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Sankt Katharina

ein entkirchlichtes Augsburger Gotteshaus, das heute die Staatsgalerie Alte Meister beherbergt

Allgemeines

Die ehemalige Augsburger Klosterkirche Sankt Katharina wurde nach dem Vorbild der dominikanischen Kirche Sankt Magdalena errichtet. Sie ist wie diese eine zweischiffige Hallenkirche und beherbergt eine Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (Staatsgalerie Alte Meister).

Katharinengasse 9 (Augsburg)

Sankt Katharina Augsburg 2014. By Gliwi (Own work) [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Die Kirche Sankt Katharina hatte zwei große Bauphasen, die prägend wirkten und auf die unter "Geschichte" genauer eingegangen wird.

Die Kirche Sankt Katharina ist mit der Dominikanerkirche Sankt Magdalena und Katholisch Heilig-Kreuz einer der letzten Hallenbauten und zeigt so das Raumgefühl des beginnenden 16. Jahrhunderts, wenn man sich die so genannten "Veduten" mit dem ursprünglichen Aussehen der Kirche vor Augen führt. Zwar kam es in Schwaben erst später als anderswo zur Geltung, doch vielleicht gerade deshalb reicher und vielseitiger als an anderen Bauten.

Heute ist nur noch die Dachformation des Chors und der Wellengiebel an der Westwand des Gebäudes im ursprünglichen Zustand, sieht man von dem zweigeschossigen, auf der Höhe des ehemaligen Lettners ausgerichteten Dachreiter ab. Es handelt sich um ein gotisches Überbleibsel mit Wasserspeiern, überkuppeltem Sechseck und einem einschneidenden Ziergiebel. Möglicherweise hat sich Elias Holl beim Turm von Sankt Anna und bei den Türmen des Rathauses von ihm inspierieren lassen, indem er in zum Dreieck modernisierte.

Geschichte

Die Geschichte der ehemaligen katholischen Klosterkirche Sankt Katharina ist eng mit der Geschichte des Dominikanerinnenklosters Sankt Katharina verknüpft und geht ins 13. Jahrhundert zurück. Die erste Klosterkirche Sankt Katharina wurde zwischen 1251 und 1259 errichtet.

Ab 1470 engagierten sich Ulrich Walter und die Priorin Anna Walter finanziell für die Kirche. Zunächst ermöglichte eine Stiftung ihrerseits die Erweiterung des Kreuzgangs des Klosters Sankt Katharina. In den Jahren 1516 und 1517 bauten die Dominikanerinnen nach Plänen von Hans Engelberg? die zweischiffige Hallenkirche, die noch heute erhalten ist. Auch sie finanziert durch die Stiftung der beiden Walters. Beginn des Abbruchs der Klosterkirche war der 3. Februar 1516, geweiht wurde die neue Kirche schon am 16. November 1517. Als Steinmetz wurde Hans Muschart genannt, als Maurermeister Hans Hieber, als Zimmermeister Leonhard Schmelcher und als Baumeister war Grandner verantwortlich. Möglicherweise war auch Hans Hieber der Baumeister. So jedenfalls die Meinung von Irmgard Büchner-Suchland 1962 aufgrund von stilistischen Ähnlichkeiten Sankt Katharinas mit der Regensburger Wallfahrtskirche "Zur schönen Maria", die von Hans Hieber stammt, und der Nähe des Baumeisters von Sankt Katharina zur Augsburger Bauhütte?.

1518 fertigte Albrecht Dürer für die Nürnberger Clarissen eine Visierung der Klosterkirche Sankt Katharina an. Visierung ist eine alte Bezeichnung für eine Bestellzeichnung, einen Entwurf, Riss, Bauplan oder eine Skizze zu einem Kunstwerk. Das Wort leitet sich vom lateinischen videre, sehen, her.

1534 sperrte der Augsburger Stadtrat die Klosterkirche im Zuge der Reformation.

1613 stiftete die damalige Priorin Barbara Welser? einen neuen Hochaltar. Man schreibt den Entwurf des Altars Matthias Kager zu. Jedenfalls malte er das Altarblatt, das die heilige Katharina zeigt, sowie das Antependiumbild, in dem es um die Überführung der Leiche der Heiligen geht und das heute den Kunstsammlungen und Museen Augsburg gehört. Der Altar besteht aus Nussbaumholz, gefertigt wurde er von dem Schreiner Hans Schmerlin, während die Holzfiguren von dem Bildhauer Hans Schertlein geliefert wurden. Die Weihe des Altars fand am 24. Mai 1614 statt.

In der Blütezeit des Dominikanerinnenklosters Sankt Katharina nach dem Dreissigjährigen Krieg erfolgte 1670 die Barockisierung der Kirche Sankt Katharina. Damals zeichnete die Priorin Maximiliana Gräfin Rupp von Falkenstein für die Umarbeiten verantwortlich.

Eine weitere "Verschönerung" der Klosterkirche begann 1726 auf Veranlassung der damaligen Priorin Maximiliana Gräfin Rupp von Falkenstein. Man übertünchte die Kirche, stuckierte sie neu, setzte neue Fenster ein und Johann Georg Bergmüller schuf ein neues Deckengemälde. Man erneuerte das Pflaster und die Altargitter, richtete neue Beichstühle und eine neue Kanzel ein. Warum das alles? Es gab zwei Gründe für die kostspielige und aufwändige "Verschönerung": Zum einen wurde damals die ehemalige Mitschwester Agnes de Monte Politiano heiliggesprochen, wozu die Nonnen 1728 eine der neuen Heiligen gewidmete "Lob- und Ehrenpredigt" herausgaben. Außerdem feierte Sankt Katharina das Translationsjubiläum der Reliquien der Märtyrer Hippolytus und Concordia, denen man jeweils einen neuen Altar spendierte.

Von diesen Verschönerungsarbeiten ist heute nichts mehr erhalten. Es existiert nur noch eine Folge von Radierungen, die sich dem 1835 zerstörten Chorfresko der Glorie der heiligen Katharina widmen, das Johann Georg Bergmüller 1728 schuf (heute in den städtischen Kunstsammlungen). Von Daniel Hopfer? ist eine Radierung des Katharinaaltars erhalten, bei der man jedoch nicht sicher ist, ob sie wirklich den Altar von Sankt Katharina zeigt. Auf der Radierung ist jedoch ein Schweißtuch zu sehen, das in Sankt Katharina aufbewahrt wurde. Auch die Renaissanceformen könnten den dargestellten Altar als den von Sankt Katharina gelten lassen. Von Lambrecht Hopfer stammt ein schwächerer Nachstich der Radierung, der eine direkte Verbindung zu Augsburg herstellt: Den beiden flankierenden Wächtern auf Säulen ist das Augsburger Stadtwappen? mit dem Pyr? beigesellt.

Nachdem das Dominikanerinnenkloster Sankt Katharina 1802 aufgehoben worden war, richtete man 1835 in der ehemaligen Klosterkirche eine Gemäldegalerie ein. Man unterteilte die Kirche in drei große Säle und baute auf der Nordseite des Gebäudes neue klassizistische Holz-Fenster ein. Durch eine hohe Mauer integrierte man den polygonalen Chor der Kirche von außen, so dass die Kirche jetzt wie ein kastenförmiger Baublock wirkte. Dazu zog man zusätzlich ein oberes Stockwerk in dem ehemaligen Gotteshaus ein. Damit schuf man die erste Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, die Staatsgalerie Alte Meister. Eröffnet wurde sie am 12. Oktober 1835, als das bayerische Königspaar Ludwig I.? und Therese seine Silberne Hochzeit feierte. Sie ist die älteste staatliche Gemäldesammlung Bayerns. Die 1835 vorgenommenen Bauveränderungen durch Joseph Pertsch gingen auf Pläne Johann Michael Voits aus dem Jahr 1827 zurück, der einen klassizistischen Galeriebau wollte, und waren tiefgreifend. Als man 1834 im Fundament arbeitete, entdeckte man das Fragment eines römischen Naïskos (kleiner Tempel in klassischer Bauordnung mit Säulen oder Pfeilern mit dreieckigem Dachgiebel; gern als Grabrelief oder -schrein verwendet) mit Muschelkalotte.

1990 sanierte man die Außenfassade der ehemaligen Klosterkirche Sankt Katharina.

Details

Freskenzyklus

Als 1960 die Räume der Staatsgalerie Alte Meister im Obergeschoss der Kirche Sankt Katharian renovierte, entdeckte man zufällig einen Freskenzyklus zur Geschichte Magdalenas und Legende des Antonius Abbas (Wüstenvater). Es stellte sich heraus, dass die a secco gearbeitete Wandmalerei 1470 von Ulrich Walter gestiftet worden war. Erhalten hat sie sich, weil sie in situ an der Südwand der beiden östlichen Langhaus-Joche angebracht war: Beim 1516 durchgeführten Abbruch der gotischen Vorgängerkirche ließ man die Kirchenschiffwand, die sich an den Nordflügel des Klosters anlehnte, stehen, ohne sie zu verändern.

Radierungen (s. g. "Veduten")

Aus der Entstehungszeit der zweischiffigen Anlage mit ihren sieben Jochen, der Chorapsis und der westlichen Nonnenempore stammen zwei seitenverkehrte Radierungen. Daniel Hopfer? schuf sie. Seitenverkehrt sind sie, weil eine horizontale Teilung der nördlichen Fenster durch Anbauten nicht möglich war. Zu bemerken ist dabei, dass die berühmte Innenansicht der mit der Balken-Parabel nicht den Innenraum von Sankt Katharina wiedergibt, sondern ein anderes Gewölbe zum Thema hat.

Tietze-Conrat nannte die Radierungen von Daniel Hopfer? 1935 "Veduten" und beschrieb sie als Ansichten, die zu den imposantesten Innenraumzeichnungen jener Zeit zählen. Man sieht auf den Blättern, wie eine Reihe auf hohen, runden Füßen stehende Mittelschäfte das Kreuzrippengewölbe tragen. Zwischen den Schäften und den Rippen und rosettengeschmückten Gurten sind starke Doppelkapitelle aus Stein zwischengeschoben, erst komposit und Kämpfern vergleichbar, dann in ionischem Stil. Ebenfalls ionisch gestaltete Kapitelle nehmen die Gewölbe an den Wänden des Langhauses auf. Gestützt werden sie von Halbsäulen. Erhalten bis heute sind nur noch jene Kapitelle, die von ihrem Schaft abgekappt sind, weshalb man hier am besten von Konsolen oder Kapitell-Torsen spricht.

Die Längswände zeigen ähnlich der Ulrichsbasilika hohe und breite Fenster, die dreigeteilt sind und bogiges Maßwerk aufweisen. Heute ist die Westwand der Kirche zugemauert. In den "Veduten" sieht man hier zweigeteilte Fenster mit eingesetztem Okulus (so genannte "Alberti-Fenster"). Im Ostchor bricht sich das Licht ebenfalls durch zweigeteilte Fenster mit übergreifendem Maßwerk.

Heute ist also der ursprüngliche Zustand der Kirche beeinträchtigt. Nur noch die vier westlichen Joche und etwa die Hälfte der Mittelpfeiler-Höhe ist wie damals. Dass man die Geschossdecke einzog, hatte zur Folge, dass man die Fenster neue unterteilen musste, was im Stil des Klassizismus? geschah. Dadurch entstand eine neue und profan wirkende Belichtungssituation.

Lage

Katharinengasse 9


Weblinks


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