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Sankt-Antonius-Kapelle

eine kleine Augsburger Kapelle in der Dominikanergasse, die zusammen mit dem ehemaligen Stiftungsgebäude der Sankt Antonspfründe ein unzerstörtes Barockensemble bildet; zu unterscheiden von der Kapelle Sankt Antonius von Padua? in Haunstetten, verkürzt meist "Antoniuskapelle" genannt

Allgemeines

Die Sankt-Antonius-Kapelle ist dem hl. Einsiedler Antonius geweiht und geht im Kern auf das 15. Jahrhundert zurück. Antonius Eremita (oder Abbas) gilt als Patron der Armen. Der Grundriss der Kapelle richtet sich nach dem bebauten Grundstück. Deshalb ist sie verhältnismäßig lang und schmal. Durch die Hanglage kommt es zu einer leichten nördlichen Verschiebung der Kapellenachse. Betritt man das von außen unscheinbar wirkende Kirchlein an der Einmündung des Butzenbergle, das wie ein Tunnel etwas düster wirkt, wird man durch die Helligkeit des Inneren überrascht. Zur Straßenseite zeigt die Kapelle einen Stufengiebel mit Türmchen. Der Saalraum der Kirche ist der einzige unbeschädigt erhaltene kirchliche Raum aus der Zeit des Rokoko? in Augsburg.

Die St.-Antonius-Kapelle wird heute von der Russisch-Orthodoxe Kirche? für Gottesdienste genutzt. Angeboten werden Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen nach dem russisch-orthodoxen Ritus.

An der Südseite der Kapelle befindet sich die Stiftungstafel der Sankt Antonspfründe.

Geschichte

Die Geschichte der Antonius-Kapelle ist rührend. Der Augsburger Bürgermeister? Lorenz Egen? (von Argon) ging 1410 am Butzenbergle zur Morgenmesse und fand dabei einen toten Fuhrknecht, der wegen Krankheit von seinem Dienstherrn entlassen worden war. Deshalb beschloss er noch während der Frühmesse, eine Pfründe für Arme zu stiften. Noch im gleichen Jahr baute Lorenz Egen?, der Augsburger Handelsherr, die Sankt-Antonius-Kapelle als Teil der Sankt Antonspfründe, in der er zwölf arme alte Männer unterbrachte und für sie sorgte. Der Bauherr war damals einer der reichsten Augsburger. 1411 war die Anlage samt Kapelle fertig gestellt.

Peter von Argon?, der Sohn des Bauherren, erweiterte später die Stiftung, die bis heute besteht. Auch die Kapelle wurde mehrmals erneuert.

Während des gesamten 15. Jahrhunderts übte das Präsentationsrecht die Kaplanei aus. In der Reformation wurde die Sankt-Antonius-Kapelle zeitweilig evangelisch, doch 1589 rekatholisiert. Im gleichen Jahr veränderte man die Kapelle zum ersten Mal in deutlicher Form.

1746 stattete man die Kapelle neu aus. Die Deckenfresken (1746) und das Altarblatt mit dem heiligen Antonius und die Deckengemälde schuf Matthäus Günther, die Stuckaturen J. M. (III) Feichtmayr d. Ä.?. Die Kapelle wurde im Stile des Rokoko? umgestaltet. Finanziert hat die neue Innenausstattung der damalige Stadtpfleger? Johannes Holzapfel?.

Seit 1813 ist die Sankt-Antonius-Kapelle im Besitz der Stadt Augsburg und wird seither nur noch sporadisch genutzt.

1988/89 folgte eine grundlegende Restaurierung. Dabei fand man auf der Orgelempore auf der inneren Westwand Wandmalereien. Sie zeigen Heilige in grüngrauer Ganzfigur mit Goldnimbus und Maßwerkfragmente. Wahrscheinlich stammen sie aus der Bauphase um 1445.

1990 besserte man die Kommunionbank aus und rekonstruierte das hölzerne Abschlussgitter.

Details

Südlich neben der Kirche liegt das Tor der ehemaligen Sankt Antonspfründe mit seiner gebrochenen Giebelfassade. Beim Vorbeigehen kann man den Eingang dieser einzigen noch in Augsburg erhaltenen Rokoko? -Kapelle leicht übersehen, da sich das Eingangsportal kaum von anderen Hauseingängen in der Gasse unterscheidet.

Die Kapelle hat ein zweizoniges Kehlbalkendach und eine kleine rundbogige Kirchentür, die nicht wie ein Kirchenportal wirkt. Die konvexe Fassade wirkt nur durch ein barockes Kleeblattfenster und den über einem quadratischen Grundriss aufgesetzten Glockenturm sakral. Rechts der Kirche folgt ein traufseitiges Gebäude, das im rechten Winkel an die Kirche grenzt und früher wohl auch zu der Stiftung gehörte. Über dem Butzenbergle spannt sich tunnenartig ein Schwibbogen; auch ein getreppter Aufzuggiebel mit Ziertürmchen ist in der gleichen Achse zu sehen.

Innen finden sich schlichte Wände, die durch Pilaster gegliedert werden. Oben schließen sie mit stuckierten Kartuschenkapitellen ab, die in ein Pseudo-Stichkappensystem übergehen. Forschungen ergaben, dass die Gurtbögen wohl dort ansetzen, wo sie beim gotischen Vorgängerbau ansetzten. An der Südwand der Kapelle sind innen Silbertafeln angebracht. Sie verweisen auf die Wiedereinrichtung des katholischen Gottesdienstes im Jahr 1589 und die Bedeutung, die dafür die Egensche Stiftung von 1410 hatte. An der Nordwand findet sich der Epitaph von Joseph Antonius Reinweiller?. In der Mitte der Kapelle kann der Wappengrabstein des Lorenz von Argon? besichtigt werden. Es handelt sich um eine frühes Werk von Ulrich Wolfhartshauser?, der 1418 starb. An der linken Wand findet sich eine volkstümliche Konsolfigur des hl. Antonius mit Schwein und Glocke: Mit dem Schwein wird das Privileg des für Arme und Kranke tätigen Antoniterordens zur Schweinezucht angedeutet, die Glocke soll Gesunde vor der Pest? warnen. Die vierzehn Kreuzwegstationen-Malereien an den Wänden stammen von Vitus Felix Rigl? (1717-1779).

Am Altar sind auf beiden Seiten Türen angebracht. Sie führen zum einen in die Sakristei, aber auch in die Spitalräume mit ihren verzweigten und kleinteiligen Gängen. Das Altarblatt hat Matthäus Günther 1746 geschaffen. Es zeigt Antonius, wie er von den Versuchungen der "Frau Welt" mit Maske, Weltkugel, Amorknaben und Drachen bedrängt wird. Ganz fest ist der Blick des Heiligen dabei auf Kreuz, Bibel, Totenschädel, Geisel und Glocke gerichtet.

Besonders beachtenswert sind die Deckenfresken von Matthäus Günther. Aufgetragen sind sie Joch für Joch auf einer Muldendecke, die an einem Lattengewölbe aufgehängt wurde. Eines zeigt in der Art eines Votivbildes das alte Stiftsgebäude der ehemaligen Sankt Antonspfründe samt der Sankt-Antonius-Kapelle. Matthäus Günther hat die Deckenbemalung 1746 zum 300. Baujubiläum geschaffen, was auch der Anlass für die Umgestaltung der Kapelle im Stil des Rokoko? war.

Das Fresko über der Orgel zeigt die Begegnung von Paulus Eremita und Antonius Eremita in der Wüste. Es ist signiert und auf 1746 datiert. Man sieht, wie ein Rabe den Beiden einen Laib Brot bringt. In dem Werk "Der heilige Antonius und die Kardinaltugenden" hat Matthäus Günther, wie es im Rokoko? beliebt war, viele Joche zusammengebunden. Es zeigt die Apotheose des hl. Antonius, der die hell erleuchtete Dreifaltigkeit anblickt. Von seinem Herzen geht ein Strahl aus, der auf die im Fresko dargestellte kleine Augsburger Antonius-Kapelle trifft. Die Symbole von Glaube (Kreuz), Liebe (Herz) und Hoffnung (Anker) umgeben ihn. Mit diesen Tugenden, das will das Fresko sagen, war es Antonius möglich, den Versuchungen des Satans zu trotzen, der vom Erzengel Michael in die Hölle gestürzt wird. Eine nahe gelegene Kartusche zeigt das Wappen der Holzapfel/Schellenbergs. Dort findet sich auch eine Restaurierungstafel von 1745.

Das Chorfresko über dem Altar zeigt, wie die Kirche angesichts des apokalyptischen Lammes über die trauernde Synagoge siegt. Auch dieses Fresko stammt von Matthäus Günther, der zeigt, wie sich die vier Wesen Engel, Stier, Adler und Löwe (Apk 1, 12-16, 4 und 5) um das hell strahlende Lamm scharen. Die vier Wesen stehen stellvertretend für die Evangelisten. Fließend geht dieses Chorfresko in die flach abschließende Chorwand mit Flachnische über. Möglich wurde das dadurch, dass man das Auszugsbild, das zum Altarretabel gehört, als Fresko malte. An diesem Übergang wirkte auch J. M. (III) Feichtmayr d. Ä.? durch seine Stukkaturen mit. Mit Putten und Kartuschen fing er geschickt den Übergang auf und bereitete den Altar mit dem Gottesauge in einer Strahlensonne vor.

Adresse

Sankt-Antonius-Kapelle
Dominikanergasse 5
86150 Augsburg

Ansprechpartnerin:
Frau Schütz

Tel. 0821/554965

Die Gottesdienste finden jeden 1. Freitag im Monat um 18.30 Uhr, jeden 1. Samstag im Monat um 10 Uhr (Liturgie), ansonsten jeden Donnerstag um 18.30 Uhr statt.


Weblinks


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