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Das Jahr 1964

Januar 1964

Roy Black trifft im Augsburger Künstler-Café Rehak? die englische Tänzerin Vivian Liver. Sie wurde vom Ballettmeister Jaroslav Berger für das Augsburger Stadttheater engagiert und wird von dem Klatschreporter Peter Pan?, dem späteren Michael Graeter?, in der Schwäbischen Neue Presse (SNP)? als junge Ballerina aus Manchester bezeichnet. Schon als 10-jährige stand sie in der BBC-Serie "Oliver Twist" vor der Kamera. In der Oper "Margarethe" darf sie einen Nymphe auf der Augsburger Freilichtbühne tanzen. Mit den Beatles ist sie persönlich bekannt und bringt Roy Black immer die neuesten Hit-Singles der "Fab Four" aus Großbritannien mit. Mit Vivian probt Roy Black die ersten Tanzschritte im Ballettsaal des Augsburger Stadttheaters.

16. Juni 1964

"Die besten Bands von Jazz bis Liverpool-Sound" treten an einem Dienstag im Augsburger Moritzsaal? auf. Mit dabei: Hall Street Rambler?, Telstars?, Sankt Stephans Woodpeckers?. Veranstalter war Schülersprecher Sieghard Schramm und das German-American-Youth-Committee?. Das ist der Durchbruch für "Roy Black and the Cannons". Auf dem rötlichen Plakat zur Veranstaltung ist zu lesen: "Die Presse schrieb zu unserer Talent-Show vom 9. April: Stimmung wie bei den Beatles." Karten für DM 1,- DM sind bei den Schulsprechern zu haben, falls vorrätig. Sieghard Schramm wird für kurze Zeit der erste Manager von "Roy Black and his Cannons". Später wird er Stadtrat und Schulreferent? in Augsburg.

17. Juni 1964

Die "Münchner Abendschau" im Bayerischen Fernsehen? überträgt die Veranstaltung aus dem Augsburger Moritzsaal?, die als "Band-Wettstreit" angekündigt wird. Die Ansagerin erklärt Augsburg zum "Liverpool von Bayern". Besonders wird über den Auftritt von "Roy Black and the Cannons" berichtet. Der Plattenproduzent Hans Bertram von Polydor, der ein neues Gesangs-Talent sucht, sieht in München diese Sendung.

19. Juni 1964

Die Augsburger Neue Presse? (ANP) schreibt über das Konzert von "Roy Black and the Cannons": "Moritzsaal: 800 Jugendliche außer Rand und Band. Zwei Schülerinnen ohnmächtig! Ein brodelnder Hexenkessel. 800 Jugendliche pfiffen, gröhlten, trampelten, kreischten, sprangen wild auf die Stühle und warfen völlig außer sich Taschen, Jacken und Mützen durch die Luft. Hektisch wippten sie im Rhythmus mit." Roy Black soll an diesem Tag sein Deutsch-Abitur geschrieben haben.

Hans Bertram, ein Talent-Scout, sendet aus Köln am Rhein einen Brief per Eilboten an die Schülerverwaltung der Oberrealschule in der Augsburger Hallstraße, später das Holbein-Gymnasium?. Er sucht einen jungen Sänger namens Roy Black. "Wir wären Ihnen außerordentlich dankbar, wenn Sie uns die Anschrift dieses jungen Herrn am Montag telefonisch durchsagen könnten", schreibt Heidrun Menzel, Sekretärin der Musikproduktion von Hans Bertram. Dessen Frau ist eine große Nummer beim damaligen Radio Luxemburg.

Juni 1964

Roy Black unterzieht sich der Reifeprüfung nach dem Lehrplan der Oberrealschule und schafft das Abitur. Mit weiteren 128 weiblichen und 217 männlichen Schülern. Er schreibt sich für ein Betriebswirtschaftsstudium an der Universität in München ein. Augsburg hat damals noch keine Universität.

10. Juli 1964

Auftritt von "Roy Black and the Cannons" im Gögginger Kurhaus. Jahre später verfällt dieses Theater, das zur Kurklinik Hessing gehört. Dann wird es wieder renoviert und als Parktheater wieder in Betrieb genommen. Nebenan ensteht später der Roy-Black-Weg mit der Roy-Black-Büste?. Sie steht nicht weit vom Haus seiner Eltern entfernt, wo er mit seinem jüngeren Bruder Walter aufwuchs und auch noch später oft in seinem Jugendzimmer unterm Dach übernachtete.

20. Juli 1964

"Roy Black and the Cannons" spielen im vollen NRK-Saal in Augsburg- Kriegshaber vor rund 400 Zuschauern. Die Augsburger Allgemeine schreibt darüber: "Die Gitarristen ausgezeichnet, Schlagwerk, Bass, Klavier usw. vorzüglich in der Technik, der singende Boss (und auch die anderen, wenn sie singen) zunächst einmal recht adrett, wobei man natürlich weiß, dass die stimmlichen Vorbilder nicht Caruso oder Gigli sind, sondern Elvis Presley oder Verwandte." Augsburgs Oberbürgermeister? Wolfgang Pepper? begrüßt das Publikum, das mit Kuhglocken, Hupen und anderen Lärmgeräten erscheint. Eintritt 2,85 DM, einschließlich Vergnügungssteuer.

8. August 1964

Auftritt von "Roy Black and the Cannons" im Stadtsaal von Kaufbeuren im Allgäu. Ankündigung: "Das hat es noch nicht gegeben! Roy Black brachte in Augsburg 2000 Jugendliche außer Rand und Band. Sie stürmten die Bühne. Jetzt kommt Roy Black auf seiner Bayern-Tournee nach Kaufbeuren! Roy Black mit seinem Liverpool-Sound." Karten ab DM 2,-. Am 8. August ist in Augsburg jedes Jahr der Feiertag Friedensfest.

24. August 1964

Die Augsburger Allgemeine: "Jetzt halten die Schallplattenfirmen nach Roy Black and his Cannons Ausschau. Voraussichtlich im September wird die junge Augsburger Band ihre erste Platte bespielen. Nebenbei will der Sänger Roy Black, bürgerlich Gerhard Höllerich, nach Heidelberg gehen. Nicht mit seiner Band, sondern in der Absicht, Jura oder Psychologie zu studieren."

Die Noten für die Aufnahme der ersten Single mit dem Titel "Sweet Baby Mine" und "My Little Girl" treffen bei "Roy Black and the Cannons" ein. Damit kann für die Schallplattenaufnahme geprobt werden. Die Songs mit deutschem Text sollen beatig wie bei Drafi Deutscher klingen, der 1964 mit Songs wie "Shake Hands" und "Cinderella Baby" einen deutschen Beat-Sound präsentierte und ein Jahr darauf mit "Marmor, Stein und Eisen bricht" auf Platz 1 in der Deutschen Hitparade gelangt.

Ende August 1964

Aufnahme für "Sweet Baby Mine" und "My Little Girl" im Polydor-Studio in München. Produzent ist Hans Bertram. Geprobt wird vorher mit dem Komponisten Werner Twardy im Augsburger Vorstadtclub "Zirbelnuss", wo "Roy Black and the Cannons" danach abends spielen. "Die beiden Platten sind großer Mist", meinte das Musik-Magazin Bravo.

1. September 1964

"Roy Black and the Cannons" schließen mit dem Musikautomaten-Aufsteller Hans Löfflad einen Management-Vertrag. Löfflad firmierte in seinem Briefkopf: Automatenvertrieb Export-Import. 8902 Göggingen, Schwabenweg 24, Telefon 33536. Löfflad bedingt sich 25 Prozent von den Einnahmen aus. Sieghard Schramm steigt als Manager aus.

23. Oktober 1964

NRK-Saal in Augsburg: "Roy Black and the Cannons" treten als örtliche Attraktion mit der "Hit-Parade 1964", auf. Eine Tournee mit: Manuela, Ronny, Bernd Spier, Teddy Parker, Dorthe, Geschwister Leismann, Freddy Brink, Tahiti Tamoures, The Chicks, Die 5 Dops und The Rattles.

November 1964

Die erste Single von "Roy Black and the Cannons" mit dem Lied "Sweet Baby Mine" auf der A-Seite und "My Little Girl" auf der B-Seite wird veröffentlicht. Die Single wird durch das Engagement des Musikautomaten-Aufstellers Hans Löfflad, der 1000 Stück für zur Ausstattung seiner in ganz Bayern verteilten Musikboxen kauft, ein kleiner Achtungserfolg.

Dezember 1964

Ein erster Artikel über Roy Black erscheint im Teenie-Magazin "Bravo". Überschrift: "Nach der Uni schräge Songs". Ein paar Ausgaben später landet Roy Black mit 968 Stimmen auf dem 30. Platz bei der Wahl zu den Otto-Stars von "Bravo". Es ist der letzte Platz.

Nach und nach, auch durch die Bundeswehr, verzogen sich die Cannons. Zurück blieb Roy Black und der letzte Versuch "Du bist nicht allein" wie die Bravo damals schrieb. Polydor-Mann Hans Bertram präsentierte nun mit dem Sänger nach den Flop-Singles eine perfekt produzierte Hit-Demo mit dem Titel "Du bist nicht allein". Roy war damals aber schon ohne seine Band Cannons. Die Gruppe unternahm, nach Roys Abnabelung in Richtung des erfolgreichen Schmalzes, in Vereinigung mit der French Combo? einen neuen Versuch als Beat-Band The Surfboys. Mit "Du bist nicht allein" wurde Roy Black "über Nacht ein Star, ein Idol, ein Traum von zahllosen Mädchen", die in ihm einen Ritter sahen, "der eine Lanze für die Romantik" (Bravo) brach.

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