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Rosenaustraße

eine Augsburger Straße im 15. Stadtbezirk (Rosenau- und Thelottviertel), der zum Planungsraum VIII (Pfersee) gehört; Postleitzahl 86199

Allgemeines

Die Rosenaustraße hat zwei Charaktere: Zwischen dem Beginn an der Gögginger Straße und der Kreuzung mit der Pferseer Straße bei der Pferseer Unterführung (Hausnummern 50 und 51) macht die Straße eher einen bürgerlichen Eindruck. Danach verliert sie ihren bürgerlichen Charakter. Rechts und links breiten sich jetzt bis zur Bürgermeister-Ackermann-Straße? / Holzbachstraße Wohnhöfe aus, die früher von Arbeiterfamilien bewohnt wurden. So liegt z. B. auf der linken Seite der Richard-Wagner-Hof?, erkennbar an seinen schrägen Türmen oder auf der rechten Seite der Schuberthof?, der allerdings seit 1929 die Büros der WBG beherbergt.

Geschichte

In den Jahren 1927 bis 1930/31 wurden in der Rosenaustraße folgende Wohnanlagen zur Linderung der damaligen Wohnungsnot in Augsburg gebaut:

Errichtet wurden sie von der WBG auf Initiative des damaligen Augsburger Bürgermeisters? Friedrich Ackermann?.

Bis zum Zweiten Weltkrieg spannte sich von der Rosenaustraße das "Eiserne Monstrum" bis zum Hauptbahnhof. So bezeichneten die Augsburger eine lange eiserne Fußgängerbrücke, die das Rosenau- und Thelottviertel mit dem Hauptbahnhof verband, ohne dass die Fußgänger durch die Pferseer Unterführung gehen mussten. Die Fußgängerbrücke wurde im Krieg zerstört. Jahrzehnte lang gab es Überlegungen, wieder einen westlichen Zugang zum Hauptbahnhof zu schaffen.

Im 1998 beschlossenen Gesamtverkehrsplan erschien eine Tangente zwischen der Bürgermeister-Ackermann-Straße? und der Gögginger Brücke als dringender Bedarf. Auch beim 1. Preisträger des Ideenwettbewerbs Innenstadt war die Trasse als Teil eines Tangentenrings aufgeführt. Für diese später westliche Entlastungsstraße genannte Trasse sprachen mehrere Gründe:

  • Durch ihre Lage im innerstädtischen Straßennetz sollte sie die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Durchgangsverkehre aufnehmen, um so die Rosenaustraße vom Verkehr zu entlasten.
  • Man versprach sich durch sie eine bessere Verteilung der in die Innenstadt fließenden Verkehre. Die Entlastungsstraße, so hoffte man, könne Verkehr aus der westlichen Stadthälfte aufnehmen und zu den jeweiligen Quartieren führen, ohne bis in die Innenstadt (Königsplatz vorzudringen.
  • Durch die westliche Entlastungsstraße erfolge eine bessere Erschließung des Bahnhofsbereiches - im Süden über die Gögginger Brücke, im Norden über die Schletterer-Unterführung?.
  • Käme es irgendwann zur Wohnbebauung des Augsburger Rangierbahnhofs, könnte die westliche Entlastungsstraße dieses Wohnquartier erschließen.

Im Zuge der so genannten Mobilitätsdrehscheibe wurde ein unterirdisch verlaufendes "Portal West" geplant. Im Zuge dieser Planungen beschloss der Augsburger Stadtrat am 20. Januar 2011 auf eine Empfehlung des Bauausschusses? den Bau einer westlichen Entlastungsstraße. Im Beschluss dazu hieß es:

"Hinsichtlich der Trassenführung sind grundsätzlich verschiedene Varianten denkbar. Fixpunkte sind zum einen der Anschluss an den Knotenpunkt der Bürgermeister-Ackermann-Straße? / Holzbachstraße / Rosenaustraße ... Zum anderen muss die Straße so wie heute die Rosenaustraße an die Gögginger Straße anschließen. Der Verlauf der Trasse soll grundsätzlich parallel zu den bestehenden bzw. künftig erforderlichen Bahnanlagen erfolgen. Ausgehend von der Bürgermeister-Ackermann-Straße? müsste die Straße im nördlichen Abschnitt zunächst zu den Gleisen auf das erhöhte Geländeniveau hingeführt werden, um dann parallel zu den Gleisen einzuschwenken. Die Pferseer Straße würde dann höhenfrei gekreuzt werden, ohne an diese anzubinden.

Für den Trassenverlauf zwischen der Pferseer Straße und der Gögginger Brücke bestehen verschiedene Varianten, die im weiteren Verfahren zur Klärung gebracht werden müssen. Die Straße würde grundsätzlich auf dem erhöhten Geländeniveau der Bahnflächen geführt werden. Hinsichtlich der Lage sind jedoch eine vielzahl an Ausprägungen denkbar. Dabei sind verschiedene Randbedingungen zu berücksichtigen:

* Mit der Schaffung des westlichen Bahnhofszugang bzw. die Trasse der Straßenbahn im Rahmen des Projektes Mobilitätsdrehscheibe wird in die Hangkante der Bahnflächen ein Einschnitt geschäffen, der durch die Straße gequert werden muss. Die Ausgestaltung des notwendigen Brückenbauwerks ist sowohl hinsichtlich der Gestaltung der neu entstehenden Plätzflache gegenüber dem Sebastian-Buchegger-Platz? wie auch in Hinblick auf Eingriffe in Bahnanlagen zu prüfen. Außerdem ist eine eventuell erforderliche Wendeschleife für die Straßenbahn im Umfeld des Sebastian-Buchegger-Platzes? auf die Erfordernisse der Straßenplanung abzustimmen.

* Ebenfalls im Zusammenhang mit dem geplanten westlichen Zugang müssen Möglichkeiten für das Parken von Kunden der Bahn bzw. den Bring- und Holverkehr geprüft werden.

* Die westlichen Gleisharfen der Bahn wurden hinsichtlich ihrer betrieblichen Notwendigkeit in der Vergangenheit in Frage gestellt. Aktuelle Aussagen der Bahn lassen eine Verfügbarkeit dei Flächen für eine Folgenutzung jedoch erst in einem längerfristigen Zeitraum als denkbar erscheinen. Dennoch müssen bei einer umfassenden Variantenuntersuchung neben Trassierungen entlang der Hangkante über der Rosenaustraße, mit der nur eine bedingte Verbesserung der Situation gegenüber dem Bestand erreichbar wäre, auch solche geprüft werden, die die heutigen Gleisfelder durchschneiden. Mit einer solchen Bündelung von Schiene und Straße auf der Nordostseite einer möglichen künftigen Nutzung wären optimale Voraussetzungen für einen entsprechenden Lärmschutz gegeben.

Das bisherige Straßennetz im Thelottviertel (Rosenaustraße, Perzheimstraße? und Holzbachstraße) wird nur untergeordnet an die neue Straße angebunden. Ziel ist die weitgehende Entlastung des Viertels.

In den im Rahmen der Projekte der Mobilitätsdrehscheibe angestellten Verkehrsprognosen für den Horizont bis 2025 sind die im Gesamtverkehrsplan enthaltenen Maßnahmen jeweils enthalten. Hierzu zählt auch die westliche Entlastungsstraße. Aufgrund der bei einem solchen Großprojekt zu erwartenden langen Planungsläufe mit einer Vielzahl an betroffenen Anliegern ist ein frühzeitiger Einstieg in die Planung notwendig."

2013 begann man mit dem Tunnelbau von der Halderstraße aus und entfernte im Umfeld des Sebastian-Buchegger-Platzes? während Vorarbeiten zum "Portal West" zahlreiche Bäume. Hier sollte die Straßenbahnlinie 5 aus dem Tunnel unter dem Hauptbahnhof durch das Rosenau- und Thelottviertel geführt werden. Ende 2013 bildete sich dageben jedoch Widerstand der Anwohner, die ein Bürgerbegehren gegen die Planungen organisierten.

Im November 2016 wurde die so genannte Entlastungstraße für die Rosenaustraße auf der Westseite des Hauptbahnhofs politisches Diskussionsthema, weil die Stadt Augsburg entgegen ihren früheren Äußerungen auf den Bau dieser Straße verzichten wollte. Geplant war die Straße als Neubau zwischen Senkelbach und Gögginger Brücke, um die Rosenaustraße zu entlasten. Angeblich hatten Verkehrsprognosen ergeben, dass ihr Bau entgegen früherer Planungen doch nicht nötig sei. Damit wollte die Stadt 50 Mio. Euro für die etwa einen Kilometer lange Straße einsparen. Außerdem wäre eine Lärmschutzwand, die Beseitigung der Kleingartenanlage Lotzbeckwiese? und die Abholzung von Bäumen auf der gesamten Straßenlänge nötig. Geplant war die Entlastungsstraße zunächst, weil durch den Umbau des Königsplatzes mehr Verkehr auf die Rosenaustraße verlagert wurde und 2016 etwa 23.000 Autos am Tag diese Straße nutzten. In der Aufgabe der Entlastungsstraße sahen viele Bürger des Thelottviertels? eine arglistige Täuschung durch die Stadt Augsburg, weil durch sie den Bürgern des Viertels der Bahnhofstunnel schmackhaft gemacht worden sei. Die Stadt Augsburg argumentierte, dass ein wichtiger Grund für die Entlastungsstraße weggefallen sei: Weil die Straßenbahnlinie 5 nach den damals jüngsten Planungen nur in einer Richtung durch die Rosenaustraße fahren sollte, sei die Kreuzung Rosenaustraße / Pferseer Straße auch in Zukunft leistungsfähig.

Details

Rosenaustraße 40: Dieses Gebäude war Ort nazistischer Verbrechen. Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten? war hier der Sitz der Schwäbischen Volkszeitung? (SVZ). Es war die Zeitung der Augsburger SPD, die schon 1869 bis 1871 die Zeitung Der Proletarier? herausgab. Von 1875 bis 1879 hieß das Augsburger SPD -Blatt Der Volkswille? und 1891 bis 1905 gab man die Augsburger Volkszeitung? heraus, aus der 1905 die SVZ hervorging. Schon vor ihrer Machtübernahme beschimpften die Augsburger Nationalsozialisten? die Schwäbische Volkszeitung? als "Rote Amsel". Im April 1933 stürmten sie unter Führung von Hans Loritz das sozialdemokratische Verlagshaus. Hans Loritz war bis zum Bekanntwerden seiner NSDAP-Mitgliedschaft ein Fahrer der SVZ, wurde dann jedoch entlassen. Nun nahm er furchtbare Rache, unter anderem an Clemens Högg. Er war damals der schwäbische Bezirksvorsitzende der SPD und hatte Hans Loritz entlassen, der KZ-Kommandant in Dachau, Esterwegen und Sachsenhausen war. In seiner Sachsenhausener Zeit als KZ-Kommandant forderte Hans Loritz seinen Feind Clemens Högg an und ließ ihn 28 Monate lang in einen Erdbunker sperren, der dem SPD -Politiker nicht einmal das Stehen oder Liegen ermöglichte. Clemens Högg erblindete in der Folge und verlor durch die Quälerei ein Bein. Clemens Högg starb bei der Evakuierung des Lagers Sachsenhausen im März 1945.

Lage


Weblinks


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