkirche Sankt Magdalena 2006 in Augsburg. By User:ReclaM (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY 2.5], via Wikimedia Commons

Die Augsburger Dominikaner erweiterten ihre Klosterkirche mehrmals im Lauf der Jahrhunderte: 1558, 1626 und um 1700.

Geschichte

Gebaut wurde die Kirche Sankt Magdalena in den Jahren 1513 bis 1515, als der damalige Prior Johannes Faber? Geldgeber wie Papst Leo X., Kaiser Kaiser Maximilian I.?, die Rehlinger? und andere reiche Augsburger Patrizier für Spenden und die Unterstützung des Neubaus gewinnen konnte. Wer der Kirchenarchitekt war, ist umstritten. Manche Wissenschaftler glauben, dass es Hans Hieber? (um 1470-1522) oder sonst ein Baumeister aus dem Kreis um Burkhard Engelberg? (1447-1512), vielleicht sogar Burkhard Engelberg? selbst.

Augsburg-Roemisches Museum-Rueckseite

Die Rückseite des Römischen Museums bzw. der ehemaligen Dominikanerkirche Sankt Magdalena in Augsburg 2006. By User:ReclaM (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY 2.5], via Wikimedia Commons

Von 1716 bis 1724 barockisierten die Dominikaner ihre Klosterkirche dem Stil der Zeit entsprechend. Den Stuck besorgten die Wessobrunner? Gebrüder Feichtmayr?. Die Deckenfresken ("Die zwölf Geheimnisse des Rosenkranzes") führte Alois Mack nach Plänen von Johann Georg Bergmüller aus.

Nach der Säkularisation 1806 wurde die Dominikanerkirche ab 1807 oder 1808 einige Jahre als Salpeterlager benutzt. In den folgenden Jahren fand sie auch als Baumagazin und Militärdepot Verwendung, was leider dazu führte, dass nicht wenige Ausstattungsgegenstände verschwanden. So hat es z. B. die wunderschöne Magdalenaskulptur von Gregor Erhart? (1470 - 1540), die von den Franzosen "La belle Allemande" genannt wird und wohl um 1510 geschaffen worden war, nach Paris in den Louvre verschlagen. Früher stand hier der so genannte Fuggersche Bronzealtar, der wohl 1581 - 1584 entstand und gemeinsam von Carlo Palagio (1538-98) und Hubert Gerhard? (1540/50-1620) hergestellt wurde. Heute muss man in das Victoria and Albert Museum, London, um die Fragmente des Altars zu besichtigen. Auch im näher gelegenen München kann man Werke besichtigen, die früher in Augsburg, Sankt Magdalena, zu sehen waren. Etwa das Altarblatt "Christus bei Maria und Martha", ein Werk Tintorettos (1518-1594), in der Alten Pinakothek oder das Gemälde "Himmelfahrt Marias", das Giovanni Lanfranco (1580-1647) in den Jahren 1631/32) schuf, in der Pfarrkirche Christkönig in München-Nymphenburg. Der ehemals in Sankt Magdalena stehende Rehlingeraltar? kann glücklicherweise in Augsburg in der Staatsgalerie Altdeutsche Malerei? betrachtet werden. Er geht auf das Jahr 1517 und die Malerfamilie Apt? zurück. Im Dom Unserer Lieben Frau zu Augsburg kann eine Ecce-homo-Statue, die 1630/31 von Georg Petel? (1601/02-1634) gefertigt wurde, besichtigt werden, die ebenfalls ehemals in Sankt Magdalena stand.

1913/16 zog in der ehemaligen Kirche eine städtische Gemäldegalerie ein, nachdem Hugo Ritter von Forster? die ehemalige Kirche hatte aus eigenen Mitteln renovieren lassen.

1963 renovierte man die ehemalige Kirche der Dominikaner? erneut.

1966 brachte man in der ehemaligen Dominikanerkirche das Römische Museum unter.

Details

Tritt man von der Dominikanergasse in die Kirche, ist man überrascht, denn Sankt Magdalena hat nur zwei Schiffe. Das ist äußerst selten. Der Vorgängerbau der heutigen Basilika Sankt Ulrich und Afra soll ebenfalls zweischiffig gewesen sein. Möglicherweise war aber auch die Jakobinerkirche in Toulouse, die erste von Dominikanern gebaute Kirche, das Vorbild für Sankt Magdalena. Darauf deuten auch die sieben Mittelsäulen hin, die sich so auch in Toulouse finden. Der Innenraum von Sankt Magdalena ist sehr hell und wirkt sehr hoch, spitze Kreuzgratgewölbe schließen ihn nach oben. Nur wer genau hinsieht, erkennt im sechsten Joch die Vierung der Kirche, wo das Laienschiff vom Mönchschor abgeschlossen wurde.

Die Säulen, die heute zu sehen sind, waren zur Bauzeit der Kirche schlanker und auch die Kreuzrippen waren schlichter. Die Säulen wurden in der Zeit des Barock ummantelt und durch korinthische Kapitelle verziert. Viel ist über die Siebenzahl der Stützen nachgesonnen worden. Vielleicht wollten die Dominikaner? damit die sieben Gaben des Heiligen Geistes symbolisieren, die ihnen bei der Verkündigung der angenommenen Wahrheit des Evangeliums helfen sollten. Nicht ausgeschlossen sind aber auch banale architektonisch-statische Gründe. An der Decke der Kirche finden sich Darstellungen der zwölf "Geheimnisse" des Rosenkranzes. Die Entwürfe dazu stammten von Johann Georg Bergmüller? (1688-1762), ausgeführt hat die Deckenbilder Alois Mack?. Übrigens waren an den sieben Säulen ursprünglich Altäre angebracht. An der Ostwand der Kirche fand sich nördlich der Frühmessaltar und südlich der Hauptaltar.

Der Stuck, der fein und hell die Wände und Gewölbe von Sankt Magdalena überzieht, stammt von Franz Xaver Feichtmayr dem Älteren? (1698-1763) und Johann Michael Feichtmayer dem Jüngeren? (1709-72).

In der Dominikanerkirche Sankt Magdalena gab es 18 Seitenkapellen, die von führenden Augsburger Familien (Fugger, Höchstetter?, Imhof?, Lauginger?, Manlich?, von Stetten? oder Rehlinger? gestiftet worden waren. Die Familien hatten dort Grabrechte. Die Seitenkapellen sind vergittert und zum größten Teil barockisiert. Eine etwas ältere Ausstattung aus dem 16./17. Jahrhundert weist noch die Rosenkranzkapelle auf, die auch alte Sakristei, Stettenkapelle oder Remboldsche Kapelle genannt wird. Unter ihrer freskierten Scheinarchitektur liegt der Grabstein des Augsburger Stadtschreibers? und Humanisten? Konrad Peutinger, der 1547 starb. Auch seine Frau Margarethe liegt hier begraben. Bei der Rosenkranzkapelle handelt es sich um die südöstlichste Doppelkapelle. Hier sind auch noch Reste der Fresken aus der Frührenaissance und das Gemälde "Christus und die reuigen Sünder" Joachim von Sandrarts? (1606 - 1688)zu sehen.

Nicht zu vergessen sind die so genannten "Vier Gulden Stain" von 1519/20 an den Längswänden der Kirche (an der Nord- und Südhochwand im Obergaden). Diese marmorierten und bemalten Sandstein-Epitaphe für Kaiser Maximilian I.?, König Philipp von Spanien, Erzherzog Ferdinand und Karl V.? wurden von Kaiser Kaiser Maximilian I.? gestiftet. Die Herrscher werden durch ihre Wappen repräsentiert, die von Greifen gehalten werden. Möglicherweise stammen die Gedenksteine von Hans Burgkmair?, was aber nicht gesichert ist. In der Zeit des Barock? hat man die "Vier Gulden Stain" zusätzlich mit Aufsätzen versehen, um auch die Wappen der Dominikanerpäpste zu zeigen und so dominikanischen Stolz zum Ausdruck zu bringen (Innozenz IV. von 1243 bis 1256, Pius V. von 1566 bis 1572, Benedictus XI. von 1303 bis 1304 und Benedictus XII. von 1729 bis 1730). Ebenfalls in der Zeit des Barock? hat man in den Jochen zwischen diesen Gedenksteinen drei Oratorien eingerichtet. Sie haben fensterartige Gitter, durch die man von Gängen über der Kapelle dem Gottesdienst folgen konnte, ohne gesehen zu werden. Bei den "Vier Gulden Stain" handelt es sich um Rotmarmorgedenksteine, die zu den frühesten Zeugnissen der Renaissance in Augsburg gehören.

Lage

Dominikanergasse 15


Weblinks


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