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Rundgang durch die Fuggerei

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Wer die Fuggerei besucht, sollte sich vor Augen halten, dass ein Jahrhunderte dauernder Prozess die heutige Anlage hervorgebracht hat, die das Ergebnis von Erweiterung und Umbau, Zerstörung und Wiederaufbau ist. Und es sollte beachtet werden, dass die Fuggerei nicht nur ein Museum ist, sondern immer noch ein Stadtteil von Augsburg, der benutzt und bewohnt wird.

Manche Gassen-Namen ergaben sich aus der Umgebung der jeweiligen Gasse. Der Schweinemarkt? z. B. gab der nahe gelegenen Saugasse? den Namen: Man hielt ihn lange Zeit vor dem Tor der Saugasse? ab. An der Ochsengasse? floss der Ochsenlech? vorbei, an dessen Ufern früher die Rinder weideten.

Jedes Haus der Fuggerei bekam einen anderen Klingelzug. Dadurch konnte man früher, als es keine Beleuchtung gab, das eigene Haus am Klingelgriff ertasten.

Das Seniorats- und Verwaltungsgebäude

Beginnen wir im nördlichen Teil der Fuggerei, an der Jakoberstraße. Hier steht gleich das Verwaltungsgebäude der Fuggerschen Stiftungen. Es wurde nach dem II. Weltkrieg im Zuge des Wiederaufbaus vergrößert wieder errichtet. Neben der Fuggerei werden von hier aus weitere acht Fugger-Stiftungen verwaltet.

Gleich anschließend erkennt der Besucher das Senioratsgebäude, wo das Seniorat, der Altenrat der drei Fuggerschen Familienlinien, tagt. Das Gebäude wurde 1950 völlig neu gebaut, allerdings wurden Überreste von Augsburger Patrizierhäusern beim Bau verwendet, meist frühgotische Werke oder Werke der Renaissance. Besonders auffällig ist der "Höchstetter-Erker". Er dominiert das Gebäude östlich des Torbogen am Eingang der Fuggerei. Vor dem II. Weltkrieg schmückte er das Eckhaus Ludwigstraße/Kesselmarkt, das dem reichen Kaufmann und Patrizier Ambrosius Höchstetter? gehörte. Dieses Haus war zwischen 1504 und 1507 erbaut worden. Den Erker soll Burkhard Engelberg? 1507 geschaffen haben. Das Wappen an dem Erker sollte Stolz und Erfolg ausdrücken und den hohen Stand der Bewohner verkünden. Die Familie Höchstetter? war ähnlich erfolgreich wie die Fugger und waren mit diesen oft Finanzgeber im Kupfergeschäft. Neben dem Familienwappen zeigten das Kaiser- und Königswappen am Erker an, dass man sich mit den herrschenden Habsburgern verbunden fühlte. Die Heiligenreliefs und frommen Spruchbänder sollten die Religiosität der Familie belegen. Nach dem II. Weltkrieg zerlegte man den Erker in seine Einzelteile und lagerte ihn in der Dominikanerkirche? ein. Erst 1961 baute man ihn an der Nordwestecke des Senioratsgebäudes ein, wo er von der früheren Pracht und Bedeutung der Augsburger Patrizier kündet.

Leonhardskapelle

Aus dem ehemaligen Stadtpalais der Welser hat man im Keller des Senioratsgebäudes die so genannte Leonhardskapelle? eingebaut.

Sie ist ein ganz besonders wertvolles Architekturdenkmal. Früher stand sie mit ihren fünf gotischen Säulen 700 Jahre lang an der Ecke Karolinenstraße/Karlstraße in einem Haus, das 1241 zum ersten Mal in einem Schriftstück erwähnt ist. Nach diesem Schriftstück wurde Sankt Leonhard angeblich von der Familie Ilsung? an der ehemaligen Judengasse errichtet. Heute ist das die Karolinenstraße (genau: Nummer 21).

1422 ging die Leonhardskapelle an die Welser überging, die während der Renaissance den Fuggern ordentlich Konkurrenz machten. In Venezuela waren sie sogar eine Zeit lang als Kolonisatoren aktiv.

1503 renovierten und restaurierten die Welser Sankt Leonhard, später ging die erweiterte Kapelle bis 1550 in den Besitz der Stadt Augsburg über. Die Stadt hat die Kapelle irgendwann in den späteren Jahren profanisiert und zeitweise als Eisenlager genutzt.

1913 richtete ein Gastwirt in dem Gewölbe unter dem Namen "Leonhardskapelle" ein gutes Restaurant ein, 1944 fiel das Gebäude den Bomben der Alliierten zum Opfer. Ein Wiederaufbau an gleicher Stelle war aus verschiedenen Gründen nicht möglich, weshalb die beschädigten spätgotischen Gewölbe 1958 abbrach und 1963 bis 1965 die Kapelle in der Fuggerei wieder errichtete. Zusammen mit dem Höchstetter-Erker vom Höchstetter-Haus? integrierte man sie in das Senioratsgebäude der Fuggerei. Übrigens bietet dieser mietbare Raum einen stilvollen Rahmen für Tagungen, Empfänge, Vorträge sowie Ehrungen mit bis zu 80 Personen.

Die Markuskirche

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1581 ist das Geburtsjahr der Markuskirche. Sie wurde von dem Maurermeister Hans Holl? erbaut, dem Vater des berühmten Augsburger Baumeisters der Renaissance Elias Holl. Der Auftrag zum Bau kam von Markus? und Philipp Eduard Fugger?. Der Besucher erkennt am südlichen Volutengiebel den Relief-Spruch "Nütze die Zeit!", verziert mit den beiden Fuggerwappenlilien. Es war der Wahlspruch Jakob Fuggers. Auch auf dem Kreuz der Kirchturmhaube sind stilisierte Fuggerwappenlilien angebracht.

Im Laufe der Jahrhunderte hat man die Kirche mehrfach umgestaltet, seit dem Wiederaufbau nach dem II. Weltkrieg hat sie mehrere kunstgeschichtlich bedeutende Werke zu bieten: zum einen ein Altarblatt des venezianischen Malters Jacopo Palma il Giovane, das um 1600 entstanden ist und die Kreuzigung Christi zeigt, zum anderen ein Taufbecken aus Sandstein, das in der Renaissance entstand und hierher gehört; außerdem ein Epitaph Georg? und Ulrich Fuggers?, das daran erinnert, dass diese Fugger Mitstifter der Fuggerei waren. Es wurde 1950 an der Westwand angebracht. Es ist 1518 aus Solnhofer Stein gefertigt worden und stammt aus der Fugger-Kapelle in Sankt Anna.

Die Kassettendecke, die in der Zeit zwischen 1550 und 1560 entstand, wurde aus dem Fuggerschen Stiftungshaus hierher übertragen.

An der Ostwand der Kirche steht ein kleiner Flügelaltar. Dort in der Predella sind Markus Fugger?, einer der Stifter der Fuggerei, seine Frau Sibylla von Eberstein und ihre Söhne und Töchter verewigt. Auf den Flügeln des Altars befinden sich Flachreliefs, rechts eine Darstellung der hl. Anna, links ein Bild des Erzengels Michael, außen sieht man dekorative Malereien mit den Monogrammen von Christus und Maria. Im Schrein zeigt der Altar unter einem Bogen aus Kleeblättern die Marienkrönung als Freiplastik. Geschaffen wurde der kleine Flügelaltar um 1570. Sein erster Standort war die Hauskapelle St. Sebastian in den Fuggerhäusern an der Maximilianstraße.

Ansonsten ist noch eine Schutzmantelmadonna von dem Bamberger Künstler Hans Leitherer zu erwähnen, unter deren Mantel sich die Fugger bergen, und die Orgel von 1730, die aus der Werkstatt der Familie Silbermann kommt und entweder von Andreas Silbermann oder seinem Sohn Johann Andreas gebaut wurde.

Herrengasse

Im 16. Jahrhundert war hier das so genannte "Holzhaus", zwei große Krankensäle, die sich daraus ergaben, dass man die Trennwände zwischen einzelnen Häusern (Nr. 40, 41 und 42) entfernt hatte. Wir wissen, dass man damals versuchte hier die Syphilis mit Extrakten des süd- und mittelamerikanischen Guajakholzes zu bekämpfen. "Nacket und bloß" kamen die heruntergekommenen Kranken hierher, um Erlösung von ihrem Leid zu erbitten. Der Name "Holzhaus" kommt von der etwa zwei Monate dauernden "Holzkur", die man hier anwendete. Man entzündete das Guajakholz-Feuer und hüllte mit dem Rauch die Krankensäle ein. Außerdem kochte man das Holz mit Wasser, Wein oder Essig auf und gab dieses Gemisch den Kranken zum Trinken. Zusätzlich rieb man sie mit Salben und Kräutern ein, ließ sie zur Ader, verabreichte ihnen Lehmwasser und Pfefferbäder. Man kann sich vorstellen, wie es im "Holzhaus" stank. Aber: Nicht wenige der krank Eingelieferten wurden gesund entlassen. Christliche Nächstenliebe stattete sie mit Geld und Essen aus, "damit sie nit wieder umbfallen". Man verpflichtete sogar bekannte Ärzte wie Dr. Adolph Occo für die Kranken und auch heute noch besuchen ein Arzt und eine Krankenpflegerin die Kranken und Hilfsbedürftigen in der Anlage, auch wenn die Fuggerei kein Altenheim oder Krankenhaus ist.

Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts beherbergte das Haus Nr. 35 in der Herrengasse sogar eine Schule, die zeitweise von 170 bis 180 Schülern besucht wurden. Heute ist in dem Gebäude die Sakristei und die Wohnung des Fuggereigeistlichen untergebracht.

Ochsengasse und Ochsentor

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Bis zur ersten Erweiterung der Fuggerei war nur die Ostseite der Ochsengasse bebaut. Wahrscheinlich erbaute Anton Fugger die Ochsengasse im 16. Jahrhundert. Wenn heute Fuggerei-Bewohner nach 22 Uhr nach Hause kommen, müssen sie als Einlass das Ochsentor benutzen, an dessen äußerer Front ein Wappen der Stifterfamilie samt Inschrift angebracht ist.

Neue Gasse

Hier steht der so genannte Witwenbau, in dem etwas kleinere und noch günstigere Wohnungen liegen.

Fuggereimuseum im Haus Nr. 13

Das Fuggereimuseum in der Mittleren Gasse? sollte man unbedingt besucht haben. Es handelt sich um eines der wenigen Häuser, das noch im ursprünglichen Bauzustand der Zeit um 1520 ist. Das gesamte Innere, der Holzausbau, die Wände, Decken, Türen, der Flur und der Kamin, stammt noch aus der Gründungszeit der Anlage. Es lassen sich drei Zimmer besichtigen, die historisch eingerichtet sind. Im Eingangs befindet sich ein Informationsbereich, der einen guten Einblick in die Entstehung der Fuggerei und die Geschichte der Fugger-Familie gibt.

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Haus Nr. 14

Gleich neben dem Fuggereimuseum befindet sich das Haus, in dem der Urgroßvater von Wolfgang Amadeus Mozart lebte. Der Augsburger Maurer Franz Mozart war in Not geraten, weshalb ihm im Alter von 30 Jahren eine Fuggerei-Wohnung bewilligt wurde. Genau weiß man es nicht, aber manche vermuten, Franz Mozart habe geholfen die Leiche eines Scharfrichterknechtes zu begraben. Damals galt das als eine unehrenhafte Tat, weshalb er - so die Vermutung - keine Aufträge seiner Mitbürger mehr bekam.

Haus Nr. 1

Im Haus Nr. 1, dem Haus an der Ostseite der Saugasse?, befand sich von 1520 bist ins 17. Jahrhundert hinein eine Krankenstation für Bedienstete der Fugger. Insgesamt konnten sechs Kranke in dem Haus gepflegt werden. Im Schein der Messingleuchter konnten sie in Bibeln und Andachtsbücher aus einer Bibliothek lesen, die eigens für sie eingerichtet worden war. Das Wasser des Lauterlechs, das durch die Saugasse? floss, benutzte man für die Krankenpflege.

Fuggerei-Lädle

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Das Fuggerei-Lädle bietet Literatur über die Fugger, Souvenirs und kleine Geschenke. In einem Café und einem Biergarten kann man es sich wohl sein lassen. Oft treffen hier Bewohner der Fuggerei und Besucher aufeinander und es ergibt sich so manches interessante Gespräch.

"Hexenhaus"

Im so genannten "Hexenhaus" der Fuggerei wohnte Dorothea Braun?, die erste Augsburger Frau, die als "Hexe" angeklagt und hingerichtet wurde. Die Geschichte um diese Frau ist tragisch. Hingerichtet wurde sie, weil ihre eigene Tochter, damals elf Jahre, sie verleumdete und behauptete, ihre Mutter habe sie zur Hexerei verführt. Die Krankenpflegerin wurde nach allen Kniffen der Kunst mehrmals gefoltert, bevor sie gestand, dass sie mit dem Teufel einen Pakt geschlossen habe. Das Todesurteil wurde am 25. September 1625 verkündet, anschließend wurde die Unglückliche, deren Mann vor Gericht angab "Vogelhäuslebauer" und Krankenpfleger zu sein und ihr nicht helfen konnte, auf der Augsburger Richtstatt zu Tode gebracht und anschließend verbrannt. Das "Hexenhaus" trägt die Nummer 52. Dorothea Braun? hat im Obergeschoss des Torgebäudes gelebt.

Fuggerei-Bunker

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Während des Zweiten Weltkrieges wurde Anfang 1943 in der Fuggerei ein öffentlicher Luftschutzbunker eingerichtet. Bei dem schweren Bomber-Angriff im Februar 1944 rettete er etwa 200 Fuggerei-Bewohnern das Leben. Der original erhaltene Bunker wurde im Jahr 2008 als Museum mit Exponaten, Dokumenten, Text- und Bildtafeln, einem Museumsfilm und einer Hörstation eingerichtet. Gezeigt wird die Vorgeschichte der Fuggerei, ihre Zerstörung und ihr Wiederaufbau.


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