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Sankt Anna

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eine evangelische Kirche an der Annastraße, die als "feste Burg" des Augsburger Protestantismus gilt; im Annahof stand früher das Gymnasium bei Sankt Anna, die ehemalige evangelische Eliteschule der Stadt Augsburg, heute evangelische Kirchenverwaltung

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Allgemeines

Die Sankt-Anna-Kirche in Augsburg ist ein oft umgestalteter Baukomplex. Vom Martin-Luther-Platz betrachtet, erkennt man eine unregelmäßige und malerische Baugruppe. Die anderen Seiten der basilikalen Kirche mit drei Schiffen sind umbaut, so dass man die Kirche nur von diesem Platz aus betrachten kann. Betreten kann man die Kirchenanlage nur durch den südlichen Kreuzgang von 1446, dessen Kreuzrippengewölbe vier Flügel überspannen, in denen Gedenksteine und Grabdenkmäler bedeutender Augsburger Familien - etwa der Rad?, Welser oder Zobel? - untergebracht sind.

Geschichte

Karmelitenkloster

Man nannte sie die Liebfrauenbrüder. Richtig hießen sie Mönche vom Orden der Hl. Maria vom Berge Karmel oder Karmeliten. Im Jahr 1275 können die Bettelmönche das Sacciterhaus? kaufen und dort eine Kirche mit Begräbnis unterhalten, predigen und die Beichte hören. Außerdem gestattete Bischof Hartmann von Dillingen? dem Prior des Karmelitenklosters am 5. August 1275, dass sowohl die verstorbenen Brüder des Ordens wie die verstorbenen Wohltäter im Kloster bestattet werden durften. Unter Bischof Friedrich von Faimingen? erbauten die Karmeliten 1321 an der heutigen Stelle von Sankt Anna eine Kirche und ein Kloster. Sowohl der Bischof selbst wie die Bürgerschaft, besonders die Familie Langenmantel?, stifteten ordentliche Beträge.

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1420 errichten die Liebfrauenbrüder die Goldschmiedekapelle nördlich parallel zum Ostchor. Gestiftet wurde die Kapelle durch die Familie Hirn?, erst ab 1496 wird sie als Grablege für die Augsburger Goldschmiedezunft benutzt, woher sie ihren Namen hat. Ihre Deckenfresken zählen zu den bedeutendsten aus der Zeit der Gotik. Die Wandmalereien entstanden um 1500.

Leider wurde vor allem das Kloster durch einen Brand im Jahre 1460 stark in Mitleidenschaft gezogen und musste wieder aufgebaut werden, was sich bis 1464 hinzog. Erhalten blieben der Chor, die Sakristei und die Goldschmiedekapelle. Im Jahr des Brandes errichtete man den Kreuzgang. Er war bis ins 18. Jahrhundert eine gern benutzte Grabstätte der Augsburger Patrizier, wovon 124 Grabdenkmäler im Viereck des Kreuzganges beredtes Zeugnis ablegen.

Von 1487 bis 1497 ging der Prior Matthias Fabri? daran, die Kirche zu erneuern und die Goldschmiedekapelle zu erweitern. Die Kirche ist jetzt eine dreischiffige Pfeilerbasilika. Dieser Prior war es auch, der die Anna-Bruderschaft gründete, an der sich Männer und Frauen beteiligen konnten. Ab 1494 zeigte sein Prioratssiegel nicht mehr wie zuvor den Verkündigungsengel, sondern ein Bild der hl. Anna. Zu ihren Ehren nahmen hier z. B. im Jahr 1500 der Kaiser Maximilian I.? sowie die Reichsfürsten an einem Festgottesdienst teil.

Das neue Jahrhundert begann mit dem Bau der Heiliggrabkapelle?, die zwischen 1506 und 1510 im Westen der Kirche angebaut wurde (nach anderen Quellen von 1506 - 1508). Ermöglicht wurde das durch eine Stiftung von Barbara Lauginger und Jörg Regel. Ab dem Jahr 1656 war diese Kapelle die Grabkapelle der Österreicher.

Zwischen 1509 und 1518 baute man die Fugger-Kapelle als Westchor. Die Bauzeit soll von 1509 bis 1512 gedauert haben, am 17. Januar 1518 wurde die Fugger-Kapelle eingeweiht. Man sieht in ihr den ersten kirchlichen Renaissancebau nördlich der Alpen. Gestiftet wurde sie von Jakob Fugger und Ulrich Fugger?.

1512 zog die große Schrankflügelorgel in der Kirche ein. Die Orgel selbst wurde von Johann von Dobrau? geschaffen, die Gemälde auf den Flügeln von Jörg Breu dem Älteren?. Sebastian Loscher?, Jakob Zwitzel? und Hans Burgkmair? gestalteten auf Anweisung der Fugger den Innenraum. Dabei stand das Raumideal der italienischen Renaissance Pate. Sebastian Loscher? ließ Albrecht Dürer die Epitaphien für die beiden Fugger zeichnen und führt sie nach den Zeichnungen aus.

Reformationszeit

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Zwischen dem 7. und 20. Oktober 1518 wohnte Martin Luther in dem Kloster Sankt Anna. Die Frage ist natürlich: Was machte Luther hier und wie kam es, dass er gerade im Karmelitenkloster nächtigte? Zu der Zeit fand in Augsburg ein Reichstag? statt. Am Rand dieses Reichstages sollte sich Martin Luther einem Verhör durch den päpstlichen Legaten Kardinal Cajetan? unterziehen. Weil es in Augsburg kein Kloster der Augustiner-Eremiten gab, zu denen Martin Luther damals noch zählte, lud ihn der Prior des Karmelitenklosters Johannes Frosch? ein, bei ihm zu logieren. Die beiden Geistlichen kannten sich von der gemeinsamen Studienzeit in Erfurt?. Schon im Sommer 1518 war in Rom der Ketzereiprozess über Martin Luther eröffnet worden, zu dem er auch vorgeladen war. Weil sich aber der Landesherr Luthers dafür einsetzte, brauchte sich Martin Luther nicht in Rom zu verantworten, sondern konnte nach Augsburg kommen, um sich dort den Befragungen zu stellen.

Kardinal Cajetan? war bei den wichtigsten Parteigängern von Papst und Kaiser, den Fuggern, in der Maximilianstraße untergebracht. Dort fanden auch die Gespräche oder wenn man will Verhöre Martin Luthers am 12., 13. und 14. Oktober 1518 statt. Dazwischen war Martin Luther auch Gast bei dem Augsburger Stadtschreiber? Konrad Peutinger. Leider brachten die Gespräche zwischen Martin Luther und Kardinal Cajetan? kein Ergebnis. Und weil Martin Luther und seine Augsburger Parteigänger sich sorgten, dass es Martin Luther genauso wie Johannes Jus, der 100 Jahre früher als Ketzer verbrannt wurde, erginge, floh der Verhörte in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 1518 heimlich aus Augsburg, wobei ihm seine Sympathisanten halfen.

Der Prior des Karmelitenklosters Johannes Frosch? schloss sich später der Reformation an, trat 1523 von seinem Amt zurück und heiratete 1525. Zu Weihnachten des Jahres 1523 wurde in der Anna-Kirche die erste protestantische Liturgie gefeiert und das Abendmahl unter beiderlei Gestalt ausgeteilt. Der Bischof von Augsburg hatte dagegen keine Handhabe, weil die Klöster weder seiner noch der städtischen Jurisdiktion unterstanden. So konnte Johannes Frosch? 1523 unter dem Schutz des Stadtrats auch eine evangelische Gottesdienstordnung einführen. Faktisch war durch die positive Haltung des Augsburger Bürgermeisters Ulrich Rehlinger? und des Stadtrats damit die Reformation in Augsburg eingeführt.

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Im Jahr 1529 schaffte Lukas Cranach der Ältere? das Gemälde "Doktor Martin Luther" und das Gemälde "Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen". 1531 schuf Lukas Cranach der Ältere? das Antependium "Christus, die Kinder segnend". Das Kloster wurde zunächst im Jahr 1534 aufgelassen. Die Schenkungen übergab man gegen eine Leibrente an die Heilig-Geist-Spital -Stiftung, und 1551 gründete man in den Räumen des ehemaligen Klosters das Gymnasium bei Sankt Anna, das später von dem Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl um ein Schulhaus und eine Bibliothek erweitert wurde.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass der größte "Papist" Augsburgs, nämlich Jakob Fugger, seine Ruhestätte in einer protestantischen Kirche fand. Als er nämlich 1525 starb, war das Karmelitenkloster und damit die Fugger-Kapelle in protestantische Hände gelangt. Mitten in einer evangelischen Hochburg also ruht der katholisch gebliebene reichste Bürger des damaligen Augsburgs.

Auch die Goldschmiedekapelle blieb bis 1889 katholisch. Bis dahin konnte man sie nicht über die Anna-Kirche betreten, denn die Konfessionen hatten die Kapelle von der Hauptkirche durch eine Mauer getrennt. Der Verlauf der Geschichte hat die beiden großen abendländischen Kirchen wieder näher aneinander gebracht und so ist in der Zwischenzeit auch diese Mauer gefallen. Heute findet man in der Goldschmiedekapelle eine Oase der Ruhe inmitten der Einkaufshektik.

17. Jahrhundert

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Das 17. Jahrhundert ist von den folgenden Daten zur Geschichte der Kirche Sankt Anna geprägt: Elias Holl baute den auch heute noch stehenden zierlichen Turm ohne Fundament auf die Kirchenmauern (1602). Der Turm war zuvor baufällig geworden, weshalb Elias Holl hier kurz nach seinem Venedig-Aufenthalt tätig wurde. Die beiden oberen Turmgeschosse des Glockenturms sind über Eck gestellt. Die Fundamente des Turms dienen an der Südseite als Strebepfeiler des östlichen Langhausjochs. Der Grundriss des Glockenstuhl-Unterbaus ist quadratisch, darüber erheben sich der Glockenstuhl mit seinen gerahmten Klangarkaden, von denen die der Stadt zugewandten höher ausfallen. Die Klangarkaden sind mit einem tief gestaffelten Gebälk- und Giebelsystem überfangen. Bei der Ecklösung übernahm Elias Holl ein Pilastermotiv aus der Toskana, das zu seiner Zeit als modern galt. Den Abschluss des Turms bildet ein Oktogon. Es besitzt reiche und filigrane Gliederungen ionischer Ordnung, die seine Architektur betonen.

In diesem Turm hat Elias Holl ein Meisterwerk abgeliefert. Die Übereckstellung war schon in der Spätgotik sehr beliebt, er hat sie hier monumentalisiert und die Dekoration bis hin zu einer Zerklüftung gesteigert, im Kontrast von hellem Verputz und glänzendem Metal dem Zeitgeschmack um 1600 angepasst. Nicht verschwiegen werden soll aber, dass einige Historiker als Urheber der Pläne, nach denen Elias Holl arbeitete, Joseph Heintz den Älteren? (1564-1609) vermuten.

Am Ende des Jahrhunderts sind noch der Kronleuchter im Ostchor (1682) und die Kanzel (1682/83) geschaffen worden. Die Kanzel ist ein Werk von Heinrich Eichler?. Von 1684 bis 1686 baute man auch die Emporen ein und um und hing an der Südempore Gemälde zur Passions- und Auferstehungsgeschichte von Johann Spillenberger? und Isaak Fischer dem Älteren? auf.

Zwischen 1631 und 1649 nutzen die Jesuiten Sankt Anna und die Gebäude ringsum. Aufgrund des Restitutionsedikts? mussten die Protestanten Sankt Anna nämlich wieder den Katholiken übergeben. Von 1635 bis 1649 feierten sie ihre Gottesdienste im Freien im Hof des Anna-Kollegs?. 1649 führte man dann die so genannte Parität in Augsburg ein, was zur Rückgabe der Kirche und ihrer Gebäude an die Protestanten führte.

Am 8. August 1650 wurde das erste Augsburger Friedensfest in der Anna-Kirche gefeiert.

18. Jahrhundert

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Mit dem 18. Jahrhundert hielt das Barock? in der Kirche Einzug. Zunächst wird zwischen 1682 und 1683 die Kanzel mit Schalldeckel von Heinrich Eichler? eingebaut. Die südliche Empore, die zwischen 1684 und 1686 eingebaut wurde, ist das zweite Zeugnis des Barocks? in der Kirche. Die Holzbrüstung zeigt zwölf Passionsdarstellungen auf Leinwand, die von Johann Spillenberger? und Isaak Fischer dem Älteren? stammen und 1686 ausgeführt wurden.

1731 kümmerte sich der Anna-Kirchen-Pfarrer Samuel Urlsperger? darum, dass Salzburger Exilanten? in Augsburg aufgenommen und versorgt wurden.

1747/48 renovierte man das Mittelschiff, damals noch ein gotisches Langhaus, und die Seitenschiffe und gestaltete sie gleich im Stil des Barock? bzw. Rokoko? um. Federführend dabei war Johann Andreas Schneidmann?. Der Stuck stammt von Johann Michael Feichtmayr?, die Deckengemälde, die Bergpredigt, Kreuzigung und Jüngstes Gericht darstellen, stammen von Johann Georg Bergmüller. Am Kreuzigungsfresko kann man lesen: 1748 JGB. Diese Renovierung prägt auch heute noch die Kirche am meisten. In den Städtischen Kunstsammlungen befindet sich ein Gerüstmodell, das eigens dazu hergestellt wurde, die Einwölbung mit Bockgestell vorzubereiten. Es stellt das Hauptschiff mit dem nördlichen Seitenschiff dar. Wie die Kirche barock überformt wurde, kann man am besten auf der dem Ostchor zugewandten Lettnerseite studieren. Dort stößt das barocke Gebälk auf die spätgotischen Rippen und ummantelt sie. Diese einschneidende Umgestaltung der Kirche fand unter dem Senior Samuel Urlsperger? statt. Zuvor besaß das Mittelschiff noch eine flache Holzkassettendecke.

1748 wird auch das Karmelitenkloster, das bei Sankt Anna immer noch bestand, aufgehoben.

19./20. Jahrhundert

Die Eingliederung der Pfarrgemeinde in die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Bayern erfolgte im Jahr 1806.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kirche durch die Luftangriffe 1944 schwere Beschädigungen. Nach und nach ging man an die Renovierung, die aber erst in den 1970er Jahren komplett abgeschlossen wurde. Von 1961 bis 1967 wurden der Kreuzgang und das Lutherhöfle renoviert und der Brunnen im Lutherhöfle errichtet. 1978 erneuerte man die Orgel.

1983 richtet man eine ständige Ausstellung in der Kirche ein (Martin-Luther-Gedenkstätte): die "Lutherstiege" mit Confessio-Zimmer, Lutherkammer, Friedenszimmer und Cajetanflur. Und 1992 schließlich baut man die Orgel um und erweitert sie.

Ende September 2011 wurde die evangelische Kirche Sankt Anna in Augsburg nach einer langen Renovierungszeit wieder eröffnet. 2007 hatte man mit der Sanierung des Langhauses und der Fugger-Kapelle begonnen. Die Restaurierung kostete etwa sieben Millionen Euro, die von der Gemeinde auf unkonventionellen Wegen gesammelt worden waren.

Der Bau

Der Kreuzgang

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Wie oben schon erwähnt, betritt man den Bau durch den Kreuzgang des ehemaligen Karmelitenklosters, der im Kern noch auf die Gotik zurückgeht. Sofort fallen die Gedenksteine und Grabplatten des Kreuzgangs auf, die vom Spätmittelalter bis in die Zeit des Klassizismus reichen. Als man den Kreuzgang von 1961 bis 1967 renovierte, brachte man Grabplatten, die noch gut erhalten waren, in den Wänden an, um eine weitere Zerstörung zu verhindern. Die anderen beließ man auf dem Boden. Bei dieser Renovierung fand man im Südflügel des Ganges auch Reste spätmittelalterlicher gotischer Bemalungen.

Es handelt sich bei den Platten um Augsburger Patriziergrabstätten, deren künstlerische Gestaltung vor allem zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert beeindruckend reichhaltig ist. Schon 1735 versuchte Johann Georg Morell? die vielen Grabstätten systematisch in einem so genannten "Grab-Buch" zu erfassen. Ein Versuch, der immer wieder unternommen wurde.

In der Mitte des Ostflügels findet sich die Grabplatte des Priors Arnoldus Andree? von 1397. Es ist eine der ältesten erhaltenen Grabplatten hier und sie besitzt eine gotische Inschrift, die folgendermaßen lautet: "constuxit chorum et alia multa" - "er erbaute den Chor und vieles andere". Der Prior ist mit einem Schultertuch (Skapulier) abgebildet, wie es die Karmeliten? trugen. Durch die Karmeliten? verbreitete sich auch unter der nicht geistlichen Bevölkerung der Brauch, ein kleines Skapulier unter der Kleidung zu tragen, das den Träger in der Todesstunde vor dem Fegfeuer bewahren sollte.

Ebenfalls ein wichtiges Beispiel für Sepulkralplastik ist die Rotmarmorplatte von Johannes Weilhamer?. Er war Karmelitenprior und starb 1472. Die Grabplatte befindet sich im Nordflügel des Kreuzgangs. Geschaffen hat die Grabplatte Hanns Peurlin der Ältere?. Der Künstler stellte den Prior vor einen spätgotischen Portalbogen, der mit Krabben besetzt ist. Eine per Meißel eingefügte Nummerierung geht wahrscheinlich auf auf die 1657 erstellte Übersicht der Grabplatten von Emanuel Stenglin? zurück und wurde in späterer Zeit angebracht.

Zu sehen sind auch Renaissance -Grabplatten. Z. B. die von Gabriel Dreyer?, der 1523 starb. Sie zeigt sein Familienwappen mit drei Gesichtern. Oder das Grabmal von Georg Sturm?, eines Karmelitenmönchs, der 1556 starb. Darauf ist in Anlehnung an einen Holzschnitt von Hans Holbein dem Älteren? das "Wappen des Todes" zu sehen mit der Inschrift "Facite poenitentiam!" ("Tut Buße!"). Außerdem sieht man einen Baum, der nur halb belaubt ist und an dessen dürrer Seite eine Axt angelegt ist; an seiner Wurzel nagen zwei Mäuse, eine weiße ("dies" - "Tag") und eine schwarze ("nox" - "Nacht").

Das Epitaph der Familie Berckheimer? stammt aus dem Jahr 1665 und ist an dem charakteristischen Bogenbild der Schildwand zu erkennen.

Grabmonumente des Barock? und Rokoko? sind zahlreich. Da gibt es z. B. das Grabmal von Balthasar von Schnurbein?, der 1711 starb. Es liegt an der Kreuzgang-Westwand. An der Ostwand, gleich beim Eingang, liegt der Epitaph von Peter Neuß?, der 1731 starb. Gleich neben dem Grab des Priors Arnoldus Andree? liegt der jüngste Grabstein der Kirche. Es ist der Epitaph des russischen Gesandten am Münchener Hof Christoph de Petersen?. Er war Lutheraner und starb 1789. Das Grab ist mit einem klassizistischen Relief von Ignaz Ingerl? ausgestattet.

In den spitzbogigen Giebelfeldern des Ostflügels befinden sich bemerkenswerte Gemälde, die meist von der Hand Abraham de Hel? stammen. vom Ostflügel aus gelangt man über die Lutherstiege zu Räumen des 15. Jahrhunderts, die heute als Martin-Luther-Gedenkstätte eingerichtete sind.

Im Nordflügel ist neben der Tür in den Chor ein Kupferbild zu erwähnten, das den heiligen Martin darstellt. Paul von Stetten? schrieb 1788 dazu, es stamme "von vortrefflichem Pinsel eines Unbekannten". Heute glaubt man, die Arbeit stamme von Joseph Heintz dem Älteren?.

Das Lutherhöfle

Im Geviert des Kreuzgangs liegt der Klosterinnenhof, auch Lutherhöfle genannt. Wir wissen nicht genau, wo Luther 1518 im Kloster gewohnt hat. Möglicherweise im Priorat, da er ja Gast des Priors war. Das Priorat liegt am nördlichen Ende des Querbaus an der Ostseite. Die Zellen der Mönche lagen über den Kreuzgangflügeln.

Bis 1806 war das Lutherhöfle Gottesacker. 921 Tote haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Übrigens: In der Gesamtanlage der Sankt-Anna-Kirche fanden insgesamt 2.908 Tote Platz, 1.223 Grablegungen sind für den Kreuzgang zu eruieren.

Das Kircheninnere

Wie nicht anders zu erwarten, spiegelt sich im Kircheninneren die lange Geschichte der Kirche Sankt Anna in der stilistischen Vielfalt und verschiedenen baulichen Unregelmäßigkeiten, die jedoch als Ganzes wieder sehr harmonisch wirken. Das Langhaus etwa ist vom Barock? geprägt, der Chor mit seinem Kreuzrippengewölbe geht in die Gotik zurück, die Fugger-Kapelle ist ein frühes Zeugnis der Renaissance außerhalb Italiens.

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Der Chor

Im Ostchor sehen wir den neugotischen Altar von 1898. Gefertigt hat ihn der Kunstschreiner Wilhelm Vogt aus Memmingen. In seiner Predella das um 1531 von Lukas Cranach dem Älteren? geschaffene Werk "Christus segnet die Kinder". Ansonsten ist er dem Thema Trauung und Taufe gewidmet.

Links des Altars das Bild Martin Luthers und rechts das von Friedrich von Sachsen, beide 1529 und beide von Lukas Cranach dem Älteren?. Der Kronleuchter stammt aus Augsburg und wurde 1682 gefertigt. Vom mittelalterlichen Lettner, der früher den Chor vom Langhaus trennte, ist ein Bogen erhalten geblieben. Die anderen Lettnerbögen wurden 1682 gefertigt.

An der südlichen Hochwand sind darüber hinaus zu sehen ein Gemälde von Christoph Amberger von 1560, das theatralisch die klugen und törichten Jungfrauen ins Bild setzt, der Grabstein der Familie Meuting? "Christus in der Vorhölle" (1525) sowie "Auferstehung Christi" von Jörg Breu dem Älteren?. Die nördliche Hochwand beherbergt die "Anbetung des Jesuskindes" von Abraham von Diepenbeck?.

Der Chor mit seinem Kreuzrippengewölbe stammt aus der gotischen Zeit.

Das Langhaus

Das Langhaus von Sankt Anna in Augsburg wird durch Pilaster aus Stuckmarmor und Gebälkzonen gegliedert. Die Wände sind von Studierungen überzogen, die Johann Michaels der Jüngere? und Franz Xaver Feichtmayr der Ältere? schufen. Das Langhaus-Gewölbe rhythmisierte Johann Georg Bergmüller durch einen Wechsel von Rocaille-Dekor und Fresken in den Deckenspiegeln. Seine Fresken stellen Christus als Propheten (Berpredigt), als Priester (Kreuzigung) und König (Jüngstes Gericht) dar. Ganz der protestantischen Auffassung entsprechend richtet sich das Langhaus auf die Kanzel aus.

Heinrich Eichler? aus Lippstadt hat 1682/83 die aus Eichenholz geschnitzte Kanzel geschaffen. Auf Schalldeckel mit seinen schweren Voluten der Kanzel von Sankt Anna erinnert ein Friedensengel an das Ende des Dreißigjährigen Krieges und die damit verbundene Gleichberechtigung (Parität der protestantischen Christen, nachdem es zuvor im Streit um den rechten Glauben in Augsburg nicht gerade friedlich zuging.

Der Bilderzyklus zur Passions- und Ostergeschichte von Johann Spillenberger? und Isaak Fisches dem Älteren? befindet sich in der Brüstung der Südempore der Kanzel gegenüber und ist auf Leinwand aufgemalt. Insgesamt sind es zwölf Brüstungsbilder. Weil Gustav II. Adolph? 1632 Augsburg kampflos einnahm und in Sankt Anna an einem Gottesdienst teilnahm, hängt sein Portrait unterhalb der Empore.

An den Langhauswänden sind Gemälde mit verschiedensten biblischen Motiven aufgehängt, meist Tafelbilder. Sie stammen von den verschiedensten Künstlern, die vornehmlich in Augsburg tätig waren.

Seltsam mutet das Kirchengestühl an. Die vordere Hälfte der Bankreihen kann nämlich entweder zum Altar oder zur Kanzel hin geklappt werden (so auch in Evangelisch Sankt Ulrich und Evangelisch Heilig Kreuz?).

Die Kapellen

Zur Kirche Sankt Anna gehören drei Kapellen:

Die Gemälde

Sankt Anna hat einen reichen Gemäldebestand, der 1974 geordnet wurde. Die wichtigsten Gemälde seien kurz vorgestellt. Sie befinden sich im Ostchor der Kirche.

  • Von Lucas Cranach? stammt das 1529 signierte Bild von Martin Luther.
  • In einem Architekturrahmen, wie man sie von Venedig her kennt, ist das so genannte Meitingsche Holzepitaph "Christus in der Vorhölle" angebracht (als Epitaph der Familie Meuting bzw. Meiting). Es stammt von Jörg Breu dem Älteren?, der das Werk 1530 schuf.
  • Von Christoph Amberger stammt das Bild "Die klugen und törichten Jungfrauen" (1560).
  • 1587 hat Christoph Schwarz? das Bild "Kreuzaufrichtung" geschaffen, wobei er sich in Farbe und Figurgestaltung stark an die venezianische Schule anlehnte.
  • Das Leinwandbild "Auferweckung des Lazarus" stammt aus dem 1. Viertel des 17. Jahrhunderts. Man hat ein dazu gehörendes Modell gefunden, dem man entnehmen kann, dass es als Epitaphbild gedacht war.
  • Im nördlichen Seitenschiff findet sich "Himmelfahrt des Elias", ein Epitaphbild für Jeremias Oesterreicher, das 1607 von Joseph Heintz? geschaffen worden war. Im Holzrahmen hat man versucht, eine Synthese zwischen einer Volutendachung nach Michelangelo und dem oberdeutschen Spitzbogen herzustellen.
  • Auch das Bild "Auferstehung Christi" stammt von Jörg Breu dem Älteren?. Abraham von Diepenbeck schuf die "Anbetung des Jesuskindes" an der nördlichen Hochwand.

Das Äußere

An der Außenfassade der Kirche befindet sich südlich eine Tafel zur Erinnerung an Martin Luther und eine für Adam Gumpelzhaimer?. Adam Gumpelzhaimer (1559 - 1625) genoss eine umfassende musikalische Ausbildung bei den Benediktinern? von Sankt Ulrich und Afra. Schon mit 22 Jahren wurde er Präzeptor und Kantor am Gymnasium bei Sankt Anna. Als Komponist und Musiktheoretiker bekannt, gab er u. a. das "Compendium musicae" heraus, damls das erfolgreichste Lehrbuch dieser Art.

Sankt Anna heute

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Früher war die Sankt-Anna-Kirche nicht so bekannt wie heute. Die 2000-Jahr-Feier der Stadt brachte dem Tourismus in Augsburg allerdings einen starken Anschub, so dass auch die Sankt-Anna-Kirche stärker gewürdigt wurde. Gerade Protestanten, die sich für die Geschichte der Reformation interessieren, kommen an dieser Kirche nicht vorbei. Heute ist Sankt Anna deshalb nach dem Dom und Sankt Ulrich und Afra sicher die meistbesuchte Kirche in Augsburg.

In den letzten Jahren hat man auch den Annahof, der zwischen Fuggerstraße und der Fußgängerzone liegt, wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt und nebenbei modernisiert. So finden Besucher der Innenstadt jetzt unter dem Annahof ein günstig gelegenes Parkhaus, bei dessen Bau man auf die alten Mauern der ehemaligen Stadtbibliothek stieß. Der Platz erinnert an eine italienische Piazza und besitzt ein schönes Café, in dem man nach einem Einkauf in der Innenstadt? entspannen kann. Im Norden wird der Platz vom Hollbau?, im Westen vom ehemaligen Gymnasium bei Sankt Anna, in dem heute eine Außenstelle des OLG München untergebracht ist, und vom Augustanasaal? begrenzt.

Adresse

Evang.-Luth. Pfarramt Sankt Anna
Fuggerstraße 8
86150 Augsburg

Tel. 0821/450175100 bzw 09.
Fax. 0821/450175109
E-Mail: pfarramt(@)st-anna-augsburg.de

Lage der Sankt-Anna-Kirche

Im Annahof 2


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