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Das Jahr 1965

Januar 1965

Roy Black erhielt vom Produzenten Hans Bertram, der für Polydor und Electrola arbeitete, einen Plattenvertrag. Laut Vertrag musste Roy Black die Titel singen, die ihm Hans Bertram vorschlug.

Die zweite Single von "Roy Black and the Cannons" wird veröffentlicht: „Darling My Love“. Die Rückseite heißt “Let's Go“. Die Single hat keinen Erfolg.

Juni 1965

Die Single „Du bist nicht allein“ von Roy Black erscheint im Juni 1965 bei Polydor mit der Bestell-Nummer 52475. Auf der Rückseite ist "Ich glaube an dich" zu hören.

Damals hatte eine Single 17 Zentimeter Durchmesser und wurde auf einem Plattenspieler mit 45 Umdrehungen in der Minute abgespielt. „Du bist nicht allein“ steigt unaufhaltsam nach oben. Radio Luxemburg spielt das Lied unermüdlich. Es bleibt 32 Wochen in der Hitparade, davon 15 Wochen in den Top-Ten. Es ist Roy Blacks erster Hit. Er verdient richtig gutes Geld damit. Auch wenn er nur Sänger ist, also keine Tantiemen für Komposition, Text oder Arrangement erhält, was wesentlich mehr ist. Dass er mit der Komposition, dem Text und Arrangement noch mehr verdienen könnte, weiß Roy Black als junger Einsteiger in die Musik-Branche damals noch nicht. Erst mit der Zeit erfährt er, wie die ertragreichen Geschäfte von Verlag und Label im Hintergrund ablaufen.

Die begleitende Musik hatte Hans Bertram vorher mit seinem Orchester eingespielt, mit dem er auch unter seinem Pseudonym Alex Weingarten arbeitete und auftrat. Komponiert wurde "Du bist nicht allein" von Rolf Arland. Dieser hatte vorher schon Erfolg mit den Liedern "Die große Nummer wird gemacht" (1962, Ralf Bendix) und "Der Schatz im Silbersee" (1963, Medium Terzett).

Der Text zu "Du bist nicht allein" stammt von Kurt Hertha. Hertha schrieb über 1000 Texte für Schlager. Zu den bekanntesten zählen „Ich möchte´ gern an Biersee“ (1957), „Tanze mit mir in den Morgen“ (Gerhard Wendland, 1961) oder „Du kannst nicht immer siebzehn sein“ (Chris Roberts, 1974).

Den Rückseiten-Titel „Glaube an mich“ hatten Elisabeth Bertram als "Lilibert" und Werner Twardy unter seinem Pseudonym „Daddy Monrou“ verfertigt.

Hans Bertram produzierte auch Schlager für Bernd Spier und Chris Roberts. Meistens arbeitete Bertram mit seiner Frau Elisabeth (Künstlername oft „Lilibert“) und dem Komponisten Werner Twardy zusammen. Den ersten großen Erfolg als Produzent hatte Hans Bertram mit dem Titel "Der lachende Vagabund", den er 1957 mit dem Sänger Fred Bertelmann herausbrachte. Mit Ralf Bendix veröffentlichte Bertram 1961 den Hit "Babysitter Boogie" der auf einem US-Hit basierte.

Weitere bekannte Schlager aus dem Jahr 1965 sind "Mit 17 hat man noch Träume" von Peggy March, "Kleine Annabell" von Ronny, "Siebzehn Jahr, blondes Haar" von Udo Jürgens und von Drafi Deutscher and his Magics "Marmor, Stein und Eisen bricht". Eine deutsche Beat-Nummer, wie sie wohl auch die Cannons gerne mit Roy Black gemacht hätten. Immerhin gingen in diesem Jahr die Cannons mit Roy Black auf eine kleine Tour, zusammen mit Drafi Deutscher und seiner Band. Roy ärgerte sich öfters über Drafi Deutscher, der oft zu spät kam.

8. Juli 1965

Auftritt von Roy Black im NRK-Saal in Augsburg. Der Star an diesem Abend ist der singende Torwart von TSV 1860 München Radi Radenkovic mit seinem Hit „Bin i Radi, bin i König“. Außer Roy Black sind noch dabei: Ilo Schieder, Peter Hinnen und Su, Ted Herold, Carlos Otero, Hilde Ott, Paul Würges, Mike Roger, Mal Sandock, Helmut und Robert, Berti Glockner und der fränkische Komiker Herbert Hisel. Es spielen das Siggi-Gerhard-Swingtett und Thomas Wendlinger mit seinen Funkschrammeln. Der Eintrittspreis spreizt sich von DM 4,50 bis DM 9,50.

Juli 1965

"Du bist nicht allein" kam im Juli 1965 bis auf Platz 4 der bestverkauften Singles in Deutschland. Dann bleibt Roy Blacks erster Hit, den er ohne seine Band eingesungen hat, 32 Wochen in der Hitparade. Davon 15 Wochen in den Top-Ten.

Roy Black wird aufgrund des Erfolgs mit „Du bist nicht allein“ in die Sendung „Musik aus Studio B“ mit Chris Howland eingeladen. Da sind auch große deutsche Schlagerstars wie Peter Alexander oder Freddy Quinn zu Gast. Vielleicht hat dazu auch beigetragen, dass Hans Bertram neben Roy Black auch Chris Howland als Schlagersänger produziert. Michael Graeter? alias Peter Pan von der Schwäbischen Neuen Presse? in Augsburg, besuchte Roy Blacks Eltern während Chris Howlands Fernsehsendung „Musik aus Studio B“. Graeter: „Eineinhalb Stunden vor Beginn der Sendung klingelte ich im Reihenhaus. Roys Mutter öffnet: Eine sympathische dunkelhaarige Frau. Roy Bruder Walter räumt die Schreibmaschine und einen ganzen Berg von Autogramm-Wunschbriefen auf die Seite. Er erlaubt mir großzügig, ihn zu duzen. Ob er vor der Fernsehsendung aufgeregt sei? Er lacht mich aus, und Frau Höllerich erklärt: Der ist genauso wenig aufgeregt wie der Gerhard es jetzt wohl auch sein wird. Die beiden sind den Trubel doch schon gewohnt. Es fällt auf, dass die Mama niemals von Roy spricht, sondern immer von Gerhard. Es ist soweit, Herr Höllerich schaltet den Fernsehapparat ein. Auf der Mattscheibe stellt Heinrich Pumpernickel alias Chris Howland die Mitwirkenden vor. Gleich als zweite Nummer singt Roy sein ‚Du bist nicht allein‘. Ich muss sagen, ich fand ihn ganz gut. Das außerordentlich geschickte Bühnenbild unterstrich seinen Vortrag sehr vorteilhaft."

Roys Konzert-Manager Hans Löfflad war beim Fernsehen im Wohnzimmer der Familie Höllerich mit von der Partie. Er hat sich mit Hans Bertram geeinigt. Löfflad ist für Roys Auftritte zuständig. Bertram für die Platten-Produktionen.

Die Augsburger Allgemeine, die von Roy Black am Anfang nicht besonders Kenntnis nahm, lässt sich diesmal den steilen Aufstieg eines Augsburgers nicht entgehen und hält bei ihrer Roy-Black-Berichterstattung gut mit: „Vor ungefähr einem Jahr kannte ihn noch kaum jemand - heute stöhnt der Briefträger, der in Göggingen die Post austrägt, täglich unter einer Last von 300 bis 400 Verehrerbriefen.“

August 1965

Das erste Mal ist ein Portrait von Roy Black als Titelbild auf dem damals größten Teenie-Magazin "Bravo", Heft Nr. 36, 30. Über 40 Roy-Black-Clubs entstehen in kürzester Zeit.

November 1965

In der "Bravo-Musikbox", eine Hitparade der Leser, ist Roy Black mit „Du bist nicht allein“ hinter den Rolling Stones mit „Satisfaction“ und den Beatles mit „Help“ zu finden. Als hitverdächtig werden Thomas Fritsch mit „Schau mich bitte nicht so traurig an“ und Peggy March mit „Hee, hee – hey, hey!“ bezeichnet. Das Teenie-Magazin Bravo hatte damals noch 1 Million Auflage.

Dezember 1965

Die Presseabteilung von Polydor nimmt die Arbeit für ihren Künstler Roy Black auf. Ein erster Bericht über Roy Black erscheint in der Teenie-Zeitschrift Bravo: "Habt Geduld mit Roy! Durch Bravo lässt er alle Fans um Geduld bitten. Er will gerne alles erledigen, aber es dauert. Wahrscheinlich sogar einige Monate. Die nächsten Wochen ist er ständig unterwegs (Tourneen, Fernsehen, Plattenaufnahmen). Er kommt also vorläufig überhaupt nicht zum Autogrammschreiben. Dabei stapelt sich die Post bei ihm zu Hause schon bis zur Zimmerdecke. Wer Roy liebt - und wer tut das nicht – wird Verständnis und Nachsicht üben. Also bitte habt Geduld. Geduld und nochmals Geduld. Und sollte der Geduldsfaden, der bei begeisterten Fans ziemlich dünn ist, zu reißen drohen, dann legt schnell Roys Erfolgsschlager "Du bist nicht allein" auf den Plattenteller. Das tröstet. beruhigt und verkürzt die Wartezeit."

Man merkt, Roy Black wird nun von Polydor und den Bertrams zum vielbeschäftigten Multimedia-Star aufgebaut. Wichtig sind nicht nur die Plattenverkäufe. Für Komponist und Texter ist auch vielmaliges Spielen der Schlager im Radio wichtig, weil dann die GEMA Geld ausschüttet. Der Sänger Roy Black erhält dabei einen kleinen Anteil über die GVL. Die Abrechnungen erfolgen nur halbjährlich oder jährlich. In der Zwischenzeit muss Roy Black sein Geld mit Auftritten verdienen. Später äußerte sich Roy Black einmal so, dass er nur "eine Marionette im Showbusiness" war.

Ein weiterer Bericht über Roy Black erscheint in Bravo: "Alle meine Mädchen. Wer sind alle Mädchen des Roy Black?"

Ein Unfall Roy Blacks mit seinem neuen Porsche, den er sich durch die Tantiemen von „Du bist nicht allein“ zulegen konnte, geht gut aus. Auf eisglatter Straße prallte er in Neusäss bei Augsburg mit seinem Edelflitzer in einer Bahnunterführung gegen einen Opel Rekord und zog sich Verletzungen zu.

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